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Auswanderung

23. November 2008

Bei Qype wird gerade gegangen. Das, oder man legt sich ein zweites Standbein zu, eine Zweitwohnung im Netz, ein Blog eben. Wieso? Ein Generationswechsel hat stattgefunden. Oder vielleicht: Die Plattform ist über ihre Nutzer hinausgewachsen.

Die Nutzer der ersten Stunde kennen ihr Qype noch als Hamburger Lokalmagazin. Als ich mich 2006 anmeldete, gab es gerade mal eine Handvoll Qyper in meiner Stadt und vielleicht 20, 30 Beiträge. (Es war so wenig los, daß ich überhaupt erst ein Jahr später aktiv wurde.)

Dann wurde Qype größer. In den Kinos lief ein Werbespot. Qype Großbritannien wurde gestartet, Qype Frankreich kam dazu. Ich las tolle Berichte über tolle Orte und fing an, mit Qype im Kopf durch den Alltag zu gehen. Ich hatte ein paar Dutzend Kontakte, las ihre Beiträge regelmäßig und mit Freude. Ein paar Qyper lernte ich persönlich kennen, und es war einfach genial — nette und interessante Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet, die ich anders sicher nie getroffen hätte. Ich mochte dieses Web 2.0.

Dann kamen immer mehr Länder und immer neue Aktive dazu, die Gemeinschaft wurde für mich schwer überschaubar. Mit vielen konnte ich gar keinen Kontakt mehr aufnehmen — zu wenig Zeit.

Als nächstes erschienen die Events auf meinem Bildschirm, Veranstaltungen, die jeden Tag Dutzende motivierter Qyper eintrugen. Für mich wurde damit die Plattform völlig überflutet — wie soll man sich da noch täglich durch den Wust von Beiträgen wühlen, um seine Lieben zu lesen?

Und dann kam das Hauptquartier auf die glorreiche Idee, iPods für eine bestimmte Zahl von Beiträgen auszuloben. Seither bricht eine Welle von Nullbeiträgen, nichtssagenden Dreizeilern und kopiertem Quatsch über mich herein, wenn ich tatsächlich mal versuche, etwas abseits meiner ausgetretenen Pfade zu lesen. So schaue ich nur noch gelegentlich mal rein, schreibe auch mal, ja; bloß nicht mehr kontinuierlich.

Ich beobachte aber, daß die Qyper, ein streitbares Völkchen, für ihre Plattform eintreten. Nicht jede Neuerung aus dem Hauptquartier wird beklatscht (genauer gesagt: die meisten werden erst mal nach Strich und Faden zerfleddert); manchmal reibt man sich an Details auf: Punkte? Wie viele? Für was?, aber in den Foren finden sich viele Ideen und viel Herzblut der Nutzer. — Die Betreiber haben es jedenfalls nicht leicht mit ihren widersetzlichen Schäfchen. Sie versuchen ihr bestes, sind aber zeitweise überfordert und agieren manchmal ungeschickt. Menschlich halt.

Und jetzt ist einer der engagiertesten Alt-Qyper der Plattform verwiesen worden, weil er — na, so ganz nachvollziehen kann ich’s nicht. Er hat eben immer wieder auf wunde Punkte gestoßen und war kein bißchen diplomatisch dabei, aber wir viele von uns kannten und mochten ihn so sperrig, wie er war. Das Management offenbar nicht. Jetzt ist er weg.

Das war wohl der Tropfen, der für so manche Altqyper das Faß zum Überlaufen gebracht hat, und nun schwemmt es sie hinaus ins Netz.

Qype wird das nicht umbringen, aber es wird sein Gesicht verändern. Alles wird anders, und ich bleibe, gespannt.

Für alle Fälle hab ich ja hier mein gemütliches Blog …

P.S.: Mehr zum Thema bei Kixka, die im Web 2.0 nicht nur wie unsereins das Seepferdchen, sondern mindestens den Rettungsschwimmer hat.

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13 Kommentare leave one →
  1. 24. November 2008 0:31

    Nicht ausgewandert, aber trotzdem angekommen, scheinst Du zu sein.
    Kann ich Dich abbonnieren so wie Jou und Wassily? Oder gibst Du künftig bei twitter ein Zeichen über neue Blogeinträge? Wäre nämlich schade, Dich zu verpassen:).

  2. nuesschen permalink
    24. November 2008 1:50

    Der Aussschluss des Qypers, den du ansprichst finde ich absolut unmöglich. Das ist wohl so wie du schreibst. Letzlich, auf zwei Beinen steht es sich besser. Zum Thema „Exodus“: Der große Unterschied, warum (m)ein Blog Qype nicht ersetzt ist, dass im Blog es sich nur um den Blogger dreht, bei Qype man sich eine Ecke suchen kann, in die man sich zurückzieht, mal teilhat, mal nicht. Ich habe auch über Qype Menschen kennengelernt, die mir nun wichtig und lieb sind. Sehr sogar. Und solange ich diese Qyper auf Qype treffe bleibe ich dabei.

  3. 24. November 2008 9:06

    Haiku, schön, Dich hier zu sehen! — Ich habe leider keine Ahnung, wie man so eine Mailbenachrichtigung einrichtet, aber ich hab’s mal in mein FAQ geschrieben, vielleicht weiß das jemand. Wo wirst Du denn künftig schreiben?

    Zuja, ich bleibe auch, mit einem Bein. Zum einen geht’s mir wie Dir — einige meiner netten Menschen sind da, also bleibe ich. Und zum anderen bekomme ich langsam Rückmeldung von manchen Geschäften, die sich über neue Kunden gefreut haben — und bei meiner Vorliebe für kleine Klitschen und sterbende Branchen ist das ein guter Grund.

  4. 24. November 2008 14:31

    der ausgeschlossene qyper hat das spiel gewonnen, er hat hat bekommen, was er wollte, hat sich auf den CM der plattform eingeschossen und konnte selbst kein bisschen mit kritik umgehen, seine dauernörgelnden elliptischen blödheiten waren nie konstrukiv, es ging dabei immer nur das eigene drama. meine erfahrung mit besagtem qyper war keine gute, und wie gesagt: er hat das spiel gewonnen..

  5. 24. November 2008 22:42

    @Lakritze, re: „(…) wir kannten und mochten ihn so sperrig, wie er war.“

    Wer ist „wir“? ;-) Als Qyper kannte ich den ausgeschlossenen User nicht wirklich. Seine Beiträge hörte ich auf zu lesen, als er mal irgendwelches Geschwurbel über das Beurteilen von Bäckereien anhand von Farben schrieb (frag nicht! ;-) ). Und in „seinem“ Qype-Qontrovers-Forum gingen mir sein destruktives Gestichel und die ständigen Provokationsversuche in Richtung Qype-Management gehörig auf die Nerven.

    Mag sein, dass ich ihm mit dieser Kurzbeschreibung gehörig unrecht tue. Aber in Bezug auf den Ausschluss habe ich eine ähnliche Meinung wie lokalreporter (und das auch nur in Bezug auf den Ausschluss – den Rest seiner Ausführungen finde ich zu polemisch): Ich kann mir vorstellen, dass es V. bewusst auf den Rausschmiss angelegt hat. Wenn dem so ist, hat er seinen Willen bekommen.

  6. 24. November 2008 23:46

    Qype rules! Zusammen mit diesem Beitrag haben es zwei weitere Artikel aus dieser Qyper-Runde in die heutigen Top Posts von WordPress geschafft: „Killt Twitter die Blogs ? Eine Session auf dem BarCamp Hamburg“ (von Kixka) und „Deutschsprachige Medien bei Twitter: die Liste“ (von mir). Auch Cem Basman ist vertreten („Risikokapital ist wie ein Wetteinsatz“).

  7. 25. November 2008 1:19

    @pjebsen – das polemische passte für mich auf die polemisierende figur [homöopathischer aspekt], das bisschen salz musst anscheinend aus mir raus – dabei versuche ich stets den weg der vergebung zu gehen..

  8. vilmoskoerte permalink
    25. November 2008 9:07

    @pjebsen: „Es ist die Gemeinschaft der Mitteilsamen, die darüber wacht, dass ihr Portal nicht für Marketingzwecke missbraucht wird“ schreibt DB-Mobil 11/08 in einem Artikel, in dem ein Journalist Peter Jebsen häufiger zu Wort kommt. Genau das hat der rausgeworfene Qyper mit Nachdruck und Penetranz gemacht, wobei er sicherlich so manches Mal etwas übertrieben hat. Offensichtlich hat er dabei aber immer wieder die Stellen getroffen, die am meisten schmerzen. Als es den Machern zu weh tat, haben sie ihn kurzerhand vor die Tür gesetzt. So viel zur viel beschworenen Community.

  9. 25. November 2008 10:27

    lieber vilmos, keine wunde heilt durch andauerndes reinspucken, derjenige der diesen weg wählt, vergiftet im grunde sich selbst – als würde es allen ernstes um das portal qype gehen. qype diente dem gekündigten user lediglich als vehikel.. [falls du diese sicht als irgendwie pseudobelastet siehst, nur zu :))]

  10. 25. November 2008 20:57

    PJ: „Wir“ sind ich und die, denen es ähnlich ging; ich kann sicher nicht für alle schreiben, wie ja auch Lokalreporters Kommentar deutlich macht.
    Ich mag auch gar nicht über die Qualitäten des Störenfriedes oder über Sinn und Unsinn des Rauswurfs diskutieren — fatal finde ich den Eindruck, den er bei einem (den Diskussionen nach zu urteilen) großen Teil der alten Community hinterlassen hat.
    Spannend.

  11. joulupukki permalink
    26. November 2008 13:14

    Die Geschichte hab sogar ich mitbekommen, dabei ist das Kapitel Qype für mich schon lange abgeschlossen. Die Diskussion um Vatis Ausschluß hab ich trotzdem gelesen und bei manchen Argumentationen den Kopf geschüttelt.

    Zum einem die billige Schiene, es einer/m User/in als Erpressung anzulasten, wenn er klarstellt was für ihn/sie die Grenzen des Akzeptablen sprengt. So etwas fällt unter Transparenz (andernfalls müsste er oder sie sang- und klanglos verschwinden und ließe keine Chance auf Klärung des Konflikts), nicht Erpressung (womit um alles in der Welt soll ein/e User/in eine Community überhaupt erpressen? Mit der An- oder Abwesenheit der eigenen Person? Das ist doch lächerlich.)
    Besonders schwach ist diese seltsame Anklage in Kombination mit den Aussagen der Qype Leitung a la „wems nicht passt, der kann ja gehen“.

    Zum anderen die Klage, Vati hätte in Qype Qontrovers UserInnen verscheucht. Da diese Aussage dezitiert auch im Zusammenhang mit meinem Abgang genannt wurde, möchte ich dazu sagen, dass das keinesfalls zutrifft. Ich habe zwar über Vati mehr über die marketingtechnische Handhabe Qypes erfahren, aber was hat der Informant schon mit der Information zu tun, außer deren Verbreitung? Es war die Art und Weise, wie Qype Werbegeld akquiriert, die mir nicht liegt (basierend auf meiner rein persönlichen Abneigung gegen Telefonmarketing). Es war nicht die Art und Weise, wie ich darüber erfahren habe, die mich zum Ausstieg bewogen hat.

    Fact ist jedenfalls, dass Qype eine selten hochqualitative Community hat – ob sie sie auch halten kann ist bei so fraglichen Aktionen abzuwarten.

  12. wassily permalink
    26. November 2008 14:58

    Es geht letzlich nicht um diesen einzelnen (nicht nachvollziehbaren) Rauswurf. Es geht darum, dass sich der Charakter von Qype grundlegend verändert hat. Ich will gar nicht nachtreten – ich habe Qype einiges zu verdanken, als Netzanfänger, der ich noch im Januar war (Kixa hat diesen Mechanismus in ihrem aktuellen Beitrag gut beschrieben). Auch die Eventomanie und die schwachsinnigen Marketingaktionen mit iPods wären noch erträglich gewesen. Viel schlimmer finde ich persönlich die „Blockwart“ – Mentalität, die sich breit gemacht hat. Mit welchem Recht werden Qype-Mitglieder öffentlich vorgeführt ? Mit welchem Recht und von wem werden Neu-Qyper als „sich hoffnungsvoll bemühende“ Schreiberlinge öffentlich belobigt. Was soll der ständige Ruf nach dem HQ, und was soll der öffentliche Appell des HQ an alle Mitglieder, andere zu denunzieren. Nur weil die eigene Qualitätskontrolle versagt hat beziehungsweise nie vorhanden war ? Und diejenigen, die sich um ein Mindestmaß an Qualität sorgen, werden wie Verräter abgestraft. Nein, Danke.

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  1. Killt Twitter die Blogs ? Eine Session auf dem BarCamp Hamburg « Kixkalogic

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