Skip to content

Winterknochen

14. Februar 2018

Unter blauem Himmel ist der Weg aus dem Tal nur halb so steil, der Wind nur halb so scharf, wenn er Sonnenlicht vor sich herbläst. Wie schön: aus dem kahlen Wald treten, und die Landschaft fächert sich in die Ferne, golden und grün. Die Wolken liefern sich Freundschaftsrennen und tuschen dabei eilige Flecken auf die Hügel; Hasel und Weiden blühen, staubgelbe Abzeichen an den schwarzen Waldsäumen; Meisenrufe schlagen zehn Grad drauf auf die gefühlte Temperatur. Hier aber und da, in Feldgräben, hinter schrägen Schollen und Grasbüscheln aus dem letzten Jahr, hat sich der Schnee verschanzt.

Winter’s bones, weiß Frau Amsel ein Wort dafür: was übrig bleibt, wenn dem Winter der Atem ausgeht und das Fleisch wegschmilzt; was noch lange liegt, wenn die Schlacht längst geschlagen ist und langsam Gras über die Sache wächst. Knochen aus Schnee, snow-bones, schmutzigweiß und irgendwann nicht mehr zu sehen, aber nie, argwöhnt man, ganz und gar vergangen unterm Grün.

 

 

(Immer noch keine Fotos. Aber ich arbeite dran.)

 

Advertisements
10 Kommentare leave one →
  1. 14. Februar 2018 19:47

    Winterknochen, das ist schön. Hier hat der Winter noch Haut und Haare über den Knochen, es ist nochmals alles weiß und so kalt wie noch nie in dieser Saison, grausam kalt. Aber sonnig. Und damit ist alles zu ertragen.

    • 14. Februar 2018 20:10

      Na, das hätte ich gern gehabt, einen Winter mit Haut und Haaren und Haaren auf den Zähnen. So ein paar Wochen lang, damit die Zecken eins aufs Dach kriegen. War aber nicht, nicht in diesen Breiten. — Ihnen Sonne über Sonne!

    • 14. Februar 2018 22:18

      Das Wetter ist ja so wechselhaft. Ob die Zecken hier schon eins aufs Dach bekommen haben? Ich bin mir nicht sicher, würde es mir aber auch wünschen.

      Ihr Wunsch „Ihnen Sonne über Sonne“ ist einer der schönsten, die ich je erfahren habe. Herzlichen Dank!

  2. 14. Februar 2018 19:51

    In kahle Wälder mag ich nicht gehen, höchstens über dick Schnee mit Sonne drüber.
    Ja, Winterknochen. Meine sollen warm bleiben. In windlosen Ecken im Hof geht es schon…

    • 14. Februar 2018 20:13

      Oh, solche mag ich! Zwischen Bruchsteinen, mit einer Decke für die unbesonnten Körperseiten und Nasensonnenbrandpotential.

  3. 15. Februar 2018 2:03

    Winterpoesie vom allerfeinsten. Und mich fröstelt ein bisschen, weil dein Text so sinnlich ist.

    • 15. Februar 2018 17:05

      Danke! Ich kam sehr rotnasig heim. .) Aber erstaunlich, wie viel leichter sich die Kälte trägt, wenn nicht auch noch ein Wolkendeckel drauf sitzt.

  4. karu02 permalink
    15. Februar 2018 15:43

    Immer noch keine Fotos, aber wunderbare Bilder, die im Kopf entstehen.

    • 15. Februar 2018 17:06

      Danke; trotzdem, trotzdem. Ich vergesse so viel schneller, wenn ich nichts im Bild festhalten kann.

    • karu02 permalink
      15. Februar 2018 19:14

      Das kommt mir sehr bekannt vor… ;-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.