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Feuchte Luft

3. September 2017

Nässe von allen Seiten.

(Über den Regen hat der oft vermißte Magister Kraska alles geschrieben, was zu schreiben wäre.)

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Tristesse revisited

30. August 2017

Langjährige Leser werden sich an die Wandkunst mit der schönen Dame erinnern, die so traurig schaut.

Nun, ich war überrascht, sie wiederzusehen:

Im Nudelladen am Mainzer Markt.

Sie scheint inzwischen eine feste Stelle gefunden zu haben.

 

 

 

Willkommen & Adieu

28. August 2017

mz-zelt bfh-kirchturm2

Mainz hat einen neuen Bischof: Im Dom feierten die geladenen Gäste, draußen saß das Volk bei Weck, Woscht un Woi und schaute sich das Ganze auf Großleinwänden an. Schon am Tag zuvor war der Marktplatz von einem Zeltdach beschattet; fragte man, was hier los ist, erzählten die Informierten vom Bischof und die anderen irgendwas mit Deutschland sucht den Superstar.

Derweil hat eine Institution geschlossen: das Residenz/Prinzess-Kino ist nicht mehr. Schon bald wird es abgerissen und ein Wohnhaus hingebaut.

 

 

 

Frühstück für den Staubsauger

24. August 2017
tags:

Frühstück?
    Oh, das ist aber –! Nach Ihnen.
Folgen Sie mir zum Büffet!
Brötchen, das ganze Sortiment,
breit gestreut. In der Marmelade,
klatack, war wohl ein Kirschenkern —
verschlucken Sie sich nicht!
Bißchen Kaffee?
    Keine Milch, danke, aber Zucker gern.
Das prasselt so schön, wie Strandurlaub, nicht wahr?
    Oh, beim Käse passe ich; der
    macht mir immer Mundgeruch
    zwei Tage danach. Fast wie Knoblauch so schlimm.
    Aber sonst — ganz köstlich, wirklich!
    So, fertig! Die Platte geputzt! Jetzt könnte
    ich auch wirklich kein Krümelchen mehr …
Dann noch einen schönen Tag,
und: kehren Sie wieder!

 

 

(Aus der Rubrik: Wiedergänger aus dem Entwurfsordner.)

 

Schiefer und Kalk

21. August 2017

Bad Frankenhausen in Thüringen ist heute ein beschauliches Kurstädtchen. Renaissance und Barock, ein bißchen Fachwerk und viel 19. Jahrhundert machen den Stadtkern hübsch und ansehnlich. Des weiteren hat Bad Frankenhausen einen Kirchturm, ein Panorama und einen Wanderweg. (Natürlich hat der Ort mehr. Aber das war, was ich gesehen habe.)

Der Kirchturm, so wirbt die Stadt, sei „schiefer als der Turm von Pisa“. Die Kirche selbst ist längst Ruine, aber um den Turm haben sich die Bürger sehr gekümmert und viel Geld gesammelt, daß er ihnen nicht komplett umfällt. Auf den ersten Blick dachte ich: naja, schief ja, aber doch sooo schief nicht. Auf den zweiten Blick dann: uiuiuiui … Dieser Turm ist geneigt, in sich verzwirbelt und so gekippt, daß es dem Gedächtnis unplausibel scheint; deswegen erschrickt man jedes Mal, wenn man wieder hinschaut.

bfh-kirchturm bfh-kirchturm2

Von der Kirche führt ein Weg nach Norden hinaus aus der Stadt, hinauf auf den Schlachtberg. Der heißt nicht für nichts so: am 15.5.1525 endete hier eine der letzten großen Schlachten der Bauernkriege mit der elenden Niederlage der Aufständischen gegen die Söldnertruppen der Fürsten. Thomas Müntzer wurde gefangengenommen; er wurde – als geistiger und geistlicher Führer der Bauern – gefoltert und zwei Wochen später publikumswirksam hingerichtet. Die 8000 Aufständischen, die hier zumeist mit Sicheln und Sensen gegen die Landsknechte kämpften, wurden erbarmungslos erschlagen; der Weg hinauf auf den Berg heißt: Blutrinne. Ihn nehme ich aus dem Ort hinaus, zwischen Gärten hindurch in immer wilderes, karges Grasland.

Oben findet sich ein Monument aus DDR-Zeiten, geplant zum 450. Jahrestag der Schlacht von Frankenhausen: das Panorama-Museum, das Werner Tübkes gigantisches Rundgemälde beherbergt. Der Bau, die Scheibe einer ionischen Säule, ist ein faszinierender Fremdkörper in der Landschaft; von der Terrasse aus ist der Ausblick übers Land herrlich.

Das Panorama-Museum auf dem Schlachtberg.

Drinnen muß man gesehen haben. Das gewaltige Gemälde umspannt den ganzen Raum; die Farben, die menschlichen und phantastischen Figuren scheinen viel älteren Bildern entsprungen und erzählen den Reigen von Vision, Widerstand und Gewalt nach, der sich in der menschlichen Geschichte immer wiederholt. Ob man sich nun erklären läßt, was da zu sehen ist, oder nicht – um alles auch nur anzusehen, müßte man Stunden hier verbringen.

So viel Zeit habe ich nicht. Ich nehme den Lutherweg wieder in die Stadt hinunter, einen Wanderweg, tief in die Flanke des Bergs gegraben. Irgendwo muß ich vom Weg abgekommen sein; ich finde mich in einer Spalte wieder, eingezwängt zwischen grasigen Hängen. Der nackte Fels knirscht kristallin bei jedem Tritt und schimmert im Sonnenlicht, nicht einmal die Kiefern fassen hier Wurzel – ich bin froh um meine tüchtigen Schuhe. Jetzt, bei Tag, ist das hier wildromantisch. Nachts muß es zum Fürchten sein.

Später sehe ich: ich bin ins „Wüste Kalktal“ geraten, durch das Thomas Müntzer vom Schlachtfeld geflohen sein soll, ehe er dann unten in der Stadt gefaßt wurde.

(Bad Frankenberg hat natürlich mehr. Was allerdings fehlt, ist ein Bahnhof; wer die Sadt besuchen will, muß andere Wege finden.)

 

Hier Gedanken zu Tübkes Gemälde und einige Bildeindrücke.

 

 

Siegwandern

15. August 2017

Mal was Neues, schlägt Herr G. vor: Westerwald, Natursteig Sieg? Für frische Flüsse bin ich zu haben, und so brechen wir im Morgengrauen auf, Eitorf bis Herchen, 21 Kilometer und ein Kurcafé zum Schluß.

Wetter: durchwachsen; Strecke: schön.

Die Luft ist so naß, daß sie gerade so nicht als Regen zählt; Schirme sind zwecklos. Es riecht nach Herbst, und überall liegen Pilze, als hätte sie einer ausgerissen und umgedreht. Ich kenne sie nicht, aber Herr G. weiß Namen: Hexenröhrling, Hundsrute, Hexenei, Pantherpilz. Den allerschönsten Pilz zeigt er mir an einem geschnitzten Stumpf, ein gelblich glänzender Baumpilz, der duftet wie Orange und Honig. Leider ein reiner Ansichtspilz.

Der Wald öffnet sich immer wieder zu Ausblicken auf die nächsten und ferneren Hügelketten. Kulturlandschaft ist, was wir als schön empfinden; sanfter Wechsel zwischen Forst und Feldern. Kühe, wie sie englische Landschaftsmaler als Akzente in ihre Bilder setzten, rupfen vernehmlich Gras; zweimal sehen wir zwischen den Kühen einen Reiher, der Reißaus nimmt, sowie er sich beobachtet fühlt.

Der Weg kreuzt und quert …

Hm.

12. August 2017

Ich fürchte es schon länger, jetzt scheint’s so weit zu sein: bei WP kann ich mich offenbar nicht mehr über /wp-admin anmelden. Erst dachte ich: aha, also überhaupt nicht mehr; dann fand ich ein Hintertürchen bei Gravatar, und nun bin ich eingeloggt. Aber wer weiß, wie lange meine Frist ist, bis mir mein Zugang unterm Hintern wegmodernisiert ist.

Gibt es noch wen mit Schwierigkeiten, ...wordpress.com/wp-admin aufzurufen?

 

 

Naß

7. August 2017

Vom Nutzen des Bindestrichs (wenn nicht gleich der Zusammenschreibung).

Daß ein See naß ist, ist nur natürlich. Dieser See aber, ein künstlicher, heißt nach einem einstigen ägyptischen Ministerpräsidenten.

Seufz. Sieht man ihm gar nicht an.

 

 

 

Besuch im Basilikum

31. Juli 2017

Und diesmal sind es keine Blattläuse:

Erst war’s eine dicke grüne Raupe, jetzt ist es das hier. Wenn alles gut geht, wird es bald ein Falter.

 

P.S.: Weiß zufällig jemand, wie lang so ein Puppenstadium dauert?

 

 

Panoptikum mit Herrn G.

24. Juli 2017

Mit der Strecke sind wir schon ganz gut bekannt; neu ist die Zeit: Sonntag. Ausflugstag. Wo man das Abenteuer sucht. Und Sommer, wo das Wetter dem bequemen Abenteuer wenig entgegensetzt.

Der Wald ist wieder anders, die Nässe der letzten Tage hat Pilze schießen lassen. Welche man essen kann, weiß Herr G.; ich erkenne bloß den Riesenbovisten, der allerdings zertrampelt am Wegrand liegt. Himbeeren gibt es noch, und schon die ersten Brombeeren. Am Morgen haben wir den Weg noch fast für uns; gegen Mittag kommen die ersten Radfahrer, und dann, mit Eintritt in die Ehrbachklamm, wird’s bunt.

Klebriger Hörnling. Geschmack unbedeutend.

Was wir als wilde Landschaft kannten, wird heute bestiegen, begangen und besessen. Ganze Gruppen in professioneller Outdoorkleidung picknicken, hangeln sich wacklig über den schlüpfrigen Pfad, machen Selfies auf Brücken, während sie so tun, als schubsten sie sich gegenseitig ins Wasser. Herr G. und ich grinsen uns an: so eine schlechte Figur machen wir gar nicht auf den Felsen, im Vergleich.

Ein Männertrupp mit Weichspülerfahne; zwei Mütter und zwei Töchter, von ihrem Dackel tyrannisiert; begeisterte Kinder in ungeeigneten Schuhen. Da, das war bestimmt ein Zahnarzt und die junge Frau, die so übertrieben lacht, nicht seine. Und die beiden dort: eine Studentin, aus der Gegend gebürtig, die ihrem Berliner Freund was zeigt. — Wir überholen, weichen aus, nicken, lächeln und grüßen; das macht man so auf gefährlichem Steig.

Das allerletzte Stück ist wunderbar, steil – und einsam. Hier gibt es keinen praktisch gelegenen Parkplatz. Herr G. und ich atmen auf. Still folgen wir dem Pfad am Hang entlang, das Sommerabendlicht fällt weich durchs Laub, hier und da gibt es Ausblick. Einmal kommen wir an einer schlanken Eiche vorbei, mittig geknickt: fünf Meter Stamm stehen noch, der Rest mit der Krone neigt sich im spitzen Winkel zur Erde. Schau mal, sage ich zu Herrn G., der abgeknickte Teil hat wieder ausgeschlagen – und die Blätter sind zum Licht orientiert. Würde man den Stamm jetzt wieder aufrichten, zeigten die Blattunterseiten alle zum Himmel. – Einen Baum, sagt Herr G., bringt so leicht nichts um. Der Mensch ist wahrhaft gewaltig, aber so etwas könnte er nicht.

Die Busse in die nächste große Stadt übrigens gehen nur alle zwei Stunden. Es ist Sonntag, Ausflugstag. Wohl dem, der da ein Auto hat.