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Nur mal angenommen …

16. Februar 2009

Ich hätte da eine medizinische Frage.

Also. Wenn eine Dame im Schnürkorsett (keine „Corsage“ — ich meine so ein richtiges von vor hundert Jahren, mit Metallstäben und -ösen und bebendem Busen) von einem Dolch oder Degen, von mir aus auch einem Federhalter oder was eben ihr eifersüchtiger Liebhaber so zur Hand hat, wenn er sie mit ihrer Affäre — der vermeintlichen oder echten, was weiß denn ich — erwischt, wenn sie also, wohlverschnürt und robust verpackt, von einem Dolch getroffen wird, und zwar (nein, die Dolchspitze ist nicht an einem der Metallstäbchen der Unterwäsche abgerutscht, sondern hat zielsicher ihren Weg gefunden) direkt in die Gegend des Herzens, müßte man dann besagte Dame, wenn man ihr Leben retten wollte, was ja vielleicht der unbedachte Angreifer selbst inzwischen möchte, müßte man sie aus ihrem Korsett befreien, auf dem sich inzwischen ein rasch größer werdender Blutfleck zeigt, oder müßte man gerade dann das Korsett an Ort und Stelle lassen (der Stabilität halber? um die verwundete Stelle nicht in weitere Unordnung zu bringen?), bis der Arzt eingetroffen ist?

Hm?

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11 Kommentare leave one →
  1. GrafSchaf permalink
    17. Februar 2009 0:30

    Hm. Ist, glaube ich, egal. Das Herz ist keine Struktur, die Du abdrücken kannst, um die Blutung zu stillen, anders als eine Vene, von daher Fischbeinkorsett an oder aus, das macht keinen Unterscheid. Beim Dolchstoß ist ja nicht nur das Leck im Herzen entscheidend, sondern auch die durch den Dolchstoß entstehende Arhythmie. Vielleicht ist es sogar besser, wenn das Herz stillsteht und nicht mehr pulsiert, so dass das Blut langsamer austritt und ein Rettungsversuch theoretisch möglich wäre. Nee, das auch nicht, die zu- und abführende Blutgefäße sind viel zu dick im Durchmesser, als dass ein langsamerer Blutfluss das sanguine Auslaufen nennenswert verlangsamen könnt… Sag‘ mal, was frühstückst Du denn so, dass Dich solche Fragen durch den Tag begleiten? Etwa Lakritze?

  2. berndb permalink
    17. Februar 2009 0:32

    Da bei dieser Art von Stichwunde kein Druckverband von Nöten ist, würde ich aus laienhaften Verständnis heraus das Ablegen der Fischbeincorsage anraten. So kann die Eintrittswunde zweifelsfrei lokalisiert und desinfiziert werden.

    Auf der anderen Seite kommt es natürlich ganz auf die Anatomie und das Aussehen der getroffenen Betroffenen an. ;-)

  3. 17. Februar 2009 10:08

    … und bin so klug als wie zuvor. Naja, da das Korsett nicht mehr allzu verbreitet ist unter den Damen, ist es wohl nicht lebenswichtig … :)
    Aber daß mir die Frage GrafSchaf auf den/das Blog geführt hat, das finde ich famos! Nur sagmal, wieso weißt Du eigentlich so viel über Dolchstöße und Arrhythmien?

  4. GrafSchaf permalink
    17. Februar 2009 11:21

    Am Ende meines Biologiestudiums bin ich erst nach England in ein biomedizinsiches Forschungslabor weg von allen Freiburger Kräutern, Pilzen, Giftmischereien im Chemiepraktikantenlabor, Theorie über die Darwinfinken, Doppelhelices, Beobachtungen der Napfschneckenwanderungen in der Brandungszone und der Seegraswiesenkartierungen Südfrankreichs und habe dann später in Berlin einen Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der digitalen Bildverarbeitung am Deutschen Herzzentrum angenommen. Der Job ist schon länger her, der Lack ist ab, aber das Wissen ist geblieben.

    Nice to meet you again!

  5. 17. Februar 2009 22:20

    Same here! :)

    Also muß ich mich nicht wundern, daß ein vermeintlicher Sprachwissenschaftler sich so gut mit Herzensangelegenheiten auskennt.
    Beobachtungen der Napfschneckenwanderungen in der Brandungszone — hmmm. Wo ist Dein Blog?

  6. GrafSchaf permalink
    17. Februar 2009 22:55

    Hab‘ keinen Schreib-Blog. Konnte mich bis jetzt nicht aufraffen. Und nachdem ich nochmal in einem anderen Blog erlebt habe, wie leidig und humorlos Blogger sein können, bleibe ich dabei, dass ich wenn einen Fotoblog aufmache. Deiner gefällt mir allerdings ausnehmend gut und hat mich zum Lachen gebracht. Das schaffen nur wenige! Die meisten gehen mir mit ihrer Bauchnabelschau und Projektion von guten Eigenschaften auf Verbündete und Alliierte wirklich auf die Nerven.

    Ja, tatsächlich habe ich sowohl Sprachen als auch Biologie studiert. Konnte mich nicht entscheiden und bin mehrmals hin- und hergewechselt (Romanistik – Chemie – Biologie). Am Ende war es ein Biologiediplom mit Französisch als Nebenfach. Und ehrlich gesagt hätte ich auch gerne mehrPhysik als ein zum Biostudium dazugehöriges Vordiplom studiert. Das Ausprobieren hat mir wirklich viel Spaß bereitet und die Freiheit zu lernen, habe ich ungemein genossen.

    Die Beobachtung von Napfschnecken war vor 16 Jahren ein Projekt am externen Forschungsinstitut der Sorbonne in Banyuls s/mer, welches unser Partnerinstitut war. Dort habe ich tatsächlich die Wanderbewegung von Napfschnecken in der Brandung bei Sturmböen vermessen, und natürlich zur Entschädigung auch bei Sonnenwetter. Ich fand’s so abgehoben, dass ich einen Heidenspass daran hatte.

  7. 19. Februar 2009 16:30

    Ein Napfschneck, den’s, weil die Brandung wog-
    te, bald hierhin, bald dorthin am Strande zog,
    erwog, ohne Napf, also nur noch als Schnecke
    zu wandern, daß nackt ihn die Brandung belecke
    und er, da ja aerodynamisch gescheiter,
    fürderhin schneller wand’re und weiter —

    bin schon ruhig.

    Das ist jedenfalls mal ein Job, mit dem man bei „Was bin ich?“ richtig abgeräumt hätte. (Machen Sie mal eine typische Handbewegung…)

    Ich glaube, die armen Bachelors und Masters werden so nie und nimmer studieren können. Schade eigentlich.

  8. GrafSchaf permalink
    19. Februar 2009 18:39

    Da hast Du recht. Normalverteilt :-) und gestreamlined beneide ich so einige Bachelors und Masters. Schließlich sind sie mit großer Zielstrebigkeit bald mit den Studien fertig und erwachen nicht erst nach Jahren des Höhenflugs mitsamt einer Bauchlandung.

  9. 19. Februar 2009 18:47

    Aber die interessanteren Lebensläufe haben die Magister und Diplomierten. Vor allem hatten sie, so will ich stark annehmen, die spannendere Zeit nach der Hochschulreife …

  10. GrafSchaf permalink
    19. Februar 2009 21:19

    Ähm, naja, die ersten Jahre schon. Dann habe ich mich irgendwie verdaddelt und verspielt, und das bin ich im Grunde genommen ja immer noch :-)

  11. 24. Februar 2009 0:47

    Hallo, also ich habe mal gehört, dass man ein Messer oder einen Dolch in diesem Falle, auf keinen Fall aus der Gegend des Herzens entfernen sollte! Lieber warten bis der Arzt eingetroffen ist, der Dolch kann auf jeden Fall besser im Krankenhaus entfernt werden! Hat der Angreifer den Messerstich direkt in das Herz abgesetzt, besteht meiner Meinung nach eh wenig Hoffnung, dass das überlebt wird. Hab noch nicht davon gehört. :-( Also die Korsage an Ort und Stelle belassen und nicht öffnen! :-)

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