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Hic sunt dracones

31. Januar 2017

In der Frühe lassen wir den einst mondänen Rheinort Königswinter hinter uns. Da, sogar die Wegweiser sind kleine Bildhauereien! Mit Herrn G. stapfe ich durchs Nachtigallental, einem kleinen Bachlauf, verspielt gefroren, in die Höhen folgend. Oh, die Romantik! Herr G. zeigt mir eine Attraktion, von der schon unsere Eltern und Großeltern schwärmten: den Drachenfels. Schloß, Ruine, Aussichtsplattform, Zahnradbahn. Es ist eisglatt, der Himmel verhangen, Schloß Drachenburg hat Winterpause, aber trotzdem sind Karawanen von Menschen unterwegs, mit Wanderstöcken, joggend, mit Kindern, mit Reiseführern unterm Arm.

Was wollen die hier alle? — Was wir auch wollen. Erholung. Mal was anderes sehen. Das hier, erklärt Herr G., ist eines der allerersten Naturschutzgebiete; der Verschönerungsverein stammt von 1869. Ohne den hätte der Trachytabbau vielleicht nichts übriggelassen von dieser Landschaft, den sogar winterkahl noch anmutigen Bergelchen. Mit Eseln wurden Touristen hier hochgeschafft, per Bähnchen und natürlich zu Fuß.

Wir folgen den Menschentrauben mit ihren bunten Rucksäcken bis zum Gipfel, wo auch die Zahnradbahn an der Ruine Drachenfels hält. Oben Ruinenmauern, drangebaut ein Hotel aus den 1930ern, und gleich davor ein weiß und schwarzer Kunststein-Glas-Würfel, der die Landschaft spiegelt, effektvoll schlicht. Kaffee für dreifuffzich; wir verzichten.

Dann aber an der Aussichtskante: verhangener Winter. Als hätte jemand mit Rauch in Nebel gemalt, Wolken hinter Bergen hinter Bäumen hinterm Fluß, in der einen Ferne die Schneehöhen der Eifel, in der anderen das Städtekonglomerat um Köln. Und was qualmt da hinten so? Oh, die Braunkohle. Da hinten ist der Tagebau.

Auf dem Rückweg muß dann Kaffee sein. In Königswinter gibt es nicht mehr viel, aber eine Konditorei doch; da sitzen wir noch ein Weilchen und denken über unsere Vorstellungen vom Auenland nach. Wie viele Drachen das vertrüge. Wie viele Esel. Wie viele Touristen. Der Kuchen ist gut, und draußen strömt und strömt der Rhein.

Grau in Grau.

Grau in Grau.

 

 

 

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3 Kommentare leave one →
  1. 31. Januar 2017 11:51

    Wäre die Phantasie nicht!
    Danke für den Ausflug ins Auenland.

    • 31. Januar 2017 19:36

      Jeder hat seins … Mit Phantasie vielleicht mehr.

  2. 3. Februar 2017 8:47

    Sehr stimmungsvoll. Der Text und das Foto.
    Auch wenn meine Worte das jetzt nicht hergeben werden.

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