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Schafe und Nebel

26. September 2013
Streuobstbäume im Nebel ...

Streuobstbäume im Nebel …

Im Nebel geht es sich wie im Traum. Man sieht voraus gerade bis zur nächsten Wegmarke; das Vergangene ist schnell vom Dunst verschluckt, und links und rechts des Pfades gibt’s ohnehin nur weißes Nichts. So zweifellos richtig kann man nur an einem Nebeltag unterwegs sein.

Das heißt, falsch machen kann man schon was, wenn man’s richtig anstellt. Man kann in den Wolken den Anstieg nehmen dahin, wo es vage heller ist. Wird es zu warm, kann man ja den heißgeliebten Wollpullover (genannt: das Schaf) ausziehen und an den Rucksack klemmen. Weiter und weiter kann man in den Nebel laufen, über Ausblicke bzw. den Mangel daran staunen und erst einige Kilometer später feststellen, daß das Schaf fehlt. Fort ist. Nicht mehr da.

Dann kann man abwägen. Pulloverlos weitergehen? Oder umkehren, suchen? Auf dem Weg zurück wird man Menschen begegnen, die einem das Schaf genau beschreiben können, sie haben es nämlich gesehen; ein schönes Stück. Auch ein schönes Stück ist es bis zum Fundort, und das weiß man leider genau, man kennt ja quasi jede Steigung. Nur daß man sie vorhin bergab gelaufen ist.

Unterwegs: Besorgnis. Es wird doch keiner das Schaf, das schöne, mitgenommen haben –? Dann wäre man ja alle die Kilometer umsonst … Oder wenn man es übersähe? Irgendwo falsch abböge? — Weiter, weiter. — War das wirklich so weit?

Da, hinter einer Kurve liegt es, das Schaf. Eine freundliche Seele hat es vom Weg genommen und in trockenes Gras gelegt, wo es nun wartet. Man fällt sich in die Arme; oh, schön warm!

Inzwischen ist auch der Nebel weg. Bleibt die Moral von der Geschicht: Was man nicht im Kopf hat, muß man in den Beinen haben.

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20 Kommentare leave one →
  1. 26. September 2013 16:13

    Määääääh! :-)

    • 26. September 2013 16:38

      Zum Glück schweigt es, dieses Schaf. Ich wäre nicht glücklich mit einem, ähm, mähenden Pullover.
      Hier übrigens habe ich gelernt, daß es Schafe nicht nur in flocks gibt, sondern auch als pride, fold, mob und meinie. Auch wenn das gar nix ist gegen an envelope of gnu. Oder a parade of echidnas, deren Küken entzückenderweise puggle heißen … Thanks again for the link.

    • 26. September 2013 19:05

      „Da nich für!“, würde ich als waschechte Hamburgerin entgegnen können, aber ich bin ja nur eine Quiddje, da beißt die Maus keinen Faden ab.

      Neulich kam in einem zu übersetzenden Dialog was mit Gruppentierwort + donkey vor. Ersteres hab ich schon wieder vergessen – es war nur mit Eseln kombinierbar. Werde ich nie wieder brauchen. Ich rätsele übrigens immer noch, wie wohl Frau und Kind Dachs auf Deutsch heißen mögen. Auf Englisch ist es ja boar – sow – cub. Aber da wir Frau Wildschwein als Bache bezeichnen, gibts da vielleicht noch was Abwegigeres …

    • 27. September 2013 8:11

      Ich habe geschaut und nur Dächsin und Jungdachse gefunden. Was ja besser ist als, naja, Dachsweibchen und Dachsjunge. Andere Tiere sind da besser aufgestellt — darüber hätte ich gern mal ein Wörterbuch.

    • 27. September 2013 14:57

      Vielleicht kann Euch der Bundesverband Deutscher Jagdaufseher helfen ?

      http://www.bdja.eu/images/pdf-brauchtun/130_131_jaege_sprache_dachs_2106.pdf

    • 27. September 2013 20:55

      Heidernei. Bzw. Halali. Das ist mal ein Haufen Fachsprech … Danke fürs Aufspüren. (Fähe. Na, schon hübscher; auch wenn ich bislang dachte, das seien die Füchsinnen.)

  2. 26. September 2013 16:30

    Und: Was man nicht in den Beinen hat, muss man im Bauch haben – Das Loch im Bauch, in das man hineinfallen kann.

    • 26. September 2013 16:41

      Ah, der Herr Botschafter schreibt wieder! Wie erfreulich.
      Ja, Treibstoff auffüllen geht durch den Magen. Mit dem Nabel hingegen wären wir beinahe wieder beim Nebel, und so schließt sich immerhin ein Kreis.

  3. Philipp Elph permalink
    27. September 2013 7:52

    Sag mir wo die Schafe sind
    Wo sind sie geblieben
    Sag mir wo die Schafe sind
    Was ist gescheh’n
    Sag mir wo die Schafe sind
    Nebel nahmen sie geschwind
    Wann wird man je verstehn
    Wann wird man je verstehn

  4. 29. September 2013 14:18

    Es gibt Dinge, die wollen einen gleich wieder verlassen, das merke ich manchmal sofort, wenn ich sie bekomme/kaufe…
    Schön, dass dein Schaf bei Dir bleiben wollte…

    • 29. September 2013 14:33

      Oh, ich wäre kreuzunglücklich gewesen. Jetzt hat das Schaf eine Geschichte mehr, und ich überlege, ihm ein Glöckchen zu verpassen.

  5. 29. September 2013 22:22

    Das Glöckchen nützt aber doch nur, wenn es bewegt, also getragen wird, und da weiss man ja hoffentlich ohne Hilfe wo es ist.
    Immer schön hüten, das Schaf. Das hilft.

    • 30. September 2013 9:52

      .) Es wäre ein Andersrum-Glöckchen: Wenn’s leise wird, lieber mal nachgucken.
      (Nee, das wird nix. Das Gebimmel würde mir derart auf die Nerven fallen …)

  6. 11. Oktober 2013 11:36

    Jetzt hast Du mir aber einen Schreck versetzt. Das Schaf verlieren! Bin ich froh, dass Du es wieder hast.

    • 11. Oktober 2013 12:52

      Und ich erst –! Wie sollte ich über den Winter kommen?

  7. 14. Oktober 2013 10:44

    Ich glaube, das Schaf hat sich auch gefreut und wird von nun an besser aufpassen, sich besser festhalten. Obwohl – so ganz klug sind Schafe, glaube ich, nicht. Außer vielleicht Shaun. Schön, dass sich der Weg gelohnt hat.

    • 14. Oktober 2013 15:23

      Neenee. Denkende Pullover wären mir auch nicht recht. Muß wohl einfach besser aufpassen …

Trackbacks

  1. « vorlaufen zum tode » | neuköllner botschaft
  2. Fünfe gerade | Stopfblog

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