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Zum Jahresende: Flusensieb

29. November 2019

Während andere zum Jahresende in die Kristallkugel blicken, schaue ich in mein Flusensieb: da findet sich nicht, was die Zukunft bringt, sondern was in der Vergangenheit gefehlt hat; Seltsames und nur allzu Erklärliches; natürlich Marienkäferlarven und Abwesenheitsbenachrichtigungen und einiges von der Kategorie Was erlaube Algorithmus?

lakritz puding
lakritz kohl
lakritz fluss

… ähmja.

wozu ist lakritz gut

Weiß ich nicht; aber ist gut, doch.

text abwesenheit inge weihnachten

(Mehrfach gesucht.) Inge, wer auch immer Sie sind: personalisierte Texte müssen Sie sich selbst schreiben.

hirschhornsalz vergessen aufzulösen

Ist mir auch schon passiert. Nicht so tragisch, nur optisch nicht so hübsch.

kilt hochgeweht und schottenärsche zu sehen

Hier, bei mir? Ganz gewiß nicht.

käfer auf fensterbank ist immer auf dem rücken grüne flüssigkeit beim töten

Was Sie in Ihrer Freizeit machen, geht mich ja nichts an; aber ich finde, das geschieht Ihnen recht.

ackerbau in pankow

Kenne ich. Gute Wahl; einfach hier entlang.

Bitte, gern geschehen!

 

 

So ist die Schweiz.

25. November 2019
tags:

In der Schweiz gewesen. Mit drei Bildern wieder heimgekommen.

Schöne Sachen LV

7. November 2019
Schwäne am Ufer

Geometrie. (Und Teleobjektiv.)

 

 

 

Zu Fuß im Baskenland

3. November 2019

Wenn man die Schweiz ans Meer verlegte, müßte so was wie das Baskenland herauskommen: Vieh auf grünen Berghängen, robuste Häuser mit Fensterläden; auf den Dächern Steine, Palmen in den Vorgärten und ein Surfbrett in jeder Scheune.

Hier haben die Kirchen weite Schürzen, unter die man kriechen kann, wenn das Atlantikwetter ungnädig wird. Rastplätze mit Trinkwasserbrunnen und Bänken gibt es einfach so am Straßenrand, weit entfernt von Siedlungen, und nicht für Autos, denn im Baskenland geht man zu Fuß.

Platz mit Bäumen, Bank und Brunnen.

Rastplatz für Fußgänger.

Von Ort zu Ort über Land? Die Einheimischen, denen wir unseren Plan erzählen, zucken nicht mit der Wimper. In Deutschland sind die direkten Wege gern mit Straßen beliebiger Größe überbaut. Aber hier gibt es einen gekiesten Fußweg, ein Stück weg vom Autoverkehr, zwischen Hecken und Feldern; wir müssen nur den Schildern folgen. Sehr bequem. Der Weg verschwindet auch nicht irgendwo in einem Straßengraben: noch an der kleinsten Autostraße scheint es eine Art Bürgersteig zu geben.

Bei uns wäre es jetzt so: in direkter Nähe der Orte würde man eine Handvoll Gassigeher treffen, weiter weg allerhöchstens noch versprengte Jogger. Hier ist das anders. Alles, was Beine hat, ist unterwegs, allein, in Grüppchen, in der Regel in Straßenkleidung und ohne Gepäck (außer einem Regenschirm). Wir kommen aus dem Hola! gar nicht mehr raus. Immer wieder werden wir von knorrigen alten Männern mit ebensolchen Stöcken überholt; wenn hier einer mit Hund geht, dann nicht Gassi, dann darf der Hund mit, wenn er mithalten kann. Das alles in einer Landschaft mit Weiden und Wäldern und einem kleinen Bach, in dem wir einen Flußkrebs beobachten können – die habe ich noch nie jenseits eines Tellerrandes gesehen –, überschattet von grauen Bergmassiven.

So was hätte ich hier auch gern: eine funktionierende Infrastruktur für Fußgänger. Wenn der Wanderweg nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist, wenn man nicht wie ein Wundertier bestaunt wird, weil man ein paar Kilometer ohne fahrbaren Untersatz zurückgelegt hat, und Fußgänger eindeutig Vorrang haben.

Ein einziges Auto begegnet uns auf acht Kilometern, im Schneckentempo, und die Insassen entschuldigen sich gestenreich dafür, daß wir ausweichen müssen. Es ist ein Polizeiauto.

„Fußgänger haben Vorrang.“

 

 

 

Europa in drei Zügen

30. Oktober 2019

Wer nicht fliegt, muß daheim bleiben? Nö. Wir haben das ausprobiert. Ich wollte Berge, Herr L. Meer. Sehenswürdigkeiten und gutes Essen, bißchen wärmer, man muß in acht Tagen was davon haben und eben ohne Flug hinkommen. Die Wahl fiel auf die Atlantikküste, genauer gesagt den Golf von Biskaya, also das nördlichste Spanien: Baskenland. Da muß das Gepäck leicht sein, All inclusive heißt nur: die Reise selbst ist Teil des Urlaubs.

Da schaut man gern aus dem Fenster.

Von ein paar Städten in Deutschland aus gehen Züge nach Paris, die die Strecke in absurd kurzer Zeit schaffen. Wir haben den riskantesten Teil der Reise, nämlich den nach Karlsruhe, vorsichtshalber etwas früher angetreten – bei der DB weiß man nie – und so noch in der Stadt frühstücken können. (In Karlsruhe liegt übrigens dem Bahnhof direkt gegenüber der Zoo; das muß auch irgendwann mal erkundet werden.)

Der ICE/TGV nach Paris braucht zweieinhalb Stunden. Das ist fast wie Fliegen – die Landschaft rast vorbei, man sieht bei 310 km/h nicht viel davon. Am Gare de l’Est geht es in die Metro, dann am Bahnhof Montparnasse in den nächsten Zug. Hat man großzügig geplant, ist vorher noch Zeit für ein Mittagessen in einer der Seitenstraßen.

TGV Paris–Bordeaux: Wieder nur zweieinhalb Stunden; hier lohnt es sich, aus dem Fenster zu schauen, denn nach Süden verändern sich Land, Licht und Vegetation geradezu spektakulär. In Bordeaux dann Stadtbummel, ausgezeichnetes Abendessen und die erste Übernachtung. Fürs Frühstück braucht man nicht viel Zeit, café, croissant, fertig, und wieder in den Zug nach Hendaye. Diesmal mit Weile. Um Bayonne herum Berge; kurz nach Biarritz erste Sichtung des Meeres.

Hendaye ist der französische Grenzort. Noch bis vor kurzem wurde auf der spanischen Seite Irún angefahren. Aus unerfindlichen Gründen ist das nicht mehr so; der TGV endet in Hendaye, und die letzten Meter über die Grenze muß man mit der Tram nehmen. Das macht nichts, denn die erreicht gegen Mittag direkt unser nächstes Ziel: Donostia (San Sebastián). Hier kann man es zwei Tage gut aushalten, das Essen ist großartig, der Atlantik eine Wucht. Wir gehen spazieren, gucken und kehren bei Hunger in einer der zahlreichen Bars ein, Pintxos essen; das ist die baskische Variante von Tapas, kleine Kunst auf Spießen.

Mit dem Bus geht es dann nach Bilbao. (In Spanien versorgen regelmäßige Buslinien das ganze Land. Fernverbindungen muß man im Voraus buchen.) Bilbao ist durch ein paar gute stadtplanerische Entscheidungen zu einem sehr attraktiven Ort geworden mit dem Gehry-Bau des Guggenheim-Museums als Aushängeschild. Wir finden die Markthalle (mit frischen Meeres-Pintxos), die beste Bäckerei, Museen, allerhand Kirchen und ein paar Vororte in Richtung Meer; das alles mit Bussen, der städtischen Tram und der U-Bahn, die für wenig Geld die halbe Provinz erschließen.

Die Abreise ist noch nicht Ende des Urlaubs. Mit dem Bus gelangen wir über die Grenze bis Hendaye, wo wir Bootchen gucken und später auf dem Hauptplatz ein sehr gutes Mittagsmenü finden; in Bordeaux wissen wir schon vom letzten Mal, was wir sehen und was wir essen möchten, und am letzten Tag bringt uns der schnelle Zug nach Norden, mit Umstieg und Mittagspause in Paris (am Gare de l’Est gibt es eine brauchbare Markthalle, aber das ist auch schon das Freundlichste, was man über diesen Bahnhof sagen kann).

Erholt kommen wir zuhause an.

Fazit:

Frühes Buchen lohnt sich, aber dennoch ist die Reise mit dem Zug teurer als die mit dem Flieger. Das liegt auch daran, daß die Zusammenarbeit der Deutschen Bahn mit anderen europäischen Bahngesellschaften schon mal besser war. (Wäre ein eigenes Kapitel.)

Dieses Reisen in Stationen macht mir Freude; ich sehe, wie sich die Landschaft ändert, und gewinne Eindrücke von unterwegs. Mit kleinem Gepäck, etwas Recherche und Sprachkenntnissen (danke, Herr L.!) sind alle Wege lohnende Expeditionen. Wir hatten unsere Unterkünfte immer im Herzen der Stadt, so daß wir auch kurze Aufenthalte auskosten konnten.

Der Urlaub war vom Abschließen der Haustür bis zur Heimkehr geruhsam, weil wir immer genügend Luft eingeplant hatten. Falls mal was schiefgeht (wir hatten Glück); und weil es sich nach einer guten Mahlzeit angenehmer reist. Die unausweichliche Genervtheit, die mich auf Flughäfen befällt, blieb mir erspart; weniger Warten, weniger Plastik, und keiner hat mein Gepäck durchwühlt. Ein angenehmes Gleiten vom Alltag in die Ferien und wieder zurück.

Und überhaupt: Kein Geld tauschen, keine Kontrollen; einfach losziehen. Bei allen Eigenheiten der Regionen doch immer klar in Europa und somit auch zuhause sein, das ist toll.

 

 

 

Kanaldeckelrätsel

28. Oktober 2019

Mit Gruß an die Erfinderin und den Propagator: Im Pflaster welcher Stadt liegt dieser Deckel?

Wo ist das?

(Mit Gugel ist die Sache natürlich einfach.) Und ja, war schön.

Auflösung:

Dunklere Tage

16. Oktober 2019
tags:

Das Wetter: gemischt. Die Weltlage: schief, Tendenz fallend (und nach rechts). Die Aussichten: ungewiß im besten Fall.

All das Schlimme, Schwere und Schwierige – ich weiß nicht, was Du dazu sagen würdest. Das fehlt mir manchmal mehr als alles andere.

 

 

 

 

Freitagstexter: Pokal, einer nur

16. Oktober 2019

Es war eine erfreulich große Runde diesmal, jede einzelne Bildunterschrift wäre preiswürdig, und ich habe nur einen Goldeimer zum Weggeben – ihr seid gemein. Aber was muß, das muß. Unter Zuhilfenahme einer Tasse Kaffee habe ich beschlossen: der Pokal reist in den hohen Norden, wo Fjonka weiß, was ordnungsliebende Bürger mit so einer heruntergekommenen Immobilie anfangen würden.

„Immer datselbe mit die Ittaljeners, Else, die haben dat nit mit dat ordentlische. Wenn isch dat hier inne Hand hätte, dat säh hier abber anders aus!“

Eine Unterschrift der Kategorie Aus dem Leben; beim Lesen kehrt sich der Gang ganz von allein und füllt sich mit Läufern, schmiedeeisernen Lämpchen ausm Baumarkt und Plastikpalmen. Hu!

Ich danke allen, die lapidar, poetisch, ausufernd und phantasievoll getextet haben und hoffe, man sieht sich wieder beim

zwischen Bienen und Katzen!

Böhmische Kirchen

13. Oktober 2019

Es gibt eine ganze Stadt anzugucken, große Sache im Mittelalter, Innenstadt Welterbe; aber darüber hängen dichte Wolken. Die Nacht regnet es durch; morgens, auf der Zugfahrt, rinnt es die Scheiben herab, und am Bahnsteig in Kutná Hora steht das Wasser in Pfützen.

Unter aufgespannten Schirmen wandern wir in Richtung Zentrum: erst tropft es, dann prasselt, schließlich schüttet es auf das schnell durchweichte Dach; von allen Seiten sprüht es, und wehe, ein Auto fährt vorbei. Also: Kirchen gucken (Stücker drei). Und irgendwann, wirklich und unbedingt, wiederkommen für den Rest.

Kutná Hora, etwa eine Stunde von Prag entfernt.

Freitagstexter: Muß ja!

11. Oktober 2019

Sylvia hat gesprochen, der Pokal für Danebenbenehmen steht wieder bei mir; ich also in die Archive, gegraben und alte Bildchen abgestaubt, und hier wären wir nun. Meine Damen und Herren:

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Bitte betexten, nach alter Freitagstextersitte bis zum Dienstag, Schlag Mitternacht. Jedes Ergebnis des Betextungsprozesses bitte in den Kommentaren vermerken. Es muß nicht lustig, darf auch absurd, kann sogar auf den ersten Blick unverständlich sein – alle Kommentare werden in Betracht gezogen und am Mittwoch die Siegerin, der Sieger bekanntgegeben, die/der, wofern über ein eigenes Blog verfügend, dann die nächste Runde veranstaltet.

Wie üblich: Regeln beim Herrn Wortmischer. Infos auf Twitter. Erstkommentare schalte ich frei, sowie ich sie finde.

Frisch zu! Tut nicht weh, ist nur Text!