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Geistige Abwesenheit

15. Oktober 2010

Wie ich es auch dreh und wende: nichts fällt ab für mein Blog, gar nichts. Ausstellungsbesuche und Herbstwanderungen gehen spurlos vorüber; gelesene Bücher, gesehene Filme und gegessenes Essen bleiben irgendwie nicht hängen.

Das kommt zum einen sicher daher, daß das Leben gelebt sein will, ehe es zu Berichten taugt, und daß an manchen Tagen einfach nicht das Licht da ist, um Erlebtes schön und klar zu beleuchten.

Aber vor allem ist es die Unruhe angesichts der aktuellen Ereignisse, die mich immer wieder vom Schreibtisch wegtreibt mit der Frage: Wozu das Ganze? Es gibt Wichtigeres. Daß die deutsche Regierung den beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft hinauszögert, wo noch nicht einmal ein Endlager für den Müll in Sicht ist. Daß Staaten, die geheime Verhandlungen, geheime Gutachten und geheime Absprachen als Entscheidungsgrundlage nehmen (oder eben nicht), auf der anderen Seite ihre Bürger möglichst gläsern wollen (nicht nur im Netz). Daß mein Staat gegen seine Bürger mit Willkür vorgeht — und daß mein Staat noch einer von den besseren ist … So viele Dinge, die mich wütend machen — und wenn ich wütend bin, weiß ich nichts zu sagen.

Also, hier gibt es nichts zu sehen. Gehen Sie weiter. Zum Beispiel zu vera, die in der Tagespolitik den Überblick behält und ihn engagiert weitergibt. Zu Hoeps&Toes, mal einen Blick über den Tellerrand werfen. Zu Wassily und seiner höchst subjektiven Stuttgart21-Berichterstattung. Zum Magister Kraska für den gepflegten Wutausbruch zwischendurch. Oder, wenn sonst gar nichts mehr hilft, gleich zum Ufoport Glufenteich, einem schönen Paralleluniversum voller Kaugummiautomaten, Blechplattenfassaden und Bahnhofsromantik.

Ich melde mich wieder, wenn ich mich beruhigt habe.

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14 Kommentare leave one →
  1. philipp1112 permalink
    15. Oktober 2010 19:59

    Entschleunige Dich – reg Dich nicht bis zur Sprachlosigkeit über die großen Dinge auf, erfreue Dich an den kleinen.
    Doch vielen Dank für die Anregungen. Die lese ich, bis Du Dich wieder regst.

  2. 15. Oktober 2010 21:47

    Wunderbare Begründung für deine vorübergehende Schweigsamkeit. Kann man sich immer wieder durchlesen und dir immer wieder aus ganzem Herzen zustimmen.

  3. 15. Oktober 2010 22:54

    Ein jegliches hat seine Zeit … und wenn die Verhältnisse sind, wie sie sind, hilft was tun hoffentlich mehr als warten.

  4. donqyxote permalink
    15. Oktober 2010 23:00

    Sehr schön, ich bin zudem ortsabwesend und gehe nicht ans Telefon.

  5. Joulupukki permalink
    16. Oktober 2010 7:25

    „Selig sind die, die nichts zu sagen haben und trotzdem die Pappn halten“, meint der Herr Valentin und tröstet mich über meine eigene Sprachlosigkeit hinweg, die ja nun auch schon Monate lang anhält. Mein einziges Statement nach außen war ein T-Shirt mit der Aufschrift „Wahlverbot für geistiges Knäckebrot“, ansonsten komm ich vor lauter Kopfschütteln nicht mal mehr zum denken.

    • 20. Oktober 2010 19:14

      Ich hoffe, Dein Kopf kommt ein wenig zur Ruhe – Deine Blogeinträge fehlen.

    • Joulupukki permalink
      23. Oktober 2010 1:37

      Danke, das ist nett von dir. Ich durchtauche den Schock des Sommerendes mit Wahlpeinlcihkeiten noch immer mit nächtelangen Puzzlespielen und Hörbücher hören. Super therapeutisch retro … :-)

    • 28. Oktober 2010 15:38

      Da möchte ich mich Thomas anschließen. Obwohl ich Puzzeln mit Hörbuch für eine exzellente Therapieform halte, außer, dass man vielleicht nicht mehr damit aufhören möchte.

  6. 16. Oktober 2010 10:37

    Städte, die nicht urban sind, Landleben ohne Erdung, Sosein dazwischen – Deutschland im Herbst.

  7. 16. Oktober 2010 18:54

    Ja. Hab auch gerade so was geschrieben. Diese Geisteshaltung scheint im Augenblick ausgesprochen in Mode zu sein. Die Kopfbewegung auch. Weitergehen …

  8. 16. Oktober 2010 19:47

    Bringe noch Zwei vorbei: Wunderbarer Rundumschlag bei sethos: … oder, was wir alle von Chile lernen müssen. Dort auch unbedingt den Link zu ‘Spätzlemafia‘ klicken, darin hat Gorillaschnitzel die Stuttgart21-Connection lesenswert aufgedröselt. Für wenn’s im Hirn regnet.

  9. 20. Oktober 2010 19:12

    Wassily hat es hier gut beschrieben: http://wassily.wordpress.com/2010/10/13/zuruck-in-den-alltag/ – Ohne den eigenen Alltag, den man wenigstens in Anteilen noch selbst bestimmen kann, verliert man sich. Man muss ihn sich zurückerobern, sonst überwältigen uns die Ereignisse.

  10. 28. Oktober 2010 15:39

    Ich hoffe trotzdem, bald wieder vorbeikommen zu können.

Trackbacks

  1. Nachmittags in Neukölln | www.mathilde.in

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