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Alle Jahre früher

24. November 2017

Es wintert, finstert und dezembert wieder.
Und wie die Tage täglich kürzer werden,
so häufen sich die üblichen Beschwerden:
Schon sträuben Engel güldenes Gefieder,

schon jingelt es, schon tönt’s und schallt’s, schon funkeln
die LEDs und blinken grell und bunt;
auf Weihnachtspyramiden geht es rund,
Geschäfte streuen werbend Licht im Dunkeln.

Jetzt kommt die Zeit, in der ich mich verkrieche.
Bis wirklich Weihnacht ist, bin ich längst müd
und froh, wenn ich kein Spekulatius rieche,

wenn weder Wein noch Zwenzkranzkerze glüht.
(Und wenn wir wirklich wieder etwas feiern,
dann frühestens das Fest mit diesen Eiern.)

 

 

31 Kommentare leave one →
  1. 24. November 2017 20:11

    Fein!
    Mein privater Trost gegen das Immerfrüher: Noch vor der Heiligen Nacht werden die Tage bereits wieder länger werden.

    Gruss vom jenseitigen Ufer des grossen Stroms

    • 24. November 2017 20:16

      Oh, das ist in der Tat erfreulich. Vor allem, daß es wieder wechselt; ich mag das an unseren Breiten. Wiederrübergrüße!

    • 24. November 2017 22:03

      Ich sollte Sie alle zusammen (oder nacheinander) am großen Strom besuchen. Zugegeben, das hat nun nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun, aber der Gedanke kam mir eben bei Herrn Ärmels Formulierung.

    • 24. November 2017 22:02

      Das ist auch mein Trost!

    • 24. November 2017 22:56

      Lieber Zeilentiger, nur zu! Der Herr Ärmel und ich werden uns sicher einig, wer welchen Teil der Fremdenführung bestreitet. .)

      Rotewelt, das ist das Beste, finde ich. Es bleibt nie, wie es ist; der Jahreslauf macht aus einer ganz verschiedene Landschaften.

    • 25. November 2017 0:15

      Lieber Zeilentiger, da hat die Frau Lakritze aber sowas von ins Schwarze getroffen.
      Ich versichere Ihnen, dass Sie sich in unseren Breiten und in Begleitung der genannten Gastgeber nicht eine Minute langweilen werden.

  2. 24. November 2017 20:12

    Groß! Möchte sagen, auf dem Level von: „Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer /
    die Försterin im Herrenzimmer.“
    Allein das rhythmisch optimierte Wörtchen „Zwenzkranzkerze“ verdient mindestens denselben Literaturpreis, den Mr. Dylan für seine Verslein eingeheimst hat!

    • 24. November 2017 20:20

      Hihi. Erwischt. Ich habe das nur gemacht, damit das Wort Zwenzkranz, einst von eimem Kleinkind in der Familie erfunden, mal in ein festes Versmaß gerät.
      (Und ich sehe bei der Gelegenheit, daß der Drittelroman nun doch heranwächst — wünsche Glück!)

    • 24. November 2017 22:04

      Ach ja, die Loriot-Version bleibt unübertroffen!

  3. karu02 permalink
    24. November 2017 21:30

    Ist mir gereimt aus dem Herzen gesprochen. Den Zwenzkranz würde ich gerne übernehmen, wenn auch nur als Wort.

    • 24. November 2017 21:41

      Haha, den gebe ich gern weiter. (Ich fände den Winter viel schöner, wenn er nicht zur Hälfte aus Weihnachtsrummel bestünde …)

    • wardawas permalink
      25. November 2017 13:25

      Im Saarland gibt es die Scherzfrage nach dem einzigen deutschen Substantiv mit drei „z“ – Antwort: Azvenzkranz … ;-)

  4. 24. November 2017 22:01

    Den Zwenzkranz kannte ich bisher auch nicht! ;-) Ansonsten finde ich auch, dass es immer früher losgeht und zu Weihnachten gibt’s in den Supermärkten kein Weihnachtsgebäck mehr, weil es die Leute wie blöde ab September kaufen. Zu all dem Kommerzzeugs fällt mir auch nix anderes ein, als mich zu verkriechen und zu warten, bis der Konsumterror und das heuchleriche Christkindgetue am 27. Dezember alles wieder vorbei sind.

    • 24. November 2017 23:00

      Es ist ganz schön lang her, daß die Advents- als Fastenzeit begangen wurde. Aber das ist natürlich nicht besonders, hm, konsumfreundlich …

  5. 24. November 2017 22:04

    Bin ich froh, dass der Blick nach draußen mir nur Dunkelheit zeigt.

    • 24. November 2017 22:09

      Ich finde es ja schon schön, dass die mehrfarbigen blinkenden Puffleuchten aus den Fenstern verschwunden sind.

  6. 24. November 2017 22:14

    So so nett! Chapeau!

    • 24. November 2017 23:15

      Danke! .) Wenn’s um Sonette geht, muß man ja eigentlich hier schauen. Da sind sie makellos.

  7. 25. November 2017 1:19

    Weihnachtsmärkte sind mir ein Kraus, da fühlte ich mich als Single immer schön einsam.

    • 25. November 2017 15:29

      Ich mag Weihnachtsmärkte nicht. Auf meinen täglichen Wegen müßte ich über zwei; das heißt: fünf Wochen Umwege.

  8. 25. November 2017 10:41

    Meine Rede … Klasse in Worte gegossene Gedanken!

    • 25. November 2017 15:29

      Sollte eigentlich ein Haushaltssonett werden, wurde dann aber keins. .)

  9. 25. November 2017 21:58

    Als ich den überraschenden Sprung von den Beschwerden zu den goldenen Engel las, gefiel mir das so gut, dass ich nach unten scrollte um zu schauen, wo du es entliehen hast. Mindestens Tucholsky hätte ich erwartet. Aber alles selbstgemacht. Wie gut!

    • 26. November 2017 20:50

      Kategorie Reim-dich-oder-ich-freß-dich. Danke für den Blumenpott, jedenfalls.

    • 26. November 2017 22:54

      In Berlin sagt man:Lassen se man die Blumen im Potte. War aber wirklich gut -noch’n Gedicht, bitte

    • 27. November 2017 18:17

      Ha, nur zu! Dann könnten wir eine Sammlung „Unfroher Schall“ machen. „Gedichte zum Ende von Jahren“.

    • 27. November 2017 18:37

      Gerne! Am besten als Hörbuch ;-)

  10. 26. November 2017 20:09

    Mein katholischer Onkel kann nicht mehr laufen, entstaubt trotzdem hingebungsvoll sein Krippchen, truschelt sein Weinchen, weint über sich und totes Mütterlein, das Ännchen – was war die immer so böse, gerade zu Kindern, immer weiter, ach und ach, zum Glück weit weg.
    Frau Lakritze fand vortreffliche Worte, wieder mal!
    Gruß aus dem vielleicht bald Rheinhessischen Sibirien

    • 26. November 2017 20:52

      Oh, das ist aber auch ein eindrucksvolles Weihnachtsgedicht. Hu! Und Sibirien: dann gäb’s Schnee statt Regen, das fände ich schön.

  11. 1. Dezember 2017 19:02

    Ich glaube ja immer noch, manche Leute zählen einfach ab dem ersten Advent … 57 Wochen lang bis zum Fest des nächsten Jahres (letztes Jahr habe ich was drüber geschrieben: https://aurorula.wordpress.com/2016/12/03/kurzgedanke-licht-nr-57/ ). Was ich nicht weiter schlimm finde, solange sie mich damit in Ruhe lassen.

    Jedenfalls meutert meine Familie, wenn ich ihnen beim Festessen nicht ein ähnliches Gedicht aufsage (gerne auch mehrfach!), das ich vor zehn Jahren mal aus dem Internet geklaubt habe (Autor leider unbekannt):

    When the snow falls wunderbar
    All the children happy are
    When the Glatteis in the street
    And we all a Glühwein need
    Then you know: es ist soweit!
    She is here, the Weihnachtsszeit!
    Every Parkhaus is besetzt
    Weil the people fahren jetzt
    All to Kaufhof, Mediamarkt, …
    Having nearly Herzinfarkt
    Shopping hirnverbrannte things
    And the Christmasglocke rings:

    Merry Christmas, merry Christmas!
    Hear the music, see the lights!
    Frohe Weihnacht, frohe Weihnacht,
    Merry Christmas allerseits!

    Muttern in the kitchen bakes
    Schoko-, Nuss- and Mandelkeks.
    Daddy in the Nebenraum
    schmückt a Riiiiieeeesenweihnachtsbaum.
    He is hanging auf Lamettas
    When he from the Leiter bretters!
    Finally the Kinderlein
    To the Zimmer dürfen rein
    And it sings the family
    Schauderhaft: „Oh, Christmastree“.
    And ein jeder in the house
    Is packing die Geschenke aus:

    Merry Christmas, merry Christmas!
    Hear the music, see the lights!
    Frohe Weihnacht, frohe Weihnacht,
    Merry Christmas allerseits!

    Muttern finds unter the Tanne
    Eine brandnew Teflonpfanne.
    Daddy gets a Schlips and Socken
    Everybody does „Frohlocken“
    … ‚ til Muttern in the kitchen runs:
    Im Ofen burns die Weihnachtsgans!!
    And so comes die Feuerwehr
    With Tatütata daher
    And they bring a long, long Schlauch
    Bring a lange Leiter auch
    Then they schreien: Wasser, Marsch!
    Christmas is now in the –

    Merry Christmas, merry Christmas!
    Hear the music, see the lights!
    Frohe Weihnacht, frohe Weihnacht,
    Merry Christmas allerseits!

    Ich habe der Mischpoche mal einen ganze Adventskalender voll ähnlicher Texte gebastelt, aber um „When the Snow Falls Wunderbar“ komme ich trotzdem kein Jahr drumrum, das ich Weihnachten (mit)feiere.
    Strickschal.

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