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Zwanzig Dinge

7. November 2013

Zwanzig Dinge über mich: das ist ein Stöckchen, das ich beim hochgeschätzten @formschub gefunden habe. Bei Zuwurf-Aktionen mache ich eher nicht mit, es sei denn, etwas daran faszinierte mich. Hier ist es das Fehlen von Fragen.

Auf Fragenkataloge antworte ich nicht gern.

Ich weiß zum Beispiel nicht, wie ich meinen Beruf nennen sollte, und bezeichne mich meist als Textarbeiterin, was aber auch nur die halbe Wahrheit ist.

(Halbe Wahrheiten mag ich im Netz sowieso; ich bin da Geheimniskrämerin.)

Ich besitze eine zweistellige Zahl von Wörterbüchern allein der deutschen Sprache. Hinzu kommen zwei Lexika verschiedener Jahrgänge; ich wünsche mir mindestens ein weiteres.

Das erste Buch, das ich als Kind gelesen und nervenzerfetzend spannend gefunden habe, war ein Unterseeboot-Roman. Die Hauptperson heißt Pawlik, es gibt tolle Tauchausflüge, und an Bord ist ein Spion. Als Erwachsene war ich einigermaßen entsetzt: durchsichtig konstruierte Geschichte, unplausible Entscheidungen, und die Sprache (Übersetzung aus dem Russischen): übelst. Tja.

Ich habe keinerlei Talent zum Reichwerden.

Wenn ich aber reich wäre, dann müßten ein paar Menschen in meinem Umfeld nur noch das tun, was sie am besten können und am liebsten mögen.

Ich habe ein schlechtes Gedächtnis. Mein Hirn ist angefüllt mit Trümmern von Gedichten, Sagengestalten der Antike und katholischen Heiligen. Da ist nicht viel Platz für Namen, Zahlen und Einkaufslisten.

Gern würde ich auf einem Turm wohnen.

Ich würde auch sonst gern ein paar Dinge machen, die zu nichts nutze sind. Ein Buch abschreiben, von Hand und nach allen Regeln der Kunst, zum Beispiel. Oder bis ans Meer gehen.

Häufig in meinem Leben bin ich für einen Mann gehalten worden. Meist fand ich das amüsant. Einmal habe ich es selbst aufgeklärt; das war, als ein Flugbegleiter so mit mir zu flirten begann, daß ich reagieren mußte. Jedenfalls gibt sich das mit dem Alter.

Menschen mag ich, aber keine Menschenmassen. Auf Messen, Großveranstaltungen, Jahrmärkten und Demonstrationen werde ich sehr leicht sehr unglücklich, es sei denn, ich bin in guter, verständnisvoller Gesellschaft. Daher meide ich solche Sachen.

Bei Wind und Wetter draußen sein, macht mir hingegen wenig aus. Nur wenn ich durchnäßt bin, ohne Aussicht auf Besserung, bekomme ich schlechte Laune.

Ich trinke Leitungswasser; in Deutschland überall. Und gerne. Wenn ich friere, trinke ich es heiß; in Cafés heißt das: einen Pfefferminztee ohne den Tee, bitte.

Ich stapele.

Ich versuche, möglichst wenig Schaden anzurichten. Das gelingt mir nicht immer.

Es gibt nichts besseres auf Erden als gute Geschichten, und das Wunderbare: die Welt ist voll davon. Wenn ich das könnte, würde ich sie erzählen; ich bin sehr froh, daß andere das machen.

Ich gucke gern hinter Kunstwerke.

Und ich habe erst einmal einen Menschen getroffen, der in Museen länger braucht als ich.

 

Dieses Stöckchen darf mitgenommen werden (bitte einen Backlink oder einen Kommentar dalassen). Viel Spaß mit den zwanzig Dingen; ich freue mich darauf, sie in anderen Blogs zu lesen.

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36 Kommentare leave one →
  1. 7. November 2013 11:20

    Ich finde, das klingt sehr sympathisch, besonders Dein Wunsch, unnuetze Dinge tun zu wollen. Die Welt ist zu voll von nuetzlichen Dingen. Lieben Gruss, Peggy

    • 7. November 2013 11:27

      Die Welt ist zu voll von nützlichen Dingen — das ist schön. Danke, Peggy!

  2. 7. November 2013 14:07

    Warum überrascht mich das alles gar nicht? :-)

    • 7. November 2013 14:10

      .)) Ich habe zwischendurch gedacht: zwanzig Dinge, das sind aber viel. Und hinterher habe ich gemerkt, daß ich die Hälfte vergessen habe. Da wären die Überraschungen dabei gewesen … ,)

    • 7. November 2013 15:01

      Für mich sicher nicht. Ich dachte bei jeder Aussage, ja, das passt zu dem Bild, das ich mir während meiner bisherigen Bloglektüre so von Dir gemacht habe. Obwohl mir natürlich gar nicht klar war, dass ich ein solches hatte …

    • 7. November 2013 16:06

      Das ist erstaunlich, oder? Ich habe von meinen virtuellen Bekannten auch ziemlich faßbare Bilder; manchmal Details wie die Augenfarbe, ein Arbeitsplatz, wie sie Kaffee trinken oder lachen … Das scheint man so zu machen als Mensch.

  3. 7. November 2013 16:42

    Schön & liebenswert, besonders das mit dem Schaden vermeiden : )

    • 7. November 2013 18:26

      Danke, Petra. Ich halte das für einen legitimen Leitfaden fürs Leben, wenn man sich das mit dem Weltverbessern mal abgeschminkt hat. .)

  4. karu02 permalink
    7. November 2013 17:10

    Du weißt bemerkens- und beneidenswert gut über Dich Bescheid.

    • 7. November 2013 18:27

      Naja. Ich habe einfach mal zwanzig Dinge über mich notiert. Und so leicht war das gar nicht. .))

  5. 7. November 2013 18:25

    oooh, wie schön du das alles geschrieben hast, liebe lakritze.

    in einigen dingen sehe ich mich grad ertappt und als eine deiner seelenverwandten.

    dass man dich als mann halten könnte, kann ich mir – die ich die ehre hatte,dich persönlich zu treffen – nun wirklich ganz und gar nicht vorstellen. also wirklich!

    [ich mag deine bescheidenheit zwar, aber fehlt da nicht noch understatement in der liste … ;-)]

    ps: das mit dem stapeln ist bei mir übrigens das kritzeln. :-)

    2. ps: ob ich das stöckchen aufnehmen werde? ich glaube, dafür bin ich zu faul. oder vielleicht eher zu ausgelastet im moment. darum würde vielleicht einfach stehen: 1.) ich bin faul … 2.) ich bin immer noch faul … etc. :-) und weil ich ja auch schaden vermeiden will … na ja … ;-)

    • 7. November 2013 18:33

      Haha! Danke, Soso. Kritzeln, da kommt sogar was bei raus –! Deine Liste würde ich ja auch gerne lesen — irgendwann hast Du vielleicht wieder Zeit? Ich mag das, daß sie so ganz ohne Vorgaben daherkommt und man sich die Fragen selbst stellen muß.
      Die Bilder sind sehr unterschiedlich; das von formschub zum Beispiel …

  6. Trippmadam permalink
    7. November 2013 21:43

    Unter Textarbeiterin kann ich mir durchaus etwas vorstellen.

    • 7. November 2013 21:51

      Das sagen wahrscheinlich nur Textarbeiterinnen.

    • 8. November 2013 9:26

      Mir ist heute nacht noch eine Halbwahrheit eingefallen, die ich sagen könnte: Ich bin Textfriseurin.

    • meme permalink
      8. November 2013 14:16

      „Textfriseurin“ – wie schön, dieser Ausdruck

      Ähnliches mache ich täglich, wenn ich wirre Textkonglomerate auf ein verständliches Format im vorgegebenen Zeichenrahmen „frisiere“ – allerdings nur in ganz banalen Zusammenhängen.

      Bei meinen eigenen Texten gelingt mir das weniger. So wurden jetzt meine als ausufernd bekannten Qype-Geschichten vom Nachfolger Yelp ebenfalls auf eine vorgegebene Zeichenlänge frisiert. Oder sollte ich besser sagen gestutzt – Cut mitten im Satz ….

      Nun wird es wohl doch Zeit für den schon lange anvisierten „von Höcksken op Stöcksken“ Blog.

    • 8. November 2013 14:23

      Was, ernsthaft, meme? Gestutzt? Das ist nicht nett und, ja, das schreit nach Blogeröffnung. Falls Rat & Tat vonnöten sind — Blog kann ich ein bißchen. .)

    • 8. November 2013 16:56

      Textfriseurin ist aber wirklich hübsch!

    • 8. November 2013 20:37

      Nicht gar so harmlos wäre Texthauerin, Textchirurgin oder auch nur Textrenkerin — und alles zutreffend.

  7. 8. November 2013 9:25

    Wenn Du keine Geschichten erzählen kannst, wer dann? Würde ich Dich gar nicht kennen, würde ich Dich jetzt unbedingt kennenlernen wollen. So freue ich mich, dass ich dieses Vergnügen schon haben durfte und finde nur, dass es schade ist, Dich nicht besser zu kennen.

    • 8. November 2013 9:33

      Oh. Oh! Ähm, danke sehr, Frau Eichhorn!
      Was das Geschichtenerzählen betrifft, da bin ich von einer bedauerlichen Kürze. Hier ein bißchen, da ein bißchen … Ich kenne ja Leute, die haben zwei Romane in der Schublade liegen, ganze Geschichtenuniversen; so was wird mir nie passieren.
      (Wir müssen wirklich mal ein Stück gehen, übrigens. Hätte ich große Lust drauf.)

  8. 8. November 2013 16:44

    ein wunderbares Stöckchen und so erfahre ich ein wenig über dich, da ich ja erst kürzlich (aber auch endlich) deinen Blog besuche- mal schauen, vielleicht nehme ich ja das Stöckchen auf- Zurzeit geht aber mal wieder mein Internet nicht, kann sich nur um Tage handeln und ich nutze soeben die etwas längere Kochpause uff Arrbeyt, um ein wenig in Bloghausen spazieren zu gehen …

    herzliche Grüße
    Ulli

    • 8. November 2013 16:52

      Danke, liebe Frau Blau. Doch, das ist explizit zum Mitnehmen; würde mich freuen. Und eine sehr hübsche Übung ist es außerdem. Viel Spaß beim Kochpausieren!

  9. 9. November 2013 20:07

    Apropos Textarbeiterin, mir fiel gerade Buchstabenschubserin ein (wir hatten’s vom Zahlen schubsen) : )

    • 9. November 2013 20:33

      .))) Wie schön. Buchstaben schubsen, Wörter streicheln und so manches grammatische Gefüge schrecklich in den Hintern treten. .)

    • 9. November 2013 20:36

      : ) Wörter streicheln ist auch fein – und das mit der Grammatik auch : ))

    • 11. November 2013 19:42

      Ach ist das schön, dies alles hier zu lesen! So viel Poesie und feine Worte.

    • 11. November 2013 20:06

      Ich finde meine Kommentarspalten ja auch zum Vergolden und Hinstellen. .)

  10. 14. November 2013 19:22

    Toll beschrieben. Nur das Stapeln solltest Du überdenken oder in Bahnen lenken.

    • 14. November 2013 19:38

      Danke. In Bahnen lenken? Hm. Vielleicht Dönerspieße bestücken? Maurerin? Konditorin? .)

    • 14. November 2013 19:42

      KünstlerIn, SkulpturIn….. na jedenfalls keine Salz und Pfeffer StaplerIn

    • 14. November 2013 19:45

      Hihi — verkaufe Kunst. (Nur an Selbstabholer.)

  11. 4. Mai 2016 11:38

    Ich wollte mich einfach mal vorstellen, nachdem ich hier schon ganz frech „gemocht“ und kommentiert habe. Gelandet bin ich hier über Anhora. Was so ein harmloses „Gefällt mir“ doch zuweilen auslöst. ;-) Eine sehr schöne Vorstellungsseite. Einige Dinge könnte ich glatt unteschreiben. :-)

  12. 11. Dezember 2017 19:30

    Liebe Lakritze,
    danke für dein Bemühen um die deutsche Sprache.

    ich weiß, wie schwer das ist: Ich hatte mal eine Seite namens „www.apostrophen-alarm.de“, sogar die SZ hat darüber berichtet: http://www.sueddeutsche.de/panorama/neue-rechtschreibung-sieg-des-deppenapostrophs-1.663780

    Grüße vom kinogucker

    • 11. Dezember 2017 19:44

      Oh, Grüße zurück! Die Apostrophen-Seite kannte ich. (Und ich bin in der Position, tatsächlich gedruckte Fehler verhindern zu können; das verbuche ich großzügig unter Weltverbesserung.)

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