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Anwohnerparken

26. August 2008

Ich habe ein Auto. Lieber hätte ich keines, aber da ich außerhalb arbeite, geht es beim besten Willen nicht anders. Zur Strafe muß ich, während andere Leute ihr Gefährt im heimischen Carport abstellen, zum Parken in die Innenstadt.

Sicher gibt es Anwohnerparkplätze: vier Stück in meiner Straße, und in der nächsten noch einmal fünf. Um die konkurrieren die Anwohner mit den Einkaufsbummlern und den Leuten, die nur eben kurz was erledigen wollen. Für mich ist oft genug keiner dabei — dann muß ich auf Stadtrundfahrt. Und der Blutdruck steigt, die Laune sinkt mit jeder Runde.

Ich hätte nie geglaubt, wie sehr mich der Anblick von Autos mit fremden Kennzeichen auf meinem Parklatz!! erzürnen kann. Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, ihnen beleidigte Zettel unter die Scheibenwischer zu klemmen, weil die Politessen hier ja viel zu selten durchkommen. Wer so ein dickes Auto fährt, sollte sich das Parkhaus leisten können einparken lernen! Oft genug blockiert so einer dann nämlich gleich zwei Plätze.

Nein, Zettel habe ich noch nie verteilt. Meine Methode ist perfider: Ich kann einparken. Und ich parke ein; gnadenlos. Wenn die Lücke zwei Zentimeter länger ist als mein Wagen, nehme ich sie — auch wenn’s dauert. Gelegentlich schauen Passanten mitleidig und bieten mir an, mich rauszuwinken. Nein danke, sehr nett, sage ich, aber ich will hier rein. Meine Stoßstange ist nicht lackiert, und Beulen im Nummernschild sammle ich wie Trophäen.

Manchmal habe ich Publikum und anschließend Applaus; sicher nicht von den Besitzern der Autos vor und hinter mir. Sogar ein Fotohandy habe ich einmal bemerkt. Ich hätte um das Bild bitten sollen — vorn ein Sportwagen aus dem Umland, hinten eine Bonzenkutsche aus Bayern und dazwischen, sauber eingefügt, mein Kleinwagen mit dem Anwohnerparkausweis. Um die Autonummer zu lesen, hätte man einen Zahnarztspiegel gebraucht. Doch, ich war zufrieden.

Also, liebe Gäste unserer Stadt: Wenn ihr euer Blech liebt, parkt nicht, wo die Anwohner parken. Die verstehen echt keinen Spaß. Und sind obendrein üble Parkrowdys.

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8 Kommentare leave one →
  1. Stefan permalink
    27. August 2008 18:27

    herrlich und ich kann diese Gefühle nur allzu gut nachvollziehen. Erinnert mich stark an unsere alte Wohnung….6 Parteien, 3 Parkplatzplätze und ab und zu ein paar Unbekannte…

  2. joulupukki permalink
    29. August 2008 16:27

    Schätzchen, keine Sorge wegen des Handyfotos, du wurdest ohnehin gefilmt:
    >> LAKRITZE PARKT EIN

  3. 29. August 2008 17:28

    :))) An dem Trick arbeite ich noch, Jou.
    Das hier

    kann ich aber schon (auch andersrum).

  4. Sancho permalink
    16. Februar 2009 17:23

    Tja. Was soll ich sagen. Ihr Anwohner solltet Eure Strategie überdenken. Wer so riesige Autobahnen quer durch Deutschland bauen läßt, die allesamt durch die Innenstadt führen, braucht sich nicht zu wundern, wenn die bayrischen dicken Autos vorbeikommen. Und parken. Und sich zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt machen, um zu sehen, was es da zu bewundern gibt.

    Und sich wundern.

  5. 19. Februar 2009 16:32

    Sancho, Dir fehlt einfach eine ordentliche Stadtführung. Also –!

  6. karu02 permalink
    20. März 2009 20:44

    Ein Bayer im Saarland???

  7. 20. März 2009 22:36

    Es gibt hier so viele Autos mit „M“, daß ich denke, hier muß irgendwo ein Nest sein.

Trackbacks

  1. Der Mensch hat Räder | normalverteilt

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