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Diese Leute

7. Oktober 2015

Diese Leute denken nicht von zwölf bis Mittag, aber die Weisheit mit Löffeln gefressen oder was, sitzen da auf ihrem Platz in der Welt und denken, oder nein, denken nicht, müssen die nicht, wissen, daß das so ist und bleibt und von Ewigkeit zu Ewigkeit und so weiter, sitzen im gemachten Nest aus Meinungen und Maßstäben, alles schön klar: so ist’s richtig, so ist’s falsch, richtig: Sonderangebote, Auto waschen, Rasen mit Petunienrand, falsch: Schwule, Asylrecht, Loch in der Hecke, sitzen zu Gericht über den Rest der Welt, die Nachbarn, die Familie, die Politiker, die Ausländer, die da oben und die Assos, sitzen zu Gericht, wissen alles besser: die müssen doch nur, da sollte mal einer drein-, schlagen, überhaupt: Schläge, immer probates Mittel, haben noch nie geschadet, und da sitzen sie dann, kleinkreditwürdig, sparfuchsig, selbstgerecht, diese Leute, die da sitzen und keinem gönnen, keinen gelten lassen, diese Leute, die nur sehen, was sie sehen wollen, und gleich dabei mit dem Urteil, diese Leute habe ich ja noch nie verstanden.

Beitrag zum Projekt *.txt (13: verstehen).

–> alle meine *.txte

 

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19 Kommentare leave one →
  1. 7. Oktober 2015 17:26

    Ganz großer Text!

    Ich habe diese Menschen auch nie verstanden.

    • 7. Oktober 2015 17:37

      (Ist nicht ganz die Wahrheit: verstehen kann ich sie schon; es tut halt weh und ist anstrengend, in einer bunteren Welt zu leben. Aber nun müßten sie doch allmählich mal, oder?)

  2. 7. Oktober 2015 18:09

    Das sind die Leute, von denen ich nicht weiß, ob die mich wütend machen dürfen und damit Macht über mich und meine Empfindungen ausüben.
    Ich hab die so satt mittlerweile…

    • 7. Oktober 2015 18:13

      Mich schockiert, wie schnell der Umgang eskaliert. Wie es genau diese Leute schaffen, an mir die schlimmsten Seiten zum Vorschein zu bringen. Satt haben, ja. Aber sie sind eine Masse; ohne die geht nix.

    • 7. Oktober 2015 18:14

      Schlimm genug, dass ohne sie nichts geht. Denn mit ihnen geht auch nichts.

    • 7. Oktober 2015 18:23

      Zumindest ist es irgendwann sehr, sehr schwer, sich noch mit ihnen abzugeben. So’n Mist.

  3. 7. Oktober 2015 18:13

    Sie leben mitten unter uns diese Leute.

    • 7. Oktober 2015 18:15

      Und manchmal sogar in uns: den Rückzugswunsch, den kenne ich auch.

    • 8. Oktober 2015 6:29

      Ich glaube fast, die leben nicht mitten unter uns, sondern wir mitten unter ihnen. Ich nehme diese Leute als die Mehrheit wahr, die nicht immer schweigende Masse um mich herum.

  4. 7. Oktober 2015 20:00

    Ich will die gar nicht verstehen. Klar, auch ich gönne mir die eine oder andere mentale Pause mit Krimi aufm Sofa oder Häkelzeugs. Aber so leben, dauerhaft? Ihhpfuibah! Geistige Dauerödnis würde meine cerebrale Festplatte gar nicht können oder direkt verschmoren.

  5. 7. Oktober 2015 23:04

    Diese Leute, die ich in jedem Deiner Worte wiedererkenne – ich muss die verstehen. Oder besser: Ich WILL. Denn ich unterrichte deren Kinder. Und diese will (und muss) ich verstehen. Dazu gehören immer die Eltern, sonst erschließt sich einem nichts bei einem Kind.
    Und ja, manchmal schlucke ich. Aber gerade bei solchen Schluck-Familien (also: ich schlucke, nicht die:)) muss man besonders tief schauen. Weil oft gerade dann das Kind sich zeigt, indem es „Probleme“ macht.
    Und je tiefer man schaut, umso weniger bleibt von „diese Leute“. Umso näher kommen sie. Umso besser kann man greifen, dass da noch anderes ist. Immer. Und letztlich: dass wir alle gleich sind, ganz tief innen.
    (Ok, bei manchen kann ich das nicht greifen. Aber vielleicht schaue ich da nur nicht tief genug? – Und manchmal fühle ich mich von meinem Beruf überfordert. Weil man sich ein „diese Leute“ verbieten muss, aber keiner einem beibringt, wie man es tief im Innern wirklich nicht mehr empfindet. Vielleicht bin ich noch nicht reif genug dafür?)

    • 7. Oktober 2015 23:33

      Danke, liebe Frau Rebis! Und ja. Diese Leute sind auch nur alle Menschen, und ihre Würde ist unantastbar. Ich habe allergrößten Respekt vor allen, die das machen, was Du machst, nämlich die Menschen hinter den Leuten suchen. Das braucht unendlich viel Geduld, Energie und Optimismus.

  6. 8. Oktober 2015 16:48

    „Meinungen und Maßstäbe“ k.tzen mich mitunter derbe an (so sehr das eine Meinung und Wertung sein mag). Danke für den starken Text.

  7. 9. Oktober 2015 10:58

    Danke, ganz großartiger Text.

  8. 9. Oktober 2015 10:59

    Hat dies auf Laubgeschwätz rebloggt und kommentierte:
    Andere sagen es manchmal mindestens genauso gut. Lakritze ziemlich oft.

  9. 10. Oktober 2015 22:10

    Ein fein komprimierter Text. Ich habe den gern gelesen bis zu dem Wort „kleinkreditwürdig“.
    Gehöre ich jetzt etwa auch zu „denen“, da ich auch kleinkreditwürdig bin?
    Und was das Zugerichtsitzen betrifft. Gehören die, die über „die“, von denen Sie schreiben zu Gericht sitzen auch zu „denen“?
    Treffen nicht manche der Attribute, die Sie in Ihrem Text aufgezählt haben auch auf jeden einzelnen von „uns“ zu? Nicht in ihrer Gesamtheit, aber immerhin das eine oder andere vielleicht.

    Mir ist von einem der wenigen tollen Lehrer, die ich während meiner Schulzeit erlebt habe, der Satz in den Ohren hängen geblieben: Wer mit dem Finger auf andere zeigt, der zeigt immer mit drei Fingern auch auf sich selbst. Wir Schüler habens damals nicht gleich kapiert. Dann hat er es uns mit seiner Hand gezeigt.

    Abendschöne Grüsse von der anderen Seite des grossen Stroms

    • 10. Oktober 2015 23:10

      (Lieber Herr Ärmel, ganz genau. Das ist das Frustrierende. Und irgendwann reicht die Geduld doch nicht mehr zu mehr als diesem „Abgrenzen“.)

    • 13. Oktober 2015 0:41

      Meinen Handschlag zu Ihrer Antwort. Ich sehe das genauso.
      Nachmitternächtliche Grüsse aus dem schlafenden Bembelland

  10. joulupukki permalink
    28. Oktober 2015 12:40

    Nach der Wienwahl vor ein paar Wochen dachte ich mir auch wieder: ja, jetzt kriechen sie alle aus ihren Löchern (Fußballer mit aufgemalter „88“ auf den Socken, Friedhofsbeschmierer, Gratiszeitungszitierer …). Und nachher hagelts wieder Gedächtnislücken.
    Leider bin ich völlig unfähig zu einer diplomatischen und pädagogisch sinnvollen Auseinandersetzung mit Stammtischpredigern (& -Innen selbstredend), ich werde zu schnell wütend und heiße sie dann immer gleich *PIEPS* und *PIEPS* *PIEPS*, diese *PIEPS* *PIIIEPS* *PIIIEPS* … weils wahr is!

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