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Etwas über Kleiderbügel

31. Mai 2009

Gerade habe ich irgendwo gelesen, die sperrigen Drahtkleiderbügel aus den Reinigungen sollen durch umweltfreundliche aus Wellpappe abgelöst werden. Daraufhin habe ich mal nach »Kleiderbügel mit Wäschereiaufdruck« gegoogelt — und anscheinend bin ich der einzige Mensch im ganzen wilden, weiten Web, der sich für sowas interessiert.

buegel_reim

Ein bißchchen hölzern, aber immerhin gereimt

Nein, ich sammele sie nicht — sie sammeln sich bei mir. Aus der eigenen und ein paar anderen Familien, aus Haushaltsauflösungen und ererbten Kleidungsstücken. Einmal konnte ich auf einer Wanderung dem Sperrmüll nicht widerstehen und habe dann sieben Exemplare zwölf Kilometer durch den Wald getragen.

Da hängen sie an meiner Garderobe, mit ihren Werbesprüchen von Wäschereien und Schneidermeistern. Bieder, honett und entwaffnend optimistisch. So, als würde es Betriebe ewig geben, als seien Adressen gottgegeben und unveränderlich, die Maßschneiderei ein bombensicheres Geschäft. Als würden Kleiderbügel niemals weggeworfen werden.

Diese Relikte einer Zeit, der »Made in China« oder das Internet nicht im Traum eingefallen wären, rühren mich. Eigentlich ist es nur passend, daß Google so gar nichts zu diesen Bügeln weiß … Das allerdings dürfte sich mit diesem Blogeintrag ändern.

PS (Januar 2010): Hier findet sich noch mehr über Kleiderbügel.

PPS (November 2013): Hier ein eindrucksvolles Bild: So sieht es bei einem echten Sammler aus.

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17 Kommentare leave one →
  1. 1. Juni 2009 1:31

    Eigentlich recherchiere ich gerade zum Thema „Historische Hüte“, wobei dann aber zuweilen auch der Kleiderbügel daherkommt. Deshalb kann ich beitragen, dass die ersten Kleiderbügel im 16. Jahrhundert gemeldet werden. Sie müssen größer als die heutigen gewesen sein und wurden von Offizieren und Kirchenmännern verwendet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden sie allmählich Allgemeingut. Den aufblasbaren Kleiderbügel gibt es seit 1929.

    Darüberhinaus wurde anscheinend die Architektur vom Kleiderbügel inspiriert. Die Harbour-Bridge in Sydney ist wohl das bekannteste Beispiel und auch der Flughafen Tempelhof (gut: Ex-Flughafen…) sieht aus der Luft betrachtet aus, wie ein—Kleiderbügel.

    Dem Thema sollte in der Tat mehr Beachtung gezollt werden. Jawoll!

    • joulupukki permalink
      1. Juni 2009 10:24

      Ich staune und kann Dir versichern: es ist sicher nicht so, dass Du die einzige bist, die sich für solche Kleiderbügel interessiert, ich hab sie bloß das erste mal hier bei Dir gesehen. Die sind ja entzückend! Bei uns gibts seit ich denken kann in Wäschereien bloß lausige Drahtkleiderbügel.
      Also, liebe Lakritze, ziehe aus und sammle sie, rette sie, diese kleinen Helden deutscher Werbereimgeschichte. Und dann warte noch ein paar Jährchen und versteigere sie bei Ebay. Allein in mir wirst Du eine gute Abnehmerin finden.

  2. 6kraska6 permalink
    1. Juni 2009 10:40

    Und ich dachte schon immer, ICH hätte skurrile Interesssen! Bei diesen Kleiderbügeln wird einem ganz nostalgisch zumute. Interessant auch die Infos von eichi (Gruß!) – die Geschichte des Kleiderbügels! Mein Historikerherz schlägt schneller…

  3. ottogang permalink
    1. Juni 2009 13:45

    Ich genieße es, mit den Kleiderbügeln teilweise meine Hotelaufenthalte, so die KLeiderbügel dann bedruckt sind, nachvollziehen zu können. Oder wenn Geschäfte bei Kleidungsstücken auch mal ihre Bügel dazugegeben haben. Netter Beitrag.

  4. 1. Juni 2009 15:57

    Danke, Ihr alle.
    Eichi, wow, ich bin beeindruckt! (Vor dem 16. Jahrhundert haben die Leute ihre Kleider wahrscheinlich getragen und nicht aufgehängt.) Werde nun nach einem aufblasbaren Bügel von 1929 forschen.
    Joulupukki, schau bloß mal in die Kleiderschränke Deiner Verwandtschaft. Die Dinger hängen da einfach so rum, bislang völlig unbeachtet. Flohmärkte sind sicher auch gut.
    Ottogang, Hotels bedrucken sie also noch? Ich dachte immer, die machen das, damit man sie dort hängen läßt –? ;)

  5. 1. Juni 2009 20:07

    Sehr hübsch.
    Könnte mich glatt zu einem kleinen Blogbeitrag treiben, da ich mindestens drei fotografierenswerte Bügel mit Geschichte habe ;)

    Immer wieder sehr beruhigend, dass auch andere Menschen sich für so schön abseitige Dinge begeistern können.

    Danke, Lakritze!

    • 2. Juni 2009 0:06

      Auja, Kixka, ich will Deine Bügel sehen! Und, bitte, mit Geschichten! :)

  6. 2. Juni 2009 12:48

    Habe gerade einen Zeitungsartikel von 2006 gefunden: Es gibt ein privates Bügelmuseum in Brandenburg!
    http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1241415456851&openMenu=1013016724320&calledPageId=1013016724320&listid=1018881578737

    Und eines in der Schweiz: http://www.dunkel-service.ch/museum-info/

  7. richensa permalink
    6. Juni 2009 22:30

    Lakritze,
    bis in die frühe Neuzeit wurden Kleidung, die man nicht gerade trug, in Truhen aufbewahrt, also gefaltet. Die ältesten Schränke, die sich erhalten haben, sind in kirchlichem Besitz, für liturgische Kleidung. Ich muss mal nachschauen, wie deren „Innenleben“ aussieht..

    Aber so ein toller Beitrag über Kleiderbügel, ich habe auf alle Fälle auch noch ein paar. Bei meinem Vater im Haus sind 100%ig weitere.

    „Lasst die Jugend Bleyle tragen…“ (Zusatz meiner Tanten: Bleyle kratzt vor Wohlbehagen)

  8. philipp1112 permalink
    12. Juni 2009 19:32

    Kleiderbügel mit eingebrannten Firmenlogo oder Firmenadressen längst verblichener Firmen (als Vor-Karstadt-Insolvenz-insolventen oder aus sonstigen Gründen nicht mehr existierende) nenne ich auch noch mein Eigen. Hotelmitbringsel habe ich nicht, weshalb auch immer. Bei den alten emaillierten Werbe-Blechschildern gibt es ja inzwischen schon Neuauflagen. Bei Bügeln hab ich das noch nicht gesehen. Wäre doch mal ’ne Marktlücke.

  9. 22. April 2010 13:24

    Jetzt erst gefunden. Wunderbar.

  10. 14. Mai 2010 20:52

    Ich bin eben über einen Link hier drauf gestoßen und ich muss echt schmunzeln. Kaum zu glauben, was für skurrile aber liebenswürdige Hobbys manche haben – oder sollte ich es eher einen „Spleen“ nennen? Und ich dachte das Kleiderbügelmuseum in Pfaffenhofen sei schon strange…

  11. 29. November 2013 22:39

    Oh. Also, der Sammler hatte auch zu vielen seiner Bügel eine Geschichte parat. Ein guter Freund von ihm hat in den 1980er Jahren mal ein Bestimmungsbuch der Streichholzabnormitäten geschrieben – das fand ich auch äußerst dufte. Sehen Sie selbst: http://ebay.eu/1dGqkJf

    • 1. Dezember 2013 14:13

      Das ist ja großartig! Schade, daß das Werk mit 180 Eulen zu Buche schlägt; ich wäre sonst sehr in Versuchung gewesen … Danke fürs Vorbeischauen!

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