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180 Grad (gefühlt), Ober- und Unterhitze

21. Juli 2016

Es ist der heißeste Tag des bisherigen Sommers in einer der heißesten Gegenden des Landes, und da stehen wir, Herr G. und ich, in unseren Wanderstiefeln und mit unseren Rucksäcken, und suchen nach dem Weg. Auf die andere Moselseite müssen wir, wo die Sonne schon auf uns wartet.

Der hat man am Steilhang Lustgärten gebaut, wie die Sonne sie eben liebt: sahareske Wüsteneien. Kein Grün, nicht ein Halm, außer den Reben, und die so schlank, daß sie kaum ihre Nachbarn beschatten. Übermannshohe Mauern fangen die Hitze ein, speichern sie und geben sie im Schwalle wieder von sich. Die Luft wabert. Da müssen wir durch, und zwar nach oben.

Schritt für Schritt für Schritt. Es ist wie Treppensteigen ohne Stufen. Und ohne Geländer, natürlich. Die Hitze schubst uns, so zum Spaß: ob wir aus dem Gleichgewicht kommen? Kommen wir nicht. Wir sind ja noch frisch. Ich denke an die Wasserflasche im Rucksack und male mir aus, wie das Wasser sich darin bis zur Untrinkbarkeit erhitzt.

Endlich oben: schmal ist der Schatten, kurz die Rast. Dann geht es weiter, die Hutkrempe gegen die Sonne gestemmt. Rebreihe um Rebreihe um Rebreihe. Man müßte den Schiefer knacken und springen hören wie Grillkohle, wenn der Schweiß zu Boden tropft. Die Aussicht ist gefährlich: die Mosel da unten liegt zur Hälfte im Schatten. Ich erwäge einen Kopfsprung …

Plötzlich fragt Herr G.: Was ist das denn?, und ich will schon rufen, eine Fata Morgana: ein blendendweißer Kubus an der Absturzkante zwischen den Reben. Ein Herd, ein altes Modell mit Backofenfächern und Eisenplatte und Emaildeckel, Röder heißt er. Und er gleißt. Herr G. hebt prüfend den Deckel, doch, alles echt, und sehr heiß. Von der verrosteten Platte flüchtet eine Handvoll Eidechsen, sicher knusprig.

Der Moselsteig, stellen wir fest, vereint Sonne, Stein und Steillagen. Was aber dem Wein behagt, kann dem Wandern abträglich sein. Das nächste Mal sieht uns die Mosel nicht vor dem späten Herbst, vielleicht auch erst im Winter wieder. Und würde jetzt bitte jemand den Deckel vom Herd wieder schließen?

 

Mit einem Gruß an Soso und Irgendlink, die einen südlicheren Flußweg nehmen, mit anderem Wetter vielleicht.

 

 

 

 

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26 Kommentare leave one →
  1. karu02 permalink
    21. Juli 2016 21:36

    Dafür ist es im Winter dort richtig kalt.

    • 22. Juli 2016 8:03

      Im Kalten wandere ich gern. Da ist alles knackend frisch, man hat Aussicht (kein Laub im Blickfeld), und in der Sonne sitzen wird ein ganz eigenes Vergnügen. In der Hitze ist es anders schön, aber die ganz anstrengenden Touren mag ich da nicht machen.

    • karu02 permalink
      22. Juli 2016 19:32

      Verstehe ich sofort. Ich kann es gar nicht mehr, mein Kreislauf macht dann schlapp. Ich war 20 Jahre lang jeden Sommer für 2 – 3 Wochen in Trier. Ich dachte, es liegt im Süden. Bei gutem Sommerwetter kann es südlicher gar nicht sein. Ich war mal im Winter eingeladen und bin hier ohne Mantel losgefahren. Seitdem weiß ich, wie kalt es auch sein kann.

  2. 21. Juli 2016 21:38

    Puh, ich habe schon beim Lesen Durst und Schweißausbrüche bekommen…

  3. 21. Juli 2016 21:56

    Mir kann es ja nicht zu warm sein. Aber zum Wandern habe ich lieber kühles Wetter.

    • 22. Juli 2016 8:07

      Ja, weite Strecken lieber bei niedrigen Temperaturen. Ich glaube, im Sommerurlaub würde ich auch eher nach Norden reisen. Bei Hitze werde ich träge und schlafe nachts schlecht.

  4. Philipp Elph permalink
    21. Juli 2016 23:04

    Guter Vorgeschmack auf meine Tour in 4 Wochen. Danke!

    • 22. Juli 2016 8:09

      Oh! Mosel? Welchen Abschnitt? Schöner geht es ja eigentlich kaum; die Gegend ist erstaunlich. Ich wünsche Abkühlung zur rechten Zeit!
      (Und falls Du den Herd im Weinberg noch findest, machst Du ein Bild? Meins ist nichts geworden.)

  5. 21. Juli 2016 23:11

    ich bin heute richtig gerne mitgewandert!

    • 22. Juli 2016 8:09

      Danke! Ich hoffe, Du hast was Kühles zu trinken und einen Baumschatten für die Rast.

  6. 22. Juli 2016 8:11

    Hach, wie gerne ich das mit solidarischen Gefühlen gelesen habe!
    Danke fürs Bewidmetwerden.

    (Hier backen wir gerade in der für eine Nacht gemieteten Ferienwohnung die noch feuchten Kleider trocken. Bin somit sehr froh um den Backofen!)

    • 22. Juli 2016 8:28

      Ach, schön, wenn ein Gerät seinen Zweck erfüllt …! Ich wünsche weiterhin Backöfen nur an den richtigen Stellen. Kommt gut weiter!

  7. 22. Juli 2016 8:15

    Hat dies auf rebloggt und kommentierte:
    Hach, es gibt ja noch andere, dir schwitzend bloggen und wandern!
    Danke, Frau Lakritze.

  8. 22. Juli 2016 8:41

    ich mache mich ebenfalls an die 180 grad ober- und unterhitze, allerdings mit wähen backen, trotz hitze, die sich jetzt schon vor dem ofen staut.

    • 22. Juli 2016 8:43

      Uff! Backen an Tagen wie diesen … Was Wähen sind, weiß ich noch nicht, das werde ich gleich mal maschinensuchen. Mögen sie gelingen!

    • 22. Juli 2016 9:03

      möglicherweise kuchen? jedenfalls dünnen teig auf blech – früchte auf teig – eier-quark-guss darüber und ab in den ofen! lieber gruss. barbara

  9. wardawas permalink
    22. Juli 2016 9:11

    Wir sind letzten Sonntag den „Brunnenpfad“ im Ensheimer Gelösch bei Saarbrücken gewandert, eingedenk der Hitze schlappe zehn Kilometer und immer unter Wipfeln und an zehn kühlenden Brunnen vorbei. Aber: keine Rose ohne Dornen: aus dem feuchten Unterholz schwirrten Scharen von Kuhbremsen und jubelten über frischen Blutnachschub…Wie man’s macht…

    • 22. Juli 2016 9:22

      Autsch, autsch! Bremsen sind des Teufels. Ich hoffe, sie hatten keine allzu hohe Trefferquote … (Ich sag’s ja. Der Winter ist die ideale Reisezeit!)

  10. 22. Juli 2016 18:34

    Ein Sonnenschirm zum Wandern ist ein guter Partner.

  11. 8. August 2016 12:03

    ich bekenne, dass ich auch bei 40 grad wander…. ja, ja…..dusche auch gerne warm!!!:)

    • 8. August 2016 13:05

      Nee, da gehöre ich eindeutig zur Sonnenschirmfraktion.

  12. 8. August 2016 13:08

    :))))

  13. 9. August 2016 22:02

    Herrlich, das ist herrlich. Quälend heiß, na gut, aber hier ist es seit Tagen KALT. Und da ist mir Wandern in glühender Hitze doch lieber.

    • 10. August 2016 8:29

      Noch ist der August nicht rum, ich habe noch alle Hoffnung, daß der Sommer auch den Süden erreicht. Bis dahin: Wandern in Wolle!

    • 15. August 2016 9:24

      Gestern, ja gestern war ein Tag voller Sonne, wie ich ihn mir nicht hätte anders wünschen können. Ich habe nachts nachgeglüht von dem Licht. – Heute Gewitter dort auf den Bergen, wo ich einen nicht so sehr oft gesehenen Freund treffen wollte.

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