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Schöne Sachen L

8. Dezember 2018

Überall ist Wunderland.

 

Brutalistisches mit Herrn G., oder: Wie ich mir mal extra für eine Wanderung eine Kamera auslieh, dann aber wegen Winterzeit, Wetter und anderer Widrigkeiten doch keine ordentlichen Bilder machte

17. November 2018

Am 11.11. reisen, im Dunstkreis von Köln –? Ach, sagt Herr G., an einem Sonntag in aller Frühe, da schlafen die Narren noch.

Pustekuchen. Wir quetschen uns mit Superhelden und allerhand Dschungelgetier im Regionalexpreß. Wie eine Dose Stangenspargel, sagt Herr G., nur mit höherem Alkoholgehalt. Auf jedem Bahnsteig des Kölner Hauptbahnhofs findet eine Party statt, um kurz nach sieben. Wer hätte das gedacht? Wir verlieren eine halbe Stunde, weil wir vor lauter Clowns, Damwild, Sträflingen und Römern in Toga nicht zum Anschlußgleis durchkommen.

Raus aus dem Rheinland, rein ins Ruhrgebiet, und schon sieht alles anders aus. Da ist der November ein goldener Oktober. Am Baldeneysee werden wir von Hunden und diese von Joggern überholt; Ruderer lernen rudern, indem sie ein Trainer per Flüstertüte anbrüllt, Rallen lernen das Tauchen einfach so, und über allem glänzen die Bäuche von Flugzeugen vor der Landung. Sonntagsfrieden, zersichelt höchstens von lautlos motorisierten Radlern.

Prächtig: Stausee der Ruhr.

Wir gehen den Bergischen Weg, der in dicht besiedeltem Gebiet den Eindruck von Ländlichkeit vermitteln will. Es ist ein bißchen, als fände man unter den Schichten von Verkehrsnetz, Wohnstädten und Industrie die Reste des Bauernlandes, das das Ruhrgebiet bis zum Boom von Kohle und Stahl war. Die Strecke schlängelt sich durch Stadtwald und versprengte Äcker, alles golden bestreut mit frisch gefallenen Blättern. Als wir das dritte Mal umkehren müssen, weil Wegzeichen nicht zu sehen waren, meint Herr G.: also, Premium ist das hier aber nicht. Dafür, gebe ich zu bedenken, ist das Wetter prächtig.

Nun, es zieht sich zu. Von Schultern-hochzieh- über Kapuzen- bis hin zu Schirm- und schließlich Friesennerz-Stärke steigert sich der Regen. Also wacker zu und nicht mehr rumgetrödelt! Der Weg wird lehmig und beschwerlich. Als wir an einer Landstraße entlanggehen und von jedem vorbeidonnernden Auto schmutzig eingenebelt werden, macht das keinen Spaß; aber da haben wir es auch bald schon geschafft. Vor uns liegt das barocke Örtchen Neviges, und in Neviges liegt der Mariendom.

Das ist ein Eisberg aus Beton, den ich schon lange mal sehen wollte: die Wallfahrtskirche aus den 60ern, ein 6000 Gläubige fassendes Gebäude mit angeschlossenem Pilgerzentrum. Aber weil Herr G. und ich nicht pilgern, sondern naß und verfroren sind, gehen wir erst mal Kaffee trinken. Gestärkt widmen wir uns sodann der Architektur. Herr G. findet wenig freundliche Worte: wie ein Parkhaus findet er den Bau, ein heiliger Hangar, eine Turnhalle des Herrn. Es dunkelt; leider ist das Ding eingerüstet und daher nicht von außen beleuchtet. Als wir reinkommen – innen sieht es, finde ich, weniger nach Parkhaus und mehr nach Bibliothek aus –, haben sie gerade zur Andacht die Lichter gedimmt. Ein Mann in Schwarz stellt mir ein Nicht-Fotografieren-Schild vor die Nase; da gehen wir lieber wieder.

Mit den Bildern war es also nichts.

Das heißt wohl, sage ich zu Herrn G., wiederkommen, wenn es wärmer, trocken, länger hell, kein Karneval und die Kirche fertig renoviert ist? Herr G. guckt, als hätte er ein bißchen Zahnweh. Naja, das Café war ordentlich …

Kurzsichtig

23. Oktober 2018

Auf einer kleinen, netten Veranstaltung, auf der kleine, nette Bierbrauer ihre Erzeugnisse vorstellten, fielen diese Kunststoffbehälter auf, aus denen Sitzgelegenheiten, Theken, alles mögliche zusammengebastelt war. Unmengen davon. Das sind, erklärte einer, die Einwegfässer. Die ganze kleine, nette Sache: ein Berg aus Plastikmüll.

Und die, die da protestieren, schimpft einer über die Blockaden im Hambacher Forst, die waren doch noch nicht mal geboren, als die Verträge geschlossen wurden, und was er als Argument gegen die Proteste meint, ist ein, wenn nicht das Argument dafür.

Wir fressen unseren Kindern und Kindeskindern die Teller leer, hinterlassen ihnen eine Problemmüllhalde und nennen es: Lebensstandard.

Einmal mehr

16. Oktober 2018
tags:

Keine Rosen für Dich, sondern eine Sonnenblume, die zur Erde gewandt blüht in lachender Farbe; wie Vögel zu Besuch die Geschichten, die lächeln machen mit nassen Wimpern und die, wie Du, nicht älter werden.

 

 

 

 

Fluchmaschinensusen

8. Oktober 2018

Bald ein Jahr ist die letzte Flusensiebumstülpung her; da kann man mal wieder schauen, was die Suchmaschinen auf ihrem Weg zu meinem Blog so hinterlassen haben. Die 4789 unbekannten Suchbegriffe können wir getrost vergessen, und das ist auch gut so. Unter den restlichen fand sich:

die normalen

Habe ich auch noch nicht gefunden, tut mir leid.

spielcasinos in der kleinstadt sind doof

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

aussagen eines putzeimers

Wenn Putzeimer reden könnten, die hätten was zu erzählen!

eishörnchen im vorgarten

Handelt es sich um Ihren eigenen Vorgarten? Vermutung: Womöglich betreiben Sie ein Eiscafé?

frage/www.meine frau greift im voll besetzten bus an die f*tze?.com

Daß man im Internet nach allem sucht, war mir klar; aber muß man gleich für alles eine Domain vermuten …?

mistkäfer umdrehen

Kann man machen; nutzt aber leider nicht viel.

knüstchen wo sagt man

Da darf ich weiterverweisen an Leute, die so was (und noch vieles mehr) wissen.

abwesenehitsnotizweihnachtsferien

Oh nein! Issesschonwiedersoweit! In diesem Sinne: frohe Weihnachten.

Wir sind mehr.

4. September 2018

Im Café hängt ein Gemälde, ein Bild des Stammhauses – fast an derselben Stelle in der Stadt, nur daß die Stadt auf dem Bild nicht mehr steht. Das Gemälde zeigt den Platz kurz nach dem Krieg, alle Häuser Ruinen, buchstäblich kein Stein auf dem anderen.

Ein Mädchen von vielleicht zehn Jahren steht davor. Eine ältere Dame, die Großmutter?, versucht, die alliierten Bomben in ein paar Sätzen unterzubringen.
  Aber warum haben die das gemacht?, fragt das Kind; der Zweite Weltkrieg, das Dritte Reich, die Verfolgung von Juden und Andersdenkenden; aber warum?, der Nationalsozialismus; das Kind kann es nicht fassen. Warum?, und das ist ja wirklich eine gute Frage. Die Großmutter denkt nach.
  Die Nazis haben behauptet, sie wären mehr wert als andere Menschen, und deshalb haben sie sie verfolgt und ermordet.
  Die waren nicht mehr, die waren weniger wert!, empört sich das Kind, da antwortet die Großmutter entschieden:
  Nein. Die waren ganz genauso viel wert wie alle. Wenn man so etwas sagt, redet man genau wie ein Nazi. Alle Menschen sind gleich viel wert, und alle haben die gleichen Rechte!

Die beiden suchen sich einen Platz; das Mädchen schaut immer wieder auf das Bild, mit gerunzelter Stirn, hinter der die Fragen wachsen.

***

Ich muß immer wieder an dieses Stückchen Reportage denken von der Bestatterin, die am Rand der Ausschreitungen stand und sagte, ja klar, gegen die soziale Ungleichheit im Land müßte man sich eigentlich einsetzen, aber gegen die Ausländer, da wäre es so viel einfacher.

***

Bei mir gibt’s also jetzt ein Banner, mit Hashtag sogar. Aber das scheint mir sinnvoll, denn ich glaube das fest: Wir sind mehr. Mehr, die erst mal zuhören, statt draufzuhauen; die allzu einfachen Geschichten mißtrauen; mehr, die die Frage: Warum? nicht vergessen. Und nicht, daß wir alle Menschen sind.

Unbebilderte Aussichten mit Herrn G.

2. September 2018

Ach, klage ich, nun ist sie kaputt, die Kamera. Nix mehr zu machen. Ein Gutes allerdings hat das – wir werden ein bißchen schneller vorankommen; und das ist auch nötig, denn wir haben uns was vorgenommen, Herr G. und ich. Wir wollen ja den Moselsteig, ganz. Die Landschaft bietet Abwechlung auf engem Raum und immer wieder Überraschungen. Schöner als der Rhein!, urteilt Herr G. Ich finde, es ist anders und habe außerdem ein Herz für den Rhein; daher: unentschieden.

Wir starten mit einer Busreise durch Weinberge und Neubaugebiete. Wer hier kein Auto hat, braucht viel Zeit für solche Sachen. In Leiwen beginnt unser Wanderweg. Das Dorf bereitet sich auf ein Weinfest vor; wir lassen das schnell hinter uns und betrachten von fern den hübschen Ort und die Ferienanlage ein paar hundert Meter daneben, beliebtes Ziel für Junggesellenabschiede, wie man liest.

Der Weg spannt sich wingertsweise zwischen Rebreihen den Berg hinauf. Sauber gekämmte Hänge, rechts grün, links grün; eigentlich sind die Reben das Grünste nach diesem trockenen Sommer. Oben am Waldweg steht ein Ebereschenbaum, überwuchert und dicht behangen mit dunkelblauen Trauben. Bißchen hoch, leider; aber, mutmaßt Herr G., vielleicht haben die Römer das wirklich so gemacht? Ulmen als Stützen für den Wein, wie Ovid schreibt?

Am Steilhang hat ein Gemetzel im Weinberg stattgefunden: da liegt das Grün am Boden, der Winzer hat alle überschüssigen Blätter von den Reben entfernt, händisch, damit nichts die kostbaren Trauben beschatte. Wir sehen ihn, wie er zwischen den Rebstöcken turnt und ein Blatt nach dem anderen abknipst. Wenn man darüber nachdenkt –! Das wird hoffentlich kein Wein für dreifuffzich.

Nach Mehring führt der Weg durch Wald über eine kahle Bergkuppe, von Schafen freigeweidet; der Pfad schnürt durch das bleiche Gras, von der Hitze plattgewalzt, hier und da erhebt sich dunkel gegen den Himmel ein Baum. Der strohige Grund flimmert – keine optische Täuschung: kleine Schwärme von Staren flattern auf, alle wechseln gleichzeitig die Richtung und lassen sich anderswo nieder. Wir schnaufen bergauf; dann liegt das Land vor uns, weit und rund bis an die Ränder des Himmels. Dafür –!, sagt Herr G., und ich nicke.

Da knattert es in unserem Rücken: ein Mofa überholt uns auf dem Fußpfad; den Fahrer finden wir etwas weiter, wie er von seinem Gefährt aus in die Ferne schaut. Den Helm behält er auf. Wenige Minuten später rollt er auf dem Abwärtsweg wieder an uns vorbei, mit Handzeichen grüßend. Sein Abendvergnügen, vermutet Herr G.; und jetzt fährt er wieder heim zu Fernsehen und Feierabendbier.

Abends ist die Pension abscheulich eingerichtet und hat dafür am Morgen selbstgemachte Marmeladen zum Frühstück. Wir sind höchst zufrieden. Der zweite Teil des Weges wird immer länger, je weiter wir kommen; jedes neue Schild hat ein paar hundert Meter mehr, Trier rückt in die Ferne wie eine Fata Morgana. Trotzdem kommen wir an. Die Stadt ist voller chinesischer Reisegruppen und Karl Marx. Eine Konditorei, die Herr G. von früher kennt, ist verschwunden, aber auch andere Cafés haben guten Kuchen.

Das nächste Mal machen wir bald, nehmen wir uns vor; aber es ist gar nicht mehr so viel übrig vom Moselsteig. Vielleicht muß man ihn einfach noch mal gehen? Dann vielleicht doch mit Kamera?

Ach, du liebe Stadt!

28. August 2018

Wie gern ich dich habe! Es ist eine Freude, in dir zu leben, und nur manchmal zum Verzweifeln, und ich werde dich nie verlassen, solang ich kann!

Wohnen in der Innenstadt ist zu 20 Prozent Rücksichtnahme und zu 80 Prozent freundliches Ignorieren, das weiß ich und bekomme es auch meist mühelos hin; du bist im großen und ganzen von freundlichen, friedliebenden Menschen bewohnt. Ich verzichte auf Platz, auf Garten und Blick ins Grüne, auf Ruhe und Abgeschiedenheit. Dafür bekomme ich: einen herrlichen Wochenmarkt (von der Vielfalt können Supermärkte nur träumen), Theater, Kinos, Museen, Buchläden, was zu gucken, öffentlichen Raum – und das alles in Gehweite. Auch wenn’s nicht immer leise ist, habe ich meine Ruhe (lies: hier ist es anonym). Und wenn’s mir doch mal reicht, gibt es Busse und Bahnen hinaus.

Nun wirst du ziemlich schnell immer teurer. Das sagen alle, die her- oder auch nur umziehen möchten. Neulich habe ich mir eines deiner neuen Viertel angeschaut: Reiche-Leute-Wohnungen, mit dicken Autos auf neu angelegten Parkflächen, und nix los. In meiner Straße hingegen gab es vor ein paar Jahren noch in jedem dritten Haus ein Ladengeschäft. Bäcker, Lebensmittelladen und Kiosk haben inzwischen geschlossen. (Mir könnte das wurscht sein, aber mit dem Rollator ist eine Straße weiter leicht zu weit.) Eine Ladenbetreiberin erzählte, daß sie sich die Monatsmiete nicht mehr leisten könne – aber ihre Vermieterin könne ihr nicht entgegenkommen, sonst gäb’s Ärger mit dem Finanzamt. Leerstand hingegen lasse sich steuerlich geltend machen … Liebe Stadt, das kann nicht dein Ernst sein, oder?

Ach, und erinnerst du dich an das große Fest, bei dem du (vielleicht nicht ganz freiwillig) fast zwei Wochen autofrei warst? Das hätte ich gern wieder, und dauerhaft. So viel Platz, Stille, so wenig Streß! Mach doch mal das Parken teuer. Also richtig, richtig teuer; teurer als ein ÖPNV-Tagesticket. Und wenn dann endlich die Autos raus sind, dann pflanz Bäume in die Straßen, reiß die Innenstadtparkhäuser ab und bau erschwingliche Wohnungen. Und sorg für Einkaufsmöglichkeiten in jedem Viertel.

Schon klar, Stadt. Das schaffst du nicht allein, ist auch nicht alles deine Baustelle. Aber irgendwer muß mal anfangen, oder? Es geht ja nicht darum, sofort und gleich alle frommen Wünsche zu erfüllen, sondern lebenswert zu bleiben, für viele verschiedene Menschen.

Auf die Sprünge: Bloghürdenlauf

20. August 2018

Es ist seit ein paar Jahren die Rede vom Sterben der Blogs, und da kann jede mitunken, die schon mal in immer größeren Abständen den immer gleichen Beitrag auf einem vormals oft besuchten Leseplatz hat stehen sehen. Die Älteren unter uns werden sich erinnern, wie das war, als Blogs Neuland waren und das Internet voller Überraschungen; und war das nicht wunderbar?

Nun hat der Herr Zeilensturm sich ein Spiel ausgedacht (gesehen habe ich’s bei Glumm und Geschichten&Meer), das nicht bloß das Gefühl von Abenteuer und unbetretenen Pfaden heraufbeschwört, sondern direkt aus der eigenen Filterblase herausführt: einfach mal was lesen, was man gar nicht kennt! Ich finde das hinreißend und habe es gemacht. Es folgt der innere Monolog beim Hürdennehmen. (Anleitung ganz unten.)

Lakritzes Hürden-Monolog

Ich fange an bei der Blogroll des letzten Eintrags von Frau G&M, und da geht es schon los: Koch- und Kreativblogs, Skylla und Charybdis. Nun. Muß ja. Also via Frau MajoRahn zu …

1: Food, südbadisch: Schöner Tag noch! (Juliane).
Der fehlende Akkusativ erinnert mich ans Saarland, hach. Ausgehtips in Karlsruhe; erstaunlich schöne Bilder von Essen (wenn ich Essen fotografiere, sieht es selten appetitlich aus). Rezepte, natürlich. Ein Toastbrotrezept; falls mir das weltbeste Toastbrot mal ausgehen sollte … Ah, nicht nur die Nahrungszufuhr ist Thema, ein Link führt zum Zeit-Artikel über Plastikmüll. – In der Blogroll finde ich …

2: Die Schreibmaschine (Miriam).
Wieder Karlsruhe, Kategorie: Kurioses! Ich lese über Vor-Hochzeits-Partys und freue mich, daß ich zu alt bin für so was. O-ha, Thema Dates! Plötzlich Affäre! Wie gut, wie gut, daß ich zu alt … Es hat wohl alles seine Zeit.

Hier könnte die Sache enden, denn ich bin auf ein Blog ohne Blogroll geraten. Einen Schritt zurück, weitere Blogs anschauen. Jedoch: Wenn ich Dinge wie Freebies / Workshops / Kooperationen / Newsletter / Sponsoren lese, wächst mein Widerwille. Ich werde kiebig, wenn mir wer „Lifestyle“ unterjubeln will. Da müßten die Geschichten schon verdammt gut sein. Und jetzt habe ich mich in einer Hochglanz-Instagram-DIY-Welt mit Gutschein und Sofort-kaufen-Button verfangen. Zu Hilfe! – Ausfallschritt, Salto mortale, und ich lande bei …

3: Wortgepüttscher (Gerrit Jan Appel).
Oh, schick, was mit Platt! Nicht nur, deshalb ist es nicht so anstrengend und, he, das liest sich aber flüssig weg. Ich bleibe bei einer Schmuggelgeschichte hängen; lustig, aber eben nicht nur. Da schau ich mich mal weiter um, das ist schön. – Über die Blogroll finde ich zu …

4: queergedacht (Hans-Georg).
Urlaubsbericht von der Nordkapkreuzfahrt, das Schiff sieht aus wie ein ins Wasser geplatschter Wolkenkratzer. Musical-Besuche. Essen. Hie und da Nachdenkliches über den Rechtsruck in unserer Mitte, mitsamt erfreulich gesitteter Diskussion in der Kommentarspalte. Es ist ein bißchen wie unsichtbar in einem fremden Wohnzimmer sitzen. – Weiter geht’s zu …

5: Oskar.
Ein gaaanz altes Blog, mit Archiv bis 2003, mal eins auf einer anderen Blogplattform. Und wieder Wohnzimmer mit Urlaubsberichten, die sicher nicht für vorübersprintende Hürdenleserinnen geschrieben wurden. Oh, echt, den ESC 2018 hat Deutschland gewonnen? Ich hab’s für einen Moment geglaubt.

Na, das war mal divers. Die Übung kann ich wärmstens empfehlen. Schon zur Hirnstubenentstaubung; und dann findet man ja doch immer wieder was Lesenswertes und sieht: so tot ist die Blogosphäre nicht. Wie schön!

 

So funktioniert der Blogger-Hürdenlauf (Copy and Paste, please):

Dein Beitrag startet, wo dieser hier endet. Nimm dir die Blogroll/Blogliste des fünften von mir kommentierten Blogs vor. Von dieser Liste klicke eines an. Das ist nun deine Station 1. (Aber nur, falls es selbst eine Blogroll hat, sonst ein anderes Blog der aktuellen Blogroll auswählen! Diese Bedingung gilt logischerweise immer.)

Lies im Blog 1 einen Beitrag, den du auch verlinkst, und schreibe nur drei Zeilen darüber: Lob, Kritik, Erstaunen, Fassungslosigkeit, Dank, whatever.

Nun klicke auf ein Blog der Blogroll von Station 1. Hat dieses seinerseits eine Blogroll? Sehr gut, dann ist es Station 2. Lies einen Beitrag … verlinke … schreibe drei Zeilen …

Und so noch drei Mal. Bis einschließlich Station 5. Deine Arbeit ist fast getan: fünf Reisenotizen zu fünf Blogbeiträgen. Nur noch diese Regeln hier anhängen – fertig!

Nun muss jemand anderes den Staffelstab (und vielleicht sogar mehrere) bei der Blogroll des letzten in deinem Beitrag kommentierten Blogs übernehmen – und fünf weitere kommentieren.

Vielen Dank für den gemeinsamen Streifzug durch die Meinungsvielfalt!

Essen gehen mit Herrn G.

13. August 2018

Fährt man aus Wiesbaden hinaus ins Grüne, windet sich die Straße durch scheinbar nichts als Wald. Die Bushaltestellen heißen nach allerhand Mühlen; Eishaus; Chausseehaus und (aha!) Knusperhäuschen. Häuser sind aber kaum zu sehen; um die Unterstände drängen sich Bäume.

Das hier ist der Taunus, ein Rauschewald, wie er im Märchenbuche steht. Die meisten Orte hier haben irgendwas mit Kur zu tun; es gibt Heilwasser (Haltestelle: Brodelbrunnen) und Infrastruktur (Haltestellen: Kurhaus, Bäderstraße). Man ist seit hundertfuffzig Jahren auf Tourismus eingestellt; am Straßenrand eine Werkstatt mit dem Schild „Wagenpflege“ läßt charmanterweise offen, ob der Wagen einen Motor haben muß.

In einem der kleinen Orte steigen wir aus. Wir wollen Wald, Anstiege und Aussichten und, wo möglich, eine Einkehr. Es geht zunächst durch Gärten und Felder. Die Brombeeren sind, wo die Sonne scheint, vertrocknet und wo sie nicht scheint, noch nicht reif, die Äpfel Speierlinge oder eingezäunt (an einem Baum sehen wir neben den sich rötenden Früchten: Blüten! mitsamt Bienenbesuch!), die Schlehen zwinkern prall und blau, sind aber adstringierend – kurz, nichts zu holen am Wegrand. Wir verzehren, was die Rucksäcke hergeben.

Wie war das früher? So um Seumes Zeit herum? Wasser mußte man nicht mit sich tragen, da reichte ein Bach und ein guter Geschmackssinn. Brot, Speck, viel mehr wird’s nicht gegeben haben. Wie war wohl das Essen in Gasthäusern – die Schilderungen sind da sehr verschieden; und wenn man bei Bauern anklopfte, bekam man da was auf Treu und Glauben, oder war man dann einen halben Tag als Erntehelfer verdingt? Wie weit trug das Prinzip der Gastfreundschaft? Und: was hätten wir zu geben, wenn wir uns durchschlagen müßten? Ich könnte flicken, sage ich. Und du Gedichte, zu Herrn G.

Im Rheingau werden wir fündig. Das Schild an der Landstraße ist so groß, daß man’s zu Fuß fast übersieht: Forsthaus Weißenthurm 200 Meter, und klein: Kaffee & Kuchen. Am Forsthaus schimpfen uns Gänse aus. Wir poltern in die Stube, wo wir die einzigen Gäste sind. Es duftet nach Pflaumenkuchen, aber der, sagt die Wirtin, ist noch im Ofen. Die hausgemachte Wildsülze, mit frischen Zwiebeln und Bratkartoffeln, ist aber auch hervorragend. Ich käme mir komisch vor, hier ein Tellerfoto zu machen; die Wirtin lächelt, als sie unsere blitzblanken Teller sieht.

Da gehen wir wieder hin, beschließen wir, als wir uns satt und zufrieden in Richtung Rhein aufmachen. 25 Kilometer zum Essen, mir gefällt das. Ein Tagwerk, bei dem man ganz genau weiß, wofür’s gut ist.