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»Gut« und »schön«: Abwesenheitsnotizen

11. August 2009

Es ist Reisezeit, es ist Abwesenheitssaison. Neben der »guten Abwesenheitsnotiz« finde ich nun auch die weniger häufige »schöne Abwesenheitsnotiz« unter den Suchbegriffen, über die dieses Blog gefunden wurde.

Da scheint Bedarf zu bestehen. Hier also ein Crashkurs im Abwesen:

Eine »gute Abwesenheitsnotiz« zeichnet sich durch ihre Nützlichkeit aus. Beantworten Sie knapp und verständlich die klassischen W-Fragen:
W
er ist weg? (Das erschließt sich meist schon über den Absender der Benachrichtigung.)
W
ie lange dauert die Abwesenheit? (Wichtig! Vergessen Sie nicht den Termin der Rückkunft!) Bei »von — bis«-Angaben ist bei »bis« der erste Tag der nächsten Anwesenheit zu nennen.
W
ieso ist das wichtig? (In dieser Zeit werden Aufträge nicht oder nur verzögert beantwortet/werden Sie keine weitere Auskunft erhalten/sind Großbrände untersagt …)
W
o finde ich Hilfe? (Auf jeden Fall eine/n Vertreter/in angeben. Sonst sind die Kunden unzufrieden, und es stapelt sich nach dem Urlaub Arbeit auf dem Schreibtisch.)
Am Schluß noch möglichst wenig sarkastische Grüße an alle Daheimgebliebenen, und fertig ist die Laube!

Die »schöne Abwesenheitsnotiz« ist eine ganz andere Liga. Da darf sich die poetische Seele austoben. Hier könnten Sie einen Literaten zum Urlaubsort zitieren (etwa Sand über Majorca, Mann über Davos, Ransmayr über die Schwarzmeerküste /Arktis …). Oder Sie können sich eine anders »schöne Abwesenheitsnotiz« aus Formulierungen wie »in die Sonne fliegen«, »See-/Berg-/Tropenluft schnuppern«, »[beliebtes Reiseziel] unsicher machen«, »knackig braun« und »Euch eine schöne Zeit« selbst zusammenstricken. Versprechungen eines nach-urlaublichen Diaabends (’schuldigung, einer DauerPoint-Präsentation) sind möglich, aber nicht notwendig. »Ich werde Euch vermissen« bitte nur dann, wenn es wirklich stimmt.

Womit wir beim Bonusprogramm wären: der »wahren Abwesenheitsnotiz«. Diese bildet die kürzeste Nachricht in der Reihe, und an ihr ist nicht zu rütteln. Sie lautet:

Ich bin nicht hier.

Ihnen dann noch viel Spaß woanders!

!!!Hinweis!!! Das Wort »Abwesenheitsnotiz« an sich ist weder gut noch schön. Es ist eine mißratene Übersetzung aus dem Englischen und sollte eigentlich »Abwesenheitsbenachrichtigung« heißen. Aber das ist vielleicht ein bißchen lang …? Womöglich besser: Weg-Ruf? Oder: Urlaubspost? Vorschläge werden gern entgegengenommen.

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11 Kommentare
  1. 11. August 2009 23:29

    Abwesenheitsnotiz ist microsoftische Sprachpanscherei, nicht nur dass sie den Globus mit ihrer schlechten Software überziehen, nein, sie verhunzen auch noch die Sprache. Die sollten von der EU noch ein paar hundert Milliarden Strafe für diese Unverschämtheiten auferlegt bekommen.

    Abgesehen davon ist eine solche A. mit allen W.s beantwortet natürlich eine schöne Einladung für den Dieb, der weiß sicher, dass ihn zwei oder drei Wochen keiner stört. Fast so gut wie die einprogrammierte eigene Adresse im Navi und dem heimatlichen Schlüsselbund im Handschuhfach (toll, dass das noch so heißen darf) – das erfreut den Autodieb, der gleich weiß, wo es mehr zu holen gibt.

    „Ich bin nicht hier“ ist, wenn einem vom Arbeitgeber aufgegeben wird, eine solche A. im Falle der Absenz zu hinterlassen, immer noch die sicherste Variante.

  2. 12. August 2009 21:26

    :)) Dann ist „Ich bin nicht hier“ wohl die einzig wahre Weg-Nachricht!

    (Man hat ja schon gelesen, daß Twitter zu Einbrüchen führt: http://mashable.com/2009/06/01/twitter-related-burglary/ )

    Das Gute an Programmierung ist, daß sie mich nur dann aufregt, wenn jemand sie mir erklärt. Aber die Sprachverhunzung nehme ich den »Softwarelokalisierern« wirklich, wirklich, wirklich übel. Mögen sie im adäquaten Höllenkreise schmoren, bis sie nicht mehr „upgeloaded“ sagen.

  3. Botschaft permalink
    1. September 2009 15:28

    Vorschlag aus Neukölln: Abstinenz

    (Mr. Gates hat garantiert seinen Wilhelm Busch nicht gelesen)

    «So spricht der Weise, grau von Haar,
    Ernst, würdig, sachgemäß und klar,
    Wie sich’s gebührt in solchen Dingen;
    Läßt sich ein Dutzend Austern bringen,
    Ißt sie, entleert die zweite Flasche,
    Hebt seine Dose aus der Tasche,
    Nimmt eine Prise, macht habschüh!
    Schmückt sich mit Hut und Paraplü,
    Bewegt sich mit Bedacht nach Haus
    Und ruht von seinem Denken aus.»

  4. 1. September 2009 15:45

    Hach! Danke! Das ist der schönste schöne Absenzhinweis.
    Und Sonderdank fürs Zitieren des allzu seltenen Wortes »Paraplü«!

    Abstinenz ist gut:
    »Enthaltsamkeit ist das Vergnügen
    An Sachen, welche wir nicht kriegen.«
    Da haben dann auch die Daheimgebliebenen was von.

    • Botschaft permalink
      1. September 2009 15:52

      à proposito:

      Vor dem Kirchgang pflegte meine Großmutter selig immer noch einmal alle Requisiten durchzugehen:

      «Hut, Stock, Muff, Gesangbuch, Brille, Paraplü, Gebiss und Rosenkranz»

    • 1. September 2009 15:55

      Ohne Gebiß betet sich’s auch so undeutlich.

      Ist das schön!

  5. richensa permalink
    25. September 2010 15:45

    Juhu, dann kann ich nun meine eigene Abstinenzzeit beenden, schreibt man das so? ;-))

  6. 20. Oktober 2010 19:19

    Die kürzeste Abwesenheitsmeldung, die ich mal aus einer Stadtverwaltungsabteilung erhielt:

    Bin auf Malle!

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