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Genau so.

18. März 2015

Auf dem südlichen der beiden Türme, unwahrscheinlich hoch, höher kommt man nicht ohne Flügel: da stehst du am Rand der Aussichtsplattform, dicht beim Selbstmörderzaun. Der Wind macht dein Haar wild; du ziehst die Jacke um die Schultern. Vor dir, tief unter dir: Stadt bis zum Horizont und darüber hinaus. Ein Meer von Stadt. Später wirst du erzählen, wie man den Hubschraubern auf den Kopf spucken kann von hier.

Ich sehe deinen Schopf, dein Ohr. Die Linie deiner Wange, die im Jackenkragen verschwindet, ist im Lächeln gewölbt; ich sehe dich über eine Weltstadt hin schauen, die du dir zur Heimat gemacht hast, und manchmal bedaure ich, daß ich deine Augen nicht sehen kann, daß dein Blick der Ferne gilt. Manchmal hätte ich gern, daß du dich zu mir wendest; aber das ist nun mal der Moment, den ich festgehalten habe. Der ist, was sichtbar bleibt. Nicht mehr, nicht weniger.

In einem Jahr, von diesem Moment aus gesehen, wird es den Turm und seinen Zwilling nicht mehr geben. In zwei Jahren wird es dich nicht mehr geben. Was du Zuhause nanntest, ja, selbst mich würdest du heute kaum wiedererkennen.

Ich müßte dir das Bild zeigen. Da, siehst du? Beweisfoto. Es ist alles gewesen. Genau so.

 

Beitrag zum Projekt *.txt (4: Bild).

–> alle meine *.txte

 

 

 

 

 

 

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5 Kommentare leave one →
  1. 19. März 2015 8:55

    Puh. Auch wenn es lange her ist: Vermissen hört irgendwie nie wirklich auf. Nie ganz.

    • 19. März 2015 14:40

      Und das ist gut; denn sonst bliebe ja gar nichts …

  2. 19. März 2015 11:08

    Schön. Und traurig. Und schön.

Trackbacks

  1. [*.txt] Das Idealbild und die Wirklichkeit - Lexasleben

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