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Am Rhein so schön

12. April 2012

Anders als beim Ausbüxen geht es beim Sonntagsausflug darum, möglichst bekannte Ziele zu besuchen und dafür möglichst wenig Fußweg in Kauf zu nehmen. Nicht viel nachdenken, tun, was alle tun — es ist ein gemächliches Schwimmen mit dem Strom.

Ein Sonntagsausflug!

Manchmal mache ich ja gerne Sonntagsausflüge — und Simsalabim, sprach die Ferienfee, dein Wunsch sei dir erfüllt: Rüdesheim am Rhein! Die »Germania«! Bootchen, Gondel, Ausflugslokal! Nur das Wetter, das wird maximal durchwachsen, aber bist ja nicht aus Zucker.

Und so geschah es. Ankunft Bingen: Bingen ist mal was Schreckliches zugestoßen, die Landesgartenschau 2008; dabei wurde die ehemalige Industriebrache bereinigt, geschleckt und eingehegt. Die Fähre hingegen fährt verläßlich, einsachzich pro Person und Fahrt, Dieseldunst umsonst.

Dann Rüdesheim: also, Rüdesheim. Wo man Kuckucksuhren auf Chinesisch kaufen kann. Nepp, Woi und Blosmusi. Muß man durch, wenn man zur Seilbahn will.

Diese Seilbahn aber! Ein paar Treppen, ein bißchen anstehen, Ihrtiggetbidde, dann: schwuuups, und die schlichte Blechdose hebt ab. »Über Reben schweben«, werben sie, und genau das passiert. Man könnte auch laufen, sicher, aber fliegen ist schöner. Und gar nicht mal so kurz! Gut angelegte 6,50 (für rauf und wieder runter).

Das Niederwalddenkmal selbst ist eine Attrappe: ein Kasten aus Folie, und die Germania ist nur draufgedruckt. Darinnen dengelt, surrt und lacht es dröhnend. Die alte Schabracke soll irgendwann in neuem Glanz erstrahlen; man arbeitet daran. Egal – der Ausblick hier ist von allererster Güte. Weit nach Westen schaut die Germania in ihrem Grimm. Zu ihren Füßen geht’s derweil international und friedlich zu.

Hat man sich sattgesehen (oder kalt-), ist das Ausflugslokal »Rebenhaus« auf halber Höhe ein guter Anlaufpunkt. Hier gibt es das Wild aus dem Niederwald und, na gut, wenn’s denn sein muß, Rüdesheimer Wein. Ein Gläschen. Auf die Ferienfee.

Links für die Ausflugsplanung gibt es in der Bildergalerie.

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19 Kommentare leave one →
  1. richensa permalink
    12. April 2012 11:19

    Mein Vater hat sich mal in Rüdesheim auf der Drosselgasse den Mittelfußknochen gebrochen und kann sich (ob des Weingehaltes im Blut??) nicht daran erinnern, wie es passierte!
    Da fand doch dein Ausflug ein viel versöhnlicheres Ende..

    • 12. April 2012 11:26

      Autsch! Die Drosselgasse … Über die habe ich sehr gestaunt. Ich verstehe sie nicht. Man kann da Schwarzwaldmädelpuppen kaufen und bedruckte Unterwäsche (»Ich bin über 30 / 40 / 50 …, bitte helfen Sie mir aus der Hose«), vor den Lokalen stehen Animateure wie ähnlich vielleicht noch auf der Reeperbahn, und die Japaner und Amerikaner drängen sich in den Eisweinläden. Da muß mal sehr, sehr gutes Marketing gelaufen sein.

    • richensa permalink
      12. April 2012 11:42

      Damals in den Wirtschaftswunderjahren, wohl zusammen mit Heidelberg… ja…

  2. 12. April 2012 11:55

    Warum nicht mal mit dem Strom schwimmen, wenn Wochenende ist… Aber die Drosselgasse, die ich mir auch antat, als ich das erste und vielleicht einzige Mal in Rüdesheim war, ist wirklich unglaublich… Sicher verkauft man da noch Glykolwein oder anderes Untrinkbares an Japaner und Amerikaner.

    • 12. April 2012 12:52

      Also einmal sehen, das finde ich schon interessant. Dann weiß ich hinterher, was ich meiden muß. (Die Parallelgassen sind ruhig und friedlich!)

  3. 12. April 2012 14:02

    Bingen ist noch Schlimmeres passiert als die Landesgartenschau: Das was davon übrig geblieben ist!

    • 12. April 2012 14:13

      Ich hab’s nicht so mit »Anlagen«, die aussehen, als seien sie aus Lego. Entsprechend unerfreut war ich vom Bingener Rheinufer. Man kann sich da gerade einkaufen in eine »Gartenstadt« direkt am Fluß, brr.

  4. 12. April 2012 19:51

    Ach, was ein Ausflug, (für mich), liebe Lakritze. Zu lange konnte ich „Germania“ morgens vom Schlafzimmerfenster aus sehen, sie schien mich immer vor irgendetwas zu warnen. Vielleicht ja tatsächlich auch vor der Landesgartenschau, aber da war ich schon wieder weg und hörte nur aus der Ferne, dass alte und schöne Platanen für sie gefällt wurden, an die sich zuvor verärgerte Bürger hatten anketten lassen, und auch, dass eine ganze Schrebergartensiedlung entsorgt werden musste. Passte nicht so ins Bild. Vor der Landesgartenschau galt Bingen als Parkplatz für Rüdesheim, das sich einige unserer Freunde, in deren Städte nie Japaner kamen, dringend anschauen wollten. Ich bin die Gasse also mehrmals rauf, aber nie wieder runter, denn tatsächlich ist es viel angenehmer, dann mit der Seilbahn über die Weinberge zu gondeln und schließlich, mit Blick auf den Rhein, gegen alle Widerstände der Höhenangst, wieder hinunter zu gleiten. Fühlt sich an, als würde man direkt auf einem der tuckernden Schiffschebootche landen …

    • 12. April 2012 20:11

      Ehrlichgesagt habe ich nicht locker gelassen bei der Ferienfee, seit ich von euch weiß, daß die Gondelbahn noch fährt! Die tragische Baumfällgeschichte scheint sich überall zu wiederholen, wo Gartenschauen drohen. Der deutsche Gartenzwerg braucht’s wohl aufgeräumt … (Dann lieber einen leicht anarchischen Nietz im Kräutergestrüpp!)

  5. 12. April 2012 20:30

    ;-)

  6. haushundhirschblog permalink
    12. April 2012 22:54

    Eieiei, man sollte doch genau hinschauen: Hat der Kinski seine Rolle gut gespielt?

  7. 13. April 2012 10:40

    Ich fand die Germania ja selbst eingerüstet beängstigend, an der Drosselgasse bin ich nur vorbeigefahren. Wir haben uns aber auch überlegt, wie es dazu gekommen ist, dass manche Orte zum Muss für von Ferne hergereistes Überseevolk auf „Deutschland in anderthalb Tagen, ganz Europa in zehn“-Visite geworden sind. Interessanterweise gehört da übrigens auch Luzern in der Schweiz (anderes Land? Schnickschnack)dazu. Den Rhein fand ich irgendwie sehr – männlich.

    • 13. April 2012 12:36

      Ja, eindeutig der Rhein. Keine spielende Flußnymphe. Auch keine mütterlich umarmenden Überschwemmungen.
      Deutschland in anderthalb Tagen? Ich muß mir dringend so einen Reiseführer zulegen. Ich brauche immer schon für kleinere Landschaftseinheiten viel länger.

    • 24. April 2012 15:27

      Ich glaube ja, je größer die Landschaftseinheiten, desto schneller geht es. Da hat man dann mehr den Blick fürs große Ganze und hält sich nicht so mit Details auf ;-)

  8. kormoranflug permalink
    13. April 2012 17:22

    Warten wir auf den guten Wein.

Trackbacks

  1. Niederwalddenkmal | Stories & Places
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