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Um den Pudding

15. September 2012

Es klingt harmlos: Spaziergang. Nicht so weit, nicht so anstrengend, und zum Kaffee wieder zurück. Aber dann sind da zwei Wasserläufe, die überquert sein wollen, und schon wird alles kompliziert.

Autofahrer kennen das ja kaum noch mit den natürlichen Grenzen. Autos sind auf Strecken unterwegs, deren Ausbau bestimmt, wie groß die Welt ist. Die Autoreisenden-Welt besteht aus Anfangs- und Endpunkt, Tankstelle und Rastplatz; jenseits der Leitplanke existiert eigentlich nichts. In diesem Nichts aber verlaufen Wege und Pfade derer, die sich Schritt für Schritt fortbewegen.

Die asphaltierten Zubringer zu den Brücken, schwungvoll und glatt zu fahren, die sind zu Fuß eine halbe Weltreise und ermüden Beine und Blick. Moderne Verkehrsplanung kennt keine Trampelpfade. Ich hingegen kenne sie jetzt.

Jugend(t/f/r/b)ummelplatz.

Dafür mußte ich erst fragen (»einfacher wär’s an der Straße entlang …«) und mich dann doch verlaufen, in einer Schrebergartenkolonie, ausgerechnet. Staunende Extra-Runden zwischen Rosen, Quitten und Gartenzwergen.

Dann endlich wieder mein Fluß, wegen dem ich die ganze Sache ja mache.

Da sitze ich auf einer Uferbank, als ein radfahrender Herr hält, sein Butterbrot auspackt und sich zu mir setzt. (Seinen Helm hat er gegen einen Hut getauscht – den gleichen, wie ich ihn trage.) Er mache ja sonst immer Urlaub mit dem Auto, habe aber den Führerschein über den Sommer abgeben müssen, und nun eben Radwandern. Ich erzähle, wie ich jetzt eigentlich auf einem Schiff sein sollte. Und nun Rheinblick. Wir lachen, lüpfen unsere Hüte (meiner sieht ein bißchen mitgenommener aus) und ziehen unserer Wege, Radweg und Spazierweg, Schulter an Schulter mit dem Fluß.

Objet trouvé.

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16 Kommentare leave one →
  1. 15. September 2012 14:44

    Fährt das Auto ohne Mutter noch oder gehört die zum Fahrrad?

    • 15. September 2012 19:29

      Ich habe keine Ahnung, wer jetzt liegenbleibt … Es sieht jedenfalls für mich so aus, als habe das Blatt nur ein Auge finden können.

    • 16. September 2012 3:59

      mit dem zweiten sieht man besser

  2. 16. September 2012 9:34

    Kicher, ich verlas mich beim Schild, aber ein „Jugendfummelplatz“ wäre ja auch nett. Sehr schön auch das Objet trouvé …

  3. joulupukki permalink
    16. September 2012 10:44

    ich würde dem f noch gerne ein g spendieren, damits kein k gibt…

  4. 16. September 2012 15:47

    Jugendliche bis 18 auf eigene Gefahr, darüber weiss man nichts genaues.

  5. karu02 permalink
    16. September 2012 16:01

    Immerhin gibt es einen Platz für die Jugend, was immer sie dort auch tun sollen.

  6. 16. September 2012 18:16

    Pica, ich las als erstes »Jugendlümmelplatz«. Aber ich verlese mich momentan sehr leicht.
    Jou, das f kriegten hier eh nur Hardcore-Exhibitionisten hin. Dafür sorgen die Kleingärtner von gegenüber. ,)
    Kormoran, Berufsjugendliche müssen wahrscheinlich woanders spielen.
    Karu, wenn ich einen gesehen hätte, ich hätte nachgefragt …

    • 16. September 2012 18:18

      Hihi, Jugendlümmeln find ich auch gut ; )

    • 16. September 2012 19:14

      Dann gibt es sicher auch einen Jugendlümmelwart und Jugendwettlümmeln. Die Möglichkeiten …

    • joulupukki permalink
      16. September 2012 21:13

      Dann ists ja gut, sonst wärs d.

      Und kannst du mich jetzt noch von der Leitung schupsen und mir erklären, was das ganze mit Pudding zu tun hat?

    • 16. September 2012 21:21

      Ah, das gibt’s dann wohl nur hier! »Um den Pudding gehen« heißt, eine kleine Runde drehen; meist ist damit exakt der eigene Häuserblock gemeint. Aber wieso, weiß ich auch nicht wirklich.

      Nachtrag: Las gerade, daß das womöglich aus Bielefeld kommt, wo der Sonntagsspaziergang ums Dr-Oetker-Gelände ging …

    • joulupukki permalink
      25. September 2012 10:40

      da sag nochmal einer, dass bloggen nicht bildet ^^

  7. 22. September 2012 13:35

    „Um den Pudding gehen“ kenne ich seit meiner Kindheit – komme ja auch Westfalen.
    Schöne Funde und Eindrücke, lustig, dass der Herr das gleiche Hutmodell trug – auf dem Rad!

    • 22. September 2012 13:40

      Und? Ist der Pudding wirklich von Dr. Oetker?
      Was alles zum Gesprächsanlaß zwischen Wildfremden werden kann; ich war auch erheitert.

  8. 23. September 2012 10:19

    Eine schöne kurze Geschichte! Ja, das zu Fuß gehen ist ja eigentlich die wahre Vorwärtsbewegung. Die Erde unter die Füße nehmen, Zeit genug haben, die Blicke schweifen zu lassen und zu einem kleinen Plausch Platz zu nehmen. Das ist das Leben.
    LG von Rosie

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