Skip to content

Wortgewänder

22. Mai 2015
tags: ,

Oh, all die fließend-schönen Wortgewänder! Wohlgesetzte Worte, Widerworte, Wunderworte, Worte mit Knall und Hall und mit Raum für loses Spiel; spröde und schroff, sanft und präzise, funkelnd, schwarz. Mal umschmeichelt mich eine einzelne Wendung, manchmal hüllt es mich mächtig ein; manche packen mich umstandslos am Kragen. Hier glaube ich etwas wiederzuerkennen, dort scheint mir alles neu und nie gesehen. Schönes, Schmerzhaftes, schmerzhaft Schönes.

Oh, danach greifen!

Unter der Wortgewandung muß jemand sein, vielleicht mehr als einer, womöglich: eine Seele. Texte formen, verhüllen, lassen durchscheinen: Menschen, die ihre Sprache beherrschen oder von ihr beherrscht werden. Menschen, die eine Wahrheit suchen oder sie erfinden. Die die Welt verstehen oder an ihr verzweifeln.

Durchschaute ich diese Gewebe, ich fände: harmlos Zufriedene, Finstere, Kluge, Zweifelnde, Bedürftige, Liebenswerte, Selbstbezogene, Großmütige oder gekonnte Mischungen daraus. Vielleicht: den Schatten über meinen Tagen. Die große Liebe. Rühr mich nicht an. Nimm mich in den Arm. Völlig anders als gedacht. Oh, wie konntest du nur. Em Ende gar: Menschen, deren Worten ich auf halbem Weg entgegenkomme, und auf der Straße ginge ich ohne Blick an ihnen vorbei.

Da stehen sie nun, schimmernde Gestalten im Lichte meiner Gedanken. So aus der Ferne springt ihre Schönheit ins Auge; der Zauber aber liegt im Ungewissen, in den Schatten.

 

Beitrag zum Projekt *.txt (7: Fassade); entstanden auch mit Gedanken an J.

–> alle meine *.txte

 

Geschenkt

20. Mai 2015

Eigentlich wollte ich einen Text zu “Fassade” schreiben, aber mir kommen immer wieder Dinge dazwischen. Arbeit, Erledigungen. Und dann der Streik bei der Bahn.

Es ist nicht so, daß ich gar nicht betroffen wäre. Ich werde eine kleine Reise nicht antreten, das Meer nicht sehen, keine lieben Menschen wiedertreffen. Dennoch halte ich den Streik für richtig (schon was die Bahn AG es sich kosten läßt, die Forderungen der GDL abzuwehren, spricht dafür, daß er nötig ist) — aber darüber wurde und wird wahrhaftig genug geschrieben.

Für mich, ohne Auto, bedeutet ein Bahnstreik: massive Einschränkung meines Radius. Das heißt, ich muß Termine verlegen oder, wo ich sie nicht verlegen kann, viel Zeit für die Reise veranschlagen. Vorsichtshalber nehme ich zwei Bücher mit, und die Zeitung schaffe ich meist auch noch. Manchmal muß ich sagen: ich versuch’s, aber ich weiß nicht, ob ich es schaffe. Umgekehrt erwarte ich auch keine Pünktlichkeit, keine Lieferung innerhalb 24 Stunden. Und wenn’s nicht klappt, nun, dann wird sich eine andere Möglichkeit finden.

Nun arbeite ich in Bereichen, die nicht lebenswichtig sind; Termindruck wird da oft künstlich hergestellt und übertrieben. Überhaupt fällt mir auf: wir werden immer mehr auf instant gratification getrimmt. Sofort bestellt, am nächsten Tag nach Hause geliefert (hinter die erste abschließbare Tür) — drunter machen wir’s nicht. Schnell, billig, bequem. Den Belohnungsaufschub verlernen wir dabei zunehmend — und geben einen Teil unserer Autonomie dahin.

Insofern nehme ich die Verzögerungen und Einschränkungen als Geschenk, ein Geschenk der Langsamkeit, der Ideen. Statt der geplanten Reise werde ich rausgehen, zu Fuß, und meine nähere Umgebung erkunden. Ich freue mich schon sehr darauf.

 

Nachtrag: Nun also doch nicht, bzw. doch: gereist wird. Und die nähere Umgebung, na, die läuft ja nicht weg.

Mit Flügeln

17. Mai 2015

Nicht so weit, meint Herr G. und hat seine Gründe dafür, und er weiß ein handliches, hübsches Ziel: die Feldkapelle bei Wachendorf.

Eine Landmarke in der Eifel: die Bruder-Klaus-Kapelle.

Landmarke in der Eifel: die Bruder-Klaus-Kapelle.

Ordentlich Zug muß man fahren, tief in die Eifel hinein, und da ist sie schon, die Natur samt ihrer Grausamkeit: Auf dem Bahnsteig plustert sich ein Mönchsgrasmückenbub gegen all die Schuhe. Fliegen kann er noch nicht. Ein Reisender setzt den Jungvogel etwas beiseite, doch schon kommt ein Rollkoffer, haarscharf das Ganze, nicht anzusehen — und so nimmt Herr G. den Kleinen an sich und trägt ihn behutsam aus dem Schußfeld, unter dem Gezeter der Altvögel. Passieren ja schlimme Dinge, wie man liest.

Die Eifel dann: eine Augenweide …

Schöne Sachen XXXV

15. Mai 2015
Sehen.

Sehen.

Verhältnisse

11. Mai 2015
tags: ,

bin ich, mein treues Lieb.
Angesicht so lieb und schön …
liebliches Bild füllt mir Sinne und Sein.
gedenkend irr ich einsam —
ist mein Herz und soll es ewig bleiben!

Ich denke —
ich denke —

nichts ist alles ohne Dein.

 

Beitrag zum Projekt *.txt (6: dein).

–> alle meine *.txte

 

Maiwanderweg

2. Mai 2015
Alt und neu, dicht an dicht.

Alt und neu, dicht an dicht.

Man muß ja schauen, daß man weiterkommt. Und dann die Jahreszeit, da steigt man die steilen Hänge hoch wie durch Dürers Rasenstück, lauter kleine Stilleben als Inseln auf dem feuchten Schiefer. Und die Vogelmänner, natürlich; die liegen im Sängerkrieg um die besten Nistplätze und die willigsten Weibchen, und man denkt sich: hach. Wie schön.

Also wieder auf den Moselsteig. Man kennt sich bereits und nimmt sich nicht allzu viel vor, rechnet nicht allzu fest mit Kaffee, dafür mit Schweiß und Knien und Aussicht, dann geht das alles bestens von Karden über Pommern und Kail nach Klotten, und auch am Ende sind die Namen noch amüsant.

ms-saat ms-religion ms-gefressen ms-mauerrosen ms-mai

Fürs Protokoll: die Schwalben sind zurück. In Klotten gibt es Kuchen. Wir haben unsere Portion Frühling genossen. Und die Knie … Achja. Achje. Man wird nicht jünger.

Vorliebe

27. April 2015
tags:

Meine Texte mag ich am liebsten, wenn sie mir vollkommen fremd geworden sind. (Zusatz: und ich nichts dran zu verbessern finde.)

Das kann dauern. Bei Fotos ist das anders; die werden nie handzahm, bleiben dem Augenblick verhaftet. Worte hingegen wachsen langsam und manchmal schmerzhaft; sie ganz wieder zu vergessen, kostet Zeit.

 

In Gärten

26. April 2015

da-kirsche

Oben hui ...

Oben hui …


und unten …

Maschinengeflüster

19. April 2015

In einer deutschen Kleinstadt von 36000 Einwohnern lebt ein Mann, der mit Vornamen Hermann heißt. Er hat ein Geschäft, einen Betrieb vielleicht; er hat Kunden, Zulieferer, nimmt Aufträge an. So denke ich mir das.

Mit Nachnamen heißt er wie ein Schreibfehler, den ich nicht gemacht habe. Trotzdem wird dieser Mann immer wieder, an manchen Tagen dutzendfach, auf meinem Blog gefunden. Ein automatisierter Personenüberprüfungsdienst spürt ihn dort auf, unter meinen Texten und meinen Bildern.

Ich nehme an, jemand fragt die Maschine nach dem Namen dieses Mannes; gucken, was das Netz so weiß über Firmen, Melderegisterdaten, Insolvenzen. Unter den Bild-Treffern erscheint der Scan einer uralten, handgeschriebenen Anleitung zur Hege und Pflege eines Wanderkuchens. Das mag als kurios, vielleicht ganz witzig durchgehen; mit dem Manne selbst hat es nichts zu tun. Trotzdem “findet” ihn die Maschine, immer wieder.

Im Text kommen die Worte unsterblich vor und sehr anständig. Aber auch Ansprüche, Kettenbrief und keinen festen Wohnsitz.

Ich weiß wirklich nicht, wie der Algorithmus arbeitet, aber ich hoffe, daß mein Artikel (in dem sein Nachname nicht vorkommt und der überhaupt nicht von ihm handelt) diesem Herrn namens Hermann nicht schadet; ganz im Gegenteil, ich wünsche ihm alles Gute, unbekannterweise.

 

 

Wer rastet …

17. April 2015
Irgendwo im Ruhrgebiet aus dem Zugfenster geschaut.

Irgendwo im Ruhrgebiet aus dem Zugfenster geschaut.

… rostet. Ich nicht! Mit Gruß von allen Unterwegsbahnhöfen. (Immerhin: die Kamera ist wieder da.)

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 141 Followern an