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Hitze. Noch ein Versuch

20. Juli 2017

Ich sitze im halben Dunkel und atme flach. Ich heize mit 100 Watt, das ist mir schweißtreibend bewußt. Wenn ich die Augen schließe, kann ich den Sommer spüren, wie er sich durch die Straße wälzt und gegen die Gebäude drückt.

Der Sommer belagert mein Haus. Auf den Fensterbänken steht er mit der Stirn von außen an den Scheiben, flirrt mit Fliegen oder Funken oder heißer Luft; er bohrt Finger in den Fensterkitt und späht gleißend durch die Vorhänge. Von innen sind die Mauern kühl – noch. Doch draußen hat der Sommer glutvoll die Flanken an den Stein gepreßt, daß der Mörtel reißt.

Lang wird das nicht mehr gehen, dann ist er durch die Wand.

Schon jetzt hat sich die letzte Kühle in den Schränken versteckt; öffne ich in der Küche einen um ein Trinkgeschirr, fällt mit dem Glas ein Hauch angenehmer Luft aus dem Fach und über meinen Arm, kostbar wie Seide, wie die Nachtstunden dieser Jahreszeit rasch aufgelöst.

 

[Einer Einladung zum Spielen kann ich auch bei größter Hitze nicht widerstehen. Prosaischer als der Herr Solminore, aber mit Knicks!]

[Und: Frau Trippmadam weiß sehr genau, wann die Hitze am größten ist.]

 

 

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10 Kommentare leave one →
  1. 20. Juli 2017 17:57

    Ich öffne die Fenster nur noch nachts.
    Dein Text ist herrlich heiß. Man müsste sich solche Texte als Bettflaschen für kalte Tage aufheben.

    • wardawas permalink
      21. Juli 2017 9:18

      Wie die Maus Frederick im Kinderbuch die Farben des Sommers sammelt…

    • 21. Juli 2017 9:27

      Frederick! Das wollte ich auch sagen. Als Kind hatte ich das sehr gern.

    • 21. Juli 2017 11:03

      Ich auch … 😊

    • 21. Juli 2017 11:12

      Die Maus Frederick! Die hatte ich ja völlig vergessen, das ist aber traurig.

  2. S(tef)unny permalink
    20. Juli 2017 18:37

    So schön ! So Sommer!

  3. joulupukki permalink
    13. August 2017 11:09

    Ich mags ja, die Hitze! Man muss ich ihr halt einfach hingeben und sich nicht dagegen wehren. Dann gehts besser.

    Aber du kannst beim nächsten Hitzeschub (der sicher erst nächstes Jahr kommen wird) ja mal die Sitali Atmung versuchen: man drehe sein Zünglein zu einem Röllchen, strecke es zwischen den Zähnen aus dem Mund und atme durch das Zungenröllchen langsam ein und durch die Nase wieder aus. Das kühlt. Und wenns nicht kühlt, besteht immer noch die Chance, dass man sich die Zunge abbeißt, dann kommt man in die Notaufnahme und die ist sicher klimatisiert.

    • 14. August 2017 15:55

      Ha, wenn ich mir das bis zur nächsten Hitze merken kann, probiere ich’s natürlich aus.
      (Und: schön, Dich mal wieder zu lesen! Auf Deinem Blog!!)

Trackbacks

  1. Hitze | Geschichten und Meer

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