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Nu ma langsam!

25. März 2019

Das wär was. Da warte ich schon lange drauf und würde mich freuen wie ein Schneekönig, wenn wir das endlich auch hätten: ein generelles Tempolimit. Sah nicht danach aus, nachdem es zu Beginn des Jahres vom aktuellen Verkehrsminister reflexhaft vom Tisch gewischt worden war; aber immerhin: nicht alle Bürger dieses Landes sehen im Rasendürfen ein Kulturgut.

Es gibt eine Petition für 130 auf deutschen Autobahnen. Wenn die bis zum 3.4. fünfzigtausend Unterzeichner findet, dann muß immerhin mal im Petitionsausschuß drüber geredet werden. Und vielleicht kriegt dann auch die CDU/CSU mit, daß freie Fahrt nicht mehr der alleinige Lebenszweck freier Bürger ist.

Ich würde mich wirklich freuen – ein kleiner Schritt, um die größte ökologische Fehlentwicklung der Zivilisation rückgängig zu machen. Dann bitte weiter: Autos raus aus den Städten, Parkplatz zu Wohnraum. Dienstwagen abschaffen. Pendlerpauschale für Öffentliche, Fahrrad und Fußweg. Raumplanung für Fußgänger. Und so weiter. Man könnte echt was draus machen.

Zur Petition für 130

 

 

 

Strandurlaub

2. März 2019

Schöne Grüße.

Die Vielgestaltige

24. Februar 2019

Kleine Madonna am Weinberg …

Beim Wandern an der Mosel bin ich ihr schon mal begegnet, aber …

Lüftelberg mit Herrn G.

19. Februar 2019

Herr G., hatte ich gesagt, ich weiß da was aus dem Internet, so katholisch, daß es schon wieder heidnisch ist, die Römer kommen auch drin vor, es soll scheußlich sein. Da müssen wir hin! – Und so stapfen wir an einem rauhreifigen Wintertag durch überraschend liebliches Gartenland. Hier haben Generationen Obst und Gemüse und Blumen auf kleinsten Parzellen angebaut, die heute noch verschachtelte Fachwerkdörfer umgeben. Raubvogelgebiet. Hier und da liegen Bäche frei.

Für mich ist die Gegend fremd. Man kann weit schauen im Flußtal und die Türme der großen Städte sehen, für die hier einmal das Gemüse gezogen worden ist. Die Hochebene ist topfeben, zerrissen nur von Kiesabbau, der uns zu seltsamen Umwegen zwingt, immer in Sicht des Ziels. Nordrheinwestfalen, behauptet Herr G., besteht aus Reiterhöfen. Irgendwo müssen ja die ganzen Pferde für die Landeswappen herkommen. Langsam glaube ich’s auch; eine Pferdekoppel grenzt an die nächste, an fast jedem Zaun hängt ein Bitte-nicht-füttern-Schild.

Es ist kalt, deshalb trödeln wir nicht. Es gibt ohnehin wenig zu sehen am Wegesrand; zwei, drei Wasserburgen, die aber längst auf dem Trockenen sitzen. Die römische Wasserleitung, die hier einmal verlaufen ist, ist nur noch Legende. In manchen Orten haben Vereine ihren Verlauf auf den Straßen markiert oder einen ausgegrabenen Abschnitt in die Ortsmitte gestellt und mit Blumen umpflanzt, aber wirklich übrig ist nichts.

In Lüftelberg schließlich finden wir erst einmal Überraschendes: die Statue eines Mannes in der Tracht eines chinesischen Mandarins. Das, lese ich später nach, ist Adam Schall von Bell, der 1618 als einer von einer Schar Jesuiten nach China aufbrach, um dort Gottes Wort und die westliche Astronomie zu verbreiten. Die Missionare hielten sich in der portugiesischen Kolonie Macau auf, als die Niederländer angriffen, setzten im Handumdrehen vier defekte Geschütze instand und schlugen die Angreifer in die Flucht; nicht zu spaßen mit den Jesuiten.

Die heilige Liuthildis hingegen ist kaum zu greifen. Mit ihrer Spindel soll sie Wunder gewirkt und sich dann im Turm ihrer Kirche einmauern lassen haben; Genaues weiß man nicht. Die Kirche ist romanisch, aber geschlossen; zur Grabplatte der Heiligen alles gesagt. Wenn ich nicht gewußt hätte, nach was ich suche, hätte ich sie nicht gefunden. Ich mache ein Foto, ehe wir gehen.

Draußen fällt mein Blick über die Steinmauer in einen Streuobstgarten. Dicke, schmutzige Schafe käuen dort unter den kahlen Bäumen wieder, und ich denke, die sind bestimmt letzte Woche allesamt ausgetauscht worden. Herr G. fragt, wieso ich lache. Schwierig zu erklären, wirklich.

Der Rest ist Industriegebiet. Die erstaunlichste Erscheinung daselbst ist ein durchdringender Ingwerduft, unerklärlich, bis ich sehe, daß in einem Verkehrskreisel eine Menge der Knollen plattgefahren auf der Fahrbahn liegt. Schnee gibt es erst ein paar Tage später; schade.

Im Meckenheimer Industriegebiet.

 

Schöne Sachen LI

10. Januar 2019

Wintergewächse. Mit Lichtrand.

Wünsche

31. Dezember 2018

… und noch mal von vorn.

Komm gut ins neue Jahr, wünsche ich am Telefon. Es ist, antwortet Herr G. milde, doch sowieso das gleiche. Und mehr als bei Melville ist eigentlich nicht zu sagen.

Allen, die hier lesen: das Bestmögliche, und unerwartete Freude. Egal in welchem Jahr.

Keks für alle Fälle

20. Dezember 2018

Schmecken bedeutend besser, als sie aussehen.

Das beste Pfeffernußrezept weiß ich von R., der am Meer lebt. Ich mag es auch, weil es zwei Tage dauert und man so zwar zweimal die Küche verwüstet, aber beide Male nicht bis in die Puppen. Gebacken habe ich mit dem Herrn Buchfink, denn es backt sich allemal besser in Gesellschaft, vor allem solcher, die was zu erzählen hat; einziger Nachteil: man muß nachher die Kekse teilen.

Man nehme den großen Topf. Nicht den zweitgrößten, der reicht nicht für Butter, Zucker und Sirup; und Sirup, kocht man ihn, kommt hoch. Etwas warten, sonst ist es zu heiß, dann noch ein gutes Kilo Mehl dazu. Am Anfang reicht Rühren, aber irgendwann muß man mit den Händen in den Teig. Es duftet nach Butter und Karamel, und es klebt. An den Fingern, den Ellenbogen, der Stirn, am Pullover, in den Haaren, auf der Arbeitsplatte … (Wer ungefähr wissen will, wie, lese in Antony Woodwards Garden in the Clouds das Kapitel „Bees“.)

Pottasche stinkt, muß aber wg. Backtriebmittel. Weil zwei 10-Gramm-Tütchen etwa so viel kosten wie eine Kilo-Dose, steht mein Lebensvorrat Pottasche im Backregal und ist ein weiterer Grund, Pfeffernüsse zu backen.

Ist der Teig satt und glatt geknetet, kommt er an einen kühlen Ort und die Bäckerin an einen warmen, um zu ruhen. Einen Tag, zwei, ach, fünf oder sechs – auf einen mehr oder weniger kommt’s nicht an.

Am Backtag dann den Herd auf 155 Grad vorheizen. Vielleicht ist es auch etwas mehr oder weniger, das macht die Sache spannend, zumindest beim ersten Blech. Eine fingerdicke Rolle herstellen, zentimeterdicke Scheiben daraus schneiden und diese auf Backpapier setzen. Nicht zu eng – da geht noch was.

Dann die Nerven behalten. Daß sie aufgehen und zusammenfallen, ist normal, aber der Grat zwischen „die sind noch nicht durch“ und „die werden schwarz“ schmal; eine Viertelstunde Backzeit scheint da ewig. Notfalls das erste Blech wegwerfen. Weich kommen die Kekse vom Blech, mit dem Abkühlen werden sie hart und lecker.

 

Braune Pfeffernüsse

450 g Sirup
600 g Butter
640 g Zucker
1,3 kg Mehl
160 g gehackte Mandeln
knapp 0,2 l Sahne
13 g Pottasche (in warmer Milch auflösen und zum Mehl geben)
abgeriebene Biobergamotte (eigentlich: Biozitrone)
Zimt (1 ganz kleiner Löffel)

Sirup, Zucker und Butter in einem Topf erhitzen und gut verrühren; anschließend wieder abkühlen lassen.
Restliche Zutaten einrühren/-kneten und den Teig für mindestens einen Tag kühlstellen.
Rollen formen, in Scheiben schneiden und bei Umluft 155° ca. 15 – 20 Minuten backen.
Kurz abkühlen lassen und vom Blech nehmen.

Schöne Sachen L

8. Dezember 2018

Überall ist Wunderland.

 

Brutalistisches mit Herrn G., oder: Wie ich mir mal extra für eine Wanderung eine Kamera auslieh, dann aber wegen Winterzeit, Wetter und anderer Widrigkeiten doch keine ordentlichen Bilder machte

17. November 2018

Am 11.11. reisen, im Dunstkreis von Köln –? Ach, sagt Herr G., an einem Sonntag in aller Frühe, da schlafen die Narren noch.

Pustekuchen. Wir quetschen uns mit Superhelden und allerhand Dschungelgetier im Regionalexpreß. Wie eine Dose Stangenspargel, sagt Herr G., nur mit höherem Alkoholgehalt. Auf jedem Bahnsteig des Kölner Hauptbahnhofs findet eine Party statt, um kurz nach sieben. Wer hätte das gedacht? Wir verlieren eine halbe Stunde, weil wir vor lauter Clowns, Damwild, Sträflingen und Römern in Toga nicht zum Anschlußgleis durchkommen.

Raus aus dem Rheinland, rein ins Ruhrgebiet, und schon sieht alles anders aus. Da ist der November ein goldener Oktober. Am Baldeneysee werden wir von Hunden und diese von Joggern überholt; Ruderer lernen rudern, indem sie ein Trainer per Flüstertüte anbrüllt, Rallen lernen das Tauchen einfach so, und über allem glänzen die Bäuche von Flugzeugen vor der Landung. Sonntagsfrieden, zersichelt höchstens von lautlos motorisierten Radlern.

Prächtig: Stausee der Ruhr.

Wir gehen den Bergischen Weg, der in dicht besiedeltem Gebiet den Eindruck von Ländlichkeit vermitteln will. Es ist ein bißchen, als fände man unter den Schichten von Verkehrsnetz, Wohnstädten und Industrie die Reste des Bauernlandes, das das Ruhrgebiet bis zum Boom von Kohle und Stahl war. Die Strecke schlängelt sich durch Stadtwald und versprengte Äcker, alles golden bestreut mit frisch gefallenen Blättern. Als wir das dritte Mal umkehren müssen, weil Wegzeichen nicht zu sehen waren, meint Herr G.: also, Premium ist das hier aber nicht. Dafür, gebe ich zu bedenken, ist das Wetter prächtig.

Nun, es zieht sich zu. Von Schultern-hochzieh- über Kapuzen- bis hin zu Schirm- und schließlich Friesennerz-Stärke steigert sich der Regen. Also wacker zu und nicht mehr rumgetrödelt! Der Weg wird lehmig und beschwerlich. Als wir an einer Landstraße entlanggehen und von jedem vorbeidonnernden Auto schmutzig eingenebelt werden, macht das keinen Spaß; aber da haben wir es auch bald schon geschafft. Vor uns liegt das barocke Örtchen Neviges, und in Neviges liegt der Mariendom.

Das ist ein Eisberg aus Beton, den ich schon lange mal sehen wollte: die Wallfahrtskirche aus den 60ern, ein 6000 Gläubige fassendes Gebäude mit angeschlossenem Pilgerzentrum. Aber weil Herr G. und ich nicht pilgern, sondern naß und verfroren sind, gehen wir erst mal Kaffee trinken. Gestärkt widmen wir uns sodann der Architektur. Herr G. findet wenig freundliche Worte: wie ein Parkhaus findet er den Bau, ein heiliger Hangar, eine Turnhalle des Herrn. Es dunkelt; leider ist das Ding eingerüstet und daher nicht von außen beleuchtet. Als wir reinkommen – innen sieht es, finde ich, weniger nach Parkhaus und mehr nach Bibliothek aus –, haben sie gerade zur Andacht die Lichter gedimmt. Ein Mann in Schwarz stellt mir ein Nicht-Fotografieren-Schild vor die Nase; da gehen wir lieber wieder.

Mit den Bildern war es also nichts.

Das heißt wohl, sage ich zu Herrn G., wiederkommen, wenn es wärmer, trocken, länger hell, kein Karneval und die Kirche fertig renoviert ist? Herr G. guckt, als hätte er ein bißchen Zahnweh. Naja, das Café war ordentlich …

Kurzsichtig

23. Oktober 2018

Auf einer kleinen, netten Veranstaltung, auf der kleine, nette Bierbrauer ihre Erzeugnisse vorstellten, fielen diese Kunststoffbehälter auf, aus denen Sitzgelegenheiten, Theken, alles mögliche zusammengebastelt war. Unmengen davon. Das sind, erklärte einer, die Einwegfässer. Die ganze kleine, nette Sache: ein Berg aus Plastikmüll.

Und die, die da protestieren, schimpft einer über die Blockaden im Hambacher Forst, die waren doch noch nicht mal geboren, als die Verträge geschlossen wurden, und was er als Argument gegen die Proteste meint, ist ein, wenn nicht das Argument dafür.

Wir fressen unseren Kindern und Kindeskindern die Teller leer, hinterlassen ihnen eine Problemmüllhalde und nennen es: Lebensstandard.