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Zieh dich aus!

17. September 2010

Um Facebook und den damit verbundenen Ärger hatte ich mich bislang nicht weiter bekümmert. Nun sind allerdings ein paar Online-Bekannte dorthin abgewandert. Um sie nicht ganz vom Schirm zu verlieren, entschied mich für den Biß in den sauren Apfel und klickte auf »Registrieren«.

»Facebook ist kostenlos und wird es auch immer bleiben«, steht da zur Begrüßung. Und darunter einzutragen: Vorname, Nachname, eMail, Geschlecht und Geburtstag. »Warum muß ich das angeben?«, dachte ich und klickte auf den gleichlautenden Link am Seitenende. Antwort: »Du mußt dich anmelden, um diese Seite sehen zu können.« Soso. Mach dich hier erstmal nackig, und dann erklären wir dir, wieso. Gaaanz schlechter Einstieg.

Noch schlechter ging es weiter. Schon beim ersten Einloggen auf meinem wenig auskunftsfreudigen Profil (man ist ja nicht gänzlich blauäugig) verlangte Facebook Einsicht in mein Adreßbuch. »Freunde finden« nennt sich das und läßt sich anstandslos überspringen — fürs erste. Software ist hartnäckig, die Frage kommt wieder. Und wieder.

Aber so weit kam es dann gar nicht mehr. Beim zweiten Besuch verlangte Facebook meine Mobiltelefonnummer: »This quick security check helps keep Facebook a community of real people who connect and share using their real identities.« Um zu beweisen, daß ich ich bin, soll ich meine Nummer angeben. Und wenn ich sie nicht hergeben möchte (weil ich keine Werbe-SMS bekommen will)? Wenn ich vielleicht gar keine habe? Der Link »(Or use a different verification method)« ist keiner; der führt nirgends hin.

Also: Tschüß, Facebook. Leg mich zu deinen Karteileichen. Es geht mir nicht nur darum, daß ich meine persönlichen Daten, Informationen über meine Interessen, meine Kontakte und mein Surfverhalten nicht gern frei Haus an einen Konzern liefere, der sein Geld mit Werbung und Datenhandel verdient — Facebook posaunt meine Angaben, wenn ich nicht höllisch aufpasse, auch noch hemmungslos in die Welt.

Sollte ich jemals ein Steckbriefbuch im Netz brauchen, werde ich mir Diaspora anschauen. Dieses Projekt von vier New Yorker Informatik- und Mathematikstudenten könnte eine brauchbare Alternative werden. Noch ist es ziemlich karg — erst seit dem 15. September arbeitet die Open Source-Community daran –, aber es ist einfach Zeit für ein soziales Netzwerk ohne Aufgabe der Verfügungsgewalt über die eigenen Daten.

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12 Kommentare leave one →
  1. 17. September 2010 23:10

    Ich fand’s da auch unerfreulich und bin nach 3 Wochen wieder ausgestiegen. Nicht wegen dieser Frau Aigner, übrigens. Demnächst vielleicht in die Diaspora?

  2. 17. September 2010 23:13

    Danke für diesen sehr plastischen Erlebnisbericht, der meine Befürchtungen nur noch mehr bestätigt hat.Facebook braucht kein Mensch !!!

  3. 18. September 2010 11:35

    Ich gratuliere Dir zu dieser weisen Entscheidung ,) Bin auch vor Monaten wieder ausgestiegen – schließlich ist Datenschutz eines meiner Themen. Eine ganz witzige Möglichkeit für den kleinen Kreis ist mixxt, das Du ja auch kennst. Ich halte facebook schon für wichtig, für Privatpersonen ist es aber aufgrund des mangelnden Datenschutzes einfach nicht akzeptabel. Nur unveröffentlichte Daten sind sichere Daten …

  4. karu02 permalink
    18. September 2010 12:12

    Hat jemand von Euch schon die Möglichkeit ausfindig gemacht, sich dort wieder abzumelden. Ich finde nur die Möglichkeit, das Konto zu deaktivieren, das ist aber keine endgültige Abmeldung.

  5. 18. September 2010 15:08

    Konto löschen ist natürlich gut versteckt, melde dich bei FB an und aktivieren dann folgenden Link:
    https://ssl.facebook.com/help/contact.php?show_form=delete_account

  6. karu02 permalink
    18. September 2010 15:14

    Danke vilmos. Das ist wirklich gut versteckt. Weißt Du, ob damit dann auch alle meine Daten dort gelöscht sind oder behalten sie sie trotzdem?

    • 20. September 2010 10:59

      Sie sagen, wenn du den Link betätigst, dass sie die Daten noch 14 Tage vorhalten, falls du dich anders entscheiden solltest. Nach Ablauf der 14-Tagefrist soll dann endgültig gelöscht werden. Ob die Daten dann anderswo auf FB verbleiben, weiß man nicht.

  7. vlhusky permalink
    19. September 2010 8:14

    Hi Lakritze,

    das hast Du prima erlebt & beschrieben. Für vl eine gute Gelegenheit für eine kleine Selbstreflektion:

    1. Die Faszination der „Datenkrake“:
    fb und (und auch google (und viele andere mehr: apple mit nahezu allen iPhone-Apps etc.!)) kann man nicht aufhalten, auch als Einzelperson nicht wirklich beeinflussen. Diese Geschäfte (!) berühren aber X-Millionen und sind massiv „stil-„bildend, ich möchte sie daher kennen. Also muss ich damit „spielen“.

    2. Faszination vs. Selbstschutz:
    Was ich von mir preis gebe, kann ich steuern, auch bei fb. Wobei es dort jeden Tag schwieriger wird (die meisten fb-user scheint das nicht wirklich zu beunruhigen)! Das aktiv mit zu erleben ist auch wichtig und spannend. Was ich von mir als (als vlhusky) preis gebe, schadet mir nicht. Privates und Berufliches trenne ich immer strikt, Persnennamen sind grundsätzlich tabu. Einmal gab es dann doch eine (eigentlich unglaubliche) „Überraschung“. Daraus habe ich gelernt.

    3. Zeit ist nicht vermehrbar:
    fb kostet schnell gigantisch viel Zeit. Berücksichtige ich dann noch, was ich in derselben Zeit hätte Spannenderes machen können, dann finde ich „mein“ richtiges Maß. Und damit meinen individuellen Zugang zu fb.

    4. Wirklich(e) Freunde finden?
    Die richtigen „Freunde“@fb zu finden ist noch schwieriger als im wirklichen Leben. Der Begriff „Freunde“ kann hier kolossal verschwimmen, ist oft schon ein Euphemismus. Andererseits ist es dort auch auf eine andere Art spannend. Wenngleich … die „Ausbeute“ ist (bei mir) kläglich. Zu oberflächlich, exibitionistisch die aller-aller-meisten Einträge. Aber: es gibt dort auch einige „bunte Vögel“ und viele nette Menschen, mit denen es wirklich Spaß macht. Es gibt vieles Kreatives und auch viele wirklich gute Informationen, die man bei fb auf einer Plattform gut anschauen kann.

    5. Würde ich fb vermissen, wenn ich nicht mehr dabei wäre?
    Antwort: Ja. Ich hatte es, nach einer Phase des Vertrautmachens, schon mal gekündigt und danach dann für mich „neu aufgebaut“. Nun möchte ich es gerne weiter beobachten, ein wenig damit spielen/Spaß haben. Eine wichtige Einschränkung: Müsste ich mich davon auf Dauer trennen, wäre „der Schmerz“ kurz. Es gibt so vieles anderes Spannendes. Gott sei Dank ;)

  8. meme permalink
    22. September 2010 16:07

    Danke Lakritze – ich hatte auch schon mal kurz mit dem Gedanken an eine Anmeldung gespielt, jetzt aber komplett „ad acta“ gelegt.

  9. 22. September 2010 23:22

    ich bin bisher auch noch nicht angemeldet. ich bekam aber eine mail von einem unbekannten, ich solle mich mal anmelden und seine bilder anschauen, bla bla bla. o.k., kommt mal vor.
    unten dran steht: diese personen kennst du vielleicht auch, es werden mir 5 personen genannt, von denen ich 4 tatsächlich kenne. eine davon meine schwester, die aber einen ganz anderen namen hat. das fand ich sehr unheimlich… insofern werd ich da auch ganz sicher nicht auftauchen…
    Gruss, Tine

    • richensa permalink
      25. September 2010 15:40

      Na, du erscheinst eben bei deiner Schwester mit deiner Mailadresse im Adressbuch ihres Mailprogramms und das liest sich die Datenkrake eben aus. Es ist keine Zauberei, sondern nur datenkrakerei….

  10. 6. Oktober 2010 23:56

    ja!

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