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Der Kohl ist rund

14. Januar 2018

Dies ist ein Beitrag zu „Let’s Talk About Vegs“ von Herrn Ackerbau in Pankow, wo ich mit Vergnügen lese.

Kurz vor Silvester habe ich auf dem Markt Rosenkohl gesehen. (Wie immer ist mir dabei mein Lateinlehrer eingefallen, der seinen Sextanerchen die Aussprache des geschlossenen o beizubiegen suchte mit „Mach mal’n Mund wie Rosenkohl!“)

Es war ein einzelnes Kohlröschen, die enggepackten Blätter makellos und hellgrün, ein Prachtstück, wie ich sie mit Butter und Zucker in der Pfanne schmurgeln würde; nur leider lag es in einer Kopfsteinpflasterlücke, ganz bedeckt von Regenwasser, auf dem es ölig schillerte.

Ein vegetabiles Kleinod, am letzten Markttag des Jahres aus der Nahrungskette gerutscht und nun unter Glas und Rahmen wartend auf den Kehrdienst oder auf die Ratten – mir ist, als müßt’s ein Gleichnis sein; doch mir fällt partout nicht ein, für was.

 

 

 

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9 Kommentare leave one →
  1. 14. Januar 2018 1:34

    Zweierlei: Dein Rôsenkôhlrezept tät ich echt gern erfahren und ach, das Bild! Das gefällt mir: Der Fall, der Sturz, aus der Nahrungskette. Nicht für den Rosenkohl, aber weil du ihn gesehen hast und ihn hier ehrst.

    Ich habe letztens übrigens Rosenkohl mit Spinattortellini an Gorgonzolasauce erfunden.

    Und dein Lateinlehrer zauberte mir vorhin ein Grinsen ins Gesicht.

    • 15. Januar 2018 0:13

      Als Kind fand ich Geschichten, in denen Gemüse, naja, lebte, immer besonders furchtbar. Da gab es ein Märchen namens „Kullermann“, von einer Erbse, die eben noch aus dem Topf springt … (Das immerhin hat ein Happy End.)
      Rosenkohl mit Gorgonzola, das paßt schon vokalisch prächtig!

  2. 14. Januar 2018 1:52

    Ich würde es das Gleichnis von der vollkommenen Erinnerung nennen. Der unvergessliche Latein-Rosenkohl hat sich selbst in der Straßenrinne einen Weg ins Vorderstübchen des Gehirns gebahnt, und mit dem Bild eines rosenkohlartig geformten Mundes gehe ich nun zu Bett. Ich werde es wohl auch nicht mehr vergessen, dein Lateinlehrer hatte Talent. ;-)

    (Ich höre meinen immer noch das morgendliche „Salve puellae“ schmettern. Lateinlehrer vergisst man nicht …)

    • 15. Januar 2018 0:20

      Meinen hatte ich sehr gern; ich freue mich immer, wenn mir wieder eine skurrile Geschichte von ihm einfällt (die ich als Kind gar nicht so skurril fand, sondern völlig normal).

  3. 14. Januar 2018 8:55

    Vielen Dank fürs Mitmachen! Rosenkohl ist ein bewundernswertes Gemüse und die Geschichte wirklich gleichnishaft. Das Rosenkohlpfannenrezept würde mich auch interessieren, wir haben ja noch ein paar Stangen im Garten.

    • 15. Januar 2018 0:23

      Gnihi. Bei der Vorlage …
      Den Rosenkohl in Salzwasser fast fertig kochen, dann halbieren und in Butter anbraten, am besten die Schnittflächen nach unten. Bißchen Zucker dazu, daß er karamelisiert; notfalls nachsalzen. Mjam.

  4. 14. Januar 2018 10:51

    Und das Runde muss ins Runde…

Trackbacks

  1. „Let’s talk about vegs“ oder: Moralinsäure ist kein Gewürz | Geschichten und Meer

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