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Nur für eine Nacht …

18. September 2008

Hach, ist das schön — den Tag mit verquollenen Augen und leicht matschigem Hirn verbringen, weil man in der Nacht nicht aufhören konnte zu lesen. Früher waren Michael Ende, J.R.R. Tolkien oder Otfried Preußler schuld an sowas, später dann Dorothy L. Sayers. Das Erlebnis wird jedoch mit steigendem Alter und wachsender Leseerfahrung seltener und seltener.

Jetzt hat mich endlich wieder mal einer erwischt: Von einer lieben Freundin bekam ich die ersten beiden Bände der schwedischen Thriller-Trilogie von Stieg Larsson ausgeliehen, mit dem Hinweis, sie habe sie nicht aus der Hand legen können.

Nach dem Selbsttest kann ich sagen: Band 1, Verblendung, geht nach etwas schwerfälligem Einstieg ab wie eine Rakete. Da stimmt einfach alles — interessante Charaktere, schwedisches Lokalkolorit, komplexe Handlung mit überraschenden Wendungen. Herzklopfen bis zur letzten Seite.

Schwups, war die Nacht vorbei, und von den verbleibenden drei Stunden Schlaf lag ich noch eine halbe wach.

Auch Band 2, Verdammnis, ist gut. Nicht ganz so rund wie der erste — man kennt die Figuren schon, stolpert über vier, fünf Plotlöchelchen und -löcher; aber immer noch außerordentlich packend, das Ganze. Das war dann die zweite Nacht.

Ich werde mich hüten, etwas zum Inhalt zu schreiben, und rate auch davon ab, den Klappentext vorweg zu lesen. Stieg Larsson ist aber mein Tip für lange Bahnfahrten, verregnete Wochenenden und einsame Nächte.

Noch ein Wort zur Übersetzung: Ich weiß, daß schönes Deutsch schwierig ist. Aber daß bei Schwedisch-Deutsch dieselben dusseligen Fehler passieren wie bei Englisch-Deutsch, nervt doch: ein pathetisches Häuflein verängstigter Männer. Aua. Oder: Die Einsamkeit fühlte sich immer klaustrophobischer an. Was immer dieser Satz bedeuten soll — sicher nichts Gutes, das steht fest.

Nun weiß ich auch, daß Übersetzer nicht viel Geld bekommen und sich ranhalten müssen, wenn sich das Geschäft lohnen soll. Im großen und ganzen sind die Bücher ganz gut lesbar — und, hey, für eine Nacht …

Jedenfalls freue ich mich auf Band 3. Vergebung heißt er. Aber bevor mir der ins Haus kommt, muß ich doch erst mal mein Schlafdefizit ausgleichen.

Nachtrag: Jepp. Chris hatte recht. Band 3 hält, was die ersten beiden versprochen haben.

Für Vergebung habe ich zwei Tage gebraucht (manchmal muß man die Krimilektüre leider zum Arbeiten unterbrechen). Es ist bewundernswert, wie Larsson alle Handlungsfäden und -fädchen in einen Zusammenhang verwebt. Spannend bis zum Schluß. Bloß die Deutschschlampigkeiten sind noch ein bißchen auffälliger als in den ersten Büchern.

So, das war’s. Aus Schweden dräut noch eine Verfilmung, aber mehr gibt’s dann nicht von Larsson. Er ist 2004 gestorben, und schon die drei Millennium-Bände sind postum erschienen.

Achja, gibt es eigentlich noch jemanden, der Salanders Diagnose anzweifelt?

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6 Kommentare leave one →
  1. 18. September 2008 14:06

    Band 3 ist der Kracher überhaupt. Sa-gen-haft. Bester Thriller seit „Der Rabe“ von L. Davidson. Mindestens.

  2. 18. September 2008 16:48

    Wo kann man eine Portion deiner Duldsamkeit erwerben? Für die Übersetzungsfehltritte wäre das Buch hier schon wieder an die Wand geflogen – da kenne ich leider nichts, da bin ich ganz Furie, ohne Notbremse.

  3. 18. September 2008 17:01

    Chris: Besser als Band 1? Ui. Und Kolymski Heights ist auch ein guter Tip, danke!

    Bustä: Übersetzungen sind toll, wenn die Übersetzer Deutsch können. :))
    Wo es geht, lese ich originalsprachlich. Damit umgehe ich schön das Problem. Bei Schwedisch geht es nicht; aber fünf bis zehn Fehltritte auf 750 Seiten, damit kann ich leben.

  4. 18. September 2008 21:54

    Ja. Viel besser als Band 1. Insbesondere, wenn man Band 1 und Band 2 kennt, ist man von der ersten Seite an emotional involviert.
    Da ich kein schwedisch kann, nehme ich die Übersetzungfehler wohl nicht wahr. Würde mich aber mal interessieren, welche das sind, das man darüber einen so spannenden Plot vergisst, würde mich doch interessieren. Erzähl doch mal!

  5. 19. September 2008 9:00

    Chris, ich lese korrektur. Auch bei Krimis kann ich’s oft nicht abstellen. In diesem Falle waren es Stilfehler: Wortwiederholungen, Danebengriffe im Sprachregister, Holpersätze. Und pathetisch für mitleiderregend kommt in jedem zweiten Buch vor (falscher Freund aus dem Englischen).
    Die Plotlöchlein fand ich schwerwiegender. (Frage: Wie kommt sie in ihre Wohnung, nachdem sie den Schlüssel auf der Straße verloren hat?)

  6. joulupukki permalink
    25. September 2008 8:52

    Danke – wurde notiert! Mir dürstet ohnehin nach einem Buch, das mich mal wieder so richtig packt. Und längere Zugfahrten kommen ja passenderweise auch wieder auf mich zu.

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