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Nur nicht kleckern

25. Juni 2019

Mosel muß, sage ich, und Herr G. stimmt zu. Aber vor der großen Hitze, wenn’s geht. Man ist ja keine Eidechse.

Als wir losziehen, ist Regen angesagt. Wir haben Schirme mit. Durch Trier brauchen wir eine Stunde, teils aus Schusseligkeit, teils, weil wir noch die Porta Nigra angucken. Daß Napoleon die nicht abgerissen hat, wundere ich mich. In die Basilika, sagt Herr G., hat er Pferde gestellt. Und Zwischenböden eingezogen, damit mehr hineinpassen. Naja, ist ja alles noch mal gutgegangen. Wir betrachten die barocken Schnörkel, mit denen das alte Tor mal zu einer Kirche zurechtgefräst worden war; die haben auch nicht geschadet.

Aus Trier raus ist es ungemütlich. Wir gehen bergauf an einer dicht befahrenen Straße entlang; das schlägt direkt auf die Laune, und wir sind froh, als wir endlich in die waldigen Hügel finden. Die Anspannung des Fußgängers in einer Autowelt bemerken wir erst so richtig, als sie abfällt.

Mosel, Saar, Sauer.

Dann ist der Weg Weg. Einfach Schritt auf Schritt; mal steigend, mal bergab, immer wieder mit schönen Sachen zu sehen. Die Erinnerung löst sich von den Straßen und gefährlichen Querungen und knüpft sich an Aussichten, die Hummelragwurz am Wiesenhang, eine Spitzmaus im Wegegrün, den Geocache, den wir aus Versehen finden. Wie jedes Mal staunen wir, wie schnell wir raus sind aus dem Täglichen; wie immer sind wir uns einig: das müßte man sich viel, viel öfter gönnen.

Und nun: Konz. Hier mündet die Saar in die Mosel, das Tal ist fruchtbar und freundlich und besiedelt seit der Steinzeit. Kann man verstehen, sagt Herr G. Aber die Straße in den Ort hinein zieht sich; wir folgen langen Unter- und Überführungen, queren Verkehrskreisel und kommen an drei Bahnhöfen vorbei. Eine Orgie von Verkehrswegen. Dazwischen kauern halbe und viertel Häuserzeilen aus verschiedenen Epochen, die man vergessen hat abzureißen. Je weiter wir reinkommen, desto moderner und massiver werden die Wohnblöcke; heutige Insulae, auf Parkplätzen und über Garagen errichtet. In Konz wird geklotzt, nicht gekleckert. Erschöpft wanken wir in ein Café. Dann machen wir uns auf die Suche nach dem Palast des Kaisers Valentinian.

Thermenrest Konz Kirche St. Nikolaus

Fündig werden wir einige Verkehrskreisel später auf einem Friedhof. Da ragt ein Mauerstück der Therme zwischen den Gräbern, ein Zahnstumpf aus Ziegelsteinen. Beim Bau einer Kirche wurden die Reste des Palastes entdeckt und erschlossen. Die Kirche ist ein Betonzelt mit Aussicht; drinnen steht die Orgel wie ein Chor Engel mitten in der Gemeinde.

Draußen aber ist ein Mauerbogen aufgebaut. Hier muß die äußere Palastmauer gestanden haben, und als wir herantreten, sehen wir endlich etwas: die Hügel, die sich um die Flußmündung zum Tal weiten, Siedlungen und Ackerland, hingebreitet wie ein Picknicktuch, Spielzeug für den Kaiser. Es ist schwer, den Blick davon zu wenden. Und das finde ich dann doch bemerkenswert, daß vom ganzen Palast nur die Aussicht erhalten geblieben ist.

Hinter Konz gibt es dann noch ein Stürmchen und Regen, später Pferdesteak und ein Glas Viez im Trockenen.

 

 

 

 

 

9 Kommentare leave one →
  1. 25. Juni 2019 11:38

    Dem Herrn G. gefällt ja nicht viel. Aber das Steak vom Pferd (habt ihr das vorher eingefangen?) war bestimmt richtig.

    • 25. Juni 2019 14:21

      Der Herr G. ist, was Bauwerke betrifft, wählerisch. Dafür kennt er jede Menge Pflanzennamen, das ist viel wert. Und das Pferd war klasse. Mit Knoblauch.

    • 25. Juni 2019 14:31

      Wusste gar nicht, das Pferde Knoblauch fressen.

    • 25. Juni 2019 15:10

      Die werden mit Knoblauch gefressen. .)

    • Herr G. permalink
      26. Juni 2019 11:54

      Wie gezz, den Herrn G. gefällt nich viel?

  2. karu02 permalink
    25. Juni 2019 11:58

    Freut mich sehr, etwas von Dir zu lesen. In all den Jahren, die ich zwei bis drei Wochen in Trier verbrachte, habe ich um Konz immer einen großen Bogen gemacht. Jetzt weiß ich auch warum. Alles ringsum ist es wert, erwandert zu werden, Danke für die Anregung, ich sollte dieses Jahr mal wieder hinfahren und …. wandern.

    • 25. Juni 2019 14:22

      Oh, schön; danke! Wr würden Dich auch mitnehmen, wenn Du Lust hast auf einen anderen Fluß.

  3. 25. Juni 2019 12:05

    Wie immer kein Wort zu viel, keines zu wenig. Außer vielleicht, samt Foto: Was war drin im Geocache? Hätte ein Wanderer zu Zeiten Valentinians eine Schatztruhe gefunden, hätte er doch auch berichtet.

    • 25. Juni 2019 14:25

      Es war unter den Caches einer der spartanischeren. In einer Wurzelhöhle gleich am Weg, also im Vorbeigehen erspäht; eine Tupperdose mit zwei Zetteln: ein Finderprotokoll und eine Nachricht, daß dies kein Abfall sei, sondern eben: ein Geocache. Wir hätten vor lauter Mangel an Begeisterung beinahe was reingelegt.

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