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Mit Herrn G. Büffet

17. Juni 2018

Ein bedeckter, feuchtkühler Sommertag ist wie gemacht zum Wandern: da kann man unverbrannt durch die Felder gehen, und das Wasser im Rucksack reicht gewiß. Man kommt, so dachten Herr G. und ich, gut voran und hat sogar noch Atem übrig.

Bild des Tages.

Zum Beispiel fürs Frühstück. Die nächste Bank nehmen wir, sage ich und habe schon den Rucksack in der Hand, da sehe ich Bremsen auf mir landen, fünf allein auf meiner Vorderseite. Leuchtendgraue Zweiflügler mit nur einem Ziel und Stechwerkzeugen, die durch Kleidung dringen. Wah! Rucksack wieder auf, Tempo beschleunigen, hie und da mal zuhauen und nicht stehenbleiben, bis wir das Bremsengebiet verlassen haben, denn, das wissen wir, ihre Stiche sind die Hölle, und mir fallen mindestens drei böse Geschichten von Infektionen ein.

Der Tag schreitet voran, die Feuchte bleibt, und mit ihr bleiben die Bremsen. Essen ist nicht. Müssen wir die Karte konsultieren, schaut einer auf das Blatt, wärend der andere wedelt und zuschlägt, wo nötig. Von Bremsen beschleunigt, witzeln wir; aber, ganz im Ernst, so allmählich reicht es. Wir reden über Insektenrezepte. Sowie wir langsamer werden, umschwärmen uns die Hungrigen. Von den Mücken nur die Weibchen, das hilft aber auch nicht. Wo sind die Schwalben, wenn man sie mal braucht? Wo ist die Bremsenbremse?

Schrecklich gerne würde ich bei den wilden Kirschen bleiben, aber Schweiß und Fleisch und Blut – wir sind eine Attraktion, sagt Herr G. Da sind zum Beispiel diese winzigen Fliegen, die uns als Schwarm folgen. Stechen tun sie nicht, immerhin. Aber die Mücken: Woher, fragt Herr G., wissen die, in welche Richtung unsereins gucken kann?!

Ich bin einmal schneller gewandert, da waren wir in eine Treibjagd geraten. Diesmal sind wir selbst die Beute. Im Vorübertraben sehen wir: ein Waldeichhorn, eine Handvoll Rehe, Wildschweine mit einer Kaskade Frischlinge, ein paar Aussichten (genauer weiß man’s nicht) und einen Maulbeerbaum, über und über behangen mit glänzenden Früchten.

Ganz erschlagen und halb verhungert fallen wir am Ziel in ein Café. Wir haben Zeit; nur, bitte, bloß nicht draußen sitzen. Wir wurden schon gegessen.

(Die Zecke, die mich erwischt hat, finde ich erst am Tag darauf.)

16 Kommentare leave one →
  1. 17. Juni 2018 11:49

    Ich brenne doch so gern. Den Bremsen wäre ich aber auch davongeeilt. Hoffentlich zeckenfreie Grüße aus dem Zug von einer Wanderung

    • 17. Juni 2018 12:04

      Ich habe einen neuen Hut, der dürfte der Sonne ein paar Zähne ziehen. Trotzdem ist strahlendblauer Himmel für meine Zwecke das schlechtere Wetter. Zeckenfrei? Ich drücke Daumen! Das sind Mistviecher.

    • 23. Juni 2018 19:59

      Jetzt habe ich auch einen neuen Hut. Für eine etwas andere Sonne. Mal sehen.

  2. 17. Juni 2018 12:12

    Leben in der Natur!

    • 17. Juni 2018 12:38

      Haha, Herr G. stand im Wald und schimpfte: Scheiß-Natur!, und ich wußte genau, was er meint. Man ist halt nicht gern Nahrung.

  3. 17. Juni 2018 12:15

    Oh nein! Ihr Armen!

    Hoffentlich bleibt nix von der Zecke.

    (Ich hatte neulich 7 (!) und erst am nächsten resp. übernächsten Tag gefunden.)

    • 17. Juni 2018 12:37

      Ach du liebes bißchen … Da wünsche ich Dir dasselbe.

  4. 17. Juni 2018 16:32

    Unter den geschilderten Umständen mag ich momentan nicht in die Wälder. Bremsen und Zecken, vielseitige Fiesigkeiten!

    • 17. Juni 2018 16:40

      Ich höre Klagen auch von anderen. Scheint ein wahrhaft gutes Bremsenjahr zu sein. Ich freue mich schon auf den Winter, wenn man … naja. Andere Probleme hat. .)

  5. 17. Juni 2018 16:43

    Zecken sind so ein Traum(a).

    • 17. Juni 2018 16:49

      Ärgerlich, die Biester. Am ärgerlichsten, daß man dafür nicht mal in den Wald muß — ein Garten, ein Park, ein Parkplatz reicht da schon.
      (Interessant fand ich, daß Zecken die Borrelien loswerden, wenn sie Eidechsen stechen. Aber wie kriegte man das flächendeckend hin?)

    • 22. Juni 2018 11:57

      Wo haben Sie das mit den Eidechsen her? Klingt sehr interessant, kann ich mir nicht erklären, wüßte gerne mehr. Ich finde Parasiten immer interessanter, je mehr ich darüber lese, just neulich im Atlantic https://www.theatlantic.com/science/archive/2018/06/what-tapeworms-really-want/563189/ mit sehr interessanten weiterführenden Links.

  6. 17. Juni 2018 20:22

    Ohne eine Autan-Abreibung betrete ich nicht mal unseren Schrebergarten, geschweige dann dass ich wandern würde. Bin aber auch allergisch gegen Mückenstiche, da wird man rigoros.
    Ich hoffe, die Zecke hat nichts Übertragbares hinterlassen!

    • 17. Juni 2018 21:59

      O-ha, Allergie, dann besser noch Moskitonetze und Insektengitter dazu …
      Letzteres hoffe ich auch. Aber man weiß es ja immer erst später.

  7. 17. Juni 2018 21:08

    Beschleunigt durch Bremsen? Genial!

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