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Auf Schienen durch die Stadt

20. Dezember 2008

Qype-Beitrag zu Saarbahn, Saarbrücken; Bewertung: ***** (von 5)

Jeder Städter kann »seine« U-Bahn mit geschlossenen Augen am Geruch erkennen. U-Bahn haben wir hier nicht — aber der Gesang der Saarbahn, das Summen, Rumpeln, Jaulen und Pfeifen, mit dem sie in die Kurve geht, läßt Saarbrücker Herzen höher schlagen. (Spätestens dann beschleunigt sich der Puls, wenn sie einen mit schriller Glocke von den Schienen scheucht.)

Als die Saarbahnschienen verlegt wurden, hieß das gefühlte fünf (also vermutlich zwei) Jahre lang Lärm, Staub, Teergestank und Stromausfälle für die Anwohner. In der Mainzer und der Kaiserstraße herrschte verkehrstechnisch Ausnahmezustand; immer mal wieder fing sich ein LKW in der Kurve der Umleitung, dann ging zehn Minuten gar nichts mehr. 1997 war die Saarbahn endlich fertig.

Heute ist sie nicht mehr wegzudenken aus der Innenstadt. Sie fährt innerhalb Saarbrückens vom Heinrichshaus bis nach Saarbrücken Ost und zurück, einmal quer durch die Stadt. Sie bildet so das Rückgrat des Öffentlichen Personnennahverkehrs, um das sich die Buslinien ranken.

Daß das Streckennetz so übersichtlich ist, liebe ich an dieser Bahn: Eigentlich gibt es nur die Linie 1, werktagsüber alle acht Minuten, sonst und nachts alle 20, von morgens halb Fünf bis nachts um Zwo. Wenn Messe ist, soll es auch eine Linie 2 geben, und sogar von Linie 3 habe ich schon gehört, aber das halte ich persönlich für Ammenmärchen. Bei Umzügen, Ausflügen und Möbelkäufen hat mir Linie 1 bislang vollauf genügt, für derzeit 2,20 pro Fahrt (Kurzstrecke 1,80).

Die Züge haben sich ganz gut gehalten, modern, barrierefrei, blau innen und mit viel Fenster. Die Haltestellen werden auf Deutsch und Französisch angezeigt und durchgesagt. Früher mal sprach die Ansagedame mit merklich westpfälzischem Zungenschlag — Nächster Halt: Johanneskirsche –, aber das hat man ihr leider ausgetrieben.

Die Tafeln an den Haltestellen geben die verbleibende Zeit bis zur nächsten Bahn in »min« an. Das sind nicht etwa Minuten, sondern flexible Saarbahnzeiteinheiten, die je nach Verkehrslage länger oder kürzer sein können. Das macht nichts, ich mag das — denn die nächste Saarbahn kommt immer, ganz bestimmt.

Am allerallerbesten gefällt mir aber, daß man in Saarbrücken einsteigen und in Frankreich wieder aussteigen kann. Vorbei an Güdingen, Bübingen, Kleinblittersdorf und Grossbliederstroff bringt sie einen für 3,70 nach Sarreguemines. Dort kann man ein wenig auf alten Treidelpfaden an der Saar entlang spazieren oder in der pittoresken Innenstadt eine tarte des pommes verzehren.

Daran denke ich immer, wenn ich das Rauschen und Kreischen der bremsenden Saarbahn höre. Schön ist das.

(Die Besserwisserin in Sachen Saarbahn ist wie immer die Wikipedia.)

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2 Kommentare leave one →
  1. walterlenz permalink
    4. Oktober 2010 18:14

    Oh wie gerne würde ich vorbei an Güdingen, Bübingen, Kleinblittersdorf und Grossbliederstroff nach Sarreguemines fahren. Auch durch die Innenstadt. Solange es rumpelt, jault und pfeift. Und quietscht sogar.

  2. 4. Oktober 2010 18:23

    Huch? Woher wißt Ihr –? Ich suche gerade die Lieblingsstücke unter den alten Hüten bei Qype zusammen und topfe sie um. Danke fürs Wiederlesen. :)

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