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Altweiber

26. August 2016

Diese späte Hitze in der Stadt ist mir angenehm; wie ein seidenes Kleid schwebt sie über der Haut, immer mit ein paar kühlen Fasern durchwirkt. Die Sonne, nicht mehr gnadenlos, kommt und geht sanft. Im Blätterdach der Robinien an der Straße: erste gelbe Sprenkel.

Beim Nachlesen über den Burkini denke ich, och, gar nicht übel; so was hätte ich als junges Ding auch getragen (wohl minus Kopfbedeckung).

Badeanzug, Gummistiefel, Bettwäsche, dicke Kleidung, dickes Buch. Reisevorbereitungen.

Ein Online-Wörterbuch gibt mir plötzlich Definitionen nur noch in simple language aus: ich habe wohl zuviel Dinge wie knowledge und development nachgeschlagen. Ich will doch nur wissen, wo die getrennt werden, herrje.

 

 

 

Nichtgedicht (nachtgedacht?)

21. August 2016

Auf das Geländer der Eisenbahnbrücke in Mainz-Süd hat jemand (ich nehme an: eines Sommernachts) was geschrieben, in glühenden Farben, die dem Flußgrün in der Tiefe schmeicheln. Irgendwann ist jemand anders gekommen, gewiß bei Tag, hat am Brückengeländer die Vernietungen aufgefrischt und in Brückengrün überstrichen.

Ein paar Worte sind entkommen.

Die hinterlassen jetzt ganz beiläufige Gedichte in den Köpfen der Passanten.

 

Farbenfreuden, später

20. August 2016


Grad noch Sommer, gleich schon Herbst: der August verausgabt sich.

Wo das Mineralwasser wohnt

15. August 2016

Es ist August und damit hoher Sommer; die Zeit, in der sich Einheimische in den Dorfkneipen Geschichten von umkippenden Wanderern erzählen (und wie der Rettungshubschrauber kam, da wars schon zu spät). Nun, dieser August zeigt da wenig Ehrgeiz, deshalb wagen Herr G. und ich uns bedenkenlos in die Eifel.

Frühtau noch zu Mittag - weit kann's mit dem Sommer nicht her sein.

Frühtau noch zu Mittag – so weit kann’s mit dem Sommer nicht her sein.

Von der Ahr steigen wir hügelan. Den Weg kennen wir beide und, wie sich herausstellt, auch unsere Wanderkarte nicht. Das heißt: wir gehen frei Schnauze. Wir orientieren uns an Himmelsrichtungen, Bachläufen, dem Wechsel von Wald und Feldern, an Landstraßenlärm; immer wieder stehen wir an Kreuzungen und suchen sie auf der Karte, oft genug vergeblich. Der Weg ist hüfthoch überwachsen und manchmal kaum zu finden. Wir kommen nur langsam voran.

Der Lohn dafür: Vulkankegel ragen seltsam aus der Hochebene, auf der Mähdrescher Staubsäulen steigen lassen; die Stoppelfelder mit ihren vielen Scheiteln glänzen gegen das schon müde Grün des Waldes. Hügel stehen vor Kulissen von Hügeln, die vor Hügelkulissen stehen und so fort, bis in die diesige Ferne. Bei einem Bach begrüßen uns schöne braune Kühe, aber wir sind wohl nicht die, auf die sie warten; die Herde orgelt uns eine Beschwerde in q-Moll hinterher, die noch lange durchs Tal hallt.

In Niederzissen verschieben wir die letzten zehn Kilometer auf das nächste Mal. Hier gibt es einen Bahnhof, und Herr G. erinnert sich, daß im Sommer das Museumsbähnchen fährt. Mit zwanzig Minuten Verspätung rollt der Zug ein, zwei kleine Dieselloks und ein bunter Verband von Schmalspurwagen; der Schaffner ruft: Pünktlich wie die Bundesbahn!, ehe er uns das Fahrgeld abnimmt. Dann geht es schaukelnd und mit offenen Fenstern das Brohltal hinunter, langsam genug zum Brombeerenpflücken, nur sind die noch nicht reif; an jedem Bahnübergang stehen lächelnde, winkende Menschen. Während Herr G. versucht, einfach Zug zu fahren, habe ich meine helle Freude an den Holzbänken, den Hutablagen, dem Cabriowagen und den wackligen Stegen zwischen den Waggons. In Brohl am Rhein steigen wir aus der Zeitmaschine.

at-nepomuk bt-ordensband bt-bahn bt-waggoninnen bt-bahnaussen

 

Zur Webseite der Brohltalbahn.

 

 

Mehr Bär

12. August 2016

b-station   b-putz   b-bier   b-fensterhell

Berlin hat viele tolle Sachen, die andere Hauptstädte nicht haben. Eine U-Bahn, zum Beispiel. Müllbeutel in Stationskachelfarben (oder andersrum, das weiß man nicht). Eine Biermeile, die vermutlich wirklich eine Meile lang ist. Wetter, das die Bezeichnung Sommer verdient.

 

 

 

Berliner Schlüsselerlebnis

7. August 2016

Es fängt damit an, daß L. einen Topf Leberknödelsuppe auf den Herd stellt, bei voller Hitze, damit es schnell gehe, denn der Tag war anstrengend (lange Geschichte), und wir haben Hunger. Nur schnell noch den Müll runterbringen, zwei große Behälter Obstreste, warte, ich helf dir, hast du den Schlüssel, und auf L.s Ja ziehe ich die Wohnungstür hinter mir zu. Das Nein kommt direkt nach dem Klick – der Wohnungsschlüssel hängt heute ausnahmsweise nicht am Schlüsselbund. (Andere lange Geschichte.)

Fenster haben eine richtige und eine falsche Seite.

Fenster: haben eine richtige und eine falsche Seite.

Wir also draußen, Schlüssel (und Telefon, Geld, alles) drinnen. Und die Suppe. Auf dem Herd. Bei Vollgas. Oweh.

Was tun?

Höchste Eisenbahn

3. August 2016

Am Bahnhof von Boppard am Rhein nehme man ab Gleis drei das blaue Bähnchen nach Emmelshausen. Es fährt, so steht es im Prospekt, die steilste fahrplanmäßig betriebene Strecke ohne Zahnradantrieb: die Steigung beträgt sechs Prozent. Die fünfzehn Kilometer Bahntrasse sind über weite Strecken in oder durch den Fels gesprengt und auf Stelzen über die engen Täler des Hunsrücks geführt; schaut man aus dem Fenster, sieht man Wald, Wald, Wald. 1908 war die Eröffnung; heute ist dieses Stück der letzte Rest der einstigen Hunsrückbahnen, 2009 wieder in Betrieb genommen.

Im Netz stehen Beschwerden: sooo toll sei die Fahrt gar nicht, man sähe ja nicht eine einzige Eisenbahnbrücke. Merke: Die Schienen sieht man besser von außerhalb des Fahrzeugs, und dafür gibt es einen Hunsrückbahnwanderweg. Viele Leute machen es so: sie fahren von Boppard bis Buchholz und gehen am spektakulärsten Teil der Strecke entlang zurück. Kein Spaziergang; festes Schuhwerk ist vonnöten. An jedem Viadukt, an jedem Tunnelmund steht eine Bank.

Steil durch den Wald.

Steil durch den Wald.

Möchte man es anders machen und von unten hochgehen …

Randgruß

28. Juli 2016
Stadtfuchs.

Stadtfuchs.

 

180 Grad (gefühlt), Ober- und Unterhitze

21. Juli 2016

Es ist der heißeste Tag des bisherigen Sommers in einer der heißesten Gegenden des Landes, und da stehen wir, Herr G. und ich, in unseren Wanderstiefeln und mit unseren Rucksäcken, und suchen nach dem Weg. Auf die andere Moselseite müssen wir, wo die Sonne schon auf uns wartet.

Der hat man am Steilhang Lustgärten gebaut, wie die Sonne sie eben liebt: sahareske Wüsteneien. Kein Grün, nicht ein Halm, außer den Reben, und die so schlank, daß sie kaum ihre Nachbarn beschatten. Übermannshohe Mauern fangen die Hitze ein, speichern sie und geben sie im Schwalle wieder von sich. Die Luft wabert. Da müssen wir durch, und zwar nach oben.

Schritt für Schritt für Schritt. Es ist wie Treppensteigen ohne Stufen. Und ohne Geländer, natürlich. Die Hitze schubst uns, so zum Spaß: ob wir aus dem Gleichgewicht kommen? Kommen wir nicht. Wir sind ja noch frisch. Ich denke an die Wasserflasche im Rucksack und male mir aus, wie das Wasser sich darin bis zur Untrinkbarkeit erhitzt.

Endlich oben: schmal ist der Schatten, kurz die Rast. Dann geht es weiter, die Hutkrempe gegen die Sonne gestemmt. Rebreihe um Rebreihe um Rebreihe. Man müßte den Schiefer knacken und springen hören wie Grillkohle, wenn der Schweiß zu Boden tropft. Die Aussicht ist gefährlich: die Mosel da unten liegt zur Hälfte im Schatten. Ich erwäge einen Kopfsprung …

Plötzlich fragt Herr G.: Was ist das denn?, und ich will schon rufen, eine Fata Morgana: ein blendendweißer Kubus an der Absturzkante zwischen den Reben. Ein Herd, ein altes Modell mit Backofenfächern und Eisenplatte und Emaildeckel, Röder heißt er. Und er gleißt. Herr G. hebt prüfend den Deckel, doch, alles echt, und sehr heiß. Von der verrosteten Platte flüchtet eine Handvoll Eidechsen, sicher knusprig.

Der Moselsteig, stellen wir fest, vereint Sonne, Stein und Steillagen. Was aber dem Wein behagt, kann dem Wandern abträglich sein. Das nächste Mal sieht uns die Mosel nicht vor dem späten Herbst, vielleicht auch erst im Winter wieder. Und würde jetzt bitte jemand den Deckel vom Herd wieder schließen?

 

Mit einem Gruß an Soso und Irgendlink, die einen südlicheren Flußweg nehmen, mit anderem Wetter vielleicht.

 

Schöne Sachen XL

19. Juli 2016
Abendfrieden.

Abendfrieden.

 

 

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