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Fülle

17. Oktober 2014

Der Herbst hat mich herausgelockt: mit der Bahn an den Fluß und zu Fuß die Rebhänge hoch, noch vor der Sonne, um sie dann oben in den Hügeln zu erwarten.

bac-turm bac-frueh bac-ackernebel bac-sonnenweide ow-jakobsvogel

Lange hält sich im Tal der Nebel. Und was für ein Schauspiel er gibt: Er raucht die Hänge hoch, steigt weiß aus Baumgruppen und Wiesen, hebt sich hier und da, blitzt im Tal mit Flußsilber und ballt sich um die Hügelkronen, daß sie in den Himmel wachsen. Schließlich, als er dünn geworden ist, verleiht er allem einen spukhaften Schein; die Höhendörfer sehen aus wie Hirngespinste. Dann ist das vorbei. Die Landschaft hat wieder Substanz, die Sonne wärmt, und ich bin froh, den Aufstieg hinter mir zu haben.

Die Wälder auf den Hügelflanken tragen Grün wie Staub; als müsse man nur mit dem Ärmel darüberwischen, damit Rot und Gelb zum Vorschein kommen. Aber dafür braucht es wohl einen anderen Ärmel als meinen.

Auf dem Weg fülle ich die Taschen mit Kastanien und Nüssen. Dabei beobachten mich Mäuse, ein prächtiges Eichhorn und ein Paar Dohlen mit Eissplitteraugen. Unmäßig bin ich nicht, und es gibt genug, beruhige ich sie und ziehe meines Wegs.

Die letzten Brombeeren sind sauer, aber im Gasthaus auf der Höhe haben sie Beerenkompott mit Sahne und Aussicht für mich. Ich bleibe noch ein wenig sitzen, als mein Kaffee leer ist, und stelle mir vor, hier auf die Herbstfärbung zu warten, den Blick auf die Hügel gerichtet; in ein paar Tagen sollte es so weit sein … Natürlich breche ich doch wieder auf.

Und will, natürlich, wiederkommen. Unbedingt.

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30 Kommentare leave one →
  1. 17. Oktober 2014 11:58

    Sehr fein zu lesen. Als wäre man dabei.

    • 17. Oktober 2014 12:04

      Danke. Ich bin ja froh um mein Blog; was ich alles vergessen würde ohne das –!

    • 17. Oktober 2014 12:26

      Das stimmt. Manchmal kann man im Lesen des eigenen schwelgen :)

    • 17. Oktober 2014 12:28

      .))) „Wie, das soll ich geschrieben haben –? Oh, ein Tippfehler …“

    • 17. Oktober 2014 12:38

      Genau :D

  2. 17. Oktober 2014 12:54

    so schön *strahl* . danke fürs mitnehmen. hier hat es keine hügel.
    sonnengrüsse vom platten land! :-)

    • 17. Oktober 2014 12:59

      Oh, ich hoffe, Du bist wieder wohlauf, oder doch auf dem Wege dahin! Und daß Dir die Geschichten nicht ausgehen.

    • 17. Oktober 2014 13:42

      :-D auf dem weg. so ein virus ist n fieses ding! und anhänglich. gut, dass ich sonst fit bin. sonst würde ich das nicht so wegstecken. aber es gibt schlimmeres! :-D

  3. 17. Oktober 2014 19:04

    Eine sehr aufmerksame, feine Verständigung zwischen Tieren und Mensch. Ich wünsche gutes Wiederkommen.

    • 17. Oktober 2014 19:25

      Ich finde ja, ein bißchen schreckhafter hätte es ruhig sein können, das Getier. So von wegen Krone der Schöpfung und so.
      Und Wiederkommen wird gemacht, natürlich.

  4. 17. Oktober 2014 20:48

    … ach, was für eine feine fortsetzung der gestrigen fallgeschichte, jaaa!

  5. 17. Oktober 2014 20:49

    und wunderwunderbare bilder!

    • 17. Oktober 2014 20:53

      Danke. Gehen hilft ja eigentlich bei allem, und überhaupt. (So einen Urlaub wie ihr hätte ich gern mal, nicht den durch die Städte, sondern den durch den Wald. .))

    • 17. Oktober 2014 21:34

      wie wir also im sommer gemacht haben. mit zelt und allem und immer weiter.
      ja, das ist gute, beste lebenshilfe für alles.
      für ruhe und stille vor allem!

  6. 18. Oktober 2014 10:19

    Na, also dass Sie mich zum Wischen nehmen wollen… ;-)
    Ich mag Ihre stimmungsvollen Beschreibungen und in der Fotostrecke sind tolle Fotos – vielen Dank für dies alles.
    (das animiert mich, demnächst auch wieder einmal früh am Morgen, am Fluss, über dem Fluss…)
    Wochenendlich schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

    • 18. Oktober 2014 12:06

      Aber Herr Ärmel — doch nicht Sie! Allerhöchstens Ihren Ärmel, sollte der es sein, der zum Herbstherwischen taugt. Frühfotos? Da käm ich gerne gucken. Danke, und Wochenendgrüße zurück!

    • 18. Oktober 2014 15:51

      Wir werden im Kontakt bleiben . .
      Feinstgulasch&bandnudelsatte Grüsse vom Schwarzen Berg

  7. 19. Oktober 2014 9:49

    Irgendwann komme ich mit.

  8. 21. Oktober 2014 11:22

    Haha, wissen Sie was? Im ersten Moment habe ich „Einhorn“ gelesen. „… mich beobachten Mäuse, ein prächtiges Einhorn und Dohlen mit Eissplitteraugen.“ Ein Einhorn im Nebel! Davon hätte ich gern ein Photo gehabt. Hätte auch ruhig kitschig sein dürfen.

    • 21. Oktober 2014 11:26

      Dann wäre ich jetzt mindestens berühmt, wenn nicht gar reich, und das, äh, geht doch nicht –! Mein Einhorn hat ein weiches Fell und ein weiches /ch/.

  9. 22. Oktober 2014 12:41

    sehr schöne Bilder, ich wäre gerne dabei gewesen…

    • 22. Oktober 2014 17:07

      Danke. Liegt bißchen vom Schuß, ist aber eine Reise wert –!

    • 22. Oktober 2014 18:04

      man muss ja auch nicht immer beim Schuss sein, sonst hätte man ja einen Knall.

    • 23. Oktober 2014 17:21

      Ha! Wahr. Auch wenn das gute gelegentlich nahe liegt.

  10. 26. Oktober 2014 15:02

    „Er raucht die Hänge hoch…“ Wie das so herrlich trifft!
    Gestern hatte ich es ähnlich an der Hessischen Bergstraße! Der Oktober lässt uns lange „goldene“ Zeiten erleben, nicht wahr!

    • 26. Oktober 2014 17:37

      Ich finde, dieser ist ein Prachtexemplar. Dieses Jahr mochte ich sowieso, was das Wetter anging; aber das ist wahrscheinlich nur folgerichtig, denn ich war viel draußen.

Trackbacks

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