Skip to content

Höchste Eisenbahn

3. August 2016

Am Bahnhof von Boppard am Rhein nehme man ab Gleis drei das blaue Bähnchen nach Emmelshausen. Es fährt, so steht es im Prospekt, die steilste fahrplanmäßig betriebene Strecke ohne Zahnradantrieb: die Steigung beträgt sechs Prozent. Die fünfzehn Kilometer Bahntrasse sind über weite Strecken in oder durch den Fels gesprengt und auf Stelzen über die engen Täler des Hunsrücks geführt; schaut man aus dem Fenster, sieht man Wald, Wald, Wald. 1908 war die Eröffnung; heute ist dieses Stück der letzte Rest der einstigen Hunsrückbahnen, 2009 wieder in Betrieb genommen.

Im Netz stehen Beschwerden: sooo toll sei die Fahrt gar nicht, man sähe ja nicht eine einzige Eisenbahnbrücke. Merke: Die Schienen sieht man besser von außerhalb des Fahrzeugs, und dafür gibt es einen Hunsrückbahnwanderweg. Viele Leute machen es so: sie fahren von Boppard bis Buchholz und gehen am spektakulärsten Teil der Strecke entlang zurück. Kein Spaziergang; festes Schuhwerk ist vonnöten. An jedem Viadukt, an jedem Tunnelmund steht eine Bank.

Steil durch den Wald.

Steil durch den Wald.

Möchte man es anders machen und von unten hochgehen, so hat damit niemand gerechnet – der Hunsrückbahnwanderweg ist eigentlich nur talwärts ausgeschildert. Bergauf muß man hinter die Bäume schauen, um nicht allzu häufig in die Irre zu gehen. (Merke: Umwege erhöhen die Ortskenntnis.)

Sollte man an einem Sonn- oder Feiertag zwischen 9:30 und 12:30 Uhr in Emmelshausen anlangen und zwei Euro übrig haben, so besuche man das Hunsrückbahnmuseum in der einstigen Güterabfertigung: Da haben einige Eisenbahnenthusiasten eine Sammlung zusammengetragen, die ihresgleichen sucht. Schalter, Schilder, Eisenbahnliteratur, Ausstattung von Zügen und Stationen sind in der schönen Halle ausgestellt. Die größte Freude für alle, die die Hunsrückbahn von früher kennen: man darf vieles anfassen und ausprobieren.

em-scheininsaekt em-museum em-wandern em-bahnbaenke em-schild

Nach einem Café sucht man in Emmelshausen allerdings vergeblich. Also entweder Selbstversorgung oder in Boppard. Aber wenn mehr Besucher kommen, wird vielleicht auch das wieder.

Advertisements
7 Kommentare leave one →
  1. 3. August 2016 20:08

    Klingt ja sehr nach Guckengehenwollen. 😊

    • 3. August 2016 20:10

      .) Liegt, etwas rheinabwärts, quasi an der Strecke!

  2. karu02 permalink
    3. August 2016 20:10

    Weder wusste ich etwas von dieser „Hoch“-Bahn noch etwas über Scheininsekten. Beides ist sehr interessant, nur leider kann ich hier gerade nicht weg.

    • 3. August 2016 20:17

      Das ist so schade wie verständlich; die Scheininsekten gibt es aber sicher auch am Niederrhein.

  3. karu02 permalink
    3. August 2016 22:03

    Ich habe noch keines gesehen, werde ab jetzt aber darauf achten.

  4. 5. August 2016 18:58

    Wieder etwas gelernt: Scheininsekten. Sobald man etwas weiss, sieht man es auch. In Galizien (Spanien, aber in Polen vermutlich genauso) gibt es sie ebenfalls :-) Danke!

  5. 15. August 2016 15:35

    Wald, Wald, Wald. Ein bisschen viel davon, auch wenn die Brücke dazwischen sehr hübsch aussieht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: