Zum Inhalt springen

Butter bei die Fische: Europa und das Meer

30. Juli 2018

Nach der Blogparade nun der Ausstellungsbesuch:

Den Neubau des Deutschen Historischen Museums kannte ich noch nicht; ein steinernes Kreissegment, mit Glas verzwirbelt, wie eine überquellende Filmdose. Drinnen ist der Stein glatt und abgerundet, das Raumkonzept auf angenehme Art verwirrend. Es führt eine Rolltreppe nach unten und, beim aktuellen Wetterbericht gewiß interessant, ins Kühle. Unbedingt warme Kleidung mitnehmen – ich zumindest mußte mich zwischendurch immer wieder aufwärmen gehen.

Schon die Übersicht über die Ausstellung zeigt: es ist kompliziert. Europa hat viel Küste, da gibt es viel zu zeigen. Einfach den weißen Linien auf dem Boden folgen und die Ausstellungsinseln besuchen: Mythos, Handel, Politik, Militär, Nautik … Wie sich das gehört, tritt das Thema immer wieder über die Ufer und streift Philosophie, Kunst, Kultur, Ethik. Die Entwicklung des Menschen mag an Land stattgefunden haben – am Meer ist er gewachsen; oft über sich hinaus.

Der zweite Teil der Ausstellung, und wer nur kurz kommt, müßte hier eigentlich den Schwerpunkt legen, befindet sich im Erdgeschoß. Hier geht es ans Eingemachte: Was machen wir Menschen mit dem Meer? Und wie ist das, wenn der gefährliche Weg übers Meer der einzig gangbare scheint, um Armut, Krieg, Repressalien zu entkommen? Detailliert erfahren wir zum Beispiel vom Schicksal der Auswanderer, die jahrhundertelang Europa verlassen haben, um in Übersee ein besseres Leben zu finden.

Geschichte wiederholt sich. Wir sind in der Pflicht, gelegentlich einen Schritt zurück zu treten und uns das zu vergegenwärtigen. Und nicht vergessen: die Vorzeichen können sich jederzeit wieder umkehren. Ebbe und Flut. Diese Ausstellung macht ein gigantisches Angebot an Geschichten. Eintauchen muß man selbst, und sich weitertragen lassen.

 

Deutsches Historisches Museum in Berlin
Ausstellung bis 6.1.2019, Eintritt unermäßigt 8€

9 Kommentare leave one →
  1. 31. Juli 2018 16:26

    Danke für den Tipp. Vielleicht ja durchaus mal ein Anlass für den Fischkopp, die Hauptstadt zu besuchen.

    • 31. Juli 2018 17:42

      Als Fischkopp doch sicherlich! Ich bewundere solche Mammutprojekte immer sehr; wie man ein solches Thema bändigen kann. Mitempfehlung: „Wanderlust“, ein Museum weiter. Sehr unterhaltsam.

  2. 31. Juli 2018 18:17

    Gefällt mir, wie du den Inhalt der Ausstellung mit Meeresbildern beschreibst. Lebe ja gleich um die Ecke und auch die Wanderlust müsste ich ja auch noch rein… aber heute geht’s zum Schlachtensee zum Abkühlen.

    • 31. Juli 2018 19:55

      Wetten, im DHM ist es kälter! Zumindest im Neubau. Der alte ist schon durchgeheizt.

  3. Carmilla DeWinter permalink
    6. August 2018 23:52

    Oh ja. Und wer den Audioguide leiht: mehr Zeit mitbringen. Allein für das untere Stockwerk braucht es über 90 Minuten.

    • 7. August 2018 11:31

      Ha, danke für die Zusatzinformation! Über Audioguides kann ich meist nichts sagen, ich mag die Dinger nicht und meide sie daher.

    • Carmilla DeWinter permalink
      7. August 2018 22:41

      Gern doch. Meine Mum, die mich begleitet hat, fährt voll auf die Dinger ab, und manchmal sind sie echt cool (Museum Barberini, Potsdam), und manchmal ist schneller gelesen, zumindest für mich (die Meer-Ausstellung).

  4. 13. August 2018 12:23

    Da muss ich dann wohl auch mal hin, danke für die tolle Beschreibung. Vielleicht schaffe ich es ja noch vor dem Segeln im September …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.