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Postfraß

15. Juli 2016

Sagen, wie’s ist:

Befleckt, durchstoßen, offen, leer.
Umreifung gelöst.
Zerrissen, zer- oder eingedrückt.
Lose Verschlüsse.
Verschmutzt/durchnäßt:
Nässe durch externe Einflüsse entstanden
Nässe stammt vom eigenen Paketinhalt
oder (man weiß halt nicht) nicht bestimmbar.
Kein Defekt.
Kein Defekt, doch Klirrgeräusche.

[Zutreffenden Zustand bitte ankreuzen.]

 

Sehr geehrter Paketdienst,

heute sollte mein sehnlichst und seit Tagen erwartetes Paket eintreffen. Ich war außer Haus, also hatte ich im Geschäft nebenan gefragt, ob man es dort annehmen könnte, und jemanden organisiert, der es vor Ladenschluß für mich abholen würde. Im Laden hatte man ebenerdig Platz freigeräumt, und auch der Abholer war, dem Stadtverkehr zum Trotz, pünktlich vor Ort.

Womit ich nicht gerechnet habe, ist, daß der Zusteller den leuchtend gelb neben meinem Klingelschild prangenden Zettel ignoriert und das Paket einfach wieder mitnimmt. Ich kann es in zwei Werktagen bei meiner Postfiliale abholen. In zwei Werktagen aber ist der Zug abgefahren, der Käs gegessen, der Drops gelutscht.

Ich habe nun allerhand zusätzliche Kosten, ich habe Freundschaften strapaziert, und ich hätte das Paket morgen gebraucht. Dringend. Ich werde morgen keinen guten Tag haben.

Ich sehne mich nach den Zeiten zurück, in denen mehr gelesen wurde. Zum Beispiel Zettel von Zustellern.

Mit mühsam beherrschten Grüßen.

 

 

 

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20 Kommentare leave one →
  1. 15. Juli 2016 9:40

    lesen können können nicht alle, vielleicht wäre dieselbe botschaft als strichcode «gelesen» worden – auf post-moderne zeiten, mit liebem gruss. barbara

    • 15. Juli 2016 9:41

      Da bin ich natürlich nicht drauf gekommen! Nächstes Mal male ich Balken.

  2. 15. Juli 2016 10:08

    Was für ein Ärger aber auch!
    Viele Paketzusteller haben keinen Funken Zeit und manchmal auch nur zwei Funken Sprach- erst recht nicht Lesekenntnisse. Die sind arm dran – aber du nun auch, ach näää.

    • 15. Juli 2016 10:12

      Ja, wenn sie die Leute ordentlich bezahlen täten und nicht mit Sub-Subunternehmern gute Deals abschlössen. Ist aber auch ärgerlich: Ich sehe hier kaum einen Zusteller mehrmals. Das war mal anders, da kannte die Paketfrau das Annahmesystem in der Straße. Lange her.

  3. 15. Juli 2016 10:29

    Manchmal ist es fein wie ich auf dem Dorf zu wohnen. Wo die Postfrau noch zu Weihnachten und Ostern Schokolade bekommt.

    • 15. Juli 2016 15:00

      Das erzählte mir eine Freundin aus einer anderen Stadt(!) auch. Achach.

      Nachtrag: So was gibt’s auch.

  4. 15. Juli 2016 11:10

    Da hätte ich mich auch grüngeärgert – aber wie Wildgans sagt, die Post hat nicht die besten Kräfte eingestellt. – Was habe ich hier für ein Glück – es kommt immer der selbe Postmann. Da ich sehr oft zu Haus bin, lerne ich einige Leute aus dem Haus kennen, wenn sie die bei mir deponierten Sendungen abholen.

    • 15. Juli 2016 15:20

      Den Briefträger, den kenne ich. Das ist zumindest eine teilweise Kontinuität. Aber was Pakete angeht, jedes Mal ein Neuer. (Und auf die simple Idee, Pakete für die Nachbarn mir zu übergeben, statt sie im Regen auf den Hof zu stellen, ist auch noch keiner gekommen.)

  5. 15. Juli 2016 12:36

    Den Anfang deines Textes habe ich als Gedicht gelesen. Er hat durchaus Tiefe und lässt viele Assoziationen zu.

    • 15. Juli 2016 15:23

      Das ist aus dem Beschwerdeprozeß des Zustellers, kaum modifiziert. Ich würde das Kompliment ja weiterreichen, aber ich fürchte, der Dichter ist ein Textbaustein …

    • 15. Juli 2016 20:53

      Auch Textbausteine müssen erdichtet werden, meist von unterbezahlten Geisteswissenschaftlerinnen. Fragen Sie mich nicht, woher ich das weiß.

  6. 15. Juli 2016 17:01

    In unserer Strasse habe ich die kleine Poststelle. Manchmal fahren die Paketboten den wirklichen Kunden gar nicht mehr an. Die geben die Päckchen gleich hier ab. Abends gibt es immer nette Gespräche mit den Nachbarn……: habe mir Schuhe bestellt…..Ersatzteil für meinen Oldtimer….usw.

    • 15. Juli 2016 17:11

      Dafür möge Dir Deine Straße dankbar sein! Schön, so was.

  7. 16. Juli 2016 14:22

    Oh, die Deutsche Bundespost, heute in Paketdienst (privatisiert), Briefzustellung (teilprivatisiert) Telefon fest & mobil (privatisiert) und Telegramm (ob es das noch gibt?) aufgeteilt! Was habe ich mich früher über die geärgert! Ich dachte, schlimmer geht es nicht, insbesondere bei Zustellungen aus dem Ausland. Beschwerde? Unmöglich! Die Post schliesst einen Vertrag mit dem Absender ab, der Empfänger hat gar nicht das Recht, sich zu beschweren! Und der Absender wohnt im Ausland und weiss gar nicht, was alles nicht klappt, nicht ankommt, beschädigt wurde… Und heute? Siehe da, es geht doch noch schlimmer. Au weia. Ich habe nach dem Brexit-Votum an die alte Bundespost gedacht, daran, dass man sie genau so wenig lieben konnte, wie man die EU lieben kann, aber dann merkt man, dass es ohne bzw. schlecht privatisiert oft noch schlimmer ist. Hätte ich nie gedacht, dass ich über die olle Bundespost etwas halbwegs positives schreiben würde, ich komme mir vor, wie als ob ich nach der Wahl des Herrn Trump zum POTUS Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ des Herrn Bush Jr. entwickeln könnte. Erschreckend…

    • 16. Juli 2016 20:11

      Schlimmer geht immer, das ist das, naja, Schlimme. In dem schönen Buch über „The Design of Everyday Things“ fragt der Autor auch, wieso gründlich entwickelte, perfekt funktionale Dinge wie Wählscheiben-Telefone durch Tastentelefone ersetzt werden, die all die Fehler, die dem Wählscheibentelefon ausgetrieben wurden, wieder haben. Lernprozesse können mit einem Schlag zunichte gemacht werden; verstärkt wird der Effekt, denke ich, wenn gleichzeitig noch gespart bzw. Geld verdient werden soll.

    • 17. Juli 2016 9:46

      Stimmt, sparen und Geld verdienen beim angeblichen Rationalisieren macht alles noch schlimmer. Ein schönes Beispiel, das Wahlscheibentelefon, das Buch ist auf meine Merkliste. Welchen Vorteil hat das Tastentelefon? Mir fällt nur ein: man kann Wahlwiederholung ermöglichen. Klingt vorteilhaft, aber die Folge ist bei mir, dass ich mir keine neuen Telefonnummern merke, weil ich sie nicht oft genug wählen muss. Einige Nummern aus den 80ern kann ich noch auswendig; in den letzten zehn Jahren habe ich mir keine neue Nummer gemerkt, das macht das Handy alleine. Oder es ist Alzheimer…

  8. 16. Juli 2016 16:37

    Bei uns landet der Abholbenachrichtigungsschein manchmal im Briefkasten, ohne dass der Zusteller zuvor überhaupt geklingelt hat. Da ist also jemand zu Hause und muss am nächsten Tag (!) dennoch das Paket auf der Post abholen.
    Allerdings tun mir die Zusteller auch Leid. Die arbeiten viel zu viele Stunden für viel zu wenig Geld. Vielleicht würd ichs manchmal auch so machen, um Zeit zu sparen.
    Aber solche Einsichten helfen dir leider auch nichts. :-(

    • 16. Juli 2016 20:16

      Oh, die Zusteller sind wüst dran. Gehetzt, oft noch beim Abliefern des Pakets am Telefon, zum Teil abends um acht noch unterwegs. Und die Deutschkenntnisse reichen manchmal einfach nicht zum Lesen von Zetteln. Wenn’s nach mir ginge, wären die Leute besser bezahlt und hätten ein Stammliefergebiet, weil halt wirklich nichts über Sich-Auskennen geht. Aber was tun?

    • 16. Juli 2016 20:55

      Eben. Was können wir tun? Wenn die Zusteller besser bezahlt werden oder weniger Pensum bewältigen müssen (=mehr Zusteller werden gebraucht), erhöht sich das Porto. Das wollen wir auch nicht.

    • 16. Juli 2016 21:15

      Vielleicht sind solche Sachen einfach Zuschußgeschäfte. Wie Bildung und Krankenversorgung und anderes, was gerade in Privatisierungen zerschmissen wird.

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