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Erzähl mir eine Geschichte!

26. März 2020

Das Kind war etwa zwei Jahre alt. Wo andere Kinder ein Stofftier haben, schleppte dieses wechselnde Bücher mit sich herum. Wann immer es brenzlig wurde – müde, Streß, blöder Tag –, da jammerte es: Mein Buch, mein Buch! Nur eine Geschichte aus dem Buch machte alles wieder gut.

Einmal waren wir auf dem Spielplatz, da trat das Unglück ein: das Kind war hingefallen, die Mutter hatte es abgestaubt, auf eine Bank gesetzt und wollte nun das Buch aus der Tasche ziehen, da war es nicht da. Vergessen. Kein Buch. Die Tränen begannen zu fließen, der Jammer türmte sich. Ich laufe, sagte die Mutter, schnell eins kaufen, paßt du solange auf?, und schon stürzte sie davon.

Ich setzte mich neben das haltlos weinende Kind auf die Bank und begann, in meinem Rucksack zu kramen. Ah, da ist es ja. Als ich mit großer Sorgfalt und beiden Händen – nichts hervorholte, wurde das Schluchzen leiser. Hier ist mein unsichtbares Buch. Komm, ich lese dir eine Geschichte vor.

Ich blätterte, guckte ins Inhaltsverzeichnis und entschied mich für eine Geschichte. Das Kind folgte fasziniert meinem Finger, hörte sich die Geschichte an, betrachtete die Illustrationen, und als ich das Buch zuklappte und wieder im Rucksack verstaute, waren die Tränen vergessen. Oder, fragte ich, soll ich es dir schenken?

Da grinste das Kind ein kleines bißchen: Brauchst du nicht. Ich habe zuhause ganz genau so eins.

(Die Mutter kam kurz darauf wieder mit einem Notkauf. Stellte sich heraus, auch dieses Buch hatte das Kind schon im Regal stehen.)

 

Ob die Tage uns herumscheuchen oder langweilen, ob sie voller Furcht und Ungewißheit sind oder einfach nur öde – es geht nichts über eine gute Geschichte. Sei es eine vertraute, die wie eine Decke wärmt, oder eine unerhörte, eine Reise ins Ganzwoanders. Grundlegend ändern kann sie ja meist nichts, aber sie kann uns ein paar Minuten oder auch Stunden davontragen.

Sollten wir uns nicht Geschichten erzählen?

Logo erzähl mir eine Geschichte

Falls mir wer eine Geschichte erzählen mag: hier ist ein Bildchen zum Dranhängen.

 

Sonntagsspaziergang mit Freitagstexter

30. August 2020

Für einen heißen Engel habe ich drüben in Boomerangshausen den Freitagstexterpokal abgestaubt; vielen Dank! Nun muß er jedenfalls wieder unter die Leute. Beim Spazieren im Grünen findet man die erstaunlichsten Dinge, wenn man mal nach oben schaut:

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Regularium hier, Infos auf Twitter. Erstkommentare schalte ich frei, sowie ich sie finde.

Darf ich bitten?
 
 

Pokalüberreichung

29. Juli 2020

Zwei Wochen stand der griechische Herr nackig in meinem Blog herum (warm genug war’s ja), um Bildunterschriften anzuziehen. Danke allen, die mitgetextet haben!

Zwei Personen, drei Einreichungen in Konkurrenz, und es ist wirklich schwierig. Schade, daß es keine dreiseitigen Münzen gibt. Mit Zahnbürsten kämpft sich’s schlecht, da hat Herr hubbie recht; auch Frau liueas flammende Rede für kostenlose Zahnpflege fand ich mitreißend; aber dann:

Ein garde! Ich verlange satisfaction! Schweinchenrosa bin ich untendrunter nicht, das werden Sie zurücknehmen! [liuea]

Man weiß nicht, wird er mit der Zahnbürste zum Angriff übergehen, oder wird er sich zum Beweis ganzkörperschrubben? Damit geht der Pokal ein weiteres Mal nach Wien, wo wir uns dann zum nächsten Freitagstexter wiedersehen. [Nachtrag: es wird der übernächste Freitag! Eine Woche Sommerferien!] [Noch’n Nachtrag: es ist Mittwoch, und weiter geht’s!] Wie schön!

Der Weg mit den Kirschen

26. Juli 2020

Wenig blüht noch; die Felder sind abgeerntet.

Herr G., jammere ich, ich habe die Kamera vergessen. Was hätte ich für Vergleichsbilder machen können! – Wir gehen denselben Weg, auf dem wir uns letztes Mal, Ende Juni, mit Kirschen vollgefuttert hatten. Helle, dunkle, glasige, halb- und ganz wilde, und nicht zwei Bäume schmeckten gleich … Jetzt ist alles anders. Die Vögel sind verstummt, und trotz der Frühe ist die Luft schon warm und dicht. Felder strecken sich stoppelig im Sonnenschein; als wäre das Jahr schon rum. Die Kirschen hängen wie Rosinen an den Bäumen oder liegen darunter.

Auch der Wald scheint erschöpft. Nicht so kühl wie erwartet, nicht so grün, und all das tote Holz … Hier, zeige ich, wären wir letztes Mal fast naß geworden. Herr G. nickt; aber heute kann er sein Tarp im Rucksack lassen. Regen ist eine ferne Legende. Der Waldboden knackt und staubt.

Der Teich am Wegrand liegt diesmal sehr kahl und riecht etwas streng. Was wohl aus den Libellen geworden ist, was aus der Entenfamilie vom letzten Mal? Aber hier: die Bank, an der damals der Hund fast in deinen Rucksack gekrochen wäre. Herr G. muß grinsen. Der Besitzerin war das sehr peinlich; dabei wollte er doch nur die Wurst …

Auch diesmal ist es am Ende herrlich, zwischen den Bäumen hinaus ins freie Ackerland zu treten. Das Korn ist fast überall schon gemäht, und wir schauen weit über gelbe Felder und schwarzen Wald. In der Ferne zieht ein punktgroßer Mähdrescher eine Wolke Staub hinter sich her.

Fernblick.

Dafür, sage ich, würde ich das immer wieder machen. Wenn das Land so vor einem liegt wie eine Schaufensterauslage, und man kann mit dem Finger auf die Ziele zeigen: da war ich schon, da will ich hin, und da, und da … Ich möchte gerne noch mal so richtig in den Wald. In einen, der nicht aussieht, als würde er das nächste Jahr nicht überstehen. – Während wir Pläne machen, stehen Falken auf der Jagd über den leeren Feldern, und darüber reisen graue Wolken. (Immer noch kein Regen.) Vielleicht gehen wir in ein paar Wochen noch mal hier, im Herbst oder, warum nicht, im Winter? Oder zur Kirschenzeit, natürlich.

Und dann: keinesfalls die Kamera vergessen.

Nach dem Essen: Freitagstexter!

17. Juli 2020

Beinahe hätte ich ihn verpaßt, den Pokal vom Herrn Schlabonski, aber zum Glück habe ich es dann doch noch gemerkt. Besten Dank! Nach einem guten Abendessen und einem Gläschen Grauburgunder habe ich ein bißchen im Keller gewühlt und das hier gefunden:

Was ist denn da passiert? ________________________

Her mit den wilden Theorien, den klassischen Epigrammen, den bibeltreuen Auslegungen, den Sonetten und den Couplets! Denkbares wie Niegedachtes bis Dienstagmitternacht in die Kommentare tippen; Mittwoch beim Kaffee werde ich den schönsten Kommentar herausfischen und dem Urheber oder der Urheberin mit einem Knicks den Pokal weiterreichen (Achtung! das heißt auch: Ausrichten des nächsten Freitagstexters. Wem das nicht behagt: bitte außer Konkurrenz teilnehmen), damit es am Freitag weitergeht.

Wie immer: Regeln beim Herrn Wortmischer. Infos auf Twitter. Erstkommentare schalte ich frei, sowie ich sie finde.

Bühne frei!
 
 

Treiben lassen

2. Juli 2020

Frau Amsel, Fachfrau für Sommervergnügen und wunderbaren Unfug, hat was Tolles: ein Kanu zum Aufpusten. Herr Amsel hat etwas doppelt Tolles: ein Aufblaskanu für zwei Personen. Zusammen sind das drei Sitzplätze auf dem Wasser, also machen wir zu dritt einen Ausflug an den Rhein, dahin, wo er träge mäandert und grün ist und noch ein bißchen wild: an den Altrhein bei Stockstadt, ins Naturschutzgebiet.

Ein Tag, der nach außerordentlichen Maßnahmen verlangt.

Es ist ein bißchen abenteuerlich: Das Bootchen kommt aus einer verblüffend winzigen Tasche, ist verblüffend schnell aufgeblasen und liegt dann verblüffend wenig tief im Wasser. Auch wenn man drin sitzt, noch: Man sitzt ja auf nichts als etwas Luft in einer Plastiktüte … Die Rettungsweste, sagt Herr Amsel, trägt man aber nur, damit die Schwäne abprallen. Ich frage nicht nach Krokodilen.

Nun ist es so: ich mache das zum ersten Mal. Das Bootchen ist leicht und reagiert auf jede Bewegung; wenn ein Lüftchen aufkommt, reagiert es auch auf das. Die Amsels paddeln ihr dunkelgrünes Schlauchboot lautlos und perfekt synchron; bei mir gehen 60% der Energie für Hin-und-her-Wackeln, Spritzen und Gummiquietschen drauf. So sieht das aus: die Amsels gleiten elegant vorneweg, ich plansche im Zickzack hinterher. Mein Gefährt ist klein, rund und knallgelb. Gummiboot im Jugendkleid, so würde es jedes Krokodil beurteilen.

fluss hand

Derweil entwickelt sich der Tag zum mustergültigen Sommertag, komplett mit Postkartenhimmel. Das Wasser: verlockend blaugraugrün. Vögel singen, Weiden rauschen, Libellen funkeln. Die Schwäne und wir lassen einander weitgehend in Ruhe. Zum Frühstücken binden wir uns im Schatten an und spucken Kirschkerne in den Fluß; unten gehen armlange Fische ihren Geschäften nach.

Beim Weiterpaddeln merke ich, wie es allmählich gleichmäßiger wird und wie ich besser vorankomme, und dann ist es wirklich wassernymphengleich: glatt und lautlos, vom Fluß und seiner Kühle nur durch eine Membran getrennt; direkt unter der Oberfläche strömen üppiggrüne Gärten, um mich tanzen Libellen im Gespann, und vor mir stieben wie eine Bugwelle die Wasserläufer. Ich merke gar nicht, wie mir die Sonne die Pfoten verbrennt.

Jetzt können wir umkehren, sagt Herr Amsel, oder noch etwas über vierzigtaused Kilometer weiter fahren. So verlockend das ist – wir nehmen den kürzeren Weg flußabwärts. Ohne Paddeln.

Das Zurücktreibenlassen ist das Allerschönste. Das Boot dreht frei, die Richtung stimmt trotzdem immer; das Paddel dient nur noch dazu, gelegentlich den Kurs zu korrigieren. Da wölbt sich der Sommertag noch einmal über dem Flußabschnitt, und unter seiner Glocke ist die Welt ganz und gar in Ordnung. Es reicht vollkommen, sich von oben wärmen und von unten kühlen zu lassen, ins Grüne und Blaue zu schauen und ab und zu eine Kirsche zu essen.

Fluß aus Reptilperspektive.

Später sind die Boote schnell (und mit Bedauern) wieder zusammengefaltet. Schadensbericht: sonnenverbrannte Handrücken, Blasen an beiden Daumen, morgen sicher Muskelkater, und, auweia, Infektion mit dem Paddelvirus. Immerhin: keinerlei Krokodile.

 

 

Fort mit dem Pokal.

1. Juli 2020

Ein Winterbild hatte ich hervorgekramt, oder – passend zu den aktuellen Temperaturen – ein Heizperiodenfoto. Ich danke allen Teilnehmerinnen und Mittextern, denen das nicht zu heiß war!

Bei Frau Geschichtenundmeer geht das Holz, bei Karu kommt es; vor der Hüttn finden es Herr wvs wie Herr Rain; Herr Schlabonski zieht Kachelmann mit in die Sache, und hubbie trägt das goldene Pefferkorn für Kürze davon. Der Pokal geht dieses Mal mit Karacho an den Herrn booomerang für folgenden Streich:

Im Friseurladen „Hair Jemine“ werden neue Scheitel angeliefert.

Da hat er doch glatt einen Friseurnamen (beängstigend realistisch) untergebracht. Und ich muß mir die ganzen Holzköpfe vorstellen, die den Laden verlassen …

Nächster Freitagstexter also wieder im benachbarten Ausland, von dem uns eine gemeinsame Sprache trennt. Oder so. Bis dahin!

Seltsame Zeiten

1. Juli 2020
tags:

Du hast der Welt mehr Gutes zugetraut als Schlechtes; das war dein Glaube an die Menschheit und die Feder deiner Tatkraft. Du würdest nicht glauben, wie du jetzt gerade fehlst.

 

 

 

 

Freitagstexter: Texten Sie jetzt!

26. Juni 2020

Ein Provisorium bei Frau liuea hat mir den Pokal eingetragen; weiter geht es mit … Hm. Also jedenfalls, weiter geht es!

Ja, bitte? __________________________

Ich bitte das geneigte Publikum um Unterschriften. Es geht um die beste! Alles, was bis Dienstagmitternacht in den Kommentaren erscheint, wird in Erwägung gezogen; Mittwoch dann Bedenkzeit mit abschließender Pokalverleihung (Achtung! kann mit Ausrichten des nächsten Freitagstexters einergehen!), und Freitag, naja, geht es weiter.

Wie immer: Regeln beim Herrn Wortmischer. Infos auf Twitter. Erstkommentare schalte ich frei, sowie ich sie finde.

Wünsche Vergnügen!
 
 

Schöne Sachen LIX

7. Juni 2020

Die Kirschen reifen.

Schöne Sachen LVIII

29. April 2020
Miniaturwürstchen

Hier mal mit Gabel.