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Neuer Wald zum neuen Jahr

3. Januar 2018

Rockenhausen, hat schließlich Irgendlink vorgeschlagen. Also: Rockenhausen.

Die Pfalz kenne ich von früher, zumeist hinter Scheiben von Autos oder Ausflugsgaststätten. Da kamen Mitschüler her; da fuhr man durch und an Wochenenden vielleicht Schaubergwerke gucken. Jetzt gehe ich wandern mit einem Pfälzer und einer Schweizerin: Soso kann den Weg auf dem Telefon verfolgen (ich bin fasziniert, ich kann bloß Papier), Irgendlink hingegen hat einen bärtigen Mann im Kopf, der mit Tusche und Feder die interne Karte beständig aktualisiert. Ich glaube es sofort; wir gehen immer richtig.

Ich muß lachen, als Soso die Pfalz Flachland nennt; aber ja, klar. Ich beginne mir alle meine Landschaften aus der Sicht der Alpen vorzustellen. Haha, 500 Meter! – Trotzdem bleibt bergauf bergauf. Dann öffnet sich der Wald, und oh, auch 500 Meter und bedeckter Himmel können Aussicht: vor uns breitet sich das Land zum Rhein und weiter, in den dunstigen Fernen schwimmen Oasen von Sonnenschein, grün und golden, wie Miniaturmalereien in Bleiwüste. Lichtschäfte verbinden sie mit den Wolken: Frau Sonne trinkt Regen, nennt Soso das.

Burg Falkenstein ist auch schön, sind wir uns einig, steinerne Fensterrahmen um die Aussicht. An der Gaststätte steht zwar, daß sie geöffnet hätte, aber das ist gelogen. Wir essen draußen, bis uns kalt wird. (Könnte eine Definition von Winterwandern sein: zu kalt für Äpfel.) Dagegen hilft nur: einen Schritt schneller; aber mit Vorsicht. Die Straße durchs Dorf Falkenstein hat 25% Gefälle.

Auf der Strecke sammelt Irgendlink Kunst. Immer wieder identifiziert er Werke von MudArtist Heiko Moorlander, den die Pfälzer Erde sehr zu inspirieren scheint. Und war hier nicht auch der Schinderhannes aktiv? Es heißt doch immer, im Wald, da sind die Räuber, aber sonst fallen uns nur Seeräuber ein. Und, zu drei Vierteln Mythos, Robin Hood.

Das gäbe dieser Wald heute nicht her; der ist eher aus der Serie „Schlechte Verstecke“. Aber der Wechsel zwischen offen und baumbestanden, die Wellen und Hügel und der dicke Donnersberg, das alles fällt mittig in meine Kategorie „schön“.

Es ist wie mit dem Propheten im eigenen Land – wenn’s da, wo man’s schon ewig kennt, schön ist, ist man immer ganz entgeistert. Muß ich noch mal, die Pfalz. Und besonders gern: Kunst beim Werden zugucken. Und Geschichten aufsammeln.

(Gruß an Herrn G., der nicht mitkonnte, aber Christstollen gestiftet hat.)

 

Hurra, Soso hat sogar Bilder!

 

 

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17 Kommentare leave one →
  1. 3. Januar 2018 17:05

    Bilder bitte! Von Lichtschäften. Und nein: Der Schinderhannes trieb sein Unwesen im Hunsrück. Und wenn man die Hunsrücker fragt, ist das keine Pfalz. Großer Unterschied, auch sprachlich. Geköpft wurde er allerdings in Mainz. Die Pfalz sehen und sterben.

    • 3. Januar 2018 17:11

      Ein paar wenige Bildchen gibts bei mir drüben. Darf ich bitten? https://sofasophia.wordpress.com/2018/01/03/ruine-falkenstein-du-schoene/

    • 3. Januar 2018 17:18

      Merci vielmals.

    • quercus permalink
      4. Januar 2018 10:17

      Der Mannefriedrich wurde in Heidelberg geköpft, er war manchmal in der Pfalz, auch ein berühmter Räuber.
      Selbst aus der Eifel, finde ich die Pfalz wunderbar, manchmal für mich im Sommer wie Toskana!

    • 4. Januar 2018 10:34

      Mannefriedrich! Danke, das ist was zum Hinterherrecherchieren. Und: Eifel hab ich auch gern, die legt sich wie eine Theaterkulisse. Aber, stimmt, ganz anders.

  2. 3. Januar 2018 17:10

    … und was für leckeren Christstollen, samt der Geschichte seiner Entstehung.
    Ein wunderbarer Text ist das, poetisch, nach Wald durftend und fast so, als wäre ich dabei gewesen.
    Mein Blogartikel ist da weit profaner, dafür mit ein paar Bildchen gewürzt.
    https://sofasophia.wordpress.com/2018/01/03/ruine-falkenstein-du-schoene/

    • 3. Januar 2018 17:35

      Oh, tausend Dank! Der Abendfrieden hat mich gefreut, den hatte ich schon wieder vergessen. Nicht aber all die teppichgefüllten Kofferräume … nie wieder werde ich Autos auf Feldwegen sehen wie zuvor. Hach!

    • 3. Januar 2018 18:31

      Ach diiieee! Gefährlich-gefährlich!

  3. 3. Januar 2018 19:11

    da war ich noch nie: Rockenhausen als blogger-Treffen mit Wanderschuh

    • 3. Januar 2018 19:12

      Haha, das wäre ein Ding! Da gab es vor vielen Jahren ein Festival, Motto: Rocken & Hausen …)

  4. 3. Januar 2018 21:08

    Im Pfälzer Wald war ich an einem der Feiertage. Der hauseigene Bayer war leider nicht dabei, so dass ich ihn nicht mit der Nase darauf stoßen könnte, was ich gerne getan hätte.

    • 4. Januar 2018 0:38

      Jaja, Steigung ist Steigung, egal ob sie auf 500 Meter oder auf zwoeinhalb Kilometer führt …
      (Und, weil’s bei Ihnen drüben nicht geht, hier: „Geht auch ohne“ scheint mir ein Motto, dem viel mehr folgen sollten. Das könnte der Welt guttun.)

    • 4. Januar 2018 2:01

      Komisch, dass Sie bei mir nicht mehr kommentieren können. Ich habe keine Ahnung, woran das liegen könnte.

    • 4. Januar 2018 10:24

      Das liegt ausschließlich an meinem seltsamen Rechnersystem, das mit keinem redet. Ist nicht so tragisch, ein Weg findet sich ja manchmal doch; und solang ich lesen kann …

  5. 4. Januar 2018 1:13

    Feines Wanderziel mit komischer Zu-Einkehrdings.Mit unseren kleineren Kindern waren wir dort und mussten höllisch aufpassen, weil sie damals doch sehr zum Klettern neigten. Die Gaststätte war damals schon zu, leider. Man muss halt auf Wegzehrung bedacht sein.
    Neujahrsgruß von Sonja

    • 4. Januar 2018 1:35

      Ich kann die Kinder verstehen; Klettern wäre toll gewesen, wär’s nicht Januar. Doch, schön da! – Neujahrswiedergruß!

Trackbacks

  1. Ruine Falkenstein, du Schöne – Sofasophien

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