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Tüte?

1. März 2011

Kürzlich fand ich beim Umtopfen in der frischen Blumenerde die brüchigen Fetzen einer Plastiktüte. Ihr Himmelblau und Meergrün erinnerte mich an die Haarnadeltüte meiner Mutter, eine gewöhnliche Plastiktüte mit einem Zugband als Verschluß, die, als ich fünf war, sicher schon fünfzehn Jahre Dienst tat. Mich hatte damals sehr fasziniert, daß es so ein Ding so viel länger gab als mich, und ich überlegte, ob wir da nicht vielleicht die älteste Plastiktüte der Welt besäßen.

Danach war mir eigentlich keine Plastiktüte mehr besonders sympathisch. Ich gehöre zu den Leuten, die die Dinger auf dem Markt kategorisch ablehnen. Aber auch wenn ich alles mögliche in Gläsern kaufe und mit Stofftaschen und Gefrierdosen in Geschäfte gehe — ich schaffe es trotzdem, alle vier bis sechs Wochen einen Gelben Sack zu füllen. Klar, so wird der Kunststoff recycelt. Aber wie viele Design-Müllbehälter aus Recyclingkunststoff braucht die Erde?

Flußlandschaft mit Tüte.

Flußlandschaft mit Tüte.

Noch habe ich Plastic Planet nicht gesehen, aber er steht schon auf meiner Liste. Über die Plastic-Planet-Webseite bin ich jedenfalls auf ein Projekt-Blog gestoßen, das mir sehr gefällt: Eine fünfköpfige österreichische Familie versucht, Kunststoffe in ihrem Alltag so weit wie möglich zu vermeiden. Dabei finden sie kreative Wege, ohne dogmatisch zu werden. Ihre Berichte machen deutlich: Plastik kann man kaum entgehen, es ist überall. Aber erstaunlich oft läßt sich das private Müllaufkommen erheblich reduzieren, wenn man seinen Lebensstil hinterfragt. Und all das, was uns die Werbung eintrichtert.

Das halte ich für absolut bedenkens- und nachahmenswert — es ist ein wichtiger erster Schritt; denn wir haben längst ein Müllproblem, auch wenn es erst einige Hardcore-Ökos ernst nehmen.

(Jajaja, es hängt so viel von Entscheidungen der Industrie ab. Aber wer sagt, daß der Konsument keinen Einfluß hat? Wenn beispielsweise eine Woche lang auch nur ein Teil der Kunden eine leistungsfähige Schere mit zum Einkaufen nähme und alle Plastikumverpackungen in den Läden ließe, dann würde das gewaltig auffallen. Und wäre sicher eine Botschaft an die richtige Stelle.)

Als ich übrigens ein paar Tage nach meiner Umtopfaktion am Telefon nach der alten Tüte fragte, meinte meine Mutter: Ach die, die hätte sie vor einiger Zeit, zusammen mit den Haarnadeln, weggeschmissen.

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6 Kommentare leave one →
  1. walterlenz permalink
    2. März 2011 10:14

    Natürlich ein nachdenklich machender Beitrag. Mit einem wunderschönen Foto.

    Plastik hält ewig!

    Ist das jetzt ein Trinkspruch aus der PET-Flasche? Nein!

    • 2. März 2011 13:19

      Ha, PET-Flasche: Vor zwei Wochen vergaß ein Gast eine bei uns, so eine Mineralwasser-Pfandflasche. Ich versuche seither, sie irgendwo zurückzugeben — erfolglos … Plastik schwimmt immer oben.

  2. 2. März 2011 14:22

  3. karu02 permalink
    2. März 2011 15:53

    Mir wird das Problem immer sehr klar, wenn ich nach dem Hochwasser am zurückgelassenen Saum am Rhein entlang gehe. Wobei das noch vergleichsweise harmlos ist, verglichen mit den südlichen Ländern Europas. Der Plastikmüll in den Gewässern richtet nachweislich großen Schaden an, aber wen stört das schon…?

    • 2. März 2011 18:39

      Das funktioniert vermutlich (nicht überraschend) nach dem Motto »Aus den Augen, aus dem Sinn«. Wenn’s erst im Gelben Sack steckt … Außerdem überzeugt wohl auch der Preis.
      Und dann wird’s einem wirklich, wirklich schwer gemacht, Plastikmüll zu vermeiden — man versuche bloß mal, Elektronik ohne Umverpackung zu kaufen.

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