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Vom richtigen Umgang mit Nachrichten

10. März 2017

Die Nachrichten jagen einander und bereiten derzeit mehr als üblich Schmerzen, und lieber heute als morgen zöge ich ganz hinter den Mond. Doch Rettung kommt aus Helsinki: das finnische Radio Yle bringt Nachrichten auf Lateinisch, zum Hören und zum Nachlesen im Netz.

Der Latinist Tuomo Pekkanen und sein Kollege Reijo Pitkäranta vollbringen das kleine Wunder, aktuelles Weltgeschehen in lateinische Vier-Minuten-Beiträge zu verwandeln, die einmal pro Woche wunderschönst und mit schnarrendem Akzent verlesen werden. Das Alter der Sprache merkt man den Nachrichten nicht an; die Redakteure schaffen es, auch unhandliche Modernitäten plausibel zu übersetzen.

Es klingt beruhigend, man versteht angenehm wenig, und selbst wenn es heißt: Trump Obamam accusat, kann man sich vorstellen, man säße in der Schulbank, gleich wird es klingeln, und man darf hinaus, in die Sonne.

Wärmste Empfehlung: Nuntii Latini vom finnischen Radiosender Yle.

 

 

 

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31 Kommentare leave one →
  1. 10. März 2017 15:57

    Das ist fantastisch! Ich will auch Nachrichten auf Latein hören, oder wie du hinter den Mond. Bonum idea!

    • 10. März 2017 16:05

      Für so einen herrlichen Unfug (oh, nutzlos im schönsten Sinn der Sache) habe ich ein Herz.

    • 10. März 2017 16:08

      Oh, ich auch! Intelligenter Humor ist das Beste, kommt aber nur selten vor. ;-)

  2. 10. März 2017 16:03

    Leider habe ich nicht einmal das kleine Latinum.

    • 10. März 2017 16:05

      Mh, mit Meßdienervergangenheit klingt das vielleicht auch alles noch mal ganz anders …

  3. 10. März 2017 16:03

    Danke für diesen Link, so gelacht habe ich über üble Nachrichten noch nie !

    • 10. März 2017 16:06

      Jede Absurdität der Geschichte paßt in eine lateinische Konstruktion, ist das nicht schön?

    • 10. März 2017 16:23

      Ich fand schon bei Caesar bewundernswert mit wie wenigen Worten sich dramatischste Sachverhalte auf Latein lapidar formulieren lassen, wo das arme Schülerlein auf deutsch mit verschachtelten Nebensätzen ringt.

  4. 10. März 2017 16:21

    herrlich gelacht habe ich grade. man sollte doch einmal öfter den standpunkt ändern und dinge aus der anderen position betrachten.
    ich danke dir für diesen lichten moment zwischen all dem grau. 🙋😁 liebgrüß

    • 10. März 2017 16:37

      Ich finde auch, da beschäftigt sich mal jemand mit den wichtigen Dingen und benutzt die aktuellen Nachrichten dazu, Latein zu verbreiten. Ein dreifaches Hach!

  5. 10. März 2017 16:29

    Sehr schön, kann ich mal wieder üben. Gallia est divisa in partes tres, quarum unam incolunt belgae. So oder zumindest so ähnlich begannen die „Nachrichten“ in der Schulzeit.

    • 10. März 2017 16:42

      Und wie das klingt! Gerolltes r, korrekte Vokal- und Konsonantenlängen — so schön hörte sich das in der Schule nicht an.

    • 10. März 2017 16:52

      Tja, das Finnische hat ein schön gerolltes r

  6. 10. März 2017 17:04

    Die spinnen, die Finnen! – ?? – – Keineswegs, Nachrichten in Latein wirken geradezu diätetisch.
    Und wenn zwischen den Nachrichten Musik erklingt, sagen wir Elvis in Latein, gesungen von Jukka Ammondt, dann wird aus „It’s now or never“ eben „Nunc hic aut numquam“.
    Kann man im Internet geniessen.
    Ungewöhnlich? Keineswegs, schliesslich singt M.A. Numminen ja auch Wittgenstein.

    • 10. März 2017 17:06

      Hach! Ich fand auch gut, daß der Redakteur lateinische Texte für eine Jazzband schreibt. Und Numminen ist sowieso, naja. Numminen.

  7. 10. März 2017 17:10

    Tolle Idee das. Danke dir!

    • 10. März 2017 17:24

      Es tröstet enorm, daß es Leute gibt, die so etwas machen. Geht in Richtung Kunst, finde ich.

  8. Philipp Elph permalink
    10. März 2017 17:21

    Früher war mehr AcI, Gerundium und Gerundivum.

    • 10. März 2017 17:27

      O-ha!
      Einen AcI hatte ich entdeckt; aber klar, das Latein ist geradlinig.

    • 11. März 2017 14:05

      Haha, ich bekomme gerade den Hinweis: viele Gerundiv-Konstruktionen, sogar mit Vorzeitigkeit, und indirekte Rede; also durchaus anspruchsvoll.

  9. wardawas permalink
    10. März 2017 18:26

    Der Lehrstuhl für Altphilologie der Universitas Saravipontana (vulgo Saarbrücken) pflegt unter dem Titel Vox Latina auch eine wunderschöne Webseite, teilweise auch „audibile“:

    Videte hic: http://www.voxlatina.uni-saarland.de

    • 10. März 2017 18:41

      Hihi! Sehr schön. (Die Fabeln sind entzückend.) Danke für den Hinweis; ich kannte das gar nicht. (Latein als Wissenschaftssprache wär doch wieder was, jetzt wo die Amerikaner keine Wissenschaft mehr finanzieren …)

  10. karu02 permalink
    10. März 2017 19:39

    Das kommt gerade recht in Zeiten des Nachrichtenüberdrusses. Es hat mir immer leid getan, nicht Latein gelernt zu haben, aber so ist es es auch gut das meiste nicht zu verstehen. Danke für diesen Hinweis.

    • 11. März 2017 9:46

      Der finnische Latinist zumindest behauptet, Latein sei sehr viel einfacher als Finnisch (das glaube ich sofort), und es würden auch weit mehr Menschen Latein sprechen als Finnisch (da weiß ich nicht recht, aber die Vorstellung ist hübsch).

    • karu02 permalink
      19. März 2017 20:25

      Finnisch und Ungarisch halte ich für unlernbar, es sei denn, man ist dort geboren.

  11. 11. März 2017 3:09

    Diätetisch bei Nachrichtenüberdruss, wie in Kommentaren bereits erwähnt, scheint mir treffend zu sein. Ich klicke mich bei zu viel an Nachrichten aus der elektronischen Zeitung, im (Internet-)Radio zu einem anderen Sender. Künftig werde ich auch mal zu Radio Yle klicken!
    Danke für diesen erfrischenden Beitrag,
    FEL!X

    • 11. März 2017 9:54

      Danke fürs Vorbeilesen. Und viel Spaß mit den Finnen!

  12. 11. März 2017 16:35

    Diese Hyperboreër wieder… :-)

  13. 11. März 2017 21:22

    Wie klasse ist DAS denn!!!
    Als junges langes Latinumdingelchen verliebte ich mich in einen Grenoblefranzosen. Er konnte weder Deutsch noch Englisch, ich kein Französisch- also unterhielten wir uns radebrechend aber alles Nötige verstehend auf Lateinisch! Eine Freude, die mir unvergessen bleibt!

    • 11. März 2017 21:38

      Oooooh! Allein für diese schöne Geschichte hat sich der Blogeintrag gelohnt. Das ist ganz wunderbar, danke!

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