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Stadtmarketing

22. August 2010

»... unglaublich vielfältig, unglaublich attraktiv«

Stadtmarketing, wie man es besser bleiben lassen sollte: hinter den zerkratzten Schaufenstern eines aufgelassenen Kaufhauses mitten in der Fußgängerzone; bleiche Stoffblumen und seltsames Gerümpel unterstreichen die Tatsache, daß hier nichts Interessantes zu sehen ist.

Das hätte Saarbrücken eigentlich nicht nötig. Diese Stadt hat ihren Charme, aber der ist nicht stromlinienförmig und hat eher etwas mit ihrer Geschichte zu tun, mit Rost und mit fröhlicher Improvisation. Wo die Stadt modernisiert wird, entsteht im Augenblick viel Steriles, Versiegeltes, Überdimensioniertes: Gummibäume in Verbundpflaster, von unten angestrahlt. Nirgends Schatten. Einkaufswüsten in Konkurrenz zur City.

Oder es entsteht — gar nichts, wie zwanzig Meter weiter, auf der Berliner Promenade gleich an der Saar:

Hier wird die umstrittene neue »Stadtmitte am Fluß« gebaut; eine »harte Uferkante« sollte den leicht verwahrlosten Grünstreifen an der Saar ersetzen. Bauende Juni 2010. Wir haben August, die Uferkante ist eine Baustelle [»Bereits fertiggestellt: 97,03%«] und wird es wohl noch eine Weile bleiben — das Geld scheint ausgegangen zu sein …

Ich als Bewohnerin habe bescheidene Wünsche: ich hätte gern Bäume und etwas Grün in der Innenstadt, ein brauchbares Busnetz, und meine kleinen Stammgeschäfte sollen erhalten bleiben. Wenn möglich, Lärmschutz an der Autobahn.

Ich würde mir wirklich wünschen, die Stadt plante manchmal eine Nummer kleiner. Und wucherte, statt nach den Sternen zu greifen, mehr mit ihren Pfunden.


Nachtrag im September: Das Bauende wurde inzwischen auf »Ende 2010« verschoben. Letzte Woche feierte man zum Trost die Fertigstellung der Verbindungsgassen zwischen Promenade und Fußgängerzone. Sie sind atemberaubend häßlich geworden; zugig, ungastlich, vollbetoniert.

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16 Kommentare leave one →
  1. philipp1112 permalink
    22. August 2010 19:34

    Es wäre schade, an die Architektur des französischen Saarlandes nach dem 2. Weltkrieg anzuschließen. Einiges ist wohl bereits abgerissen. Ist es besser geworden?

    Und es ist nicht nur die Stadt, die plant – auch das Land plant oder plante (sh. Wirtschaftsministerium)

    • 22. August 2010 19:54

      Ich kenne die Stadt ja erst seit knapp 20 Jahren — vielleicht mußt Du mal schauen kommen …

      Klar, jede Kommune hat ihre Planungsleichen im Keller. Nur fällt es in so niedlichen kleinen Landeshauptstädten wie dieser sehr schnell auf.

  2. 22. August 2010 20:18

    Leben, Wohnen und Arbeiten am Fluß – klingt zunächst prima, und dann so was! Ist das nur Größenwahn oder Blödheit ?

    In anderen Städten beobachte ich mit zunehmender Sorge, wie klamme Bügermeister ihre Stadt dem nächstbesten Investor anbieten wie eine billige Nutte. Der Investor bedient sich gerne, macht Rendite oder schreibt ab und zieht weiter – die nächste Stadt macht ihm schon den Hof. Ekelhaft.

  3. vlhusky permalink
    23. August 2010 5:56

    Lakritze: Wie recht Du hast! Leider :( .

  4. walterlenz permalink
    23. August 2010 10:35

    Wie wunderbar könnte Stadtmarketing sein. Respektive wie schön wäre eine sinnvolle Planung. Wenn ich lese, „harte Uferkante“, kommt mir das Grausen. Harter Beton? Selbst in meinem kleinen Heimatdorf haben die Verantwortlichen es geschafft, den Dorfbach, der in den See mündet, naturgerecht zu gestalten. Kleine Mäander für die Kinder und Fische und so. Es hat bestimmt nicht das große Geld gekostet.

    Aber in den meisten Städten orientiert sich die Planung immer nach dem Profit. Wie wassily schreibt, werden ausschließlich Investoren hofieret. Mit unsinnigen Angeboten (Düsseldorf: Ergo Versicherungsgruppe > Golzheimer Friedhof). Dabei ist Lebensqualität ja die Fahne, mit der die meisten Kommunen winken, um Investoren zu generieren.

  5. karu02 permalink
    23. August 2010 12:00

    Mir, als Touristin, gefiel Saarbrücken nur dort wo es alt ist oder zumindest Altes noch vorhanden.

  6. 23. August 2010 14:18

    Wenn das neue Ufer so aussehen wird, wie die Planungszeichnungen befürchten lassen, wird es ein zugiger, schattenloser Betondeckel mit Alibigrün; wie der Landwehrplatz oder das Kongreßzentrum. Ungemütlich, will man nicht hin.
    Investoren haben wir bereits — das gigantische Einkaufsparadies am Eingang zur Fußgängerzone wird von ECE gebaut. Ich will gar nicht damit anfangen …
    Karu, wenn Du etwas Gelungenes aus den 80ern sehen willst, dann schau Dir den Bürgerpark an. Und denk Dir die nachträglichen Verschandelungen und die Verwahrlosung weg.

    Schlimm, daß ich nicht viel anderes tun kann, als zu klagen. Einen hörbaren Widerstand gegen die Sanierung hat es hier nie gegeben.

    • 23. August 2010 16:03

      ECE sind ganz besonders hungrige Heuschrecken.
      Überall die gleiche gesichtslose Chose. Bei uns wollen sie jetzt ein weiteres Kaufhaus bauen – und der Streit um die Zahl der Parkplätze wird bestimmt zugunsten von ECE ausgehen.
      Ist ja erstens ein Investor – und hat zweitens mit der Partnerin von Ex-MP Oettinger eine Strippenzieherin im Aufsichtsgremium. Die werden das schon schunkeln , hinter den Kulissen.

    • 23. August 2010 17:27

      Hier haben sie für ihre Mall ein Baudenkmal entseelt. Pardon: entkernt.

  7. joulupukki permalink
    23. August 2010 21:06

    Hm … ich hab mir auf der Saarbrücker Rathaus Seite jetzt das Planungsvideo der Promenade angesehen. Erinnert mich ein bisschen an eine Mischung aus Donaukanal (wegen der harten Uferkante) und Museumsquartier bei uns. Ich glaube für ein endgültiges Urteil sollte man sich die Sache vielleicht fertig ansehen (soferns denn mal fertig wird – die lange Verzögerung der Fertigstellung ist schon ein bisschen peinlich). Ich kann mir aber schon auch vorstellen, dass das gut werden kann. Kommt ganz drauf an, ob die Bevölkerung den neuen Stadtteil dann annimmt und mit Leben füllt.
    Give it a chance! ;-)

    • 23. August 2010 22:10

      Ich bin vorsichtig pessimistisch. Bei den letzten drei Vorhaben hat es leider nicht besonders funktioniert …

  8. 23. August 2010 21:11

    Berlin sollte sich dagegen wehren, dass es seinen Namen einer Promenade mit einer „Harten Uferkante“ geben soll. Allerdings finde ich unser beberlin-Stadtmarketing auch recht bescheiden (aber eigentlich brauchen wir es zur Zeit wohl auch nicht, die Besucher kommen trotzdem). Im beberlin-Stil waere euer Stadmarketing dann etwas wie: „Sei hart – sei Kante – sei Saarbrücken!“ Auch nicht besser.

    • 23. August 2010 22:12

      :))))

      Das ist genau das Problem: die urbane Vision ist diesem Städtchen ein, zwei Nummern zu groß. Was in einer größeren Stadt mondän wirken mag, kommt hier leicht steril rüber. Unwirtlich. Halt »harte Kante« …

  9. Saarbrücker17 permalink
    3. September 2010 11:51

    Soweit man hört, ist das Geld jetzt aus für die harte Uferkante, die ja im Juni 2010 fertig geworden sein war. Jetzt liegt die Baustelle verlassen am Fluß; aufgerissen ist schon alles. Aber ich war dann doch überrascht, wie wenig weit sie gekommen sind. In Saarschilda reicht die ohnehin schon absurde Planung eben nur von 12 bis Mittag.

Trackbacks

  1. Harte Kante « normalverteilt

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