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Novemberlektionen

2. November 2015

Sicher, man kann auf Sonne warten. Man kann aber auch einfach rausgehen. Und, ah: draußen ist es nie so trüb und duster, wie es von drinnen aussieht.

Herrliche Aussichten, ein Stück weit.

Herrliche Aussichten, ein Stück weit.

Dann kann man versuchen, Fotos zu machen; hindert einen ja keiner dran. Aber daß die verschwindenden Baumreihen, die Schichtungen von Grau und Grau, die Schleier über dem Wasser und das samtene Licht, daß die sich von einer Kamera einfangen lassen, das muß man nicht glauben.

Wenn man mit netten, umsichtigen Menschen unterwegs ist, kann man ein Picknick im Nebel am Ufer machen, mit heißem Tee; man kann einen verlorenen Hut nicht wiederfinden und dafür hinterher mit einem Stein aus dem Fluß nach Hause gehen, ein haltbares Andenken an flüchtig Schönes.

 

 

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26 Kommentare leave one →
  1. 2. November 2015 20:43

    “ Und, ah: draußen ist es nie so trüb und duster, wie es von drinnen aussieht. “ Stimmt :)
    ein feiner Text, mag ich sehr!!!
    herzlichst Ulli

    • 3. November 2015 9:35

      Danke, Ulli! Das ist der andere Satz vom Wetter, der den mit der falschen Kleidung ergänzt. .)

  2. 2. November 2015 21:18

    Feiner kleiner Trotztrübtext :-)

    • 3. November 2015 9:36

      Trotzdem, aber, dennoch! .) Gegen Trübnis wirkt Trotz besser als so manches andere.

  3. 2. November 2015 21:24

    Du hast ja so recht! Schön geschildert. :-)

  4. 2. November 2015 23:20

    Es ist tröstlich, was man alles kann!

    • 3. November 2015 9:38

      Wenn man Fußwege nicht scheut, kann man sehr viel mehr … Ehrlich, die Welt wird viel größer.

  5. karu02 permalink
    2. November 2015 23:54

    Ich mag die Tage in Grautönen genau so gerne wie die goldenen, nein, fast noch lieber. Allerdings muss ich noch darüber nachdenken, warum das so ist. Dein Text regt dazu an.

    • 3. November 2015 10:16

      Als kleines Kind hatte ich ein (mittelgutes) Märchenbuch mit Kunstmärchen, da gab es die Geschichte vom grauen Tag. Der wollte erst gar nicht auf die Erde zwischen seinen goldenen Schwestern und schlurfte dann auch ziemlich schlecht gelaunt umher, aber am Ende legte er einen Sonnenuntergang hin, wie ihn die schönen Tage nie hinbekamen, und die Menschen auf der Erde erinnerten sich an ihn als besonders.

    • karu02 permalink
      3. November 2015 13:47

      Oh wie schön, das kannte ich nicht. Danke, gefällt mir sehr.

  6. 3. November 2015 9:31

    Herrlich ists im Nebel zu gehn …

    Kann man. Sich aufs Andere einlassen. Sollte man ab und zu. Es weitet den Blick und das Herz.

    • 3. November 2015 10:21

      Finde ich auch – Herbst und Winter sind besonders, weil sie Zeit fürs Innerliche geben. Die langen Abende waren einmal die Zeit für Lieder und Geschichten; das scheint mir plausibel.

  7. 3. November 2015 11:16

    Ein ganz kleines bißchen herbstliches Bunt schimmert durch, sehr fein.

    • 3. November 2015 11:43

      In der Sonne wäre es ein Goldrausch gewesen. So war’s eben anders schön …

  8. 3. November 2015 11:40

    Den Stein könnte man dann gegen eine Schere eintauschen, die Schere gegen ein Blatt Papier, das Blatt Papier gegen einen Bleistiftstummel und den Stummel gegen einen … neuen Hut.
    It worked for lucky Hans!

    • 3. November 2015 11:45

      Haha! Eines dieser Geschäftsmodelle, die wir im 21. Jahrhundert eigentlich nicht mehr auf der Rechnung haben. (So etwa.)

      P.S.: Der Stein war tatsächlich ein veritabler Schleifstein, bei Niedrigwasser aus dem Schutt der Uferbefestigung gezogen. Das Gewicht in Gold, und die ganze Picknickgesellschaft hätte ein Jahr freinehmen können.

  9. 3. November 2015 11:48

    ich finde eh, dass die grauen tage einen viel zu schlechten ruf haben. kein anderer tag bekommt so ein merkwürdiges licht hin. und auch sonst verschwimmt die grenze zwischen himmel und horizont nie so wunderbar milchig und undurchsichtig.
    so einen grauen tag muss man unbedingt draußen feiern und Sie selbst haben ja die beste erklärung hierfür gegeben. zudem vermute ich, dass der graue tag sich über besucher freut und insbesondere, wenn diese hüte da lassen und picknick bringen.

    • 3. November 2015 11:52

      .)) Und an der Küste gilt das alles doppelt und dreifach! (Da sind sogar Wind und Regen herrlich, wenn man ein trockenes, warmes Plätzchen für später weiß.) Darum beneide ich die Seeanwohner und -besucher immer.

  10. 3. November 2015 23:36

    Am grossen Strom finde ich zu jeder Jahreszeit einen Spaziergang lohnend.
    Zu horsche und gugge gibts immer was. Versacken kann man zuhause…
    Abendlichschöne Grüsse aus dem angeregten Bembelland

  11. 4. November 2015 13:51

    Fifty shades of grey – mal anders.

    Aber im Ernst: Der Nebel sollte uns immer mal wieder einholen. Eine Welt fast ohne Form und Gewicht, die Geräusche eingepackt in Watte, alles verliert seine Dring- und Dinglichkeit, ein feuchtes Negligé, das uns in ein graues Einerlei hüllt. Ungesehen und selbst fast nichts sehend, gehen wir umher und geben die Ziele und mit ihnen die Orientierung auf und genießen – so wir können – diese Infragestellung des Tagtäglichen. Eine Anderswelt, gratis und auf Zeit. NebeLeben.

    Gruß, Uwe

    • 4. November 2015 14:58

      Ist ja oft so, daß Sicht- und Sehbehinderungen die Welt schöner scheinen lassen; und nicht nur, weil die Phantasie eine rosa Brille sein kann. Das Nebelnegligé ist ein schönes Kleidungsstück; das werde ich mir merken. Danke, Uwe!

  12. augenblicke permalink
    16. November 2015 22:38

    Liebe Lakritze

    immer wieder ein Genuß!
    den hier vorgestellten und bebilderten Gedanken zu folgen..

    (bei Rheinkilometer 550 geboren)

    Gruß Ulla

    • 16. November 2015 23:12

      Oh, 550 gefällt mir gut. Und danke, das freut mich!

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