Skip to content

Ausflugslokale

16. Juni 2011

Wo sie sind, ist sonst nichts, und so bleiben sie sich treu — sie können es sich leisten. Sie entstehen, wenn Sehenswürdigkeiten und Geschäftssinn zusammenkommen: die mobile Bratwurstbude neben der schönen Aussicht und auch der geflieste Vollprofibewirtungsbetrieb mit Spielgelegenheit (Eltern haften für ihre Kinder). Manche erreicht der staubige Wanderer, sein Glück kaum fassend, nach stundenlangem Fußmarsch durch die Natur; andere locken mit asphaltiertem Riesenparkplatz die Sonntagsfahrer an.

Alle versprechen sie Schatten, Eis am Stiel, allgemeine Erquickung. Die kommt verschieden daher: In manchen Lokalen sitzen Einweg-Gäste auf wabbeligen Plastiksesseln und vertilgen Heißheiß-Würstchen mit Mayonnaise aus dem Eimer, Trockenkuchen gibt’s mit Sprühsahne. In anderen wird mit Liebe gekocht, Feldarbeiterportionen mit Salatgarnitur und hinterher ein Filterkaffee, und man hofft, vielleicht erkennen sie mich hier ja wieder, im nächsten Jahr oder im überübernächsten.

Der Besuch von Ausflugslokalen wird leicht eine Reise in die Vergangenheit, zehn bis zwanzig Jahre mindestens. In ihnen erhalten sich Raumausstattung, Speisekarten, Umgangston weit über ihre natürliche Dauer hinaus. Dazu vielleicht, vielleicht auch nicht, der Härtetest: Musik.

Die meisten sieht man einmal und nie wieder. Ausflugslokale kann man lieben oder hassen, eine Wahl hat man nicht; man füllt den Magen, leert die Blase und nimmt hinterher eine mehr oder minder gute Geschichte mit.

Feuerschiff im Hamburger Hafen; bei Regen.Schild, irgendwo auf der ToiletteLokal-Huhn in Westfalen. Noch denkt es, man könne Kameras essen.Gaststätte in Rheinland-Pfalz; vor dem Regen. Aus dem Museum für Ausflugslokale, Rheinland-Pfalz.

Advertisements
6 Kommentare leave one →
  1. philipp1112 permalink
    16. Juni 2011 15:03

    ………können Hölle und Himmel zugleich sein.

  2. karu02 permalink
    17. Juni 2011 11:20

    …in diesem Fall eine gute!

  3. 17. Juni 2011 12:20

    Ich habe ein Herz für Ausflugslokale und ihre merkwürdige Altmodischkeit. Daß sie Tradition haben, kann man bei Fontane und Mann nachlesen. Seit ich im Freilichtmuseum ein paar wiederaufgebaute aus Wilhelms Zeiten gesehen habe, ahne ich, daß sie so unterschiedlich gar nicht waren von unseren heutigen.

  4. 17. Juni 2011 14:57

    Mein Verhältnis zu Ausflugslokalen hängt direkt von der Tagesform ab. Und wie dringend ich einen Kaffee/ein Wasser/was zu essen/eine Toilette brauche. Aber aus so einem Pott würde ich in jedem Fall ein Würstchen wollen. Mit Senf. Auch aus dem Eimer.

  5. 17. Juni 2011 22:16

    Hier in Berlin gibt es sie auch noch zu Hauf, an den Seen ringsum. Und immer wieder gehören dazu die Kellner mit ihren schwarzen Hosen mit den glänzenden, leicht abgewetzen Hosenböden. Und die passende Kodderschnauze bringen sie, falls eingeboren, auch immer mit. Schön.

  6. 19. Juni 2011 3:28

    Fontane und Mann, ja.

    Ich habe immer die Jausenstationen an den Waalwegen um Meran geliebt. Mit Speck, Käse und Salami kann man nichts verkehrt machen, Sonne gibt’s gratis und Musik ist nicht an – ganz herrlich. Und gerade, wenn man denkt, och, mir ist so heiß, kommt die Nächste, in die man reinfallen kann …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: