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Morgens, mittags, abends

9. August 2014

Ach, der Sommer: mein geliebter Hochsommerweg trägt sich schon mit Herbstgedanken. Ich steige mit dem Nebel aus dem Tal; die Sonne brennt mühsam ein Loch in den Himmel. Alle Mauersegler sind davongezogen, und die Lerchen schweigen.

Morgens. Mittags. Abends.

Auf den Schlehen am Wegrand liegt blauer Staub, und aus den grünen Zipfelröckelchen der Haseln lugen Nüsse. Im Beerengestrüpp zetern Vögel mit roten oder schwarzen Schnäbeln, den Tagen fehlt schon wieder eine Stunde Licht; aber zu Mittag, da sirrt die Hitze über Getreide und Stoppeln und Gras, da trägt der Sommer seine Wetterwolkenkrone noch erhobenen Hauptes.

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12 Kommentare leave one →
  1. 9. August 2014 14:06

    Ein Prosagedicht. Mais c’est formidable!

  2. 9. August 2014 15:29

    gestern kamen mir ähnliche gedanken … nur nicht ganz soo poetisch gedachte.
    seufz. auskosten. geniessen!

    • 9. August 2014 20:38

      Ich warte immer schon ängstlich auf die ersten Zeichen der Veränderung. Eigentlich soll es ja alles bleiben, wie’s ist, aber dann ist es doch aufregend, und da kommt ja wieder was Schönes, und … Auskosten, Du sagst es. Dieses Kippen; das mag ich.

  3. 10. August 2014 11:49

    Die liebste Stunde im Jahr ist mir, wenn die Hitze über dem Getreide sirrt. Danach, wenn diese Glückszeit vorüber ist und der Sommer welkt und stirbt, werde ich traurig: als würde ich verlassen werden.

    • 10. August 2014 18:20

      Treulos ist er, aber er geht ja nicht für lang. Und dann kommt die Zeit mit Morgenkühle und nassen Spinnweben, die mit Walnüssen und Weinlese, die mit Reifnadeln und winterblassem Himmel — oh, so viel zu sehen!
      Heute regnet es wie aus Eimern; da ist an Sommer nicht zu denken.

    • 11. August 2014 18:17

      Ja, und die Luft ist so frisch, dass man sie in großen Schlucken trinken möchte wie Quellwasser. Du hast schon recht: So viel zu sehen. So viel zu spüren. Leicht fällt der Abschied vom Sommer nicht (so wenig, dass ich mich jedes Jahr – und jedes Jahr ein kleines bisschen mehr – frage, wie oft der Sommer für mich noch zurückkommen werde). Trotzdem danke fürs Mutmachen und Vorfreuen auf den Herbst.

    • 11. August 2014 18:46

      (Wie viele Sommer noch? In einer Weltgegend ohne Jahreszeiten wäre die Antwort einfach: einer. Leicht wäre sie nicht, für mich; ich liebe diese Wechsel. Und so genau will ich’s nicht wissen.)

    • 13. August 2014 22:50

      Die Wechsel sind auch Reichtum, das ist wahr.

  4. karu02 permalink
    17. August 2014 11:59

    Schön hast Du den Beginn des Wechsels beschrieben. Hier hat es vor 3 Tagen zum ersten Mal nach beginnendem Herbst gerochen. Ich war ein bisschen erschrocken, weil gedanklich und körperlich noch mitten im Sommer.

    • 17. August 2014 14:07

      Es ist Mitte August — wenn die Jahreszeiten weiter so eilen, haben wir im Oktober Schnee. Aber so weit bin ich noch nicht; ich genieße die kalte Morgenluft und warte ab. Dem September traue ich einiges zu.

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