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Loriot lebt

21. September 2008

Samstags im Käseladen. Die Schlange ist schon beträchtlich, als ein älterer Herr an die Reihe kommt. Beige Jacke, vernünftiges Schuhwerk, Typ pensionierter Studienrat.

Er erklärt, er habe am Abend Gäste, und da wolle man sich zum Wein etwas Schönes gönnen. Voller Elan verlangt er ein Stückchen hiervon, ein Stückchen von diesem, von jenem und dem dort drüben — nein, dem anderen — und ein Viertel davon. (Die Warteschlange scharrt mit den Füßen.) Achja, den da hätte er fast vergessen, den esse sein Schwager so gern. Der dort sei aber wohl nur für den Export gedacht, den wolle er nicht. Das Original habe er bei seinen jährlichen Schweiz-Aufenthalten genossen, aber so etwas bekomme man nicht überall. (Irgendjemand verschluckt sich und hustet. Der Gesichtsausdruck der Käsefrau wird immer sparsamer.) Dafür aber noch zwei Scheiben von dem da, aber bitte nicht so ein löchriges Stück (einer aus dem hinteren Teil der Schlange geht), und ein kleines Stückchen — nicht so viel! — von dem dort, zum Probieren. — „War es das jetzt?“ — „Jaja, das sollte genügen.“ — „Macht dann … <Betrag deutlich unter zwanzig Euro>.“

„Oh, haha, na, das ist ja nicht ganz billig. Aber bei Käse“, wendet er sich an das zahlreiche und eisern schweigende Publikum, „bei Käse kenne ich keine Grenzen.“

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5 Kommentare leave one →
  1. 21. September 2008 22:35

    Das muss am Wetter liegen! Am Samstag stand ich geschlagene 20 Minuten an der Käsetheke, weil eine Transuse 3x 200 gr. Käse einer bestimmten Sorte haben wollte, aber bitte einzeln verpackt, aber bitte möglichst GENAU 200 gr.
    Und die Bedienung, Transuse Nr. 2 hat in einer Zeitlupe gearbeitet, da träumt die Sportschau aber von: Die können nicht halb so langsam wie die Käsefrau in echt.

    Als ich dann nur ein Stück Cheddar wollte, und „Danke, das war’s!“, machten die Leute hinter mir ein echtes Fass auf (Missus 3 x 200 gr. hatte sich nämlich endlich verpisst, und die Bahn für Klamauk war frei).

  2. nuesschen permalink
    23. September 2008 3:56

    Jaaaa, Käsekauf ist schon eine Erlebnis, insbesondere für Typ „ausrangierter Studienrat“. Man darf dem Käse schon fast beim Reifen zuschauen.

  3. joulupukki permalink
    28. September 2008 10:24

    Hey, sollte ich jemals in Pension gehen, wird das sicher auch eins meiner Lieblingshobbys. Dann steh ich um 8h in der Bank und mach auf heutebesonderstattrig und Samstags an der Käsetheke. Und amüsier mich dabei insgeheim köstlich über meine gestressten Mitmenschen!
    Heissa, das wird ein Spaß!

  4. 28. September 2008 12:39

    Ha! Und wir stehen alle in der Schlange hinter Dir und bloggen drüber!

  5. gargano permalink
    1. Oktober 2008 21:50

    „He Sie da, junge Frau mit den roten Haaren und der komischen Mütze, machen Sie mal bitte Platz für einen alten Mann. Danke schön ! *vordrängel*
    Haben Sie heute den leckeren Trüffel-Brie ?“
    „Ja natürlich, ganz frisch aus Italien geliefert“
    „Hmhm – und den guten Morbier, den fünfzigprozentigen ?“
    „Freilich, mein Herr, schauen Sie. Ein Käse wie gemalt!“
    „Und den Buffalo vom Cilento, die Bio-Ware ?“
    „Hier bitte… sozusagen direkt vom Hof!“
    „Sehr schön,sehr schön !“
    „Und nun, mein Herr ?“
    „Wie immer -100 Gramm Butterkäse, aber hauchdünn geschnitten, wenn ich bitten darf!“

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