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In der Schwebe

2. August 2008

Ich staple. In Kneipen und Cafés, am Frühstückstisch und im Restaurant entstehen vor meinem Platz Türmchen aus Gläsern, Salzstreuern, Vasen, Besteck; fragile Konstruktionen, die mein Gegenüber irgendwann beunruhigt im Auge behält.

Meist baue ich nebenbei, beim Reden und Zuhören. Versehentlich. Ich will nicht in die Höhe — manchmal verwende ich nicht mehr als zwei Gegenstände — und auch nicht für die Ewigkeit bauen. Im Gegenteil. Das Gleichgewicht muß mühsam erreicht werden und ständig in Gefahr sein. Ein Luftzug, ein schräger Blick muß die Arbeit einer halben Stunde zunichte machen können.

Nur dann, wenn die Balance kaum zu halten ist, stellt sich in meinen Zahnwurzeln dieses zufriedene Gefühl ein, von dem ich mir vorstelle, daß es der Grund dafür ist, daß Hunde so gern gute Lederschuhe zerkauen. Und geht sie dann verloren, die Balance, bricht mein Bauwerkchen zusammen — einfach so oder weil mein Gegenüber ein Salzkorn danach wirft –, dann seufze ich tiefenttäuscht. Zum Trost fange ich gleich von neuem an und türme den nächsten Unfug übereinander.

Irgendwann zahlen wir und brechen auf. Im Hinausgehen höre ich es klirren: Ah, unser Tisch wird gerade abgeräumt.

8 Kommentare leave one →
  1. 6. August 2008 18:42

    (hochrot)
    Also, äh …
    ich richte Aschenbecher oder Leuchter, Speisekarten etc. gern exakt an der Ecke des Tischs aus.
    An schlimmen Tagen bieter der Meine mir dann gern einmal ein „feuchtes Tuch, Mrs. Monk?“ an.

  2. lakritze permalink
    7. August 2008 8:28

    Habe mich gerade kundig gemacht (kein Fernseher, aber Internetz im Haus).
    Wikipedia sagt:

    Some of Monk’s phobias include:

    * fear of heights
    * fear of crowds
    * fear of snakes
    * fear of germs
    * fear of clouds
    * fear of milk
    * fear of spiders
    * fear of the dark
    * fear of feet
    * fear of dentists
    * fear of frogs
    * fear of soccer riots
    * fear of hail
    * fear of monkeys
    * fear of glaciers

    Hmmmmm …

  3. 10. August 2008 22:04

    Gnihihi, BuStä :lol:

  4. 10. August 2008 23:10

    Rechte Winkel sind und bleiben wichtig, selbst wenn man die unbedingte Symmetrie überwunden hat.

  5. joulupukki permalink
    11. August 2008 11:58

    Ich hab ja ein großes Herz für kleine Monks.
    Menschen, die beim Rauchen absolute Ordnung im Aschenbecher brauchen und die Stummel exakt parallel platzieren (nebst einem sauber angehäuften Ascheberg) sind mir die Liebsten. Und jene, die bei Arbeitsbesprechungen ihr Schreibmaterial immer exakt zur Schreibtischkante ausrichten. Ha, welch Genuß sie ganz beiläufig aus dem Konzept zu bringen ^^

    Meine Lieblingsphobie ist allerdings die Hippopotomonstrosesquippedaliophobie oder zu Deutsch die „Angst vor langen Worten“. Der Namensgeber muss ein ja ein ganz durchtriebener Sadist gewesen sein…

  6. donqyxote permalink
    4. September 2009 14:53

    Ich hab mich ja erst verlesen und dachte, Du wüsstest nicht, warum der das macht.
    Jetzt weiss ich, warum der das macht und warum Du das machst.
    Super!
    Und über Phobien weiss ich jetzt auch Bescheid.
    Mach doch auch mal ein paar Bilder von deinen Türmen, dann fügen wir sie in dem Bildband zusammen !

  7. 4. September 2009 15:57

    :) Das wäre zuviel der Ehre für meine bescheidenen Bauwerke. Mit den Steintürmen können die wirklich nicht mithalten … Aber doch, mach mal Bilder –!

Trackbacks

  1. Zwanzig Dinge | normalverteilt

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