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Postkarte aus Bamberg

6. Mai 2012

Von Bamberg wußte ich bislang nur, daß es im Bundesland Bayern liegt. Dom. Symphoniker. Reiter. Hörnla. Irgendwas mit Rauchbier. Und die Hexenprozesse. Daß Bambergs gesamte Innenstadt Weltkulturerbe ist, wußte ich nicht – Grund genug, nach Ladenschluß schnell mal durchzuhuschen.

Aus Bamberg kann man nicht anders als Postkarten schreiben.

Auf sieben Hügeln, wie das alte Rom, an Regnitz und Main-Donau-Kanal schart sich das Städtchen um seine Kirchen. Man sieht ihm sein Alter an, aber wenig Spuren der jüngsten Zeit: Gassen und Plätze ohne Handyläden, Ein-Euro-Shops und Spielkasinos; Geschäfte des täglichen Bedarfs sind, wofern nicht weltkulturerbekompatibel, in Hinterhöfen versteckt.

Es gibt eine Universität und ein Priesterseminar. Das Tagesblatt berichtet über Sandaufschüttung an der Regnitz, Lärmbelästigung und Wildpinkelei sowie über den Dom, zu dessen tausendjährigem Weihfest Bischöfe aus aller Welt anreisen. Und im Gewirr der Gassen steht E.T.A., bepackt mit seinem Kater Murr, vorm Theater seines Namens.

Aufgeräumt ist es hier, doch nicht komplett zu Tode restauriert; bei der Fülle bröselnder Bausubstanz kämen alle Stukkateure Frankens nicht hinterher. Ein bißchen Mittelalter, etwas Gotik, viel Barock, darüber der Duft von Flieder und Spiräen: hier hat die Romantik Wohnstatt bezogen. Auf dem Katzkopfpflaster klingen selbst japanische Kleinwagen wie Einspänner.

Muß wohl nochmal hin und genauer schauen. Vielleicht ja im Winter.

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19 Kommentare leave one →
  1. 6. Mai 2012 13:47

    Tja – und der Samsfilm wurde hier gedreht :-)

  2. 6. Mai 2012 13:48

    In Bamberg war ich noch nicht, danke für die Impressionen, Lakritze. Ja, es gibt solchee pittoresken Orte, aus denen man nur Postkarten schreiben kann. Es gibt Schlimmeres, finde ich.

  3. Chris Kurbjuhn permalink
    6. Mai 2012 14:29

    Als kleiner Junge war Bamberg in meiner Vorstellung der wunderbarste Ort der Welt. Weil dort der Karl-May-Verlag war.

  4. vlhusky permalink
    6. Mai 2012 15:01

    War vor (keine Ahnung – 10.000?) Jahren mal da. Zurückgeblieben ist eine (nicht sehr ausgeprägte) positive Erinnerung an etwas Werthaltiges, Bleibendes.

    Danke für die Erinnerung. Bamberg ist gerade in der Liste (wieder) zu besuchender (und genauer zu betrachtender) Plätze aufgerückt :).

  5. 6. Mai 2012 15:16

    AGT, noch etwas mir Neues. Ich habe Plakate für ein Sams-Theaterstück gesehen. Nun weiß ich, daß Paul Maar da wohnt.
    Rotewelt, das stimmt wohl. Mein Rundgang hat die richtigen Touristenmagneten umzirkelt; es gibt noch viel spektakulärere Motive …
    Chris, es gab auch eine Ausstellung zu Karl Mays Leben. Jetzt wo ich weiß, daß May laut und sächsisch gelesen gehört, könnte ich mich auch noch dafür erwärmen!
    vl, so was von geschlossenes Stadtbild, nicht eine Stadtsparkassensünde — das ist schon sehenswert.

    • vlhusky permalink
      6. Mai 2012 15:39

      Lakritze: Dein letzter Satz – das war es, was haften blieb (aber an das ich mich nicht mehr so genau erinnern konnte. Kein Wunder – nach 10.000 Jahren ;)!

  6. richensa permalink
    6. Mai 2012 18:00

    Wie poetisch dein letzter Satz klingt, der mit dem Einspänner…
    Ich war während meiner Würzburger Zeit öfters in Bamberg und habe im Sommer dort in der Nähe auch einmal einen ganzen Monat zugebracht. Oberfranken halt… und statt in eine Kneipe geht man dort „auf einen Keller“. Ist alles etwas anders als anderswo….

    • 6. Mai 2012 18:19

      Ich war viel zu kurz da, um mir einen richtigen Eindruck zu verschaffen, aber neugierig macht das Ganze schon. Und dann frage ich mich auch, wie es sich wohl lebt in einem solchen Museum?

    • richensa permalink
      6. Mai 2012 20:24

      Naja, so lange es das Verhältnis von Tourismus und „normalem Leben“ ausgewogen ist, kann es funktionieren. Und es darf eben kein Museum oder so eine Art „Rothenburg o d Tauber“ sein, in der die Einwohner wie Statisten vor dem Weihnachtsladen der Käthe W. agieren.
      Auch zu viele Fußgängerzonen sollte es nicht geben oder große Busparkplätze ;-)

  7. 7. Mai 2012 18:46

    Ja, das muß sogar über 10 000 Jahre her sein.

    Ich hab in Bamberg im „Pelikan“ mal meinen Geburtstag feiern müssen. Der wurde mir versüßt mit einem Auftritt der „Drei Tornados“. Die LP mit Widmung „Nicht jammern & picheln, lieber hammern & sicheln“ war ein wunderbares Geschenk der Truppe und hat bis heute einen Ehrenplatz bei mir.

  8. 7. Mai 2012 20:10

    Wenn die schönen alten Städtchen zu museal wirken, (siehe richensa zu Rothenburg) kann sich bei uns kein wirklich gutes Gefühl einstellen. mb
    Aber bei Karl May werden wir hellhörig! dm

  9. 7. Mai 2012 21:30

    Wassily, am Pelikan muß ich vorübergegangen sein, ohne ihn zu sehen. Aber die Drei Tornados, die habe ich ja jetzt mal gegoogelt … die sind ja weit gereist nach Bamberg!
    3Hblog, so arg museal war’s da nicht; dazu gibt’s zu viele Studenten. Rothenburg kenne ich übrigens auch noch nicht; ob ich bis zur Rente damit warte –? Wo ich aber war (und nicht wohnen wollte), ist Riquewihr im Elsaß. — Karl May – habt ihr dazu nichts im Archiv? Winnetou, den Helden meiner Kindheit?

    • 7. Mai 2012 22:32

      Ich hab immer schon versucht, Dieter zu einem Portrait von Nscho-tschi zu überreden. Eines schönen Tages wird er es vermutlich machen. mb
      Gerade inspiriert, habe ich begonnen, meine 72 Bände von Karl May erneut zu lesen. Wenn die durch sind, machen wir bestimmt was im Blog dazu, Lakritze. dm

  10. 9. Mai 2012 21:24

    Und, auch vom einem Gondoliere verschippern lassen, im Venedig Frankens?
    ;)

  11. 10. Mai 2012 12:49

    Utecht, neinnein, nach Ladenschluß lassen sich da höchstens noch Nachtwächter buchen.
    AGT, das ist die andere Führung, die mit den blauen Punkten im Gesicht und dem Bier in der Tasche.
    Oh, Rich, die weiten Ebenen der fränkischen Taiga … .)

  12. Zyriacus permalink
    19. Februar 2013 14:22

    Ich bin in den 40er/50er Jahren in Bamberg aufgewachsen – eine liebenswerte Stadt Danke für Deinen einfühlsamen Bericht.

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