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Zeiten wie diese

4. Februar 2017
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Ich bin Mensch. Menschen sind, global betrachtet, eine ziemlich schädliche Tierart, die sich für eine ganze Menge dessen, was sie tut, schämen muß (was sie kann, als eine der wenigen), aber es gibt auch menschliche Errungenschaften, auf die ich, als Mensch, stolz bin.

Da wäre zum Beispiel die Erklärung der Menschenrechte. Freiheit, Gleichheit und ein paar andere Annehmlichkeiten für alle, ganz gleich welcher Form, Konsistenz und Oberfläche. Gut, die Menschenrechte betreffen nur das Zusammenleben von Menschen und stecken in der Umsetzung oft in den Kinderschuhen, aber immerhin. Ein guter Anfang.

Leihnahme vom Herrn Wortmischer.

Leihnahme vom Herrn Wortmischer.

Wenn ein (gewähltes) Staatsoberhaupt gleich im ersten Fernsehinterview zu verstehen gibt, daß es auf Menschenrechte pfeift, dann hat es sich diskreditiert. Da müßte gar nicht noch hinzukommen, daß dieses Staatsoberhaupt auch Demokratie nur schätzt, solange sie ihm nutzt, und ansonsten das Gebaren eines Vierjährigen an den Tag legt.

Mich erstaunt, daß es gebildete Menschen gibt, die das als „Dämonisierung“ werten. Die o.a. Benehmen eines Würdenträgers rechtfertigen, ihm gute Absichten unterstellen oder doch zumindest verständliche Motive; die zur Verteidigung heranziehen: andere sind auch nicht besser (schwaches Argument); und die sogar sagen, so hoch solle man die Menschenrechte mal nicht hängen, es gebe durchaus Situationen, in denen man vernünftigerweise gegen sie verstoßen müsse. Auf jemanden, der letzteres vertritt, möchte ich nie, niemals angewiesen sein.

Das verbale Säbelrasseln befördert einen sozialen Klimawandel: Härte ist Stärke! Willkür ist Macht! Der Zweck heiligt die Mittel! Und wer was verdient, das bestimmen wir! Damit werden die Menschen eines Landes, einer Welt nicht gleich andere Menschen, doch die allgemeine Stimmung wandelt sich hin zu Angst, Mißtrauen, Egoismus, Selbstgerechtigkeit. Und allen, die noch jubeln: In einem System, das auf Menschenverachtung basiert, kann jeder Mensch, verschuldet oder nicht, plötzlich auf der falschen Seite stehen. Jeder kann mißliebig werden, mundtot gemacht, und sein Leben kann zerstört, ja, ihm genommen werden.

Ich wünsche den Kräften des Widerstands Durchhaltevermögen, Besonnenheit und kluge Streiter.

 

Verfaßt nach einer komplett eskalierten Diskussion in einem gern gelesenen Blog. Hier keine Trollwiese, daher: keine Kommentare. Ich bitte all die freundlichen Menschen, die sonst hier kommentieren, um Entschuldigung.

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  1. Gotcha! – Ein irrer Trip | Wortmischer

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