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King of Rock’n’Roll

7. Februar 2016

Kleider machen Leute — was mir zu Jumpsuit so einfiel.

 

Als Fred und Linde sich kennenlernten, Fred auf dem besten Weg zum Ingenieur und Linde noch Schülerin, da schwärmte sie für Elvis. Fred und Linde wurden ein Paar, heirateten, hatten Familie, Haus und Garten, blieben einander zugetan, und eines Tages, die Kinder waren längst aus dem Haus, fand Fred auf dem Flohmarkt einen kleinen Plastik-Elvis, mit Tolle und weißem Jumpsuit – V-Ausschnitt, Schlaghosen, Glitzer, alles –; den brachte er Linde mit, als Geschenk. Sie hängte die Figur an den Rückspiegel ihres Wagens, und fortan wackelte der King of Rock in jeder Kurve mit den beweglichen Hüften.

Irgendwann hing Elvis nicht mehr. Vielleicht war er im Blickfeld gewesen, vielleicht war etwas anderes – er hing nicht mehr, und Linde vermißte ihn und sein Gewackel. Also nahm Fred die Bohrmaschine und befestigte Elvis auf dem Armaturenbrett, zack zack, zwei Kreuzschlitzschrauben, eine durch jeden Fuß.

Elvis wackelte nun natürlich nicht mehr mit den Hüften, sondern mit dem Oberkörper, und eine Weile ging das gut, bis auch da irgendetwas aus der Ordnung geriet; der King of Rock lehnte jetzt krumm und kreuzlahm an der Windschutzscheibe. Linde war betrübt, da nahm Fred wieder den Bohrer und versenkte eine lange Schraube in des Sängers Hinterteil. Dem Ingenieur ist nichts zu schwör, und heilig schon gar nichts. Elvis jedenfalls stand wie eine Eins. Immer wenn ich mit Linde im Auto fuhr, freute ich mich an dem aufrechten kleinen Musiker.

Auf der Rückfahrt von Freds Beerdigung deutete Linde auf Elvis: daß Fred ihr selten Blumen geschenkt habe oder Schmuck, sondern so was, ein Figürchen vom Flohmarkt – ihre Freundinnen hätten die Köpfe geschüttelt, aber er hätte genau gewußt, was nach ihrem Herzen sei.

Da besorgte ich, passend zum Jumpsuit, rosa Glitzerpailletten, und die klebten wir auf die Kreuzschlitzschraubenköpfe in Elvis‘ Kunststoffkorpus. Jetzt ist er perfekt. Möge er noch lange über Lindes Reisen wachen.

 

 

 

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11 Kommentare leave one →
  1. 7. Februar 2016 8:04

    Als die Leute noch Namen wie Fred und Linde hatten und Elvis verehrten…
    Das ist auch eine schöne Geschichte über Schenken und Liebe. Vielen Dank.

    • 7. Februar 2016 13:51

      Gern geschehen – gibt so Geschichten, die wollen erzählt sein.

  2. 7. Februar 2016 10:22

    Hach, ich mag diese Geschichte sehr.

    • 7. Februar 2016 13:51

      Alte Lieben. Die sind ein kleiner Teil Glück und ein großer Kunst, und immer betrachtenswert.

    • 7. Februar 2016 15:38

      Und sie machen Hoffnung.

    • 7. Februar 2016 18:25

      Oh, das ist wahr.

  3. 7. Februar 2016 12:23

    Mannomann, was wird zuletzt in den Blogs gestorben. Vor ein paar Tagen gab es bei mir eine Leich‘, gestern bei Karu zum Buchstaben B wie Betty Brogues und heute bei Dir. (Ich glaube, es wird Zeit, dass der Frühling kommt.)

    Aber schön ist sie doch, Deine Geschichte rund um den kreuzgeschlitzten Elvis im Jumpsuit. – Vielen Dank dafür!

  4. karu02 permalink
    7. Februar 2016 14:43

    Die Erste-Hilfe-Leistungen mit der Bohrmaschine gefallen mir sehr. Die Pailletten sind das i-Tüpfelchen auf dem Liebesdienst.

Trackbacks

  1. Kleider machen Leute – von A bis Z | Wortmischer

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