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Stotterfrühling

6. März 2016
Es grünt.

Es grünt.

Irgendwann reicht es mit dem Daheimbleiben, und dann muß man auch bei seltsamem Wetter raus. Das fließt wie Milch durchs Tal und kann sich nicht entscheiden zwischen Regen und Schnee. Die Vögel singen trotzdem, als sei heller Frühling, dabei hocken die Hügel noch grau wie Igel am Fluß. Bloß in Falten und Nischen blüht es schon.

Ich probiere Anstiege und habe gottlob nicht alles vergessen, nicht ganz. Es dauert etwas, bis ich zu Atem komme, bis ich die passende Menge Wolle gefunden habe, wieder richtig knöpfe und krempele, die Schuhe richtig schnüre. Oh, ich bin ungern aus der Übung und kann kaum erwarten, daß es besser wird.

Aber dann! Ich habe wieder Augen. Für die Schneeglöckchenpolster am Hang, wie verschüttete Milch; für das grüne Wasser unten im Tal. Einmal schaut mir ein Hirsch entgegen, mitten auf dem Wanderweg, das Geweih noch in Samt verpackt, bis er doch die Flucht ergreift. Die Sonne glüht ein paarmal fast ein Loch in die Wolken, und da ahne ich auf dem Weg vor mir meinen Schatten. Es geht wieder, es geht wieder los.

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10 Kommentare leave one →
  1. 6. März 2016 21:31

    Du hast dem Grau-in-Grau-Wetter richtig LEBEN abgerungen, bist nicht in geschlossenen Räumen geblieben. Man wird ramdösig, isst zuviel Kuchen, kriegt Anwandlungen von Lagerkoller- drum ist, was Du machst, einzig richtig – die Fotos steuern Stimmung bei und gefallen mir sehr! Ich überlege, wo das sein mag?

    • 6. März 2016 21:38

      Das berühmte Decke-auf-den-Kopf — so viel Gedichte kann man gar nicht lesen … Die verwickelte Dame da, die steht im Oberweseler Skulpturengarten, der so naja ist, aber eben wunderschön gelegen.

  2. 6. März 2016 22:46

    Danke, dass du mich mitgenommen hast. Fein war das!

  3. mickzwo permalink
    6. März 2016 23:49

    Das Wetter wird oft seltsam sein. Irgendwas ist doch immer. Bevor mir die Decke auf dem Kopf fällt erkläre ich das Wetter als merkwürdig. Dem muss ich dann nach gehen :-)

    Danke für den Text und die Bilder. Das Alles hat mir sehr geholfen!

  4. 15. März 2016 10:54

    Seufz. Ich würde wahrscheinlich auch lieber im Wald spazieren gehen. Aber Zufriedenheit mit dem, was man hat, ist eine nicht zu unterschätzende Gabe. Danke für die Fotos! Andreas

    • 15. März 2016 13:52

      Gern geknipst. War zwar keine Dienstreise, aber … (DAS wär mal großartig! Ich hätte Waldarbeiterin werden sollen …)

    • 15. März 2016 17:36

      Waldarbeit habe ich vor langen Jahren mal ab und zu machen müssen (irgendwo habe ich im Blog auch mal darüber geschrieben, Tag „Holz“). Nichts, wonach ich mich sehnen würde. Finger voller Harz und jeder Knochen tut weh.

  5. 15. März 2016 12:34

    Wie schön, wie schön. Ich verstehe Sie bestens. Und freue mich, diesen Winter eben doch gegen alle sonst so unbezwingbare Bequemlichkeit in Übung geblieben zu sein und bei Schnee, Regen und harschem Wind losgegangen zu sein. Es war wunderschön, die Wege für sich allein zu haben …

    • 15. März 2016 13:54

      Ich finde ja, im Winter ist vieles angenehmer. Im Kalten geht sich’s flotter, es ist weit weniger los, und ich zumindest mag nackerte Bäume. Na, ich will nicht meckern – ich werde noch ein paar Wege machen diesen Frühling.

    • 20. März 2016 9:44

      Gute Wege!

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