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Lang lebe die Lederjacke

9. Februar 2016

Kleider machen Leute – mit praktischen Tips für den Haushalt.

 

So mit vierzehn, fünfzehn gabelte ich eine Lederjacke auf, ein Nachkriegsmodell, rehbraun, etwas speckig und ein gutes Stück zu groß. Sie hatte geräumige Taschen, man konnte sich draufsetzen, den Wind hielt sie ab mit hochgestelltem Kragen. Die trug ich fortan, im Winter mit ein paar mehr Pullovern drunter, im Sommer lose über die Schultern gelegt; wie sie im Regen roch, weiß ich heute noch. Zwölf gute Jahre machte sie alles mit, bis sie buchstäblich auseinanderfiel. Manchmal vermisse ich sie.

Cool war sie allerdings nie; die coolen Lederjacken trugen andere. Vom Träger einer coolen Lederjacke lernte ich, wie man Weinflaschen öffnet, wenn kein Korkenzieher zur Hand ist, man den Korken nicht in die Flasche drücken will und Abbrechen nicht in Frage kommt. Benötigt werden eine Weinflasche, ein Betonpfeiler und eine Lederjacke.

Man wickele die Lederjacke um den unteren Teil der Flasche, bringe sie in eine Position rechtwinklig zum Pfeiler und setze sie mit dem Boden nachdrücklich, aber nicht zu heftig ein, zwei dutzendmal auf. Physikalische Kräfte und vermutlich auch chemische Prozesse im Innern der Flasche treiben den Korken Stück für Stück aus dem Flaschenhals, zum Jubel der Umstehenden. Die Lederjacke verhindert, daß dabei was zu Bruch geht, und wenn sie hochwertig ist, sieht man ihr das Flaschenöffnen nachher auch nicht an.

Voilà – Abend gerettet dank Lederjacke.

 

Über das Maßnehmen hatte ich längst geschrieben.

 

 

 

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13 Kommentare leave one →
  1. 9. Februar 2016 12:53

    Physikalische und chemische Prozesse … Ob der Wein nach dieser brachialen Behandlung aber noch schmeckt? Ich nehme an, das Bukett hat einen Schlag gekriegt. Andererseits, wer Wein im Umfeld von Betonpfeilern konsumiert, legt vielleicht auf andere Dinge wert … ;-)

    • 9. Februar 2016 12:55

      Sie haben’s erfaßt. .)

    • 9. Februar 2016 15:45

      Man muss allerdings wohl aufpassen, dass beim belederten Betonklopfen nicht doch versehentlich die Jacke das Bukett des Weins annimmt.
      Wobei es ja Leute gibt, die zu jedem Fleck auf ihrer Lederjacke eine kleine Geschichte erzählen können.

      Deine hat mir jedenfalls sehr gefallen, auch wenn sie nicht an einen spzifischen Fleck gebunden ist. Danke, sagt der Kleiderschrank!

  2. 9. Februar 2016 22:19

    Oh, was du alles kannst. Und weißt.
    Cheers!

    • 10. Februar 2016 9:24

      Naja, jetzt ja nicht mehr — ohne Lederjacke …

  3. Ferrer permalink
    10. Februar 2016 9:33

    Nein, keine chemischen Prozesse, nur reine Mechanik. Sonst wäre der Wein hinüber, das wäre schade drum. Besser wird er mit dieser Methode zwar nicht, aber groß ist der Schaden bei einem normalen Wein auch nicht. Einen richtig edlen, teuren Wein sollte man allerdings nicht so malträtieren, meine ich, außer man hat das Bedürfnis auf besonders dekadent machen.
    Geht auch ohne Lederjacke: ein Schuh tut es auch https://www.youtube.com/watch?v=pfWu76kyFmw Prost & salud!

    • 10. Februar 2016 10:22

      Haha, selbstverständlich gibt es das jetzt als Video-Tutorial … Danke!

  4. 15. März 2016 12:38

    Ach!

    • 15. März 2016 13:50

      … ach was?

    • 15. März 2016 14:30

      Ich wusste das nicht. Hätte ich gerne mal ausprobiert, als ich noch eine Lederjacke hatte. Aber wie ich gleich darauf gelernt habe, soll ein Schuh ja auch genügen.

    • 15. März 2016 14:35

      Lederjacke ist natürlich cooler. Auf einem Bein, den Socken in der Höhe vor der Wand stehen – das ist was anderes als die Lederjacke von den Schultern gleiten lassen. Nuja. Sic transit gloria mundi …

    • 15. März 2016 15:31

      Das war jetzt schon ein reifer Bühnenauftritt. Sie hören den Applaus?

Trackbacks

  1. Kleider machen Leute – von A bis Z | Wortmischer

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