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Ach …

24. Januar 2015

Ich habe keine Lust zu bloggen, auch wenn es der schönen Dinge genug zu beschreiben gäbe. Aber die schrecklichen Dinge türmen sich und nehmen mir die Worte.

In einem Land gar nicht so weit von unserem entfernt wird ein Mensch öffentlich ausgepeitscht, weil er in seinem Blog Fragen gestellt hat, weil er sich regierungs- und religionskritisch geäußert hat. Weltweite Proteste konnten diesen Wahnsinn bislang nicht stoppen.

Wir leben offenbar in einer Welt, in der Worte so gefährlich sind, daß sie unmenschliche Gewalt rechtfertigen. In der für religiöse Ideen Menschen getötet werden. In der das Leben eines Bloggers, die Hoffnungen seiner Familie zerstört werden können. Einfach so.

Ich habe nie Nachteile durchs Bloggen gehabt; die Gesellschaft, in der ich zuhause bin, folgt im großen und ganzen dem Grundsatz: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Ich habe Glück mit meinem Wohnort.

Was kann man tun? Schreiben. Immer: schreiben. So wenig; so viel.

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14 Kommentare leave one →
  1. 24. Januar 2015 18:29

    Dank sozialer Medien können wir zuweilen doch einiges bewegen.
    Schrecklich ja. Ich könnte in mir drin mich vergiften lassen und ob alledem verbittern, doch das will ich nicht. Ich will uns zuliebe nicht mit Lieben und Hoffen aufhören und so dem Horror Gegengewicht geben. Zusammen mit ganz vielen andern wie dir.

    • 24. Januar 2015 22:02

      Du hast sicher recht, Soso: Dem Horror etwas entgegensetzen; nicht vergessen, daß es so viel Lohnendes auf der Welt gibt. Nein, nur klagen oder ganz verstummen nutzt nichts. Wweiterhoffen, ja.

  2. 24. Januar 2015 18:50

    Hätte es schon längst tun müssen. Hab nun geschrieben. Danke!

  3. 24. Januar 2015 19:01

    Ja, Du hast Glück. Wir alle hier haben ein großes Glück, dass wir so schlimme Dinge nicht erleben mussten und müssen. Anders als die Generationen vor uns (womit ich in erster Linie Kriege meine). Und dafür bin ich unendlich dankbar.

    • 24. Januar 2015 22:06

      Kriege und Diskriminierung und Folter und das ganze Paket; so lang ist es ja bei uns nicht her. (Trotzdem würde ich gern einen Verantwortlichen fragen, was das für ein Gott ist, der angeblich das Auspeitschen eines wehrlosen Einzelnen verlangt. Stärke wäre souveräner.)

  4. 24. Januar 2015 19:12

    Eben habe ich ein Interview mit Rafik Schami gehört. Er erzählte unter anderem, wie er als junger Mensch in Damaskus Angst hatte: An jedem Tag, in jeder Nacht die Angst, der Geheimdienst würde an die Tür hämmern, ihn verschleppen. Dann kam er nach Deutschland und er sagte, in 40 Jahren habe er keine Angst gehabt. Ja, er habe sogar einmal – als Ausländer – einen Prozess gegen den deutschen Staat gewonnen (und niemand hat ihn danach abgeholt und in ein geheimes Gefängnis gesteckt) – eine Erfahrung, die er sein Leben lang nicht vergessen werde. Klar ist nicht alles perfekt hier (ganz sicher nicht), aber wenn man solche Erfahrungen hört und dann das pausenlose Gemeckere und Gejammere hier in Deutschland dagegen hält … Haben wir es hier gut. Ich werde jetzt ENDLICH auch schreiben. Danke.

    P.S. Ich erlaube mir, den Link zu dem wunderbaren Interview im SWR2 reinzukopieren:
    http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/zeitgenossen/swr2-zeitgenossen-rafik-schami-deutsch-syrischer-schriftsteller/-/id=660664/did=14932000/nid=660664/14au962/index.html

    • mickzwo permalink
      24. Januar 2015 19:21

      Danke, dass Du wieder schreiben willst und danke für diesen Link!!

    • 24. Januar 2015 22:10

      Danke, danke, danke. (Du weißt bedeutend mehr über den Nahen Osten als ich.)

  5. Trippmadam permalink
    24. Januar 2015 19:14

    Mir bleibt zur Zeit auch die Sprache weg angesichts solcher Geschehnisse.

  6. 25. Januar 2015 3:29

    Heutezutage funktioniert der Terror anders, d.h. zumindest in Deutschland. Da sei man gerne mal eingeladen, den ALG-II-Empfänger seiner Wahl zu befragen … und gerne auch die, denen dann beim folgenden Einladungsgespräch dann vorgehalten wird, daß sie doch nun schon so lange nichts mehr auf FB gepostet hätten … weil es den Jobcentern nämlich erlaubt ist, bei ihren „Kunden“ dort herumzuschnüffeln …

    Wer mehr über deutschen Terror lesen mag, kann ja gerne hier einmal gucken: nachrichtenspiegel.de/2015/01/24/akuter-terroralarm-in-deutschland-millionen-in-gefahr/.

    Zeit aufzuwachen, denke ich. :)

    • 25. Januar 2015 7:17

      Huch? Kommentar verrutscht?
      So viel im Argen liegen mag: von körperlicher Folter sind wir hier weit entfernt, gottseidank. Grundrechte wie das auf Unversehrtheit sollten überall auf der Welt gelten; davon sind wir leider ebenfalls weit entfernt.

  7. karu02 permalink
    29. Januar 2015 18:51

    Vom Elend der Welt bekommen wir ja nur das mit, was uns die Medien vermitteln. Sehr selten sehen wir es mit eigenen Augen, vielleicht würden wir dann unseres Lebens nicht mehr froh. Ich glaube auch nicht, dass wir so weit von körperlicher Folter entfernt sind. Auf der Rückfahrt von Bayern habe ich Berichte der KZ-Überlebenden gehört und war genau so erschüttert, wie nach der Lektüre der Tagebücher von Victor Klemperer. Die kleinen, alltäglichen Grausamkeiten, die, die man nachvollziehen kann, wirken dabei viel stärker, als das unvorstellbare Morden. Es ist ja nicht so, als gäbe es solche Menschen nach 1945 nicht mehr. Gelegentlich und zunehmend zeigen sich solche Fratzen von Dummheit und Grausamkeit ja wieder. Mir macht das Angst.

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