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Vom Stapel

9. April 2015

Frau Sachensucherin vom äußerst lesenswerten Doppelblog fragt, was ich denn so vorhabe: fünf Bücher, die ich als nächstes lesen will.

Das ist schön, denn die Vorfreude auf das, was mich zwischen Buchdeckeln erwartet, ist eine meiner liebsten. Und schwierig, denn: vor habe ich viele Bücher, aber es kommt gerne was dazwischen (meist andere Bücher). Und es ist schwierig, über Bücher zu schreiben, von denen man noch gar nichts weiß. Klappentexte, übrigens, ignoriere ich aus Prinzip.

Also zu meinem Stapel der Bücher-die-ich-unbedingt-lesen-will (da sind Bücher-die-ich-bestellen-will, Bücher-die-ich-in-der-Buchhandlung-abholen-muß und die bislang ungeschriebenen gar nicht dabei …). Ein Griff fördert zutage:

On Looking von Alexandra Horowitz; ganz obenauf. Das hat drei Gründe: erstens habe ich About Looking von John Berger sehr gemocht, und der Titel klingt ähnlich. Dann scheint es, zumindest dem Cover nach zu urteilen, um Städte zu gehen; Augenausflüge im Urbanen sind mir ein Quell des Vergnügens. Und schließlich war dieses Buch ein Geschenk von Frau Amsel (Fachfrau für wunderbaren Unfug), deren Leseempfehlungen ich tunlichst folge, denn ihr Sinn fürs Schöne & Erstaunliche ist legendär.

Ein Frühling in Jerusalem von Wolfgang Büscher. Leihgabe eines lieben Freundes und schon aus Höflichkeit zügig zu lesen. Auch hier: eine Empfehlung aus berufenem Mund. Lakonisches Beschreiben des Vorgefundenen ohne aufgedrängte Meinung, das klang sehr verlockend. Außerdem ist es, naja, ein Büscher. Berlin-Moskau, Hartland und die anderen — ich mag seinen Blick und seine Sprache.

Blackout von Marc Elsberg. Keine Ahnung, was mich da erwartet; aber dieses Buch hat mir ein weiterer lieber Freund geliehen, ein besonnener, nüchterner Mensch, den es zutiefst beeindruckt hatte. Und es hat dazu geführt, daß wir in einer Runde arrivierter Konsumenten über moderne Abhängigkeiten diskutierten. Das Thema interessiert mich; wenn auch der Einband nichts Gutes verheißt — but don’t judge a book by its cover, das ist schließlich bei Night Circus auch schon schiefgegangen, nur in die andere Richtung … Ich gebe ihm eine Chance.

Vor dem Fest von Saša Stanišić. Empfohlen von Frau Eichhorn, mit deren Filmempfehlungen ich sehr viel anfangen kann. Was ich mir darunter vorstelle: ein Soziogramm, vielleicht ist sogar das Dörfliche eingefangen, das mich altes Dorfkind anzieht. Aufmachung und Verlag (Luchterhand) vesprechen eine sorgfältige Ausstattung und ordentliches Lektorat; auf schöne Sprache hoffe ich einfach mal (die Autorin der Autor ist mir bislang unbekannt).

Ein Brief von Hugo von Hofmannsthal. Auf den Chandos-Brief bin ich auf einem Seitenpfad des Korrekturlesens gestoßen. Eine Poetologie in Form des Briefs eines fiktiven Renaissance-Dichters, verfaßt von einem jungen Dichter-Star des beginnenden 20. Jahrhunderts? Und dann noch erschienen bei der Büchergilde, für deren künstlerische Editionen ich ohnehin eine Schwäche habe? Also, hier liegt es, noch eingeschweißt, und ich freue mich drauf.

Dieser Stapel Vorfreude wartet auf meine Zuwendung. Mag sein, daß es noch dauert, vielleicht kommt mir auch eine längere Bahnfahrt entgegen; mal sehen.

Ich bin ja neugierig, aber nicht indiskret — wer mag, darf die Frage mitnehmen. Ich werde alle Antworten lesen (und hoffe, es ist nicht allzuviel Neues für meinen Stapel dabei).

 

Nachtrag: Leider kann ich keine direkten Links zu den Büchern im Sortiment setzen, aber online läßt sich’s bestens bei Osiander bestellen. Das ist eine traditionsreiche Tübinger Buchhandlung, die gerade expandiert und in Deutschland dem großen A Konkurrenz macht. Ich kaufe meine Bücher nach Kräften ums Eck im Lieblingsladen, aber wenn schon online, dann wenigstens O statt A.

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26 Kommentare leave one →
  1. 9. April 2015 14:58

    Der Empfehlung von „Vor dem Fest“ kann ich mich nur anschließen, habe ich auch gerade erst gelesen.

    • 9. April 2015 18:29

      Dann will ich mal schleunigst. Ich fahre bald wieder Bahn, da bietet sich das an.

    • 13. April 2015 8:36

      Da freue ich mich aber, dass meine Empfehlung die Neugier geweckt hat. Und dass es noch einen Fürsprecher für dieses Buch gibt; ich kenne auch mehrere, die nicht damit klar gekommen sind, bin aber bei Ihnen, liebe Frau Lakritze, sehr hoffnungsvoll, dass es Ihnen gefallen wird.

  2. 9. April 2015 15:13

    klingt alles sehr spannend, bis auf das Fest kannte ich gar nichts. „Vor dem Fest“ habe ich gelesen, ich bin irgendwie nicht richtig warm damit geworden, aber es ist auf jeden Fall ein besonderes Buch.

    • 9. April 2015 18:46

      Der Distelfink steht übrigens auch auf meiner Lesenwollen-Liste, aber den habe ich noch nicht.

  3. 9. April 2015 16:35

    Klingt spannend, dein Stapel.
    Warum liest du keine Klappentexte und was muss ein Buch haben, dass es auf deinem Stapel landet? Wie wählt du aus?

    • 9. April 2015 19:05

      Klappentexte haben mich oft geärgert. Bei Krimis den Mörder verraten, Interpretationen vorgegeben etc. Oder sie sind offenbar von Leuten verfaßt, die das Buch nicht kennen. Nein, ich lasse mich lieber vom Buch überraschen.
      Auf meinem Stapel landen geschenkte, empfohlene und gefundene Bücher. Bei den selbst angeschafften muß ich den Autor irgendwoher kennen, oder jemand, dessen Vorlieben ich einschätzen kann, muß sie mir empfohlen (oder davon abgeraten) haben. Auch aus Blogs nehme ich viele mit; hier etwa finde ich eine gute Quelle für Empfehlungen.

    • 9. April 2015 20:16

      Klappentexte gibt es zweierlei. Und ja, manche ärgern mich auch. Aber dennoch möchte ich meistens ein wenig wissen (besonders bei Bibliotheksbüchern), worauf ich mich einlasse. Andere kaufe ich unbesehen (und ohne Klappentextlesung), wenn ich den/die Autoren/in mag.
      Mein Geschmack verändert sich laufend und laufe Gefahr, eine literarische Snobse zu werden. Weil ich nicht mehr alles lesen mag. Kennst du sicher auch? Ein bisschen? ;-)

    • 9. April 2015 23:05

      Ein bißchen. .) Für bestimmte Bücher habe ich keine Geduld mehr. (Das Leben ist zu kurz, und so.) Da ich das Problem habe, ein angefangenes Buch nicht vergessen zu können, fange ich einiges gar nicht mehr an: Selbsthilfekrams, schlechte Thriller, sog. „Frauenromane“ …
      Deine fünf würden mich ja sehr interessieren. Auch wenn die Gefahr besteht, daß ich nachher zehn habe.

  4. 9. April 2015 18:26

    … und Dank an das liebe Lektorat. Mir war nicht klar, daß Saša Stanišić ein Mann ist, Sand auf mich und kleine Steinchen.

  5. 10. April 2015 6:54

    Dann lege ich jetzt einfach mal – ganz frech – noch eins drauf: Kraniche und Klopfer von Axel Brauns. http://de.wikipedia.org/wiki/Axel_Brauns Ein sprachliches und psychologisches Kunstwerk …

    • 10. April 2015 6:59

      Zu spät! Das kenne ich, und „Buntschatten und Fledermäuse“ natürlich, das bei mir zu den Büchern zählt, die ich mit auf eine einsame Insel, oder so. Jedenfalls: Lieblingsbuch, weil sprachlich erstaunlich.

    • 10. April 2015 7:01

      Erstaunlich von so einem Autor!

    • 10. April 2015 13:09

      Erstaunlich, wie weit man durch Denken das Fühlen erfassen kann, ja.
      (Deine Liste fände ich übrigens auch interessant. Was lesen Übersetzerinnen? Gegen Sprachschlamerei sind sie ja wohl mindestens so allergisch wie die gemeine Korrekturleserin.)

    • 10. April 2015 14:52

      Meine Liste? Habe ich überhaupt eine? Meistens ist es ja so, dass die Bücher *mich* finden – die haben einen untrüglichen Riecher. Ich gehe ganz arglos in eine der vielen Hamburger Bücherhallen, überlege, was ich schon immer mal lesen wollte und stelle fest, dass es ausgeliehen und mehrfach vorbestellt ist. Und plötzlich stehe ich da mit einem Rucksack voller Bücher – wo sind die denn bloß hergekommen?
      Mit „Kraniche und Klopfer“ erging es mir so: Ich sah zufällig eine Doku über den Autor und seinen Film und war fasziniert. Kurz darauf lag das Buch auf dem Flohmarkttisch der Bücherhalle, für sage und schreibe einen ganzen Euro! Ein paar Tage bettelte mich ein junger Mann auf der Straße um „einen Cent oder wenigstens einen halben“ an, der dem Autorenporträt im Buch verblüffend ähnlich sah. Möglich, dass er es war. Unser Austausch war dann ziemlich absurd. Ich hatte nicht einen müden Cent dabei, sonst hätte ich ihn gern mit ihm geteilt. Er sah auch gar nicht bedürftig aus und sprach sonst niemanden mehr an. Ein Experiment?
      Die letzten beiden Bücher, von denen ich wirklich hin und weg war? „Imperium“ von Christian Kracht und „Deutsch und schwarz dazu“ von Theodor Michael. Ein ganz erstaunliches Stück Zeitgeschichte. Und dieser Neunzigjährige beherrscht die deutsche Muttersprache wie kaum ein Jüngerer. http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Wonja_Michael
      Ach ja, da wäre noch Matt Haigs „The Humans“ (ja, ist auch übersetzt): https://paperbreathers.wordpress.com/2014/01/14/review-the-humans-by-matt-haig/
      Ist Schlamerei so was wie Schlamperei? Oder ein Sehtest? (Für mich?)

    • 10. April 2015 15:06

      Ha, Schlamerei ist angewandte Schlamperei, und eine immer kaputter gehende Tastatur!
      Danke für Michael wie auch Haig; die kannte ich beide nicht. (Und schon wird wieder eine Liste länger.) Ich habe Brauns übrigens mal nach einer Filmvorführung gesehen, wo er Fragen aus dem Publikum beantwortete. Irgendwann sagte er: sein Autismus ermögliche ihm, hier völlig ungehemmt zu reden, ganz ohne Aufregung — anders als die meisten, die sich zu Wort gemeldet hätten.

    • 10. April 2015 19:29

      Ja, in der Doku war er auch in Lesungen zu sehen und zu hören. Wenn mal wieder eine hier ist, bin ich dabei. Ich frage dann aber nichts :-).

  6. 10. April 2015 7:02

    Ich hebe mal schüchtern den Finger. Ja, ich, hier in der vorletzten Reihe.
    Ich hätte da auch noch was für Ihren Stapel…
    Prallsonnige Grüsse vom Schwarzen Berg

    • 10. April 2015 13:07

      Herr Ärmel, Sie sehen mich betreten! Wenn Sie sich wieder in der ersten Reihe aufhalten (bembelzentrisch betrachtet), müssen wir mal Nägel mit Köpfen machen. Und so.

    • 13. April 2015 20:25

      Das könnte bald in der Tat der Fall sein…

    • 16. April 2015 7:08

      Sodele – wo sind die Nägel – wer macht die Köpfe?
      Morgendlichgutaufgelegte Grüsse aus dem Frühlingsbembelland

  7. 13. April 2015 10:46

    Bei solchen Aktionen sind auch die Kommentare immer sehr interessant und wichtig, was konkret heißt: meine Liste hat sich verlängert. Auch ein nachdenkenswerter Gedanke: das Leben ist zu kurz, um schlechte Bücher zu lesen …

    Marc Elsbergs Blackout habe ich gelesen und auch etwas darüber geschrieben:
    https://kunterbunt11.wordpress.com/2013/10/17/elsberg-blackout/
    Inzwischen hat er ja schon ein neues: Zero, Thema Internet und Einflussnahme.
    LG, Ingrid

    • 13. April 2015 17:38

      Schlimm, nicht? .) Immer diese Leute mit den Büchern, die man auch gern hätte. (Mit schlechten Büchern habe ich ein Problem: wenn ich sie nicht fertig lese, vergesse ich sie nicht. Auch nach Jahren. Das heißt, auch die schlechten muß ich, wenn ich sie einmal angefangen habe, zu Ende bringen. Deshalb mache ich inzwischen um alles, für das ich keinen guten Grund finde, einen Bogen … Leben zu kurz, ja.)

    • 13. April 2015 17:59

      Nein, nicht schlimm ;-) Schlechte Bücher schon, aber das weiß man nicht immer vorher.

  8. 21. April 2015 1:11

    Bin gespannt über den Bericht zu HvH: hin und wieder den Namen gehört , nie etwas von ihm gelesen.

    • 21. April 2015 10:17

      Ich mochte seine Opernlibretti. Wenn man dran gewöhnt ist, daß Opernhandlungen mittlerer bis großer Quatsch sind, sind seine Stücke (mit der Musik von Strauss) eine Offenbarung.

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