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Werkstattbesuch

6. März 2012

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist, mir Arbeitsplätze anzuschauen, und die von Goldschmieden finde ich besonders schön. Ins wohlsortierte Durcheinander von technischem und womöglich gefährlichem Gerät sind Farben getupft: Glasstangen, Bildvorlagen, hübsche Fundstücke und die zarten Erzeugnisse der Werkstatt. Diesen sieht man es kaum mehr an, aber Werkzeuge und Maschinen machen klar, daß auch eine Goldschmiedin im Grunde eine Schmiedin ist und mit Feuer, körperlicher Kraft und handwerklichem Geschick arbeitet.

Feuer ist es, das dem Metall Form und Festigkeit gibt; das, und natürlich Werkzeug. Ein Teil davon ist so zierlich, wie man es erwarten würde: winzige Bohrer, Zangen, Stempel und Fräsköpfe. Aber es gibt auch schwere Hämmer, eine Walze, in der man zwei Hände nebeneinander plätten könnte. Eine mannslange Ziehbank für Draht ist mit einer Kette hochkant an die Wand gewuchtet, um Platz zu sparen.

Oberflächen werden hier nicht nur mechanisch bearbeitet, sondern auch mit Säuren, Lacken, Farben aus geschmolzenem Glas. Das verleiht der Werkstatt einen leicht chemischen Geruch und warnt davor, versehentlich aus herumstehenden Gläsern zu trinken.

Dann gibt es natürlich noch den planerischen Teil der Arbeit, Skizzenbücher, Modelle aus Papier und weniger edlen Metallen. An ihnen sieht man bereits die Handschrift, die das Werkstück später tragen wird und die es mit allen anderen Erzeugnissen dieser Werkstatt verbindet. Das ist das weniger Begreifliche: woher immer wieder neue Ideen kommen für Variationen dieses uralten Themas.

Überall stehen und hängen interessante Dinge, jedes eine mögliche Inspiration; und noch das Unvollkommene oder vollkommen Mißglückte zeigt, warum es da ist: weil die Menschen Schönes möchten, weil sie sich und ihre Lieben schmücken wollen.

In einer Ecke steht eine grüne Plastiktonne mit der Aufschrift »Gekrätz«, darin eine Handbreit Staub, Sand, Späne; graues Zeug, das unsereins zur Tür hinauskehren würde. Ein alter Kollege, erzählt die Goldschmiedin, bekam als Geselle all den Schmutz geschenkt, den er als Lehrling in der Werkstatt zusammengefegt hatte. Denn selbst der Schmutz einer Goldschmiede enthält Edelmetall.

Kontakt: www.kim-ehrentraut.de

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10 Kommentare leave one →
  1. 6. März 2012 22:39

    Wunderbar!!

    Deine Beschreibungen machen unglaubliche Lust, sich dort einmal umzusehen … irgendwann.
    Wenn die Schmerzen nachgelassen haben, die heute noch Begriffe wie „Bohrer, Zangen, Stempel und Fräsköpfe … schwere Hämmer, eine Walze … und eine mannslange Ziehbank“ schwer erträglich machen. War heute beim Zahnarzt. Der Zahn ist raus. ;-)

    • 6. März 2012 22:44

      Puh, Glückwunsch. Zähne können so furchtbar sein. Aber: schwere Hämmer –?
      (Kims Werkzeuge sind übrigens tatsächlich zum Teil Zahnarztdinge …)

  2. 6. März 2012 22:52

    (Ich wusste es instinktiv!)

  3. Philipp Elph permalink
    7. März 2012 10:14

    Einrichtungen mancher Goldschmieden erinnern mich an die Alchimistenküchen vergangener Zeiten.

  4. 7. März 2012 14:52

    Schöner Beitrag! Wenn ich in einer Goldschmiedewerkstatt bin, möchte ich am liebsten auch Goldschmiedin sein, ich finde diesen Beruf so wunderbar.

  5. 8. März 2012 10:12

    P11, genau. Nur daß die Goldschmiede nicht behaupten würden, das Gold herzustellen. Auch wenn das äußerst praktisch wäre …
    Rotewelt, danke! Werkstätten haben oft so einen Effekt, finde ich. Außerdem muß es schön sein, etwas zu produzieren außer Text … (Wenn ich könnte, wäre ich Schuhmacherin.)

    • Philipp Elph permalink
      8. März 2012 10:17

      @ Lakritze
      Leder ist auch ein schönes Material! Es kann so anschmiegsam sein.

  6. 9. März 2012 10:17

    Schön und spannend.

  7. kormoranflug permalink
    11. März 2012 19:43

    Kannst es ruhig zugeben: Du wohnst in diesem kreativen Chaos.

  8. 11. März 2012 20:29

    Danke, Frau Eichhorn.
    Kormoran: Ich weiß grad gar nicht, ob ich mir das schön oder schrecklich vorstellen soll, da zu wohnen. Zwischen Glas und Gold, Gasflaschen und Flußsäure …

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