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Kein Bild

20. November 2017

War nicht mein Tag, und ich hätte die Kamera vielleicht daheim lassen sollen: Ich habe sie nur kurz abgelegt, um mein Gepäck ordentlich zu verteilen, und sie dann im Zug vergessen. Schon am Bahnsteig, der Zug war noch gar nicht richtig weg, fiel’s mir auf; die Kontaktummer für Fundsachen, die ich dann in einem Aushang las, begann mit 0900.

Ich erinnere mich gut, wie mir Derartiges mal in einem Zug eines Bahn-Subunternehmers geschah, in der Mittelrheinbahn auf dem Weg zu einer hübschen Wanderstrecke. Mein Hut, schon etwas mitgenommen, aber heiß geliebt, war in der Gepäckablage liegengeblieben. Ich fand am Bahnsteig eine Kontakt-Telefonnummer, rief an und hatte eine freundliche Dame am Apparat, die zwei, drei Fragen stellte, mich um Rückruf bat und mir dann sagte, ich möge eineinhalb Stunden später wieder am Bahnsteig stehen. Den Hut reichte mir der Zugführer dann aus dem Fenster des Führerhauses. Er lachte, ich strahlte; den Hut habe ich heute noch, die MRB in allerbester Erinnerung.

Nun also: 0900, oder Internet. Ich habe am Abend die Verlustmeldung im Netz aufgegeben, ein Formular ausgefüllt (Digitalkamera, Farbe: schwarz, wertlos auf dem Markt für Elektronik, mir aber sehr ans Herz gewachsen) und abgesendet. Noch in derselben Sekunde bekam ich eine Mail mit einer „Verlustmeldungsbestätigung“ und einer siebenstelligen Nummer, von der Fundservice DB AG (no reply).

Nun warte ich. Man kann nur hoffen.

 

 

 

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Umgestülpt: Das Flusensieb

6. November 2017

Früher war mehr Flusensieb; jedes Jahr umstülpen lohnt sich nicht mehr. Aber gelegentlich schaue ich schon noch rein in die Sammlung von Suchbegriffen, mit denen mein Blog gefunden wurde. Dazu zählten im vergangenen Jahr, nach Themenkreisen sortiert:

    Aktuelles und Lebenshilfe

humor abwesenheitsmeldungen
Also, ich würde das nicht so an die große Glocke hängen. Wenn Sie keinen haben, dann haben Sie keinen, und Schluß.

normaler text frohe weihnachten
Suchen Sie nicht weiter – frohe Weihnachten ist ein ganz normaler Text.

weihanchtlihce abwenseheitsntiz
Seien Sie froh, daß Sie überhaupt irgendwas gefunden haben. Aber trösten Sie sich —

unverbesserbar duden
Nicht mal Nachschlagewerke sind unverbesserbar. Andererseits wird mit Nachschlagewerk manches besser.

    Freizeit

aussicht rhein
Muß man gesehen haben! Gute Schuhe anziehen, morgens mit dem Zug ins Mittelrheintal, ein Stückchen den Rheinsteig- oder Rheinburgenwegschildern folgen. Lohnt bei jedem Wetter.

    Haushalt und Einrichten

trulli im kochbeutel
Tut mir leid, aber die werden nicht gekocht. Die werden gekalkt.

vogeltapete
Vermutlich mit das Schlimmste, was Vögeln zustoßen kann.

    Tierwelt

käfer der käfer auf den rücken dreht
Gemein. Wo bleibt der Käfer, der Käfer wieder auf die Beine stellt?

weißes felliges tierchen
Hm. Kommt auf die Größe an. Maus: Einfach ignorieren. Katze: Vorsicht, Gefahr durch Adoption. Eisbär: Schnell! Nix wie weg!

    Sonstiges

https://lakritze.wordpress.com/
Eine Suchmaschinenanfrage, die zu Hosenträgern Gürtel trägt. Das hätte Ihr Browser auch ganz allein gefunden.

 

 

Schöne Sachen XLVI

4. November 2017

Herbstversprechen.

Freitagstexter: Pokal, Pokal!

1. November 2017

Was macht ein Einwegrasierer an der Uferkante? Das war Aufgabe beim vergangenen Freitagstexter. Vielen Dank allen, die mitgedichtet haben!

Diesmal gingen, wenn ich recht zähle, acht Unterschriften ins Netz.

Bronze geht an la-mamma mit einem Werbeclaim, den ich gar nicht fertiglesen kann ohne Schaudern:
„Nie wieder lästiges Verhängen von Seeigelstacheln in Ihren Fußsohlen!“
Da hopst man innerlich in Sympathie mit über den Strand.

Silber geht an liuea für ihr poetisches Manifest:
ich rasiere solange zeilen in den fels, bis das wasser sie mir vergibt.
Ein schönes Bild: Gravieren und Schleifen, und die Zeit macht sowieso alles glatt.

Der große Goldeimer hingegen geht an den Herrn Wortmischer, der Popkulturzitat mit Mehrsprachigkeit kombiniert:
God shave the dolquin
Unrasierte Delphine hat Gott gewiß nicht gewollt.

 

God shave the dolquin

Tusch, Applaus, und wir sehen uns dann hoffentlich bald wieder in der Gedankenschmiede!

 

 

Postkarte vom Mittelrhein

29. Oktober 2017

Der Rheinburgenweg links des Rheins ist im Vergleich zum Rheinsteig drüben ein bißchen ruhiger, ausgeglichener, nicht gar so glamourös. Und meist auch nicht so überlaufen. Ich habe ihn gern, vor allem im Herbst. Von Boppard gehe ich flußaufwärts; in St. Goar gibt’s, wie ich weiß, Kaffee.

Das Land trägt neue Kleider.

Ich breche in aller Frühe auf. Die schleifenden Wolken machen mich erst glücklich und dann naß: der Morgen vergoldet sie, bevor sie regnen, und an ihnen hängt ein ganzer herrlicher Tag.

Hunsrück und Taunus liegen wie verbeulte Kupfer- und Messingpötte am Fluß; hier und da gibt die Sonne ihnen Glanz. Wo Wein wächst, leuchten Gelb und Rot. Lichter Eichen-Niederwald wechselt sich ab mit aufgelassenen Gärten, man sieht noch die Terrassenmauern und verwilderten Flieder. Kein Walnußbaum hat heute was für mich; ich frage mich, wie die Eichhörnchen das diesen Winter machen, ganz ohne Rucksäcke voller Proviant.

Weiter …

Freitagstexter: Der Bembel ist ein Bumerang!

27. Oktober 2017

Uuuund da ist er wieder, der Freitagstexter, nachdem ich bei Aurorula mit Außerirdischen punkten konnte (danke!). In einer neuen Runde geht es um den Digitalpokal, Ruhm und Ehre und darum, die nächste Runde auszurichten.

Die Regeln weiß der Herr Wortmischer (von dem auch all die hübschen Freitagstextergrafiken stammen). Das Bild steht unten, nackt & bloß; bis Dienstag um eins vor Mitternacht heißt es: Ring frei für lakonische Legenden, überbordende Untertitel, ausgefallene Einfälle, Fäuste auf Augen und irgendwas mit Eimern. Oder ganz was anderes! Und wer dann weiterbildern muß darf: Der Mittwoch bringt es an den Tag.

 

[Diesem Bild fehlt ein Text. Viel Vergnügen!]

 

(P.S.: Erstkommentare schalte ich frei, sowie ich sie finde.)

 

 

Herbstbunt

21. Oktober 2017

vh-ahorn vl-tintenfisch
Alles fällt. Jetzt auch die Temperaturen.

Reihen

16. Oktober 2017
tags:

So viele dieser Tage.

Du hattest einmal gesagt, Du freuest Dich darauf, älter zu werden; das würde vieles leichter machen.

Vielleicht werden wir älter mit für alle, die nicht mehr älter werden; manchmal fühlt es sich so an. Und es werden mehr, die fehlen. Ich wünsche mir und allen Lebenden Gutes und Leichtes.

 

 

 

 

(IV) Museumsmeckerei

10. Oktober 2017

Kuratorinnen und Ausstellungsmacher!

Großartige Exponate haben Sie da zusammengetragen. Und das Konzept — toll, wirklich. Stringent, mit Überblick und Vertiefung, auch an Kinder wurde gedacht, nix zu sagen. Museumsräume: herrlich, sowieso.

Eines aber macht mich fertig: Wer, zum Uhu, erstellt denn diese Schilder an den Exponaten? Bzw. wer tippt die Texte, bzw.: wer liest da nicht korrektur?! Immer wieder versuche ich mich in Toleranz zu üben, aber ab etwa Fehler Nr. 3 ist’s vorbei. Da können Type, Farbgestaltung, Beleuchtung noch so raffiniert sein – der Rundgang wird für mich zum Spießrutenlauf, die Texte verschwinden hinter der Rechtschreibung. Wie ein Weg, auf dem man nur die Schlaglöcher sieht und nicht das Panorama; wie eine Suppe voller Wacholderbeeren, die man so langzähnig essen muß, daß man nachher nicht weiß, wie sie schmeckt.

Nun bin ich Korrekturleserin, mir springen solche Sachen ins Auge. Und katapultieren mich aus dem Vergnügen knietief in die Arbeit … Déformation professionnelle. Es bin aber nicht ich, die mit Bleistift durch die Ausstellungen geht, auch wenn’s manchmal in den Fingern juckt.

Argh.

Bitte, liebe Verantwortliche: so teuer kann ein Korrektorat nicht sein. Leisten Sie sich eins, damit niemand durch eine Ausstellung gehen und denken muß: interessante Sache, aber doch ein bißchen lieblos gemacht.

Und damit Leute wie ich Ausstellungen entspannt genießen können. Ich würde mir dann sicher auch öfter den Katalog kaufen.

 

Zur Blogparade des archäologischen Museums Hamburg.

 

 

(III) Kultur mit Kindern

9. Oktober 2017

Die Märchenerzählerin nimmt kein Blatt vor den Mund: sie erzählt die alten Geschichten in der Sprache der Grimms, keine Kompromisse, keine Erklärungen. Ihr Publikum, ein ganzes drittes Schuljahr, sitzt auf dem Boden wie angenagelt, regungslos, mit offenen Mündern. Ich frage mich, ist das Aufmerksamkeit oder doch Überforderung?

Das erfahre ich, als die Märchenerzählerin die Geschichte unterbricht: Und was meint ihr denn, was das bedeutet: Er war liederlich und führte ein Leben in Saus und Braus? – Geld! Alkohol! Nix arbeiten, antworten die Kinder durcheinander. In eine kurze Stille hinein sagt ein Junge mit Grabesstimme: … Weiber!, und keiner lacht.

* * *

Die Sechsjährige ist sicher nicht das erste Mal im Museum, aber das erste Mal mit mir bei den Römern. Ich hatte eine halbe Stunde dafür veranschlagt (Erfahrung); nun sind wir schon anderthalb Stunden da und immer noch nicht durch. Schließlich setzen wir uns in eine Filmvorführung. Es geht um den Ausbruch des Vesuv; lesen kann die Kleine noch nicht, also lese ich ihr vor, daß der Mann in der Toga auf dem Schiff Plinius der Ältere ist, wie ihn sein Neffe Plinius der Jüngere beschreibt. Der Film läuft in Schleife; ich gehe schon in den nächsten Raum, die Kleine will noch ein bißchen bleiben.

Nach einer Weile steht sie fröhlich neben mir: Ich habe alles gesehen, gerade kommt wieder Plinius der Ältere! Die verwunderten Blicke der Leute um uns nimmt sie gar nicht wahr, und täte sie’s, sie wüßte nicht, wieso die Erwachsenen so gucken. Sie hat halt, herrje, einfach was gelernt.

* * *

Eine Gruppe Jungs steht am Waldrand. Acht, neun Jahre sind sie alt; im Alltag sind sie Großmaul, schwierig, Rabauke, anstrengend, Problemkind. Aber jetzt sind zwei Wochen Zeltfreizeit, da haben sie anderes zu tun. Meistens geht es gut mit ihnen. Jetzt gerade sind sie ganz und gar gebannt: Ein Reh ist aus dem Wald gekommen, direkt vor ihnen über den Weg gesprungen und über die Felder davon, schon ist es nur noch ein beweglicher Punkt in der Ferne.

Hast du das gesehen, sagt der lauteste von ihnen zu niemand bestimmtem, das Reh, das hat so gemacht; und dann imitiert er mit Hand und Arm so anmutig die Wellenbewegung dieser Flucht, daß die anderen ihn fast genauso bestaunen wie eben das fliehende Tier selbst.

 

Zur Blogparade des archäologischen Museums Hamburg.