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Schlangenfrage

23. August 2015

schlange schlange2

… da war sie auch schon wieder weg. Keine Schleiche, sondern ein fingerschmales Schlängelchen; für eine Ringelnatter fehlt ihm aber der gelbe Nacken. Weiß irgendwer mehr darüber als ich?

Und wieder hat meine fabelhafte Kommentarspalte das Rätsel gelöst: es ist eine Schlingnatter (Coronella austriaca), hat Azestoru herausgefunden (auch wenn er sie offenbar noch nie gekocht hat!), und bestätigt hat’s Mannigfaltiges nach Augenschein — vielen Dank!

 

 

Selbstbildnis im Wasserspiegel eines Putzeimers

19. August 2015

Da, ein Auge, da der Mund; der Schaum dazwischen,
der noch die Nase und die Stirn verdeckt,
steht knisternd, seifenbläschengleich. Ich gehe wischen,
weil’s sein muß; weil man ja nicht gerne ganz verdreckt.

Das klare Wasser mit dem hellen Schaum darüber
wird, je öfter ich den Lappen in es tauch’,
erst gräulich, grau dann, matter, trüb und trüber,
und mein Gesicht in seinem Spiegel wird es auch.

Die Tage gehen, und es bleibt der Schmutz. Die Lieder,
die ich beim Putzen sang, zerstäuben wie die Zeit;
ich sang sie nur, um mich zu motivieren.

Im Wassereimer steht mein Bild in Schlieren.
Die Frische ist dahin. Ach, die Vergänglichkeit:
der Schaum zerfiel. Und morgen alles, alles wieder.

 

Beitrag zum Projekt *.txt (11: Schwermut) und zugleich ein Haushaltssonett.

–> alle meine *.txte

 

… und Nordpost zum dritten!

16. August 2015
Live aus Schweden: iDogma-Karte Nummer 086.

Live aus Schweden: iDogma-Karte Nummer 086.

Auf der schwed’schen Eisenbahne …

Ich freue mich, mit iDogma-Karte Nummer 086 ein weiteres Kunst-Stück von Irgendlinks Radweg hier zu haben. Und der ist keine siebenhundert Kilometer mehr weit. Glück zu!

Wie sich die Bilder gleichen.

13. August 2015

Sie sind kleine Leute, Leute ohne Verbindungen. Sie haben Angst vor dem Krieg und allem, was er mit sich bringt. Sie haben Schreckliches erlebt. Vielleicht haben sie das Regime selbst gewählt, das ihnen die Katastrophe brachte; wer weiß. Hinterher will’s ja immer keiner gewesen sein.

Jedenfalls: kleine Leute, die ein mehr oder minder gutes Leben geführt haben auf ihrer Scholle. Bauern und Handwerker; der Hof war nichts Großartiges, aber er war eben genau das: ihr Hof. Ihrer Hände Arbeit, seit Generationen. Bis dieser Krieg sie ausgerissen und vor sich hergetrieben hat. Sie haben Schreckliches erlebt. Sie sind geflüchtet, und nun sind sie hier.

Hier: das ist ein Dorf, nicht unähnlich dem ihren daheim. Auch hier lebt man mehr oder minder gut, und es gibt Bauern, Handwerker, Verkäufer und Arbeiter, die in die Stadt pendeln. Eine lose Gemeinschaft. Aber diese Leute hier wollen mit den Flüchtlingen nichts zu schaffen haben. “Pack”, das hören sie oft; faul seien sie, Diebe und Schlimmeres. Im Gegenzug bleiben sie unter sich, klammern sich an verblassende Erinnerungen.

Man stellt ihnen Raum zur Verfügung, das ist auch schon alles. Geduldet im besten Fall; und ganz klar: sie werden die Flüchtlinge bleiben. Die Hoffnung auf Frieden ist immer auch die Hoffnung auf: dann könnt ihr wieder gehen. Und so arbeitet der Gutsverwalter als Erntehelfer, die Lehrerin strickt gegen Geld. Sie arrangieren sich; doch es fehlt oft am Notwendigsten.

Die Kinder bekommen’s zu spüren: wie sie in der Schule am Rand sitzen; wie alle sich zu ihnen umdrehen, wenn etwas schiefgeht. Wie die anderen Kinder in die Häuser geholt werden. Wie ernst die Eltern sind, traurig und manchmal wütend. Wie sie voller Sorge Nachrichten von zuhause erwarten; und wie sie auf alle Fragen nur sagen: wir wissen es nicht.

Es ist das Jahr 1946, und diese Flüchtlinge sind Deutsche, die aus dem späteren Polen vor der russischen Armee geflohen sind. Auch meine Großeltern mußten alles, was sie hatten, zurücklassen. Sie lebten dann für einige Zeit mit fünf Kindern in einem Lager, später in einer Dorfrandsiedlung. Über diese Zeit wurde in der Familie nicht viel geredet.

Stöbern Sie ein wenig in Ihrer Familienchronik. Vielleicht finden Sie da, in vagen Formulierungen versteckt, auch eine Geschichte von Flucht und Vertreibung, von Elend, Mißtrauen und Verachtung; einen Beginn in Bitterkeit. Sie verdanken dieser Geschichte wahrscheinlich Ihre Existenz. Pflanzen Sie die Bitterkeit nicht fort.

 

Erst später gelesen habe ich diese Geschichte bei der Trippmadam. Sie zeigt eine / die andere Seite.

 

Postkarten aus dem Norden!

10. August 2015
(Fast) vom Kap auf meinen Küchentisch: Karten aus Schweden

(Fast) vom Kap auf meinen Küchentisch: Karten aus Schweden

Ist das schön: bunte Post, ein Mosaik aus Bildern zum Schauen und Rätseln: violette Blüten, Hühnerüberwege, immer wieder M, Wegweiser für Trennungen, Willkommen (je nach Stimmung: im Nirgendwo/überall), Eisbär in Dosen, die Schöneit rostiger Bindungen …

Irgendlink und SoSo haben geschrieben. Reisekünstler Irgendlink ist dem Nordkap (Blogleser erinnern sich: mit dem Fahrrad …) ein gutes Stück näher gekommen.

Danke! Postwendend zurück: meine besten Wünsche, gewaschen, gekämmt und mit einem Lied auf den Lippen, und in den Norden natürlich: ordentlich Rückenwind, zeltgroße Rasenflächen und immer einen offenen Kühlschrank!

Bücher von Bloggern III

4. August 2015

Exemplar voraus! Ich durfte ein Buch lesen, das es so noch gar nicht gibt – Knicks Richtung Autor!

Wenn der hochgeschätzte Oliver Driesen von Zeilensturm was über Wirtschaft schreibt, dann lese ich das, weil es spannend ist und gut geschrieben. Nun ist endlich sein Buch fertig, ein satirischer Wirtschaftskrimi: Wattenstadt.

Konrad Klapp, den Chef eines ruhrpöttischen Maschinenbaukonzerns, zieht es an die Nordsee. Er hat große Pläne für Langeneß und seine eigensinnigen Ureinwohner – er will einen technologischen und touristischen Leviathan vor ihrer Insel Hallig errichten, die Wattenstadt. Rechtliche und ökologische Hindernisse stören Klapp wenig; er weiß, wie man Lobbyarbeit betreibt. Und daß die Ureinwohner so wenig beglückt werden wollen, hält er für kein großes Problem …

Postkarte aus dem Wattenmeer

3. Juli 2015

Bei Flut ist das Meer voller Schiffe, Segel vor Segel vor Segel, wie auf holländischen Gemälden des siebzehnten Jahrhunderts. Bäume am Ufer, Gebäude, Windräder sind weithin zu sehen; so ganz los läßt das Land hier nicht, immer schimmert der Horizont in seinem Griff.

Abend überm Watt bei Ebbe.

Abend überm Watt bei Ebbe.

Zweimal täglich geht die See stiften; dann sieht die schlammige Ebene zwischen den Fahrrinnen aus, als sei sie nie etwas anderes gewesen. Die Schiffe hier haben keine Kiele, sondern links und rechts ein Schwert, das sich beiholen läßt; ansonsten: Segel, Deck, Messe und Kabinen, wie gehabt; an Leinen ziehen, aufklaren, Dienst an der Winsch. Alles für die Zeitspannen, in denen der Dieselmotor schweigt und die Segel sich blähen, in denen das Wasser am Schiffsrumpf rauscht, wenn wir Fahrt machen und der Klipper sich reckt und leise bebt vor Freude am Wind.

ae-fock ae-stange ae-rigging ae-ring ae-fahrt

 

Gehen; bleiben

1. Juli 2015
tags:

Abends im Taxi über Land: Während Dein Vater sich vorn mit dem Fahrer unterhält, sitze ich auf der Rückbank, zur Mitte geneigt, daß ich im Scheinwerferlicht die Landstraße sehen kann. Ort nach Ort bleibt zurück mit vertrauten Namen und voller schlafender Geschichten, und da fehlst Du mir auf einmal wie schon lang nicht mehr. Der Schmerz sitzt immer noch an der bekannten Stelle.

Neues Land, neue Welten – nichts war Dir weit genug; fort wolltest Du. Dabei gefiel es Dir hier; die Hügel, die jetzt im Dunkel liegen, die sanfte Kargheit unter dem hohen Himmel, die weißgesäumten Wege früh im Jahr, das alles rührte Dich. Insofern war es wohl richtig, daß Du am Ende wiederkamst.

Nur die Geranien haben Dir nie gestanden; dieses Klein-Klein aus geharkten Wegen und poliertem Stein. Gras müßte es sein, wogendes Gras auf einem Hügel unterm freien Himmel. Das wäre nicht zu eng für Dich.

 

Bei Licht betrachtet

25. Juni 2015
tags: ,

Sie sitzen sich gegenüber, der Kellner hat Getränke gebracht, Zeit fürs nähere Kennenlernen. Nach einigen Tagen des Wer-sind-Sie, Was-machst-du, des Geplänkels in Wort und Bild das erste Date – nicht immer kommt es so weit; und was dann passiert … Die Anspannung ist greifbar.

Er mustert sie. Die Fotos waren akkurat, sie ist attraktiv für ihr Alter, nicht ganz sein Typ. Er macht eine witzige Bemerkung. Sie schlägt die Augen nieder, wenn sie lacht. Sein Blick rutscht tiefer: die Bluse spannt über ihren Brüsten — Sie legt die Hand an den Kragen, ups; er macht eine witzige Bemerkung. Das Essen kommt.

Ganz ausgezeichnet. Sie lächelt. Er ist höflich; angenehme Stimme. In ihren Ausschnitt hat er gestarrt; das passiert. Er wirkt kultiviert und hat die Welt gesehen. Sie fragt sich, wieso er über eine solche Plattform sucht; sie selbst hat dem Drängen ihrer Freundinnen nachgegeben (was soll schon schiefgehen). Sie setzt sich aufrechter und überlegt, ob es auffällt, wenn sie die Schuhe abstreift.

Er achtet darauf, in ihr Gesicht zu schauen. Das Gespräch kommt in Gang; er macht ihr Komplimente. Langsam wird sie lockerer, lacht hell. Es läuft. Vielleicht wird es wirklich noch etwas —

Oh, dein Handy.

Das Gerät liegt neben seinem Teller. Auf dem Display leuchtet das Porträt einer Frau, wohl am Strand aufgenommen, im Abendlicht; sie lacht den Fotografen kokett an, während sie das Bikinioberteil in ihrem Nacken bindet. Da hat er das Telefon auch schon in der Hand.

Entschuldige mich drei Minuten, ich muß das hier —

Er nickt ihr zu und tritt hinaus auf die Terrasse. Im Schein der Außenbeleuchtung sieht sie ihn auf und ab gehen, nach vorn geneigt, als hinge das Telefon an einer schweren Kette, die Schultern starr; und als das Licht sein Gesicht streift, wird ihr kalt. Das ist ein Zerrbild des Gesichts, das sie eben noch im Kerzenschein betrachtet hat, eine Maske aus Wut und Verachtung. Oder vielleicht eben keine Maske.

Als er wieder hereinkommt, waren es wirklich nur drei Minuten. Durchgeknallte Ziege, murmelt er, und entschuldigend: Meine Ex.

Sie sitzt auf der Stuhlkante, die Schuhe, in die sie wieder geschlüpft ist, sind unbequem. Den Espresso ein andermal, vielleicht, ich muß los, hat mich gefreut, getrennt, bitte, alles Gute dir …

Einen Grappa trinkt er noch, allein. Ziegen, knurrt er. Eine wie die andere.

 

Beitrag zum Projekt *.txt (9: nackt). Nachgereicht.

–> alle meine *.txte

 

Bücher von Bloggern II

23. Juni 2015

Mein zweites Bloggerbuch ist, ganz standesgemäß, in einer Satteltasche zu mir gelangt; gelesen habe ich es allerdings am Küchentisch, im Warmen und Trockenen:

Jürgen Rink (Irgendlink): Schon wieder ein Jakobsweg, eBook 5,99 €; Paperback ISBN 978-3-844278-67-5, 104 Seiten, 9,95 €

“Schon wieder ein …” –? Jakobsweg kennt doch jeder, spätestens seit Kerkeling, da müßte man schon rückwärts auf Rollschuhen unterwegs sein …

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