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Gehen; bleiben

1. Juli 2015
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Abends im Taxi über Land: Während Dein Vater sich vorn mit dem Fahrer unterhält, sitze ich auf der Rückbank, zur Mitte geneigt, daß ich im Scheinwerferlicht die Landstraße sehen kann. Ort nach Ort bleibt zurück mit vertrauten Namen und voller schlafender Geschichten, und da fehlst Du mir auf einmal wie schon lang nicht mehr. Der Schmerz sitzt immer noch an der bekannten Stelle.

Neues Land, neue Welten – nichts war Dir weit genug; fort wolltest Du. Dabei gefiel es Dir hier; die Hügel, die jetzt im Dunkel liegen, die sanfte Kargheit unter dem hohen Himmel, die weißgesäumten Wege früh im Jahr, das alles rührte Dich. Insofern war es wohl richtig, daß Du am Ende wiederkamst.

Nur die Geranien haben Dir nie gestanden; dieses Klein-Klein aus geharkten Wegen und poliertem Stein. Gras müßte es sein, wogendes Gras auf einem Hügel unterm freien Himmel. Das wäre nicht zu eng für Dich.

 

Bücher von Bloggern II

23. Juni 2015

Mein zweites Bloggerbuch ist, ganz standesgemäß, in einer Satteltasche zu mir gelangt; gelesen habe ich es allerdings am Küchentisch, im Warmen und Trockenen:

Jürgen Rink (Irgendlink): Schon wieder ein Jakobsweg, eBook 5,99 €; Paperback ISBN 978-3-844278-67-5, 104 Seiten, 9,95 €

“Schon wieder ein …” –? Jakobsweg kennt doch jeder, spätestens seit Kerkeling, da müßte man schon rückwärts auf Rollschuhen unterwegs sein …

Lob meiner Spülmaschine

20. Juni 2015

Das Wasser schwappt mir bis zum Ellenbogen.
Die Spülmaschine tat nicht, was sie sollte,
und spülte nicht so sauber, wie ich’s wollte:
nun tauch ich selber mit der Bürste in die Wogen

und schrubbe, was vom Nachtmahl auf den Tellern
verblieben, jenen allerletzten Rest,
der, schrubbte ich nicht jetzt, bald fest
an ihnen säße wie der Schwamm in Kellern.

Nach einer guten halben Stunde Frist
steht, wieder sauber und bereit, das Porzellan
im Schrank. Und diese halbe Stunde ist

vom Spülknecht mir ein tägliches Geschenk;
nur denk ich täglich selten noch daran.
Ein zarter Spülsaum legt sich um mein Handgelenk …

 

Nicht glänzend, aber selten – zu: Haushaltssonette. Wie hier und hier. Und hier — danke, Petra! –, hier und hier, aus der Art geschlagen, aber nicht minder reimfroh.
Wer mag mitspielen?

Bücher von Bloggern I

18. Juni 2015

In meiner Ecke vom Netz entstehen nicht nur fabelhafte Dinge, sondern sie werden auch gedruckt. Gelegentlich findet etwas davon den Weg zu mir. Drei Beispiele, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, habe ich gerade hier. Zum ersten:

Claudia Sperlich (kalliopevorleserin): Lass mich bekennen Deine Mandelblüte. Gedichte, Paperback,
ISBN 978-3-7323-1172-9, 120 Seiten, 6,99 €

Ein Buch mit christlichen Gedichten dürfte unerwartet sein in meinen Beständen; darum muß ich ausholen …

Schöne Sachen XXXVI

13. Juni 2015
Der Duft von Walnußlaub.

Der Duft von Walnußlaub.

Reisen. Und reisen lassen

7. Juni 2015

Ich lebe gern in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Es gibt Dinge, die besser funktionieren, wenn ich sie nicht machen muß — Politik, zum Beispiel, Gärtnern oder Reisen.

Ich verbinde “reisen” mit “müssen” und freue mich, wenn ich in meiner freien Zeit daheim bleiben darf. Trotzdem bin ich ein neugieriger Mensch. Wie gut, wenn das Reisen andere Menschen übernehmen und mich virtuell teilhaben lassen, wie der Herr Seume, der Herr Mühlenweg oder Irgendlink, der Pfälzer Künstler.

Zum Nordkap wird er wieder fahren, mit dem Fahrrad (würde ich nie machen!), und ich freue mich auf seine Texte und Bilder. Kostet auch gar nicht viel, wenn man als einer von vielen Lesern dabei sein möchte. (Nein, man muß nicht spenden. Ich habe es aber gemacht, weil ich will, daß solche Projekte möglich sind auch ohne Großsponsoren. Und weil es mir wichtig ist, etwas zurückzugeben für Dinge, die mein Leben bereichern.)

Ich hoffe, es wird eine Übung im Wahrnehmen, eine Lektion über Distanz und über Zeit und Ausdruck eines Kunstbegriffs, wie er mir in seiner Sperrigkeit sehr zusagt. Das für mich. Und für den Künstler: alles, was für eine gute Reise zu gebrauchen ist!

Runtergucken

6. Juni 2015

Die kleinste Landeshauptstadt der Republik ist nah am Wasser gebaut. Mittendrin, sogar; auf Pfählen, wie Venedig, bloß zwischen eiszeitlichen Seen. Wunderschön ist das; doch sollte man gelegentlich nach unten gucken. Sicherheitshalber. Gibt sonst leicht nasse Füße.

sn-pflaster sn-gaerten sn-park sn-cafe sn-see

(Fürs professionelle Runtergucken verfügt Schwerin über einen Fernsehturm mit Panoramacafé; bei dem flachen Land lohnen sich die hundertzehn Meter Höhe. Wer nicht schwindelfrei ist, dem sei für den Überblick Lütt Schwerin anempfohlen, ein hübsch skurriler Miniaturengarten im Maßstab 1:25 000.)

Wortgewänder

22. Mai 2015
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Oh, all die fließend-schönen Wortgewänder! Wohlgesetzte Worte, Widerworte, Wunderworte, Worte mit Knall und Hall und mit Raum für loses Spiel; spröde und schroff, sanft und präzise, funkelnd, schwarz. Mal umschmeichelt mich eine einzelne Wendung, manchmal hüllt es mich mächtig ein; manche packen mich umstandslos am Kragen. Hier glaube ich etwas wiederzuerkennen, dort scheint mir alles neu und nie gesehen. Schönes, Schmerzhaftes, schmerzhaft Schönes.

Oh, danach greifen!

Unter der Wortgewandung muß jemand sein, vielleicht mehr als einer, womöglich: eine Seele. Texte formen, verhüllen, lassen durchscheinen: Menschen, die ihre Sprache beherrschen oder von ihr beherrscht werden. Menschen, die eine Wahrheit suchen oder sie erfinden. Die die Welt verstehen oder an ihr verzweifeln.

Durchschaute ich diese Gewebe, ich fände: harmlos Zufriedene, Finstere, Kluge, Zweifelnde, Bedürftige, Liebenswerte, Selbstbezogene, Großmütige oder gekonnte Mischungen daraus. Vielleicht: den Schatten über meinen Tagen. Die große Liebe. Rühr mich nicht an. Nimm mich in den Arm. Völlig anders als gedacht. Oh, wie konntest du nur. Em Ende gar: Menschen, deren Worten ich auf halbem Weg entgegenkomme, und auf der Straße ginge ich ohne Blick an ihnen vorbei.

Da stehen sie nun, schimmernde Gestalten im Lichte meiner Gedanken. So aus der Ferne springt ihre Schönheit ins Auge; der Zauber aber liegt im Ungewissen, in den Schatten.

 

Beitrag zum Projekt *.txt (7: Fassade); entstanden auch mit Gedanken an J.

–> alle meine *.txte

 

Geschenkt

20. Mai 2015

Eigentlich wollte ich einen Text zu “Fassade” schreiben, aber mir kommen immer wieder Dinge dazwischen. Arbeit, Erledigungen. Und dann der Streik bei der Bahn.

Es ist nicht so, daß ich gar nicht betroffen wäre. Ich werde eine kleine Reise nicht antreten, das Meer nicht sehen, keine lieben Menschen wiedertreffen. Dennoch halte ich den Streik für richtig (schon was die Bahn AG es sich kosten läßt, die Forderungen der GDL abzuwehren, spricht dafür, daß er nötig ist) — aber darüber wurde und wird wahrhaftig genug geschrieben.

Für mich, ohne Auto, bedeutet ein Bahnstreik: massive Einschränkung meines Radius. Das heißt, ich muß Termine verlegen oder, wo ich sie nicht verlegen kann, viel Zeit für die Reise veranschlagen. Vorsichtshalber nehme ich zwei Bücher mit, und die Zeitung schaffe ich meist auch noch. Manchmal muß ich sagen: ich versuch’s, aber ich weiß nicht, ob ich es schaffe. Umgekehrt erwarte ich auch keine Pünktlichkeit, keine Lieferung innerhalb 24 Stunden. Und wenn’s nicht klappt, nun, dann wird sich eine andere Möglichkeit finden.

Nun arbeite ich in Bereichen, die nicht lebenswichtig sind; Termindruck wird da oft künstlich hergestellt und übertrieben. Überhaupt fällt mir auf: wir werden immer mehr auf instant gratification getrimmt. Sofort bestellt, am nächsten Tag nach Hause geliefert (hinter die erste abschließbare Tür) — drunter machen wir’s nicht. Schnell, billig, bequem. Den Belohnungsaufschub verlernen wir dabei zunehmend — und geben einen Teil unserer Autonomie dahin.

Insofern nehme ich die Verzögerungen und Einschränkungen als Geschenk, ein Geschenk der Langsamkeit, der Ideen. Statt der geplanten Reise werde ich rausgehen, zu Fuß, und meine nähere Umgebung erkunden. Ich freue mich schon sehr darauf.

 

Nachtrag: Nun also doch nicht, bzw. doch: gereist wird. Und die nähere Umgebung, na, die läuft ja nicht weg.

Mit Flügeln

17. Mai 2015

Nicht so weit, meint Herr G. und hat seine Gründe dafür, und er weiß ein handliches, hübsches Ziel: die Feldkapelle bei Wachendorf.

Eine Landmarke in der Eifel: die Bruder-Klaus-Kapelle.

Landmarke in der Eifel: die Bruder-Klaus-Kapelle.

Ordentlich Zug muß man fahren, tief in die Eifel hinein, und da ist sie schon, die Natur samt ihrer Grausamkeit: Auf dem Bahnsteig plustert sich ein Mönchsgrasmückenbub gegen all die Schuhe. Fliegen kann er noch nicht. Ein Reisender setzt den Jungvogel etwas beiseite, doch schon kommt ein Rollkoffer, haarscharf das Ganze, nicht anzusehen — und so nimmt Herr G. den Kleinen an sich und trägt ihn behutsam aus dem Schußfeld, unter dem Gezeter der Altvögel. Passieren ja schlimme Dinge, wie man liest.

Die Eifel dann: eine Augenweide …

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