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Freizeit

22. Mai 2014

Wenn ich einen wunderschönen Tag haben möchte, dann ziehe ich die dicken Schuhe an, nehme meinen Rucksack und in aller Herrgottsfrühe die Bahn und fahre an einen Ort auf meiner Wanderkarte, von wo es nicht weit ist in den Wald. Und dann verschwinde ich ein für paar Stunden vom Radar.

Was mitkommt, muß verläßlich sein und darf keine Ansprüche stellen. Wasser, Brote, eine Decke vielleicht und ein Buch; wenn’s regnet, was zum Trockenbleiben. Die Karte. Im Winter eine Zeitung, auf die kann man sich setzen und hat was zum Lesen. Ein Telefon ist nicht dabei. (Und wenn ich sehr unerschrocken bin, auch keine Kamera.)

Was ich da tue, ist ganz und gar meine Sache. Mir gemäß. Und das möchte ich alleine tun, ungestört und unbeobachtet. Ich will nicht einmal die Möglichkeit haben, angerufen zu werden. Ich will nicht einmal die Möglichkeit haben, jemanden anzurufen: ganz und gar ohne Leine.

Das alles habe ich schon so gehalten, bevor die Telefone in den Taschen der Bürger politisch wurden. Ganz für sich zu sein, ist ein Grundbedürfnis. Wer erwachsen, mündig ist, will unabgemeldet gehen, unangemeldet kommen können, keine Rechenschaft ablegen müssen und niemanden haben, der ihm über die Schulter schaut. Auch nicht zur Sicherheit.

Freiheit, das ist so ein Schlagwort. Immer toll, und wild, und wie fliegen. (Dabei liegt vogelfrei gar nicht so fern, und Freiwild.) Wer wollte das nicht, frei sein? Ich will das auch. Auch wenn’s was kostet.

(Hier ein Text dazu; hier ein Bild.)

Nachtrag: Und hier ein Grund, auch im Wald mal nach oben zu schauen. Die Rechtslage legt zwar nahe, Bilder von Personen umgehend zu löschen, aber macht’s das angenehmer?

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26 Kommentare leave one →
  1. 22. Mai 2014 18:13

    So kann Dich ja keine Staatsdrohne finden, so ganz ohne Telefon (lach).

    • 22. Mai 2014 18:32

      Und keine Paketzustellung. Ich werde trotzdem nicht verhungern!

    • 22. Mai 2014 21:42

      Irgendwo gibt es immer einen Herrn Kinski.

    • 23. Mai 2014 11:47

      .))) Genau. Und Herr Kinski weiß, wo der Riesling steht.

  2. 23. Mai 2014 0:20

    Mit klarem Blick ins Zentrum gut beschrieben – dem ist nichts hinzuzufügen.
    Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

    • 23. Mai 2014 11:17

      Danke. Auf dem Schwarzen Berg ist es sicher noch etwas wilder, was? Hierzulande dürfte es schon einigen Leichtsinn und Mutwillen brauchen, um so richtig in Gefahr zu geraten.

    • 23. Mai 2014 11:41

      Die dünnstbesiedelten Gegenden Europas, Wetterstürze selbst in überschaubarem Gelände. Die letzten Braunbären, Wölfe und Lüchse. Kalkstein ist schwierig zu begehen. Und wenn dann auf der wanderung nach Stunden das Wasser zur Neige geht…

    • 23. Mai 2014 11:51

      Hier hingegen: Rehe sind die größten, Mücken die gefährlichsten Tiere, denen man begegnet. Wenn wirklich mal die Wasserflasche leer wird, klingele ich einfach irgendwo im nächsten Dorf und bitte um Nachschub. Und selbst wenn ich mir die Haxen brechen würde: bis der nächste Bauer / Hundebesitzer / Jogger / Waldarbeiter … vorbeikommt, dauert es nicht ewig. Neenee, ganz anders.
      (Würde mich allerdings schon reizen, so eine Wildnis. Natürlich gut vorbereitet.)

    • 25. Mai 2014 23:51

      Ich übertreibe nicht wenn ich dir schreibe, dass du hier voll auf deine Erwartungen kommen würdest…
      Schöne Neuwochengrüsse vom Schwarzen Berg

    • 26. Mai 2014 9:48

      Glaube ich! Und habe größten Respekt davor — insofern: schön, daß ich hier einfach reinwandern kann in Mücken, Rehe und Kulturland. Das wäre anderswo eine Expedition.

  3. 23. Mai 2014 9:04

    Wenn ich immer von Selbstbestimmung rede, meine ich diese Art Freiheit, von der Du schreibst.

    • 23. Mai 2014 11:20

      Ich glaube, das kommt aus der Pfadfinderei. Keine Spuren hinterlassen, wenig brauchen, aus eigener Kraft vorankommen. Ein Spaß ganz ohne Komfort. .)

    • 23. Mai 2014 12:23

      Aaah, ein Pfadfinder… Ich war fünfzehn Jahre dabei. Davon bleibt was und du hast es trefflich beschrieben…

    • 23. Mai 2014 12:30

      Ha! Bei mir war’s nicht gar so lang. Ja, davon bleibt was. Und bis heute ist das die am leichtesten akzeptierte „Begründung“ dafür, warum ich lieber mit Karte als mit Navi reise.

      PS: Und es gibt auch geborene Pfadfinder. Natural Born Wandervogel!

  4. 23. Mai 2014 9:26

    Ich denke, das „Mir gemäß“ ist das entscheidende Movens solcher Ausflüge. Wilhelm Genazino hat dafür einmal in einem seiner Romane das Wort „Selbstmaßstäblichkeit“ benutzt, was ich sehr treffend finde.

    Vielen Dank für die Verlinkung.
    Mein Bild sollte unter anderem auch zeigen, dass wir uns selbst im Alltag in kleine visuelle Oasen flüchten können, in denen wir dann für eine gewisse Zeit nach eigenem Gusto leben.

    Gruß, Uwe

    • 23. Mai 2014 11:23

      Dein Bild zeigt diese Fluchtmöglichkeiten, und es zeigt, wie flüchtig sie sind. Ich fürchte ein wenig um sie.

  5. 23. Mai 2014 14:01

    „Was ich da tue, ist ganz und gar meine Sache. Mir gemäß. Und das möchte ich alleine tun, ungestört und unbeobachtet. Ich will nicht einmal die Möglichkeit haben, angerufen zu werden. Ich will nicht einmal die Möglichkeit haben, jemanden anzurufen: ganz und gar ohne Leine.

    Das alles habe ich schon so gehalten, bevor die Telefone in den Taschen der Bürger politisch wurden. Ganz für sich zu sein, ist ein Grundbedürfnis. Wer erwachsen, mündig ist, will unabgemeldet gehen, unangemeldet kommen können, keine Rechenschaft ablegen müssen und niemanden haben, der ihm über die Schulter schaut. Auch nicht zur Sicherheit.“

    ich brauche das alleinsein sooo sehr, und doch bin ich oft an der leine. auf unserer wanderung im sommer, soll das telefon so oft wie ich es schaffe, aus sein. eine art „entzug“ auf eine andere art. dein text trifft mich sehr, berührt mich, weil ich dieses bedürfnis auch oft habe, nur viel zu wenig meinem impuls folge und einfach losziehe. wald und wiesen-wanderung – das andere www. eins, das das herz nährt. aber dein artikel hier im www tut es auch.

    sowohl-als auch. und manchmal nur das eine oder das andere.

    danke!!!!

    • 23. Mai 2014 19:28

      Manchmal sind es auch Kompromisse. Fernlieben zum Beispiel machen das Ohne-Leine-Sein schwierig, wenn der Kontakt on-line gehalten wird. Oder wenn der Liebste leinenlos in Angst und Schrecken geriete. Aber in Deinem anderen WWW-Projekt: hab es gut! Und Leinen los! .))

  6. karu02 permalink
    23. Mai 2014 15:17

    „Andernfalls solltest du dich vor dir selbst in die Menge zurückziehen.“
    Das scheint das gängige Modell zu sein, ich beobachte es überall ringsum. Mein Bedürfnis, ganz für mich zu sein, ob in der Wildnis oder daheim, stößt immer auf Unverständnis.

    Und jetzt kann ich gar nicht mehr „ungemeldet“ sein, muss erreichbar bleiben, kann nicht einfach loslaufen, um zu sehen, wohin es mich führt. Das ist schwer auszuhalten.

    Wie ich hier gerade las, gibt es auch Menschen, die das verstehen.

    • 23. Mai 2014 19:38

      Wenn ich mich recht erinnere, bist Du auch eine Vertreterin des Schweigens im Walde …
      Angebunden sein, aus Angst, das ist schwierig. Wenn Liebe dabei ist, geht es vielleicht.

    • karu02 permalink
      24. Mai 2014 11:31

      Je älter ich werde, desto mehr ist mir das Schweigen nicht nur im Walde wichtig.
      Ja, die Sorge aus Liebe macht auch Undenkbares möglich.

  7. 24. Mai 2014 23:50

    Freizeit – frei über seine Zeit verfügen können…. was gibt es schöneres. Gestern in meiner ‚Freizeit‘ habe ich eine schöne Stelle von Max Dauthendey gelesen, die wunderbar zu deinen Gedanken passt: „Solchen innersten Zusammenkünften der Gedanken- und Gefühlswelt, die der Wald oder der Fluß, das Meer oder nur ein Feldweg in Stille und Einsamkeit dem Menschen anbieten, diesen schweigenden unergründlichen Unterredungen zwischen Menschgedanken und Naturgedanken gaben die Menschen sich seit Jahrtausenden immer gerne willig hin. Ich meine die natürlichen, gesunden, einfachen und starken Menschen, jene klugen Menschen, die fühlen und wissen, dass nicht der Mensch allein dem Menschen Lebensklugheit gibt und Lebensreichtum. Keine bewußten Gedanken machen einem vor der Natur jene Bereicherung und jenes Klügerwerden klar. Aber der ganze Mensch fühlt sich, wenn er wieder aus Natureinsamkeit, von jener schweigenden Unterhaltung, die er mit den Naturleben pflog, zu den Menschen zurückgekehrt, lebensbestärkter und lebenssicherer und benimmt sich dann also auch lebensklüger und lebensreicher zu den Mitmenschen.“ (aus ‚Gedankengut aus meinen Wanderjahren, S. 215)

    • 26. Mai 2014 9:45

      Oh, das ist schön, danke für den Dauthendey. (Ich habe bislang nur Gedichte von ihm gelesen, die ich mochte.) Ja, die Wandervögel — die gab es zu allen Zeiten. Muß also was dran sein.

    • 31. Mai 2014 21:28

      das gefällt auch mir sehr …

  8. 31. Mai 2014 21:27

    ich kann dich absolut verstehen,liebe Lakritze, denn auch ich wandere grundsätzlich ohne Telefon und meistens weiss auch niemand wohin ich gehe- ich selbst gehe davon aus, dass ich zurück komme und unterwegs heile bleibe- allerdings steckt schon seit ein paar Jahren eine trillerpfeife in meinem Rucksack, die kann viele Meter tönen, falls dann eben doch mal was sein sollte …
    meine Kamera allerdings habe ich doch mittlerweile meistens dabei, manchmal nicht und dann stelle ich fest, dass ich anders aufnehme …

    liebe Grüsse von Wanderschuh zu Wanderschuh

    • 2. Juni 2014 10:06

      Wie man hier lesen kann, sind leider auch andere Kameras dabei: Wildkameras oder Revierkameras, die Waldstücke überwachen und bei Bewegung den Jäger per Mobiltelefon alarmieren.

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