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Schloß Oranienbaum

31. August 2013

Was ist es nur mit Schlössern? Geschenkt wollte ich keines haben; zu wartungsintensiv. Zu viele Fenster, zu viele Oberflächen, zu symmetrisch. Immer Ärger mit dem Personal. Besuchen mag ich sie jedoch gerne, und Oranienbaum, Teil des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs, ist ein besonders schönes.

Büste

Das Fürstliche und der Verfall.

Klein-Holland in Anhalt, so heißt es; ein niederländischer Architekt plante Schloß und Ortschaft 1683. Der Eindruck ist der zurückgehaltener Niedlichkeit; erfreulich schlicht beherrscht der Bau den Park, oder vielmehr: der Park den Bau, denn die Gartenanlage ist hier die Hauptsache.

Oranienbaum Oranienbaum ob-bank ob-sommerspeisesaal ob-orangerie2

Restaurierter Fürstenprunk weckt in mir schnell Überdruß. Vergoldungsallergie. Doch diesem Schloß sieht man die Zeitläufte an; es bröckelt und blättert ganz allerliebst um einige Glanzstücke herum. Die Dielen knarzen, daß es Gott erbarm, und im Keller existiert ganz real DDR in Form einer ResopalSprelacart-Garderobe. Überall wird gewerkelt und gemacht — alles provisorisch hier, so war das mal, so könnte das werden, und das Gefühl entsteht: der alte Kasten lebt.

Dringliche Besuchsempfehlung.

11 Kommentare
  1. 31. August 2013 18:33

    Sie schreiben „Zeitläufte“ — das gefällt mir.

  2. Trippmadam permalink
    31. August 2013 20:21

    Ja, auch da möchte ich noch hin.

  3. 31. August 2013 23:17

    Herr Gemoll, aber Ehrensache — ich schreibe auch Teelichte! Ist doch was ganz anderes als die Pollen. Es lebe der Extremplural!
    Mme Tripp, oh, unbedingt. Ich auch — ein Besuch reicht nicht.

  4. 1. September 2013 9:13

    ich mag schlösser auch, weil sie meine phantasie beflügeln. aber drin wohnen: nein danke!
    schöne bilder und gedanken dazu, liebe lakritze.
    dass du am bildersortieren bist, lässt hoffen … :-)

  5. 1. September 2013 11:12

    Ein wunderbares Ziel…

  6. 1. September 2013 11:17

    Soso, doch, das würde ich mal probieren wollen: Wohnen in einem Schloß. (Wahrscheinlich müßte ich hinterher, zum Ausgleich, zelten.) Das dürfte ein sehr besonderes Gefühl sein; umso mehr muß es das vor dreihundert Jahren gewesen sein, als es nicht viel gab zwischen Hütten und Palästen …
    Rich, das gehört vermutlich zum Kanon? Es gab dort ein Projekt Studenten restaurieren, da hätte ich mich glatt eingeschrieben und was gelernt.

  7. 1. September 2013 18:19

    Das Resopal hieß in der DDR Spreelacart (und wird unter diesem Namen bis heute noch produziert, siehe in der Wikipedia den Artikel dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Sprelacart).

    • 1. September 2013 18:23

      Oh, danke! Das werde ich ändern; mir fiel das Wort nicht mehr ein.

  8. 1. September 2013 18:27

    Ein feines Schlösschen, drin war ich noch nicht, aber den Garten fand ich, als ich das letzte Mal vor Jahren dort war, sehr schön.

    • 1. September 2013 18:31

      So weit ist das wohl nicht von Moabit? — Deine Bilder würde ich gern sehen!

    • 1. September 2013 18:59

      Ich weiß gar nicht, ob ich damals so viele Bilder gemacht habe, muss mal im Archiv nachschauen (in der Hoffnung, das es passend verschlagwortet wurde).

Kommentare sind geschlossen.