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Gradfrühling

1. Februar 2020

Ganz neue Jahreszeit.

Wir gehen zu zweit – die Mitwanderin hat Schlimmeres zu tun – durch eine winterkahle Eifel ohne Schneedecke; im warmen Licht liegt das Land seltsam nackt. Selbst die Vögel singen verhalten, als trauten sie dem Braten nicht. Es fehlt, denke ich, an Verheißung. Kein Wunsch und kein Warten. Ohne Winter ist der Frühling nur die halbe Freude.

Später hinterlassen Herr G. und ich, wo wir gehen, Spuren. Der Weg hat sich als Schlamm in die Schuhe getreten; nun tragen wir ihn, Erdbrösel für Erdbrösel, in andere Gegenden und andere Zusammenhänge.

10 Kommentare leave one →
  1. 1. Februar 2020 19:15

    Was für ein poetisch-melancholisches Wanderresümée!
    Wie gern ich dich doch immer lese, echt jetzt.

  2. karu02 permalink
    1. Februar 2020 22:33

    Es sieht trotzdem schön aus, melancholisch und selbstgenügsam, eine Landschaft, die einfach nur i s t ohne gefallen zu wollen. Wäre doch alles so einfach und ließen sich die Zusammenhänge mit Erdbröseln füllen, damit alles gut wird.

    • 2. Februar 2020 13:01

      Selbstgenügsam, das stimmt für diese Gegend. (Alles gut – das wird wohl nichts. Aber vieles wieder besser?)

  3. Philipp Elph permalink
    2. Februar 2020 10:03

    Freuen wir uns über das, was da ist: REGEN oder Blitz und Donner wie in der letzten Nacht.

    • 2. Februar 2020 13:01

      Regen ist toll. Kommt hoffentlich wieder …

  4. Schnatzi Kowsky permalink
    3. Februar 2020 15:42

    Ich weiß nicht. Wenn ich solche Bilder sehe und die Jahreszeit berücksichtige, gehen ganz tief innen drin Alarmsirenen los. Es soll so nicht sein, und ich mag so nicht wandern. Es ist etwas Grundlegendes verloren gegangen, das wir vielleicht nie zurückbekommen. Ich sitze in Hamburg und denke, wenn es monatelang zehn Grad (!) kälter wäre, würde dies einer der schneereichsten Winter aller Zeiten sein. So ist es aber nun mal einer der regenreichsten und wärmsten Nichtwinter, und es regnet seit Wochen fast pausenlos. Ich bin einerseits froh, dass meine Kinder noch erleben konnten, wie eine verschneite deutsche Landschaft aussieht. Andererseits werden es deren potenziellen Kinder wohl eher nicht mehr selbst erfahren und müssen sich dann alte Videos ansehen. Und das ist ein Schmerz ganz nah an der Basis. Natürlich können wir uns anpassen, es bleibt ja nichts anderes übrig. Aber dass das zu meinen Lebzeiten passieren würde, hätte ich mir nie ausdenken können. Und ich bin wirklich phantasievoll, was Dystopien angeht.

    • 4. Februar 2020 10:36

      Punkt drunter.
      Darum gehe ich wandern: es ist zu sehen und zu spüren, daß etwas nicht in Ordnung ist. Es ist zehn Grad zu warm; wie vor einem halben Jahr auch schon. Noch erschreckender finde ich nur den merklichen Rückgang der Insekten. Wir leben in interessanten Zeiten; das muß betrachtet und beschrieben werden. (Prognostiziert ist es ja schon eine ganze Weile.)

    • 2. Juni 2020 6:43

      „Wir leben in interessanten Zeiten; das muß betrachtet und beschrieben werden.“ Das ist eine gute Motivation. Noch ein Grund mehr zu sagen: Bitte weiter wandern, weiter betrachten, weiter in schöne Worte fassen!

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