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Nächtliche Heimkehr

19. November 2012

Zum Jahresende, wenn unsere Erdhalbkugel nach und nach ins Dunkle kippt, werden die Nächte Lebensraum. Eine Zeit, die ich mag; der Gesichtskreis verengt sich auf den Schein einer Lampe, das Wesentliche der kleinen Dinge tritt hervor, und die vermeintlich großen liegen im Schatten.

Im Dunkeln nun heimwärts durch die Stadt, die nachts so vertraut ist wie bei Licht, nur stiller. Auch gelber, vom Licht der Straßenlampen, und am gelbsten da, wo die Ahornblätter liegen. Nachts dürfen sie fallen, den Boden bedecken, und sie dürfen liegenbleiben, wo sie, bei Lichte gesehen, sofort zusammengepustet würden.

Was also tun? Ganz leicht: Im gelben Straßenlicht die gelben Blätter durcheinanderwirbeln, die vorgefundene Unordnung umordnen zu Spuren, die keiner sieht, und dann still nach Hause gehen.

Nachtlaub.

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17 Kommentare leave one →
  1. 19. November 2012 20:18

    Ja, das Laub duftet nach Herbst, selbst in der Stadt, aber nur ganz früh morgens, wenn die Stadt noch still ist…

  2. 19. November 2012 20:21

    Und wenn sich die Straßen dann vollends entblättert haben, kann man im Haus fröhlich weiterahornen: http://www.tafeldeko.de/servietten_falten/ahornblatt/ (Kleiner Tipp: Braun muss nicht unbedingt sein.)

  3. karu02 permalink
    19. November 2012 21:15

    Genau so: …und dann still nach Hause gehen. Schön und gut.

  4. 20. November 2012 10:41

    Rich, finde ich auch: nachts kann man sich fast am Geruch der Bäume in der Stadt orientieren. Hier Ahorn, da Mehlbeere, dort Platane. Tagsüber: nichts als Abgas.
    AGT, haha! Die Vorstellung, wie treusorgende Bürger ihre Straßenbäume im Winter mit Blättern ausstatten, ist unwiderstehlich.
    Karu: danke.

  5. 20. November 2012 20:47

    sind das perlen, die da zwischen und auf den blättern glänzen? nein, sicherlich nur wassertropfen.
    die blätter leuchten sehr schön und intensiv, nicht nur in der nacht. besonders an trüben tagen kann man sie leuchten sehen wie lichtinseln im dämmer.
    aber deine nachtaufnahme gibt ihnen noch mehr „würde“.
    dieses (laternen)licht ist ein gedenklícht.
    grüße, uwe

    • 20. November 2012 22:00

      Gelb ist sonst keine Farbe, die ich schätze; in der Nacht sticht es so hervor, daß es schwebt. Danke für den Kommentar — Perlen wären hübsch.

  6. 21. November 2012 0:47

    ein wunderschöner artikel, poetisch, nachtstill-knisternd und voller gerüche. du sprichst aus, was ich manchmal, nachts draussen, auch wahrnehme. und nachts, ich gestehe es, mag ich herbst und winter ziemlich gerne. (aber nachts mag ich auch ommer und frühling gerne …)

    herzlich, soso

    • 22. November 2012 8:58

      Genau — nachts sind alle Jahreszeiten schön!
      Für mich fühlen sich Sommernächte immer etwas irregulär an — ich werde früh müde. Darum mag ich das so im Winterhalbjahr.

    • 22. November 2012 11:49

      ah, ich als eule hab da eher mit dem frühen (sprich nächtlichen aufstehen) im winterhalbjahr meine probleme … tja :-)

    • 22. November 2012 14:19

      Ach, morgens ist es eigentlich sehr schön; die Stille, wenn sonst noch niemand auf ist. Wir könnten uns Früh- und Spätschicht teilen! ,)

  7. 22. November 2012 11:21

    gülden laub bedeckt die strasse der sehnsucht,einen tritt vermeiden..

    • 22. November 2012 14:20

      Aber nicht doch — nur zu, mitten durch!

  8. 22. November 2012 14:30

    es raschelt glaub ich ,der frost und der wind das ewige kind
    wie sie fortgeblasen tanzen um zu sinken
    auf der erde nieder
    hin

  9. 29. November 2012 10:10

    Schön, dass die Blätter nachts liegenbleiben dürfen – und du Spuren hinterlassen hast, dort unsichtbar, hier sichtbar.

  10. 2. Dezember 2012 21:29

    Danke. Unsichtbare Spuren haben ihren ganz eigenen Reiz. Ich habe mal zwei alte Leute in der Stadt gesehen, die sich gegenseitig eine Stelle an der Straße zeigten und herzlich lachten. Ich habe keine Ahnung, was da war; es muß in einer Geschichte gewesen sein.

  11. 6. Januar 2013 18:11

    Wunderbar, die Unorndung umzuordnen, ein lustiger Gedanke! Danke, auch fürs Vorbeischauen! LG Andreas

    • 6. Januar 2013 23:15

      Muß auch einer machen. Nicht daß die Unordnung sich langweilt.
      Und: gern geschehen. .)

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